Tartu
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| Tartu | |||
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| Staat: | |||
| Kreis: | |||
| Koordinaten: | 58° 22′ N, 26° 43′ O58.36666666666726.71666666666779Koordinaten: 58° 22′ N, 26° 43′ O | ||
| Höhe: | 79 m | ||
| Fläche: | 38,8 km² | ||
| Einwohner: | 102 414 (2008) | ||
| Bevölkerungsdichte: | 2640 Einwohner je km² | ||
| Zeitzone: | EET (UTC+2) | ||
| Kfz-Kennzeichen: | T | ||
| Bürgermeister: | Urmas Kruuse | ||
| Webpräsenz: | |||
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Tartu (deutsch: Dorpat, früher auch Dörpt; russisch Дерпт/Derpt, 11.–17. Jahrhundert, 1893–1918 Юpьeв/Jurjew) ist Estlands zweitgrößte Stadt und Sitz der Universität Tartu. Sie liegt beiderseits des Flusses Emajõgi (deutsch Embach). Die Betonung der Bezeichnungen Dorpat und Tartu liegt auf der ersten Silbe.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung Tharbatas datiert aus dem Jahre 1030. Der warägische Großfürst von Kiew, Jaroslaw der Weise, zerstörte im Jahre 1030 eine von damaligen, vermutlich ebenfalls finnougrischen Einwohnern errichtete Holzfestung und errichtete unter dem Namen Jurjew (Nach Juri, dem Taufnamen Jaroslaws) eine Festung. Im Jahre 1224 wurde die Estenburg Tharbatum durch den Schwertbrüderorden erobert. Sie wurde Sitz des Bischofs (bis 1558); vor der Burg entwickelte sich seit dem 13. Jh. die Hansestadt. Im Mittelalter war Dorpat ein Bindeglied zwischen den Hansestädten (insbesondere Reval) und den russischen Städten Pleskau (Pskow) und Nowgorod.
Ein Großfeuer zerstörte 1775 nahezu die gesamte Innenstadt. Die markantesten älteren Gebäude stammen aus dem 18. und vor allem aus dem 19. Jahrhundert. Nachdem das vorherige Rathausgebäude einem Brand zum Opfer fiel, wurde im 18. Jahrhundert das derzeitige Rathaus vom damaligen Stadtbaumeister, dem aus Rostock stammenden Johann Heinrich Bartholomäus Walter, entworfen und 1789 fertig gestellt.
Zwischen 1893 und 1918 wurde die Stadt im Zug der Politik der Russifizierung offiziell in Jurjew umbenannt, und die Verwendung des estnischen und deutschen Namen war teilweise sogar verboten. Der russische Name setzte sich aber nicht durch, nicht einmal im Russischen. Nach der Unabhängigkeit Estlands 1918 wurde der Name „Tartu“ offiziell. Sowohl Dorpat als auch Tartu stammen aus dem altestnischen Namen Tarbata, der vielleicht Auerochs bedeutet.
[Bearbeiten] Universität
Tartu ist eine typische Studentenstadt, dominiert von der 1632 von König Gustav II. Adolf gegründeten Universität Dorpat, die 1802 von Deutschbalten mit Hilfe Zar Alexanders als einzige deutschsprachige Universität des Russischen Zarenreiches neu gegründet wurde. In dieser Eigenschaft wurde sie zu einer Mittlerin zwischen der russischen und der deutschen Kultur, gleichzeitig aber auch zum Geburtsort der estnischen und lettischen nationalen Erweckung. Die estnischen Nationalfarben waren ursprünglich die der Studentenverbindung „Verein Studierender Esten“ an der Universität. Während der Jahre 1886 bis 1889 fand eine kompromisslose Russifizierung statt, in deren Zuge Deutsch von Russisch als Lehrsprache abgelöst wurde, weshalb die Mehrzahl der einstmals zu über 90% deutschen Lehrkräfte nach Deutschland wechselte. Nach 1919 wurde der in Tartu verbliebene Teil der Universität Nationaluniversität (estnisch Eesti Vabariigi Tartu Ülikool) der nunmehr unabhängigen Republik Estland. Die Universität ist heute die einzige Volluniversität Estlands und Mutteruniversität für die technische Universität Tallinn und die Universität für Biowissenschaften.
Im Jahr 2004 standen 18000 Studenten 135 Professoren und 700 weitere Lehrkräften gegenüber. Etwa 440 Personen sind in der Forschung tätig. Sie können mit 4000 wissenschaftlichen Veröffentlichungen jährlich aufwarten.
An der Universität sind viele Studentenverbindungen aktiv, die im Vergleich zu Deutschland einen regen Zulauf an neuen Mitgliedern haben.
In Tartu befindet sich auch eine moderne medizinische Forschungseinrichtung, das Biomeedikum.
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten
Sehenswert ist die gesamte Altstadt Tartus mit dem klassizistischen Universitätshauptgebäude und der Johanniskirche, ein gotischer Backsteinbau mit kunsthistorisch bedeutsamen Terrakottenfiguren, dessen Wiederaufbau nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 2005 abgeschlossen wurde.
Auf dem Domberg, estnisch „Toomemägi“, befinden sich die Ruine der mittelalterlichen Domkirche (deren ausgebauter Chor erst als Universitätsbibliothek diente und jetzt das Universitätsmuseum beherbergt) sowie weitere Baulichkeiten der Universität, wie das Observatorium (58° 22′ 44″ N, 26° 43′ 12″ O58.37888888888926.72, Teil des Weltkulturerbes Struve-Bogen) und das alte anatomische Theater, in dem bis Mitte der 90er Jahre noch anatomische Vorlesungen gehalten wurden.
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
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[Bearbeiten] Sport
Bei Tartu wird im Rahmen der Worldloppet der Skimarathon Tartu Maraton über 63 Kilometer von Otepää - Elva ausgerichtet.
[Bearbeiten] Sonstiges
Im Juli 2005 fanden in Tartu die 25. Internationalen Hansetage (Hansetage der Neuzeit) statt.
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt
- Heinrich von Stackelberg (um 1305), Vertrauensmann und Vasall des Bischofs von Dorpat
- Karl Ernst Claus (1796–1864), deutsch-russischer Pharmazeut und der Chemiker, der das Ruthenium entdeckte
- Karl Ernst von Baer (1792–1876), Zoologe und Biologe, Entdecker der Eizelle
- Walter von Engelhardt (1864–1940), Gartenarchitekt, Direktor des Gartenbauamtes Düsseldorf
- Wolf von Engelhardt (1910–2008), Geologe und Mineraloge
- Heinrich Friedrich Emil Lenz (1804–1865), Physiker
- Lionel Kieseritzky (1806–1853), livländischer Schachmeister
- Julie Wilhelmine Hagen-Schwarz (* 1824 auf Gut Klein-Wrangelshof (Väike-Prangli) bei Tartu, † 1902 ebenda), Malerin
- Julius von Klever, (1850–1924), russischer Maler
- Adolf von Harnack (1851–1930), Theologe
- Alphons Thun (1853–1885), Nationalökonom
- Kurt Heinrich Meyer (1883–1952), Chemiker und seit 1932 Prof. der Chemie in Genf
- Herbert von Oettingen (1878–1946), Superintendent und Schulleiter
- Leonid Alexejewitsch Kulik, (1883–1942), russischer Mineraloge
- Cezaria Anna Baudouin de Courtenay-Ehrenkreutz-Jędrzejewiczowa (1885–1967), polnische Ethnologin, Kunsthistorikerin und Linguistin
- Else Hueck-Dehio (1897–1976), Schriftstellerin
- Dimitrij Andrusov (1897–1976), slowakischer Geologe und Erforscher der Westkarpaten, Enkel von Heinrich Schliemann
- Ernst Theodorowitsch Krenkel (1903–1971) Funker des gesunkenen Schiffes Tscheljuskin und der sowjetischen Nordpolexpedition Nordpol-1
- Wilhelm Hahn, (1909–1996), deutscher evangelischer Theologe und Politiker (CDU)
- Walter Kremser (1909–2000), deutscher Forstwissenschaftler
- Eno Raud (1928–1996), estnischer Schriftsteller und Kinderbuchautor
- Gero von Wilpert (* 1933), Autor und Literaturwissenschaftler
- Jaan Kirsipuu (* 1969), Radsportler
- Andrus Aug (* 1970) , Radsportler
- Kristina Šmigun (* 1977), Skilangläuferin
[Bearbeiten] Persönlichkeiten, die mit Tartu in Verbindung stehen
- Friedrich Amelung (1842–1909), baltischer Schachspieler und Schachkomponist
- Nikolai Iwanowitsch Andrusow (1861–1924) russischer Geologe und Palöontologe, Professor an der Jurjew Universität
- Andreas Ascharin (1843–1896), baltisch-russischer Literaturübersetzer und Schachspieler
- Traugott Hahn (1875–1919), deutscher evangelischer Theologe und Pfarrer, Professor in Dorpat, Märtyrer des estnischen Befreiungskampfes.
- Melchior Hofmann (um 1500–1543), lutherischer Sendbote und späterer Täufer in Dorpat. Löste als Prediger 1524 durch seine Predigt den Dorpater Bildersturm aus.
- August Alexander Kämmerer (1789–1858), deutscher Geologe und Apotheker, vermacht der Universität Dorpat eine Mineraliensammlung.
- Friedrich Maximilian Klinger (1752–1831, deutscher Dichter des Sturm und Drang, in Dorpat gestorben
- Johann Wilhelm Krause, (1757–1828), ab 1803 ordentl. Professor und Baudirektor bei der Wiedererrichtung der Univ. Dorpat
- Karl Morgenstern (1770–1852), Philologe, ab 1802 ordentlicher Professor für Beredsamkeit und Klassische Philologie, Ästhetik und Geschichte der Literatur und Kunst
- Carl Friedrich von Ledebour (1786–1851), Botaniker, ab 1811 Direktor des botanischen Gartens der Universität.
- Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792), deutscher Dichter des Sturm und Drang, 1759 mit seiner Familie nach Dorpat gezogen. Verließ die Stadt 1768 um in Königsberg zu studieren.
- Juri Michailowitsch Lotman (1922–1993), Literaturwissenschaftler und Semiotiker, lehrte von 1950 bis zu seinem Tod an der Universität Tartu, war Mitbegründer der Tartuer Schule der Semiotik.
- Walter Masing (1915–2004), Unternehmer, Professor an der TU München und der Universität Stuttgart, als Student in Dorpat
- Wilhelm Maurenbrecher (1838–1892), Reformationshistoriker, Geschichtsprofessor in Dorpat von 1867–1869,
- Wilhelm Ostwald (1853–1932), Chemiker, Nobelpreisträger, beginnt seine akademische Laufbahn an der Universität Dorpat
- Friedrich Parrot (1792–1840), Arzt und Naturwissenschaftler, Forschungsreisender, Erstbesteiger des Ararat, in Dorpat gestorben
- Friedrich Georg Wilhelm Struve (1793–1864), Astronom
- August Thieme (1780–1860), war von 1805 bis 1811 von der Universität Dorpat als Schulinspektor des Finnischen Gouvernements für Wiborg und Kexholm berufen
- Jaan Tõnisson (1868–vermutlich Juli 1941), estnischer Verleger, Politiker, Ministerpräsident und Staatsoberhaupt der Republik Estland
- Edgar Valter (1929–2006), einer der bedeutendsten zeitgenössischen Kinderbuchautoren, Illustratoren und Karikaturisten in Estland, in Tartu gestorben
- Johann Anton Weinmann (1782–1858), Botaniker, erster gärtnerischer Leiter des 1803 gegründeten botanischen Gartens

