Sklaverei
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Sklaverei ist der Zustand, in dem Menschen ihrer persönlichen Freiheit beraubt und als Sache, Ware und Eigentum anderer behandelt (zu Sklaven gemacht – versklavt) werden.
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Etymologie
Das Wort „Sklave“ hat verschiedene mögliche Wurzeln: Es wird vom griechischen Verb skyleúo („Kriegsbeute machen“, 1. Person Singular skyláo)[1] oder vom lateinischen sclavus für die ethnische Gruppe der seit dem Mittelalter so genannten Slawen – rumänisch şchiau – abgeleitet. Einige Autoren neigen dazu, es in den Kämpfen der Ottonen gegen die Slawen im 10. Jahrhundert entstanden zu sehen.[2]
Der in mittelalterlichen arabischen Quellen verwendete Begriff Saqaliba صقالبة / ṣaqāliba /„Slaven“ bezieht sich ebenfalls auf Slawen und andere hellhäutige bzw. rötliche Völker Nord- und Mitteleuropas. Die Bezeichnung al-Ṣaḳāliba (sing. Ṣaḳlabī, Ṣiḳlabī) ist dem mittelgriechischen Σλάβος entlehnt, das mit der slavischen Selbstbezeichnung Slovĕnin in Verbindung steht. Wegen der großen Zahl slawischer Sklaven hat das Wort in mehreren europäischen Sprachen die Bedeutung "Sklave" angenommen (engl. slave, it. schiavo, franz. esclave), so auch im Spanien der Umayyaden, wo Ṣaḳāliba alle fremden Sklaven bezeichnete.
Definitionsansätze
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Sklaven stammen in der Regel aus anderen Ländern, werden ihrer Ethnie und ihrer Familie entrissen und in andere ihnen völlig fremde ethnische, sprachliche und soziale Umfelder verpflanzt. Sie stehen außerhalb des Rechts, sind zur Ware verdinglicht und werden willkürliche Verkaufs- und Wiederverkaufsgegenstände.[3] Die Freiheitsberaubung versklavter Menschen geht also in der Regel mit physischer und/oder institutioneller Gewalt einher. Sie kennzeichnet den Sklavenhandel und bedeutet den Verlust aller mit Geburt und Genealogie verbundenen Ansprüche und Identifikationsmöglichkeiten (natal alienation) sowie der Menschenwürde.[4]
Sklaverei dient dort, wo sie eine Gesellschaftsstruktur bestimmt, meist der wirtschaftlichen Ausbeutung und Aufrechterhaltung einer Klassengesellschaft.
Der Begriff in der Theorie des Marxismus
In der Gesellschaftstheorie des Marxismus und Leninismus wird unter „Sklaverei“ eine ökonomische Gesellschaftsform verstanden, die auf dem Eigentum des Sklavenhalters an den Produktionsmitteln (Nutzflächen, Maschinen usw.) und an den unmittelbaren Produzenten (Sklaven) beruht. Karl Marx, der die Sklaverei für die roheste und primitivste Form der Ausbeutung und den Gegensatz zwischen Sklaven und Sklavenhalter für einen archaischen Klassengegensatz hielt, bezog den Begriff Sklavenhaltergesellschaft ausschließlich auf die antiken Gesellschaften. Marx beschrieb jedoch auch, wie als Überbauphänomen der Sklaverei politische, juristische und philosophische Anschauungen entstanden, die den Sklavenhaltern als Machtinstrument dienten.[5]
Allgemeines
Auf Sklaverei beruhende Gesellschaftsformen waren bis zum 19. Jahrhundert weltweit verbreitet. Indessen dauert Sklaverei trotz ihres Verbotes auch im 21. Jahrhundert stellenweise fort. Das kann daran liegen, dass den Sklaven unter unterschiedlichsten Bezeichnungen in verschiedenen Kulturen ein je besonderer Status in den sozialen Umfeldern zukam und zukommt, weil Gesellschaften in sich hochkomplexe Gebilde sind. Der französische Anthropologe und Islamkenner Malek Chebel kommt zum Beispiel in einer neuen Untersuchung zur Sklaverei in der islamischen Welt auf eine Schätzung von 21 bis 22 Millionen Sklaven, die im Laufe von 14 Jahrhunderten als kriegsgefangene Slawen, Konkubinen, Diener, Sklaven aus Afrika oder im Mittelmeerraum erbeutete Christen ihre Freiheit verloren. Chebel zählt zu den Millionen auch die in den Golfstaaten gegenwärtig tätigen Philippinos, Inder und Pakistaner, die dort ihre Menschenrechte verlieren, berücksichtigt aber zum Beispiel ausdrücklich nicht afrikanische Minderheiten im Maghreb, in der Türkei, im Iran oder in Afghanistan.[6]
Obwohl die Sklaverei heute in allen Staaten der Welt offiziell als abgeschafft gilt, zeigen sich Schwierigkeiten, sich dem Thema zu stellen. Das betrifft nicht nur die islamische Welt, sondern kennzeichnet auch den europäischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit. So stellt der französische Mediävist Jacques Heers fest, dass Sklaverei als offenkundige Tatsache neben der bäuerlichen Leibeigenschaft trotz einiger ihr gewidmeten Studien im Mittelmeerraum in den gegenwärtigen Mittelalterdarstellungen kaum vorkomme, und das mehr oder weniger absichtlich.[7] Kein Ruhmesblatt fällt auch in dieser Hinsicht auf die Epoche der Aufklärung. So machte der bis 2001 an der Sorbonne lehrende französische Philosoph Louis Sala-Molins anlässlich des zweihundertsten Jahrestages der Französischen Revolution darauf aufmerksam, dass keinem der Aufklärer – weder Condorcet, Diderot, Montesquieu oder Rousseau – an der Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien gelegen war. Sala-Molins hält die Einstellung zur Sklavenfrage und zu den Schwarzen für den entscheidenden Schwachpunkt im aufklärerischen Anspruch auf die als universell propagierten Menschenrechte.[8] So war auch der 1685 unter Ludwig XIV. für die Kolonien erlassene und dort bis 1848 ohne Unterbrechung für 163 Jahre geltende Code Noir der Vergessenheit anheim gefallen, bis er von Sala-Molins 1987 als „monströsester Text der Moderne“ wiederveröffentlicht wurde.[9]
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte der Sklaverei
Die durch Gesetzestexte dokumentierte Geschichte der Sklaverei beginnt in den ersten Hochkulturen der Antike. Üblich war dort die Versklavung von Kriegsgefangenen; deren Nachfahren blieben aber ebenfalls unfrei. Weite Verbreitung fand die Sklaverei in Mesopotamien, Ägypten, Palästina, Griechenland und Rom. In den griechischen Stadtstaaten, wo Sklaven in großer Zahl in der Haus- und Landarbeit eingesetzt wurden, entstand mit dem Aufstieg des Handels die Schuldknechtschaft, bei der nicht zahlungsfähige Schuldner bei ihrem Gläubiger in sklavereiähnliche Abhängigkeit fielen. Die Schuldknechtschaft war auch in Rom verbreitet, mit der Ausdehnung der römischen Eroberungskriege wurden dort jedoch in zunehmendem Umfang Kriegsgefangene versklavt. Sowohl in Griechenland als auch in Rom konnten freigelassene Sklaven das Bürgerrecht erlangen.
Im frühen Mittelalter trieben Turkvölker wie die Chasaren und germanische Völker wie die Waräger und die Wikinger im europäischen und orientalischen Raum Handel mit Kriegsgefangenen und Sklaven. In Sachsen und im Ostfrankenreich entstand nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Slawen ein gut organisierter und sehr umfangreicher Handel mit slawischen Sklaven. Mit der Christianisierung ging die Sklaverei in hochmittelalterlichen Mitteleuropa, wo es Christen verboten war, andere Christen als Sklaven zu verkaufen oder zu erwerben, zurück. Südlich der Alpen – etwa in den italienischen Seerepubliken, im Schwarzmeerraum, auf dem Balkan und in Ägypten – wurden Sklaven jedoch weiterhin in großem Umfang gehandelt.
In der Neuzeit nahm die Sklaverei einen erneuten Aufschwung mit der Ausdehnung des europäischen Seehandels und der Errichtung überseeischer Kolonien. Diese waren in vielen Fällen nur dünn besiedelt, sodass für den Aufbau der Wirtschaft afrikanische Sklaven eingeführt wurden, auf deren Arbeitskraft die Ökonomie dieser Kolonien jahrhundertelang weitgehend basierte. Die weltweit führende Sklaven handelnde Nation war bis ins 19. Jahrhundert Portugal. Allein nach Brasilien wurden von portugiesischen Kaufleuten in der Neuzeit mehr als 3 Millionen afrikanischer Sklaven verkauft. Es gab freilich kaum eine europäische Seehandelsmacht, die am internationalen Sklavenhandel nicht beteiligt war; dies schließt nicht nur spanische, britische, französische und holländische, sondern auch dänische und brandenburgische Kaufleute ein.
In vielen außereuropäischen Kulturen war Sklaverei traditionell verbreitet, beispielsweise bei den nordamerikanischen Indianern und in Westafrika.
Vom späten 18. Jahrhundert an wurde die Sklaverei weltweit allmählich abgeschafft. Seit 1968 bestehen in keinem Land der Erde für Sklavenhandel und Sklaverei mehr gesetzliche Grundlagen. Die formale Abschaffung der Sklaverei führte jedoch nur in den seltensten Fällen zu einer effektiven gesellschaftlichen Gleichstellung der früheren Sklaven. Besonders gut dokumentiert ist diese Kontinuität der Abhängigkeit im Falle der Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Sklavereiähnliche Formen der Unterwerfung von Menschen sind jedoch immer wieder selbst in solchen Kulturen beschrieben werden, in denen Sklaverei im engen Sinne keine Tradition besitzt; so etwa die Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus.
Moderne Formen der Sklaverei und sklavereiähnliche Abhängigkeiten
Im April 2006 veröffentlichte Terre des hommes Zahlen, nach denen mehr als 12 Millionen Menschen als Sklaven betrachtet werden müssen. Diese Zahlen wurden später von Seiten der Vereinten Nationen bestätigt. Davon seien etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. Es handelt sich um Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit.[10] In Indien, Bangladesch und Pakistan leben demnach die meisten Zwangsarbeiter. Auch in den Industrieländern leben insbesondere Frauen als Zwangsprostituierte unter sklavenähnlichen Umständen. Darüber hinaus werden im Baugewerbe, in Haushalten und in der Landwirtschaft Arbeitskräfte illegal ohne Rechte beschäftigt. In Mitteleuropa sind Einzelfälle von sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen bekannt. So hielt sich der jemenitische Kulturattaché in Berlin, der Diplomatische Immunität genoss, jahrelang eine unbezahlte Hausangestellte unter sklavenähnlichen Bedingungen.[11]
Verdingung in der Schweiz und anderen Staaten Mitteleuropas
In der Schweiz und anderen Staaten Mitteleuropas (u. a. Österreich) konnten von 1800 bis zu Mitte des 20. Jahrhunderts Interessierte, vor allem Bauern, auf einem Markt „Verträge“ mit sog. Verdingkindern (häufig Waisen- sowie Scheidungskinder) abschließen. Solche Märkte erinnerten laut Augenzeugenberichten an klassische Sklavenmärkte, wo „man wie Vieh abgetastet wird“, ehe man sie kaufte. Die Verdingkinder mussten ihre Kindheit häufig unter misslichen Bedingungen verbringen, hatten keinerlei Rechte, vielmals wurde sogar der eigentlich obligatorische Schulunterricht erschwert oder unterbunden. Auch körperliche Misshandlungen waren nicht selten. Solche Kinder wurden häufig zu schwerer körperlicher Arbeit eingesetzt, erniedrigt sowie vergewaltigt. Die eigentlich zuständigen Behörden versagten vielmals in ihrer Aufsichtspflicht. Heute leben noch Tausende von ehemaligen Verdingkindern; eine offizielle Anerkennung der misslichen Umstände oder eine Entschuldigung der zuständigen Behörden lässt immer noch auf sich warten.
Brasilien
Im nördlichen brasilianischen Bundesstaat Pará werden regelmäßig Großgrundbesitzer bei der Beschäftigung von Sklavenarbeitern gefasst. Kirchliche und Menschenrechts-Vertreter, die diese Missstände bekämpfen, werden mit dem Tode bedroht. In einer jährlich in allen Tageszeitungen veröffentlichten schwarzen Liste (Lista Negra) stehen 50 brasilianische, teilweise prominente (Groß-) Unternehmen, die Menschen durch unbezahlte Sklavenarbeit ausbeuten. Die Rekrutierung erfolgt überregional. Die weite Verbreitung von Feuerwaffen ermöglicht die gewaltsame Hinderung der Flucht von den bis zu einigen tausend Quadratkilometer großen Fazendas, auf denen in letzter Zeit heimliche Friedhöfe entdeckt wurden. Durch Korruption werden Gerichtsprozesse be- und teilweise bis zur Verjährungsgrenze verhindert. Eine Grundgesetzänderung, die betroffenen Fazendas mit der Enteignung gedroht hätte, wurde durch eine starke Lobby im Senat verhindert.
Oft werden Sklaven zur Arbeit auf Plantagen benutzt und müssen so hart arbeiten, dass viele Sklaven Selbstmord begehen. Sklavinnen werden häufig misshandelt oder an Bordelle verkauft. Die Sklaven sind der Willkür ihres „Besitzers“ völlig ausgesetzt. Wenn einem Sklaven die Flucht gelingt, kann er auch nicht zur Polizei gehen, denn diese ist so schlecht bezahlt, dass sie sich von den Großgrundbesitzern bestechen lässt und den Geflüchteten an den Großgrundbesitzer verrät. In vielen Fällen lassen Großgrundbesitzer ihre Sklaven töten, wenn sie eine Bezahlung oder die Freiheit verlangen.
Zwangsprostitution
Menschenrechtsorganisationen setzen sich dafür ein, dass die Zwangsprostitution rechtlich als Sklaverei und somit als Menschenrechtsverletzung behandelt wird. Hiervon sind auch die demokratischen Staaten Mitteleuropas betroffen, wo z. T. die bestehenden Rechtsvorschriften unzulänglich umgesetzt werden.
Der Europarat verurteilt und kriminalisiert jegliche Art der Sklaverei nach Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Doch auch heute noch können Menschen in Situationen gelangen, die mit dem Zustand der Versklavung zu vergleichen sind. Ein Beispiel dafür ist der kriminelle Menschenhandel und das Festhalten von Frauen zur sexuellen Ausbeutung. Insbesondere seit dem Zusammenbrechen des Kommunismus in Osteuropa und der andauernden Instabilität im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien nimmt die erzwungene Prostitution von Frauen und Mädchen große Ausmaße an [12].
Kindersoldaten
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Auch der Missbrauch von Kindern als Kindersoldaten wird von Menschenrechtsorganisationen als Sklaverei angeprangert.
Ideologische Begründungen
In fast allen Epochen wurde das Halten von Sklaven auch ideologisch untermauert. Die Griechen teilten die Menschheit in Griechen und Barbaren ein, und es schien nur gut und gerecht, Barbaren zu Sklaven zu machen. Aristoteles behauptete, dass einige Menschen einfach von Natur aus Sklaven seien[13] und es besser für sie sei, überlegenen Menschen als Sklaven zu dienen. Cicero spricht später von Juden und Syrern als „Menschen, die zu Sklaven geboren wurden“, und er meint, dass es einigen Nationen gut tue, wenn sie sich in einem Zustand totaler politischer Unterwerfung befinden. Vor allem die Ansichten von Aristoteles wurden auch später benutzt, um der Sklaverei eine ideologische Begründung zu geben.
Im Christentum wurde die Sklaverei als Institution erst spät verurteilt. Die neutestamentlichen Schriften gehen von der Existenz von Sklaven als Teil der gottgewollten Ordnung aus, in der die Menschen eben unterschiedliche Status innehaben und sich damit arrangieren müssen, wollen sie Gottes Willen nicht zuwiderhandeln. Im Mittelalter kam für Sklaverei und Sklavenhandel das Argument hinzu, dass damit die Christianisierung von Heiden gefördert werde. Mit den päpstlichen Bullen Dum Diversas (1452) und Romanus Pontifex (1455) wurde es Christen erlaubt, Sarazenen, Heiden und andere Feinde des Christentums zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen.[14]. Im Fall der dalmatischen fante, deren Unfreiheit zeitlich begrenzt war, wurde betont, dass einige Jahre in sklavenähnlichem Arbeitsverhältnis notwendig seien, damit sie ausreichend Zeit zum Lernen hätten.
1510 wurden die Theorien von Aristoteles zum ersten Mal von dem schottischen Gelehrten John Major auf die amerikanischen Indianer angewendet.[15] Erst 1537 wurde mit der Bulle Sublimus Dei festgestellt, dass andere, nicht europäische Ethnien, z. B. Indianer, echte Menschen seien mit der Befähigung, den katholischen Glauben zu verstehen. Nun wurde es verboten, ihnen die Freiheit und ihren Besitz zu nehmen. Doch noch im 19. Jahrhundert wurden entgegengesetzte Ansichten vertreten. George Fitzhugh etwa publizierte 1854 ein Buch, in dem er sagte: „Einige Menschen sind mit einem Sattel auf dem Rücken geboren, und andere sind gestiefelt und gespornt, um diese zu reiten. Und es tut ihnen gut!“[16]
Formen der Sklaverei
Sklavengesellschaften und Gesellschaften mit Sklaven
Der amerikanische Historiker Ira Berlin, zu dessen Hauptwerk zwei Monografien über die Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten zählen, hat darauf hingewiesen, dass die Geschichtsschreibung zwischen zwei grundlegend unterschiedlichen Formen von Sklaverei unterscheiden müsse, nämlich zwischen „Sklavengesellschaften“ (engl.: slave societies) und „Gesellschaften mit Sklaven“ (engl.: societies with slaves).
Die Gesellschaft der Plantagenbesitzer der amerikanischen Südstaaten vor dem Sezessionskrieg sei eine typische Sklavengesellschaft gewesen, die sich von Gesellschaften mit Sklaven, wie sie z. B. in der griechischen und römischen Antike bestanden, charakteristisch unterscheide. Erstens beruhen in Sklavengesellschaften die zentralen Produktionsprozesse – im Fall der Südstaaten der Anbau von Zuckerrohr, Tabak, Reis und Baumwolle – auf der Arbeitskraft von Sklaven, während in der Ökonomie von Gesellschaften mit Sklaven Sklaven nur eine marginale Rolle spielen. Ein zweiter wichtiger Unterschied besteht darin, dass das Verhältnis „Herr – Sklave“ in Sklavengesellschaften Modellcharakter annimmt und auch auf alle sonstigen sozialen Beziehungen (Mann – Frau, Eltern – Kind, Arbeitgeber – Arbeitnehmer) übertragen wird; in Gesellschaften mit Sklaven ist dies nicht der Fall. Infolgedessen bilden die Sklavenhalter in Sklavengesellschaften die herrschende Klasse, während sie in Gesellschaften mit Sklaven nur einen Teil der – umfassenderen – begüterten Elite ausmachten.[17]
Unterscheidung von anderen Formen der Unfreiheit
Folgenden Formen der Unfreiheit und Ausbeutung werden von der Sklaverei unterschieden:
- Der Ausdruck Leibeigenschaft bezeichnet das Verhältnis zwischen einem Grundherrn und den Bauern, die gegen Pacht und Frondienste dessen Land bewirtschaften und von den Erzeugnissen dieser Arbeit leben dürfen.
- Bei der Schuldknechtschaft wird ein Arbeiter verpflichtet, unentgeltlich für eine bestimmte Zeit zu arbeiten.
- Apprenticeship oder Forced Apprenticeship ist die gerichtlich angeordnete Unterbringung von Kindern ehemaliger Sklaven im Haushalt eines „Lehrherrn“. Diese Übergangsform von Sklaverei und Freiheit war u. a. in den amerikanischen Südstaaten nach 1865 weit verbreitet.
- Als Zwangsarbeit wird eine Arbeit bezeichnet, zu der ein Mensch gegen seinen Willen und unter Androhung einer Strafe gezwungen wird.
- Charakteristisch für Lohnsklaverei ist die willkürliche Ausbeutung von Arbeitnehmern durch den Arbeitgeber.
Im Englischen sind zur deutlicheren Unterscheidung der Sklaverei von ähnlichen Formen der Unfreiheit die Ausdrücke „Chattel Bondage“ (Besitz-Knechtschaft) und „Chattel Slavery“ (Besitz-Sklaverei) verbreitet, die ausschließlich solche Formen der Unfreiheit bezeichnen, bei denen eine Person auch im juristischen Sinne – also mit expliziter Bestätigung durch den Gesetzgeber – als das Eigentum einer anderen Person betrachtet wird.[18]
Einzelnachweise
- ↑ F. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 2002, siehe „Sklave“
- ↑ Vgl. Malek Chebel, L’Esclavage en Terre d’Islam. Un tabou bien gardé, Fayard: Paris 2007, S. 35. ISBN 978-2-213-63058-8.
- ↑ Vgl. Jacques Heers, Esclaves et domestiques au Moyen Âge dans le monde méditerranéen, Hachette: Paris 1996, S. 7; ISBN 201-279335-5.
- ↑ O. Patterson, Slavery and Social Death, 1982, S. 35–101
- ↑ Georg Klaus, Manfred Buhr (Hg.): Marxistisch-Leninistisches Wörterbuch der Philosophie, Reinbek: Rowohlt, 1983, ISBN 3-499-16157-5, S. 1109
- ↑ Malek Chebel (2007), S. 91.
- ↑ Jacques Heers (1996), S. 7 f.
- ↑ Louis Sala-Molins, Les misères des Lumières. Sous la Raison l’outrage, Homnisphères : Paris 2008 (Wiederauflage der Erstausgabe von 1992), S. 22; ISBN 2-915129-32-0.
- ↑ Louis Sala-Molins, Le Code Noir ou le calvaire de Canaan, Quadrige / PUF: Paris 1987 (Neuauflage 2007); ISBN 978-2-13-055802-6.
- ↑ Die Zeit: Tod eines Sklaven 21. Februar 2008
- ↑ taz-Artikel 28 März 2008 Die Sklavin
- ↑ Sex Slavery is Big Business in Europe: Hundreds of Thousands of East European Women Sold For Sex, Europäische Union bringt „Drehscheibe des Menschenhandels“ in Schwung
- ↑ Politik I. 6
- ↑ Ronald Daus: Die Erfindung des Kolonialismus, Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 1983, ISBN 3-87294-202-6
- ↑ Lewis Hanke: Aristotle and the American Indians, A study in Race Prejudice in the Modern World, 1959, S. 14
- ↑ Sociology of the South, or the Failure of Free Society, Richmond 1854, S. 179
- ↑ Ira Berlin: Generations of Captivity: A History of African-American Slaves, Cambridge, London: The Belknap Press of Harvard University Press, 2003, ISBN 0-674-01061-2, S. 8f; ausführlicher wird die Genese von Sklavenhaltergesellschaften in den folgenden beiden Publikationen beschrieben: Richard S. Dunn: Sugar and Slaves: The Rise of the Planter Class in the English West Indies, 1624-1713, Chapel Hill, 1972; Richard B. Sheridan: Sugar and Slavery: An Economic History of the British West Indies, 1623-1775, Baltimore, 1973
- ↑ Types of Slavery; Chattel Slavery
Siehe auch
Literatur
Sachbücher
Überblicksdarstellungen
- Elisabeth Herrmann-Otto (Hrsg.): Unfreie Arbeits- und Lebensverhältnisse von der Antike bis zur Gegenwart. Eine Einführung. Olms, Hildesheim 2005, ISBN 3-487-12912-4.
- Orlando Patterson: Slavery and Social Death. A Comparative Study. Harvard UP, Cambridge/MA und London 1982. ISBN 0-674-81083-X.
Sklaverei der Gegenwart
- Kevin Bales: Die neue Sklaverei. Kunstmann, München 2001, ISBN 3-88897-264-7.
- Louise Brown: Sex Slaves. The Trafficking of Women in Asia. Virago Books, New York 2002, ISBN 1-86049-903-1.
Belletristik
- Henriette Anofa: Keine Zeit für Tränen. Mein Leben als Sklavin in Paris. Weltbild Verlag, Augsburg 2004, ISBN 3-8289-7604-2.
- Mende Nazer: Sklavin. Gefangen, geflohen, verfolgt. Droemer Knaur, München 2004, ISBN 3-426-62541-5
(autobiographische Geschichte einer Sklavin im Sudan)
Weblinks
- Sklaverei. In: Meyers Konversations-Lexikon. Bd. 14. 4. Aufl. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1885–1892, S. 1018
- Literaturverzeichnis
- Anti-Slavery International (Organisation gegen Sklaverei) (englisch)
- Free the Slaves (Organisation gegen Sklaverei)
- Mee – Biografie einer thailändischen Sexsklavin

