Sozialwissenschaft
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Sozialwissenschaften (oft auch als Gesellschaftswissenschaften bezeichnet) umfassen jene Wissenschaften, die Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen theoriegeleitet untersuchen und empirisch ermitteln.
Es werden sowohl die Struktur und Funktion sozialer Verflechtungszusammenhänge von Institutionen und Systemen als auch deren Wechselwirkung mit den Handlungs- und Verhaltensprozessen der einzelnen Individuen (Akteure) analysiert.
Vereinzelt werden im deutschsprachigen Raum auch Studiengänge unter der Bezeichnung Sozialwissenschaft oder Sozialwissenschaften angeboten. Diese Studiengänge sind meist soziologischen Studiengängen ähnlich und betonen durch die Bezeichnung ihre interdisziplinäre Ausrichtung.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Umfang
Im weiteren Sinn zählen zu den „Sozial-“, oder „Gesellschaftswissenschaften“ folgende:
- Anthropologie (Sozial- und Kulturanthropologie) und Sozialphilosophie
- Demografie (Bevölkerungswissenschaft), empirische Sozialforschung
- Ethnologie (Völkerkunde) und Volkskunde (Europäische Ethnologie)
- Anthropogeographie
- Kunstwissenschaft, Kulturwissenschaft
- Medienwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Sprachwissenschaft
- Ökotrophologie (interdisziplinäres Studienfach der Haushalts- und Ernährungswissenschaften)
- Pädagogik/Erziehungswissenschaft, insbes. Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung, Andragogik, Altenbildung, Altenkunde (Geriagogik)
- Pflegewissenschaft
- Rechtswissenschaft (Jura) und (ehedem) Staatswissenschaften
- Religionswissenschaft, Religionspädagogik, Sozialethik
- Sozialgeschichte
- Sozialpsychologie
- Soziologie, Politikwissenschaft (Politologie)
- Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre)
[Bearbeiten] Abgrenzungen
In den Sozialwissenschaften werden wissenschaftliche Methoden verwendet, die mit denen der Natur- und denen der Geisteswissenschaften verwandt sind. Deshalb ist die Abgrenzung schwierig. Es gibt keine einheitlichen Regelungen jenseits der Traditionen derjenigen Institutionen, die die Begriffe verwenden.
[Bearbeiten] Zu den Naturwissenschaften
Der Begriff entstand einerseits in Abgrenzung zu den so genannten Naturwissenschaften, denen die Sozialwissenschaften sich jedoch in der post-positivistischen Richtung annähern.
Ein wesentlicher Unterschied wird hier darin gesehen, dass die Objekte der Naturwissenschaften die Prognosen der Naturwissenschaftler nicht zur Kenntnis nehmen können und also durch sie auch nicht beeinflusst werden. In den Sozialwissenschaften sind die Objekte der Forschung jedoch auch handelnde Subjekte, sie können sozialwissenschaftliche Prognosen (z. B. Wahlprognosen) zur Kenntnis nehmen und in dieser Kenntnis genau-das auch tun (selbsterfüllende Prophezeiung) oder genau-das nicht tun (selbstzerstörende Prophezeiung). Dadurch wird die empirische Prüfung sozialwissenschaftlicher Aussagen - z. B. durch Experimente - auf eine andere Weise schwierig, als es die naturwissenschaftliche Prüfung ist. Logisch wird diese Differenz z. B. in der Günther-Logik behandelt.
[Bearbeiten] Zu den Geisteswissenschaften
Unterscheiden lässt sich hier zwischen den eher auf Verstehen ausgerichteten Geisteswissenschaften und den stärker auch auf Erklären bedachten Sozialwissenschaften.
Angesichts der Tendenzen zum interdisziplinären Arbeiten ist diese Unterscheidung relativiert worden. Eine modernere Begriffsbildung fasst mit der Bezeichnung Humanwissenschaften alle Wissenschaften zusammen, die irgendeinen Aspekt der Menschen zum Untersuchungsgegenstand haben. Darunter fallen sowohl die Geistes- und Sozialwissenschaften als auch wenige Naturwissenschaften wie beispielsweise die Humanbiologie oder Medizin.