Sonaten und Partiten für Violine solo (Bach)
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Die Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001–1006), im Originaltitel „Sei Solo. a Violino senza Basso accompagnato.“ sind sechs Werke von Johann Sebastian Bach, die – sehr ungewöhnlich für die Zeit ihres Entstehens – auf jede Begleitung durch ein Tasteninstrument verzichten. Die Zusammenstellung umfasst drei Sonaten à vier Sätzen und drei Partiten. Bach verwendet in seiner Reinschrift die Gattungsbezeichnungen „Sonata“ und „Partia“. Weiter ungewöhnlich ist die polyphone Schreibweise, die Mehrstimmigkeit auf einem einzigen Instrument erzeugt.
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[Bearbeiten] Entstehung
Bach schrieb die Reinschrift 1720, während seiner Zeit als Kapellmeister in Köthen. Dennoch geht man heute davon aus[1], dass zumindest einzelne Frühfassungen bereits in Weimar (also 1708 bis 1717) entstanden. Bach nahm sich offenbar die 1696 veröffentlichten Solopartiten von Johann Paul von Westhoff zum Vorbild, der Mitglied in der Weimarer Hofkapelle war.
Das Heft enthält den Vermerk „Libro Primo“ („Erstes Buch“); es ist unbekannt, ob Bach die Cellosuiten als das zweite Buch ansah, oder ob er weitere Werke für Violine solo schreiben wollte oder sogar geschrieben hat. Von Westhoff jedenfalls hat je ein Buch mit sechs Sonaten und sechs Suiten veröffentlicht.
Wer der Musiker war, der die Sonaten und Partiten für Violine solo das erste Mal aufführte, ist unbekannt. Es gab Vermutungen, es seien die Violinvirtuosen Johann Georg Pisendel und Jean-Baptiste Volumier gewesen, auch Joseph Spieß, der Konzertmeister des Orchesters in Köthen wird angenommen, oder der mehr als passable Geigenspieler Johann Sebastian Bach selbst.
[Bearbeiten] Aufbau
Wie erwähnt, umfasst der Zyklus je drei Sonaten und drei Partiten. Die Sonaten folgen der Form einer Sonata da Chiesa, bestehen also aus je vier Sätzen in der Folge „langsam, schnell, langsamer, schneller“, wobei der zweite Satz jeweils eine vierstimmige Fuge ist.
Partiten sind Sammlungen von Tänzen. Nicht in allen findet man die typische Zusammenstellung der Standardtänze Allemande, Courante, Sarabande und Gigue: Die erste Partita ersetzt den Schlusssatz durch ein „Tempo di Borea“, die zweite Partita fügt eine Chaconne an, den wohl bekanntesten (und schwierigsten) Satz aus diesem Zyklus und zugleich wohl die bekannteste Chaconne überhaupt. Die dritte Partita ist mit den französischen Modetänzen „Loure“, „Gavotte“, „Menuet“ und „Bourrée“ am freiesten gestaltet.
[Bearbeiten] Wirkungsgeschichte
Einzelne Sätze bearbeitete Bach später auch für Laute, Cembalo oder Orgel. Den ersten Satz der E-Dur-Partita transponierte er auch nach D-Dur, arrangierte ihn für Orgel solo und fügte ein großbesetztes Orchester aus Streichern, Colla-parte-Oboen, drei Trompeten und Pauken hinzu – diese Bearbeitung bildet die Eingangssinfonia von Kantate 29 „Wir danken dir, Gott“.
Im Druck veröffentlicht wurden die Sonaten und Partiten erstmals 1843 von Ferdinand David. Teile davon wurden zum ersten Mal 1903 von Joseph Joachim auf Tonträger aufgenommen, das komplette Set wurde erstmals Mitte der 1930er Jahre vom jungen Geigenvirtuosen Yehudi Menuhin aufgenommen. Im Konzert bekannt wurden diese Werke vornehmlich durch Ferdinand David, der sie gelegentlich auch mit von Felix Mendelssohn Bartholdy hinzu improvisierter Klavierbegleitung darbot. Davon angeregt komponierte Robert Schumann ähnliche Klavierbegleitungen.
Johannes Brahms erstellte eine Klavierbearbeitung der d-Moll-Chaconne für die linke Hand, Ferruccio Busonis Fassung für beide Hände wurde schließlich die berühmteste und auch virtuoseste Klavierfassung. Beiden voraus gingen zwei Bearbeitungen für Soloklavier und für Orchester von Joachim Raff, der auch andere Sätze aus den Partiten für Klavier transkribierte. Bereits Bachs Schüler Johann Friedrich Agricola hatte 1775 berichtet: „Ihr Verfaßer spielte sie selbst oft auf dem Clavichorde, und fügte von Harmonie so viel dazu bey, als er für nöthig befand.“
[Bearbeiten] Einzelsätze
[Bearbeiten] Sonate I g-Moll, BWV 1001
- Adagio c g-Moll
- Fuga (Allegro) c g-Moll
- Siciliana 12/8 B-Dur
- Presto 3/8 g-Moll
[Bearbeiten] Partita I h-Moll, BWV 1002
- Allemanda c h-Moll
- Double ¢ h-Moll - Corrente 3/4 h-Moll
- Double 3/4 Presto h-Moll - Sarabande 3/4 h-Moll
- Double 9/8 h-Moll - Tempo di Borea ¢ h-Moll
- Double ¢ h-Moll
[Bearbeiten] Sonate II a-Moll, BWV 1003
- Grave c a-Moll
- Fuga 2/4 a-Moll
- Andante 3/4 C-Dur
- Allegro c a-Moll
[Bearbeiten] Partita II d-Moll, BWV 1004
- Allemanda c d-Moll
- Corrente 3/4 d-Moll
- Sarabanda 3/4 d-Moll
- Giga 12/8 d-Moll
- Ciaccona 3/4 d-Moll
[Bearbeiten] Sonate III C-Dur, BWV 1005
- Adagio 3/4 C-Dur
- Fuga ¢ (Alla breve) C-Dur
- Largo c F-Dur
- Allegro assai 3/4 C-Dur
[Bearbeiten] Partita III E-Dur, BWV 1006
- Preludio 3/4 E-Dur
- Loure 6/4 E-Dur
- Gavotte en Rondeaux ¢ E-Dur
- Menuet I 3/4 E-Dur
- Menuett II 3/4 E-Dur - Bourrée 2 E-Dur
- Gigue 6/8 E-Dur
[Bearbeiten] Einzelverweise
- ↑ Christoph Wolff, Johann Sebastian Bach, 2. Auflage 2007. S. Fischer, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-596-16739-5
[Bearbeiten] Weblinks
- Noten der 3 Sonaten und 3 Partiten im Werner Icking Music Archive
- Sonaten und Partiten für Violine solo (Bach): Freie Noten zum Herunterladen im International Music Score Library Project.

