Seminolen

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Wohngebiet
Ehemaliges Stammesgebiet der Seminolen und erstes Reservat (1838), ihre Umsiedlungsroute und Gefechte mit indianischer Beteiligung im Südosten der USA zwischen 1811 und 1847.
Systematik
Kulturareal: Südosten
Sprachfamilie: Muskogee-Sprachen
Sprache: Seminolische Sprache
Stammesgruppe: Seminolen
Stamm, Volk: Seminolen
Synonyme
Seminole

Die Seminolen sind ein Indianervolk Nordamerikas. Im 17. und 18. Jahrhundert bildeten sie mit verschiedenen anderen Stämmen in Georgia und Alabama die Creek-Konföderation, wanderten dann aber nach Florida. Die ursprüngliche Sprache ist ein Dialekt der Muskogee-Sprache (siehe Seminolische Sprache), die 1990 noch von 6.200 der ca. 20.000 Creek und Seminolen gesprochen wurde.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Das Gebiet des heutigen Florida wurde vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert unter anderen von den indigenen Völkern der Apalachee, Caloosahatchee, Timucua, Ais, Calusa, Jaega, Mayaimi, Tequesta und Tocobaga besiedelt.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die indianischen Völker Floridas durch die von Europäern eingeschleppten Krankheiten und Kriege mit den spanischen Eroberern stark dezimiert. Die überlebenden Indianer wurden 1763, als Spanien Florida vertraglich an Großbritannien abtreten musste, von den Spaniern nach Kuba gebracht.

Während des 18. Jahrhunderts wanderten Angehörige der unteren Muskogee, die sich im Konflikt mit den Oberen Muskogee befanden, zunehmend in das entvölkerte nördliche Florida ein. Ihnen folgten Angehörige der Hitchiti und Miccosukee, sowie einige Mitglieder anderer Stämme des Südostens der heutigen USA. Vor allem nach dem Yamasee-Krieg (1715−1717) kam es zu einer Einwanderung der Yamasee und Yuchi, die sich auf der Flucht vor den vordringenden englischen Kolonisten aus dem heutigen South Carolina und Georgia befanden. Zu den Indianern kamen noch einige entlaufene Sklaven und ein paar Europäer.

Diese neu entstandene Bevölkerung wurde von den Spaniern aus St. Augustine als „cimarrón“ bezeichnet, das „Wilde Menschen“ oder „Flüchtlinge“ bedeutet. In der Sprache der Muskogee entwickelte sich daraus „simano-li“, wovon sich die Bezeichnung „Seminole“ oder „Seminolen“ herleitet.

[Bearbeiten] Seminolenkriege

→ Hauptartikel: Seminolenkriege

Osceola, Häuptling der Seminolen von George Catlin

Die Seminolen und die USA führten insgesamt drei Kriege gegeneinander: Der erste dauerte von 1817–1818, der zweite von 1835–1842 und der dritte von 1855–1858. Die letzten beiden Kriege waren für die USA äußerst kostspielig.

Zum ersten Krieg kam es 1817–1818, als General Andrew Jackson von Georgia nach Florida, das damals unter spanischer Herrschaft stand, einmarschierte, um entlaufene schwarze Sklaven, die sich zu den Seminolen geflüchtet hatten, einzufangen. Die Seminolen wurden besiegt und nach Süd- und Mittel-Florida in ein Reservat umgesiedelt. 1819 verkaufte Spanien Florida gegen einen geringen Betrag an die USA. Andrew Jackson wurde Militärgouverneur von Florida. In den 1820er und 1830er Jahren kamen viele weiße Siedler nach Florida. Die Situation der Seminolen verschlechterte sich immer mehr; sie mussten kontinuierlich Land an die weißen Siedler abtreten und sich in die Wildnis der Everglades zurückziehen. Präsident Andrew Jackson unterzeichnete 1830 den Indian Removal Act, in dem festgelegt wurde, dass alle Indianer östlich des Mississippi Rivers nach Westen umsiedeln mussten, so auch die Seminolen Floridas (siehe Indianer-Umsiedlung).

Unter der Führung von Osceola stellten sich die Seminolen 1835 zum zweiten Mal den USA. Die Indianer waren zunächst erfolgreich, da sie sich durch einen Guerillakrieg die Sümpfe und natürlichen Gegebenheiten nutzbar machen konnten. Die amerikanische Armee geriet durch Unkenntnis der Umgebung oft in die Defensive. 1837 konnte sie aber Osceola gefangen nehmen und nach Fort Moultrie in South Carolina bringen, wo er starb. Seine Stammesgenossen führten den Krieg unvermindert weiter. 1840 änderte die amerikanische Armee ihre Taktik. Sie vermied den direkten Feindkontakt und zerstörte stattdessen die indianischen Vorräte für den Lebensunterhalt. Nach etwa sechs Monaten gaben immer mehr Seminolen auf, worauf sie in ein Reservat im Indianer-Territorium deportiert wurden. 1842 waren nur noch ein paar hundert Seminolen in den unzugänglichen Teilen der Everglades übrig. Die amerikanische Armee hatte kein Interesse mehr, den Krieg fortzuführen und zog sich zurück.

1855 kam es zu einen Aufstand der verbliebenen Seminolen, in dessen Verlauf weitere 163 Stammesangehörige nach Oklahoma deportiert wurden. Die restlichen Seminolen konnten in Florida bleiben. Sie betrachten sich als einziger Indianerstamm Nordamerikas, der von den weißen Eroberern nicht gänzlich besiegt wurde. Einen Friedensvertrag mit der US-Regierung haben sie erst 1931 unterzeichnet.

[Bearbeiten] Zeitgenössisches Leben

Seminolenhäuptling Grizzly Bear


Die Seminole Nation of Oklahoma hat etwa 6.000 eingeschriebene Mitglieder in 14 Stämmen. Zwei dieser Stämme werden als freedman bands von Nachfahren entlaufener schwarzafrikanischer Sklaven, den Schwarzen Seminolen, gebildet, die sich mit den Seminolen assoziiert hatten. Sie leben dort in enger Nachbarschaft zu den Creek, die die gleiche Sprache sprechen.

In Florida existieren fünf weitere Reservate. Die Florida-Seminolen leben von der Landwirtschaft, dem Fischfang, der Jagd sowie vom Tourismus. Viele wohnen noch immer in strohgedeckten, an den Seiten offenen Pfahlhäusern (Chickees) und tragen mit verschiedenen Applikationen versehene Patchworkkleidung. Nach dem Bürgerkrieg wurde das Reservat der Oklahoma-Seminolen verkleinert. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie dazu gezwungen, ihr traditionelles Gebiet in einzelne Parzellen aufzuteilen und den Rest an die Vereinigten Staaten abzugeben. Dieses Land wurde 1889 zur Besiedelung durch weiße Einwanderer freigegeben. Viele Seminolen waren Baptisten, aber sowohl die Florida- als auch die Oklahoma-Gruppen hielten an ihren traditionellen Muskogee-Riten fest.

Die Seminolen in Florida waren 1979 der erste Stamm, der auf dem Territorium seines Reservats das Angebot von Glücksspielen als Einnahmequelle etablierte (vgl. Indianerkasino) und eine Bingo-Halle errichtete. Diesem Beispiel folgend eröffneten auch eine Reihe weiterer Stämme Kasinos, da die Reservate nicht den Steuer- und Glücksspielgesetzen der Bundesstaaten unterliegen. Ende 2006 kauften die Florida-Seminolen für 490 Millionen Englische Pfund (etwa 727 Mio. Euro) die britische Restaurantkette Hard Rock Cafe inklusive der unter diesem Markennamen betriebenen vier Hotels, zwei Kasinos und zwei Konzerthallen sowie über 70.000 Dekorationsgegenständen, wie Instrumente oder andere Erinnerungsstücke aus der Geschichte des Rock.[1]

[Bearbeiten] Verfilmung

1971 drehte die DEFA den Film Osceola - Die rechte Hand der Vergeltung, der den Beginn der Seminolenkriege und den geschichtlichen Hintergrund darstellt. Der Versuch der Seminolen, friedlich mit den weißen Amerikanern zusammenzuleben, das Verhältnis von Indianern und Schwarzen, sowie das Leben Osceolas werden auf der Basis von geschichtlichen Überlieferungen wiedergegeben.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • William Thomas Hagan: American Indians, University of Chicago Press 1993, ISBN 0226312372
  • Edwin C. McReynolds: The Seminoles, University of Oklahoma Press 1957, ISBN 0806112557

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Tagesschau.de: Indianerstamm übernimmt "Hard Rock Cafes", 7. Dezember 2006

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Seminole – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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