Tauschwert
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Als Tauschwert bezeichnet man in der Ökonomie das Verhältnis, in dem zwei Waren auf Märkten gegeneinander ausgetauscht werden. Ein Tisch hat z. B. einen Tauschwert von zwei Paar Schuhen, wenn er gegen zwei Paar Schuhe eingetauscht werden kann. Den Tauschwerten liegen dabei die sog. Werte der Waren zugrunde.
Nach der Arbeitswerttheorie ist der Wert einer Ware durch die Arbeitszeit bestimmt, die zur Herstellung dieser Ware notwendig ist, wobei es sich nicht um die individuelle Arbeitszeit des jeweiligen Arbeiters handelt, sondern um die im Durchschnitt gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit.
War Tauschwert ursprünglich ein Begriff der klassischen Ökonomie des 18. und 19. Jahrhunderts, wird dieser Begriff heutzutage fast nur noch in der Marxistischen Ökonomie verwendet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Tauschwert in der marxistischen Theorie
Marx spricht auch von „Wertformen“, deren logische und historische Entwicklung von der einfachen Wertform (Ware A ist äquivalent einer Menge Ware B) bis zur Form eines allgemeinen Äquivalents (des Geldes) er im 1. Kapitel des 1. Bandes seines Hauptwerks, dem Kapital, ausführlich entwickelt.
Der Gebrauchswert ist in den Eigenschaften einer Ware begründet und ist für jede Person nach deren Bedürfnissen unterschiedlich. Dagegen ist für den Tauschwert einer Ware ihr Gebrauchswert einfach Voraussetzung ihrer Austauschtauschfähigkeit, aber unerheblich in seiner konkreten Gestaltung, denn es sei ja gerade die Abstraktion (die Absehung) von ihren unterschiedlichen "Nützlichkeiten", die das Austauschverhältnis der Waren kennzeichnet. Betrachtet man das Tauschverhältnis zunächst als solches, ohne seine jeweils bestimmte Quantität, fällt eben auf, dass ein Gebrauchswert so gut wie ein anderer ist:
An dem vielleicht marktüblichen Tauschverhältnis 5 Brote = 1 Hemd ist zunächst die vom quantitativen Tauschverhältnis (5×Ware A = 1×Ware B) unabhängige Gleichsetzung Brot = Hemd bemerkenswert und zu erklären.
Diese Waren müssen ein gemeinsames Merkmal haben, das sie vergleichbar macht. Marx fand diese Gemeinsamkeit in der in allen Waren enthaltenen "abstrakt menschlichen Arbeit", der "Arbeit schlechthin", im Sinne von Verausgabung von Hirn, Muskel und Nerv. Das leitet über zur nächsten Erkenntnis:
Nicht nur die Ware hat also zwei Seiten, den Gebrauchswert und den Tauschwert. Marx folgert, dass auch die den Waren zugrunde liegende Arbeit einen Doppelcharakter hat, nämlich die konkret nützliche Arbeit, die als bestimmte Arbeit, also z. B. als Schreinerarbeit, einen bestimmten Gebrauchswert, also z. B. einen geschreinerten Tisch, schafft, und die abstrakte Arbeit (den Arbeitsaufwand), die den Tauschwert eines Produkts bestimmt.
Als Maß für diese abstrakte Arbeit kommt nur die Dauer ihrer Verausgabung in Betracht, denn wenn man von allen konkreten Bestimmungen des Arbeitsprozesses absieht, unterscheiden sich verschiedene Arbeitsprozesse nur in ihrer Dauer. Die Größe des Werts einer bestimmten Ware wird daher bestimmt durch die zu ihrer Erzeugung notwendige Arbeitszeit.
Marx leugnet nicht den Einfluss von Angebot und Nachfrage auf den Preis einer Ware, er will mit seiner Werttheorie jedoch (ähnlich wie Adam Smith schon den natürlichen Preis) das "Gravitationszentrum" der Preise bestimmen. Zum anderen erklärt er selbst (Kapital, Bd. 3), inwieweit auch das den Tauschwerten zugrunde liegende Gravitationszentrum der Preise keineswegs notwendig identisch sein muss mit der in den Waren enthaltenen gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit (Theorie der Produktionspreise).
Überhaupt handelt es sich bei der Kategorie des Tauschwerts um mehr als nur um die Erklärung von bloßen quantitativen Proportionen: Im Abschnitt über den sog. "Fetischcharakter der Ware" in Marxens "Kapital" wird endgültig klar, dass die Kategorie des Tauschwerts eine qualitative Seite aufweist, eine Kritik an der Produktionsform, in der "den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge" (Marx, MEW 23,86) erscheinen. Der Tauschwert entsteht, weil die Produzenten sich als private Produzenten gegenseitig von ihren eigentlich gesellschaftlichen Produkten ausschließen. Die Menschen tauschen ihre Produkte nicht deshalb, weil sie wegen Arbeitsteilung dazu gezwungen seien - das sei die Auffassung der bürgerlichen Ökonomie. Es ist nach Marx die spezifisch bürgerliche Form der Arbeitsteilung, die dazu führt, dass die Produkte, die doch Produkte einer gesellschaftlichen Arbeit sind, mit dem an ihnen klebenden Preisschild wieder privatisiert werden eine private Form - eben die Wertform! - bekommen.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Karl Marx: Das Kapital. 1. Kapitel, 3. Abschnitt: Die Wertform oder der Tauschwert
- Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-89657-588-0 (Kapitel 3: Wert, Arbeit, Geld)

