Sprachkontakt
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Sprachkontakt findet bereits statt, sobald eine Person zwei oder mehr Sprachen abwechselnd verwendet. Dies ist häufig durch geographische Nähe zu einer anderen Sprache bedingt. Deshalb ist ein wichtiger Aspekt von Sprachkontakt der Bilingualismus.
Interferenzen, das heißt Einflüsse einer Sprache auf eine andere, die sich aus Sprachkontaktsituationen ergeben, werden von der Kontaktlinguistik, einem benachbarten Gebiet der kontrastiven Linguistik, ebenso erforscht wie Integrationen, also die Ergebnisse der Einflüsse in der aufnehmenden Sprache. Dabei ist die Lexik die Sprachebene, die mit Lehnwörtern und Lehnprägungen besonders augenfällig ist; Interferenz- und Integrationserscheinungen gibt es allerdings auf allen Sprachebenen.
Zu allen Zeiten und in allen geographischen Räumen fand und findet Sprachkontakt statt. Wenn dabei eine der beteiligten Sprachen ein höheres „Prestige“ hat als die andere, kann Sprachkontakt zum Sprachwechsel führen. In diesem Fall wird die ursprüngliche Sprache zugunsten der zweiten aufgegeben. Der Sprachwechsel tritt besonders dann auf, wenn eine der Sprachgruppen politisch oder wirtschaftlich dominant ist. Die dominante Sprache wird dann meist auch von den Sprechern der nichtdominanten Sprachgruppe als Verwaltungs- oder Wirtschaftssprache benutzt und dringt später immer weiter in den alltäglichen Sprachgebrauch vor.
Wenn sich nicht nur einzelne, sondern größere Gruppen von Sprechern in einer Sprachkontaktsituation befinden, sind verschiedene Ergebnisse denkbar:
- die Ausbildung eines Sprachbundes.
- die Entstehung eines Adstrats, Substrats oder Superstrats. Ein Beispiel dafür ist das heutige Englisch, das von der romanischen Sprache Französisch stark beeinflusst wurde.
- die Entstehung eines Pidgin, das sich innerhalb einiger Generationen zu einer Kreolsprache weiterentwickeln kann.
[Bearbeiten] Literatur
- Stefan Michael Newerkla: Sprachkontakte Deutsch – Tschechisch – Slowakisch. Wörterbuch der deutschen Lehnwörter im Tschechischen und Slowakischen: historische Entwicklung, Beleglage, bisherige und neue Deutungen. Lang, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-51753-X
- Els Oksaar: Prinzipien und Methoden der sprachlichen Interferenz- und Transferenzforschung. In: Besch/ Reichmann/ Sonderegger (Hrsg.): Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (HSK). Berlin 1986, S. 662 - 669
- Els Oksaar: Terminologie und Gegenstand der Sprachkontaktforschung. In: Besch/ Reichmann/ Sonderegger (Hrsg.). Handbuch zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (HSK). Berlin 1986, S. 845 - 854
- Carlo Tagliavini: Einführung in die romanische Philologie. 2. Auflage. Francke, Basel/ Tübingen 1998, ISBN 3-8252-8137-X (UTB), ISBN 3-7720-2259-6 (Francke)
- Kurt-Erich Schöndorf: Sprachlich-literarische Beziehungen zwischen Niederdeutschland und Skandinavien im Mittelalter. In: Ergebnisse und Aufgaben der Germanistik am Ende des 20. Jhs. Festschrift für L. E. Schmidt zum 80. Geburtstag, herausgegeben von Elisabeth Feldbusch. Hildesheim 1989, S. 96 - 129
- Karl Wühren: Der Einfluß des Deutschen auf die skandinavischen Sprachen. In: Muttersprache. 1954, S. 448 - 459
[Bearbeiten] Weblinks
- „Kontaktdeutsch“ – Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit
- Deutsch im Kontakt von Sprachen und Kulturen

