Theodor Storm
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Hans Theodor Woldsen Storm (* 14. September 1817 in Husum; † 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen) war ein deutscher Schriftsteller, der sowohl als Lyriker als auch als Autor von Novellen und Prosa des deutschen Realismus mit norddeutscher Prägung bedeutend war. Im bürgerlichen Beruf war Storm Jurist.
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[Bearbeiten] Leben und Werk
[Bearbeiten] Kindheit, Jugend und Studium
Hans Theodor Woldsen Storm war das erste Kind des Justizrats Johann Casimir Storm und seiner Frau, der Patriziertochter Lucie Woldsen. Er besuchte von 1826 bis 1835 die Husumer Gelehrtenschule und anschließend für drei Semester das Katharineum zu Lübeck.
Storm schrieb als 16-jähriger Schüler seine ersten Gedichte, die der damals populären Wochenblattpoesie nachempfunden waren; in der Schule lernte er, Beispiele antiker Poesie nachzuahmen und schrieb erste Prosatexte. Vier Gedichte und mehrere journalistische Arbeiten wurden im „Husumer Wochenblatt“ und im „Dithmarscher und Eiderstedter Boten“ gedruckt.
In Lübeck lernte er Ferdinand Röse kennen, durch den Storm mit der zeitgenössischen Literatur vertraut wurde. Er beschäftigte sich intensiv mit Goethes Faust, Heines Buch der Lieder und Eichendorffs Prosa und Lyrik. Storm studierte Jura an der Universität Kiel, wo er 1837 Mitglied der Burschenschaft Albertina Kiel wurde, sowie in Berlin. Damals begann seine Freundschaft mit Theodor und Tycho Mommsen, mit denen er eine Sammlung schleswig-holsteinischer Lieder, Märchen und Sagen zusammentrug. 1843 veröffentlichte er gemeinsam mit den Brüdern Mommsen das Liederbuch dreier Freunde.
[Bearbeiten] Rückkehr nach Husum
1843 kehrte er nach Husum zurück und eröffnete eine Anwaltskanzlei. 1846 heiratete Storm seine 18-jährige Cousine Constanze Esmarch. Mit ihr hatte er sieben Kinder; bei der Geburt des letzten Kindes starb Constanze. Kurz nach seiner Hochzeit lernte Storm Dorothea Jensen kennen, mit der ihn eine leidenschaftliche Beziehung verband und die er als Witwer in zweiter Ehe heiratete.
Trotz des Friedensschlusses von 1850 zwischen Dänemark und Preußen nahm Storm eine unversöhnliche Haltung gegenüber Dänemark ein. Deshalb wurde ihm 1852 durch den dänischen Schleswigminister Friedrich Ferdinand Tillisch die Advokatur entzogen.
[Bearbeiten] Zeit in Potsdam
1853 sprach man ihm in Berlin eine unbezahlte Anstellung im Kreisgericht von Potsdam zu. Zu dieser Zeit erschien seine schon 1849 geschriebene Novelle Immensee. Während seines Aufenthalts in Potsdam berichtet Storm von seinem Abscheu über den „preußischen Menschenverbrauch im Staatsmechanismus“; er kämpfte mit beruflichen und finanziellen Schwierigkeiten. Sein künstlerischer Freundeskreis im Rütli, zu dem unter anderem Theodor Fontane und Franz Kugler zählten, trug dazu bei, dass der republikanisch Gesinnte sich im Kreise der preußisch Konservativen zunehmend isoliert fühlte.
[Bearbeiten] Storm in Heiligenstadt, erneute Rückkehr nach Husum
1856 wurde er zum Kreisrichter im thüringischen Heiligenstadt ernannt. Nach der Niederlage Dänemarks im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurde Storm in Husum von der Bevölkerung der Stadt zum Landvogt berufen.
1864 starb Constanze Storm. Seinen Gefühlen verlieh Storm in dem strophischen Gedichtzyklus Tiefe Schatten Ausdruck; neben den häufig in der Schule gelesenen Gedichten Am grauen Strand, am grauen Meer oder Ans Haff nun fliegt die Möwe zählt dieser Zyklus heute zu den bekanntesten Gedichten Storms.
1866 heiratete Storm die 38-jährige Dorothea Jensen in Hattstedt. 1867 wurde er im Zuge der preußischen Verwaltungsreform nach der Annexion Schleswig-Holsteins zum Amtsgerichtsrat ernannt. Gegen 1870 kam der damals 15-jährige Ferdinand Tönnies, später einer der Begründer der Soziologie, als Korrekturleser in Storms Haus und wurde später sein Freund.[1] 1874 starb Storms Vater, 1878 seine Mutter.
[Bearbeiten] Umzug nach Hanerau-Hademarschen und Tod
1880 trat Storm in den Ruhestand und zog nach Hademarschen. Im April 1888 erschien Storms letzte Novelle, die Rahmenerzählung Der Schimmelreiter. Am 4. Juli 1888 starb er in Hademarschen an Magenkrebs. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof „St. Jürgen“ in Husum.
Zehn Jahre später, 1898, wurde an seinem Geburtstag seine von Adolf Brütt geschaffene Denkmalbüste in Husum enthüllt.
[Bearbeiten] Nachwirkung
Storm gilt als einer der bedeutendsten deutschen Vertreter des "bürgerlichen" bzw. "poetischen Realismus", wobei neben seinen Gedichten besonders seine Novellen seinen Ruhm begründeten. Zahlreiche seiner Werke werden heute noch aufgelegt. Die Novelle Der Schimmelreiter wird noch immer häufig als Lektüre im Deutschunterricht verwendet. Das Buch wurde bereits mehrfach verfilmt.
Die Stadt Husum ist heute noch bekannt als Graue Stadt am Meer, nach einem Gedicht Storms. In Husum und im übrigen Herzogtum Schleswig spielen viele Erzählungen Storms. Zahlreiche öffentliche Einrichtungen in ganz Deutschland, darunter Plätze und Straßen, sind nach Storm benannt. Die Theodor-Storm-Gesellschaft hat heute etwa 1400 Mitglieder, widmet sich der Erforschung seiner Werke und gibt eine eigene wissenschaftliche Zeitschrift (die "Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft") heraus. Ihr derzeitiger Vorsitzender ist der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering.
Die Malerinnen Angelika Dering und Elisabeth Dering sind Urenkelinnen Storms.
[Bearbeiten] Werke (Auswahl)
- Der kleine Häwelmann. Märchen. 1849
- Immensee. Novelle. Berlin, Duncker 1851
- Die Stadt. 1852
- Im Sonnenschein. Berlin, Paetel 1854
- Gedichte. Berlin, Schindler 1856
- Auf dem Staatshof. 1859
- Veronica. 1861
- Im Schloß. Erstdruck in: Die Gartenlaube (Leipzig), 1862, Nr. 10–12
- Auf der Universität. Münster, Brunn 1863
- Die Regentrude. Märchen. 1863
- Viola tricolor. Novelle. 1874
- Pole Poppenspäler. Novelle. Braunschweig, Westermann 1875
- Aquis submersus. Novelle. Paetel, Berlin 1877
- Carsten Curator. Novelle. Paetel, Berlin 1878
- Renate. Novelle. 1878
- Die Söhne des Senators. Novelle. 1880
- Hans und Heinz Kirch. Novelle. Paetel, Berlin 1883
- Zur Chronik von Grieshuus. Novelle. Paetel, Berlin 1883-1884
- Bötjer Basch. Paetel, Berlin 1887
- Ein Doppelgänger. 1887. Verfilmung unter dem Titel John Glückstadt (Regie: Ulf Miehe)
- Es waren zwei Königskinder. Berlin, Paetel 1888
- Der Schimmelreiter. Novelle. Berlin, Paetel 1888
- Schlaflos
- Ich bin mir meiner Seele
- Knecht Ruprecht
- Sturmnacht
- Weihnachtslied
[Bearbeiten] Briefe
- Theodor Storm – Theodor Fontane: Briefwechsel. Krit. Ausgabe. In Verbindung mit der Theodor-Storm-Gesellschaft hrsg. von Jacob Steiner. Erich Schmidt, Berlin 1981.
[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Periodisch erscheinende Schriften
- Husumer Beiträge zur Storm-Forschung (HuB), Erich Schmidt Verlag Berlin
- Storm - Briefwechsel, (StBw) Erich Schmidt Verlag Berlin
[Bearbeiten] Biografische Darstellungen
- Paul Barz: Theodor Storm. Wanderer gegen Zeit und Welt. Biographie. Berlin 2004, ISBN 3-7466-1618-2
- Georg Bollenbeck: Theodor Storm. Eine Biographie. Insel, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-458-14621-0
- Uwe Carstens: Lieber Freund Ferdinand. Die bemerkenswerte Freundschaft zwischen Theodor Storm und Ferdinand Tönnies. Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4762-2
- Regina Fasold: Theodor Storm. Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-10304-8.
- David A. Jackson: Theodor Storm. Dichter und demokratischer Humanist. Eine Biographie. Berlin 2001, ISBN 3-503-06102-9.
- Karl Ernst Laage: Theodor Storm – Leben und Werk. 8., erweiterte und überarbeitete Auflage, Husum 2007, ISBN 978-3-88042-650-4
- Roger Paulin: Theodor Storm. München 1992, ISBN 3-406-35048-8
- Hartmut Vinçon: Theodor Storm mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt. 16. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-50186-4
[Bearbeiten] Einzeluntersuchungen
- Hildegard Lorenz: Varianz und Invarianz. Theodor Storms Erzählungen: Figurenkonstellationen und Handlungsmuster. Bonn 1985.
- Jean Firges: Theodor Storm. Idylle und Verfall. Sonnenberg, Annweiler 2001, ISBN 3-933264-11-1 (Exemplarische Reihe Literatur und Philosophie, Bd. 09, 84 Seiten).
- Wulf Wülfing: „Luft ist kein leerer Wahn.“ Theodor Fontane und die Berliner Luft als Metapher für das politisch-gesellschaftliche Klima im nachmärzlichen Preußen; unter besonderer Berücksichtigung des Briefwechsels mit Theodor Storm im Jahre 1853. In: Formen der Wirklichkeitserfassung nach 1848. Deutsche Literatur und Kultur vom Nachmärz bis zur Gründerzeit in europäischer Perspektive, Bd. 1. Hg. v. Helmut Koopmann und Michael Perraudin unter Mitarb. v. Andrea Bartl. Bielefeld: Aisthesis 2003, S. 167-188.
- Essay über die Novelle „Hans und Heinz Kirch“ von Asteris Koutoulas
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Theodor Storm im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Homepage der Theodor-Storm-Gesellschaft Unter „Storm-Archiv“ ausführliche Bibliographie.
- Leben und Werk von Theodor Storm Biographie, Interpretationen, Kurzinhalte, Bibliographie
- Linksammlung der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
- Website zu Theodor Storm (englisch)
- www.stormmuseum.de Literaturmuseum „Theodor Storm“ in Heilbad Heiligenstadt
[Bearbeiten] Werke im Internet
- Werke von Theodor Storm bei Zeno.org
- Werke von Theodor Storm im Projekt Gutenberg-DE
- Werke von Theodor Storm als Online-Texte beim Project Gutenberg
- Storm: Rezension zu „Niendorf, Lieder der Liebe“,1854 im Projekt „Lyriktheorie“
- Storm: Vorwort zu „Hausbuch aus deutschen Dichtern seit Claudius“, 1870 im Projekt „Lyriktheorie“
- Originaltexte von Theodor Storm auf DigBib.Org
- Gedichtesammlung
- Werke von Theodor Storm als gemeinfreie und kostenlose Hörbücher bei LibriVox
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Ferdinand Tönnies, Theodor Storm. Zum 14. September 1917. Gedenkblätter, TG 10, 2008, S. 363–425.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Storm, Theodor |
| ALTERNATIVNAMEN | Storm, Hans Theodor Woldsen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 14. September 1817 |
| GEBURTSORT | Husum |
| STERBEDATUM | 4. Juli 1888 |
| STERBEORT | Hademarschen |

