Thukydides

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Thukydides
Thukydides - Parlament; Wien

Thukydides (gr. Θουκυδίδης * um 460 v. Chr.; † wohl zwischen 399 v. Chr. und 396 v. Chr.) war ein aus gut situierten Verhältnissen stammender Athener Stratege und herausragender antiker Historiker. Für Thukydides’ Auffassung der geschichtlichen Wirkkräfte bedeutsam sind insbesondere seine Annahmen über die Natur des Menschen und die Motive menschlichen Handelns, die auch die politischen Verhältnisse grundlegend beeinflussen.

Sein bis heute Maßstäbe setzendes Werk Der Peloponnesische Krieg[1] hinterließ er zwar unvollendet, doch begründete er in methodischer Hinsicht erst damit eine dem Geist neutraler Wahrheitssuche durchgängig verpflichtete Geschichtsschreibung, die auf wissenschaftlichen Anspruch zielt. Uneins ist die heutige Thykydides-Forschung darüber, in welchem Umfang er diesem Anspruch bei der Abfassung seines Werkes gerecht geworden ist. Teilweise in Zweifel gezogen wird speziell seine Darstellung der Rolle des Perikles bei der Entstehung des Peloponnesischen Krieges.

Thukydides selbst sah den Sinn seiner Aufzeichnungen darin, der Nachwelt „ein Besitztum für immer“[2] zu hinterlassen. Als markantestes Beispiel für das Gelingen dieses Vorhabens erweist sich die Unterscheidung von diversen kurzfristigen Anlässen des Peloponnesischen Krieges und seinen in der damaligen griechischen Großmächte-Rivalität zwischen der Seemacht Athen und der Landmacht Sparta begründeten langfristigen Ursachen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lebensstationen

Eine auch nur in den Grundzügen annähernd vollständige Lebensbeschreibung des Thukydides ist wegen Quellenmangels nicht möglich. Das Wenige, was als gesichert gelten kann, beruht auf Eigenbezeugungen von Thukydides, die er an vier Stellen seines Werkes über den Peloponnesischen Krieg ohne autobiographische Absicht hat einfließen lassen.[3] Einzelne Hinweise finden sich bei Plutarch. Eine erste überlieferte Auseinandersetzung mit seiner Lebensgeschichte datiert ca. ein Jahrtausend später; weitere obskure Kurzviten standen seiner Epoche noch ferner. [4] Eklatante Lücken und verbleibende Ungewissheiten sind folglich wesentliche Merkmale des folgenden Überblicks.

[Bearbeiten] Herkunft und Werdegang

Für das Geburtsjahr des Thukydides lässt sich nur sagen, dass es frühestens 454 v. Chr. gewesen sein kann, weil er mindestens 30 Jahre alt sein musste, um das Strategenamt bekleiden zu können, das er 424 innehatte. Das attische Bürgerrecht besaß er wie sein Vater auf Grund seiner Zugehörigkeit zum Demos Halimus an der Westküste Attikas. Väterlicherseits gab es eine thrakische Abstammungslinie, denn der Vater trug den thrakischen Namen Oloros und vererbte dem Sohn Besitzungen in Thrakien sowie die Nutzung der dortigen Goldbergwerke. Thukydides verfügte demnach über beträchtliches Vermögen und konnte sich daher schließlich ganz seinen historischen Studien widmen.

Die verwandtschaftlichen Beziehungen nach Thrakien legen noch in anderer Hinsicht die Zugehörigkeit des Thukydides zu herausgehobenen Kreisen der attischen Gesellschaft nahe. Oloros hieß auch jener thrakische König, dessen Tochter Hegesipyle den bei Marathon siegreichen Feldherrn Miltiades heiratete und deren politisch in Athen lange Zeit höchst einflussreicher Sohn Kimon nach Plutarch mit Thukydides verwandt war[5]. Das Interesse für Staatsangelegenheiten, Machtfragen und Militäroperationen, das Thukydides’ Darstellung des Peloponnesischen Krieges kennzeichnet, könnte ihm also schon von Hause aus zugewachsen sein.

Bereits unmittelbar bei Ausbruch des Peloponnesischen Krieges, so betont Thukydides gleich eingangs seines Werkes, sei ihm die beispiellose Bedeutung dieser kriegerischen Auseinandersetzung der griechischen Großmächte bewusst gewesen, und so habe er sofort mit Aufzeichnungen des Geschehens begonnen.[6] Ein weiteres Mal erwähnt Thukydides sich selbst im Zusammenhang mit der Schilderung der Attischen Seuche, die unter den in ihren Mauern von den Spartanern eingeschlossenen Athenern 430 v. Chr. ausbrach und verheerend um sich griff; an ihr erkrankte auch Thukydides.[7] Seine anschauliche und sachverständige Darstellung der Krankheit ist heute eine wichtige Quelle für Medizinhistoriker. Bemerkenswert ist nicht nur Thukydides' kenntnisreiche Beschreibung der Seuche, sondern auch sein Wissen um die gewonnene Immunität der Überlebenden gegen eine spätere Wiederansteckung. Um welche Krankheit es sich handelte, ist allerdings umstritten. Über 200 Veröffentlichungen zum Thema bringen zumindest 29 Möglichkeiten (vom Ebola-Virus bis zum Typhus abdominalis) ins Spiel.[8]

[Bearbeiten] Stratege im Archidamischen Krieg

Für das Jahr 424 v. Chr. wurde Thukydides in das Zehnerkollegium der Strategen gewählt, in eine militärische Führungsposition also, die zugleich als letztes politisch bedeutendes Wahlamt der Attischen Demokratie fungierte. Die zehn Kollegen übten das Amt unter Aufgabenteilung parallel aus. Thukydides sah sich vor die Aufgabe gestellt, das thrakische Amphipolis vor der Übernahme durch den spartanischen Feldherrn Brasidas zu schützen, der um die Stadt einen Belagerungsring errichtet hatte und die Übergabe erzwingen wollte. Die Bürgerschaft von Amphipolis tendierte unterschiedlich; aber zunächst waren die zur Verteidigung Entschlossenen noch in der Überzahl, sodass Thukydides, der eine halbe Tagesreise entfernt auf Thasos stationiert war, mit sieben Trieren zu Hilfe eilte. [9]

Brasidas habe, so Thukydides, im Wissen um den Einfluss des anrückenden Gegners in Thrakien, seine Bemühungen um die Einnahme von Amphipolis verstärkt und den Bewohnern der Stadt so attraktive Bleibe- oder wahlweise Wegzugskonditionen zugesichert, dass sie ihm die Stadt tatsächlich übergaben, bevor Thukydides am Abend eintraf . Dem blieb bei seinem Ankommen nur noch die Sicherung der benachbarten Siedlung Eion, die nach seiner Einschätzung andernfalls am nächsten Morgen ebenfalls an Brasidas gefallen wäre.[10] Gleichwohl lasteten die Athener den Verlust von Amphipolis, des wichtigen Stützpunkts in der Nord-Ägäis, ihrem Strategen Thukydides als schuldhaftes Versagen an und fassten einen Beschluss zu seiner Verbannung. Unsicher ist, ob er die Verurteilung überhaupt abwartete, oder ob er ihr durch freiwilliges Fernbleiben von Athen bereits zuvorkam.

[Bearbeiten] Langjährig verbannter Geschichtsforscher

Über die mit der Verbannung verbundene grundlegende Wendung im eigenen Leben berichtet Thukydides im Zuge seiner chronologisch angelegten Darstellung der Kriegsereignisse zunächst aber gar nicht. Er bringt sie erst mit großer zeitlicher Verzögerung zur Sprache, neun Jahre nach dem Fall von Amphipolis und seinem Weggang aus Athen, als er die Wiederaufnahme offener Feindseligkeiten, die den Nikiasfrieden ablösten, mit einer Überleitung zu seiner Schilderung des Kriegsfortgangs verbindet. Dabei fehlt auch jeder Hinweis auf die konkreten Umstände seiner Abberufung als Stratege und auf die der Verbannung zugrunde liegende Anklage, Verhandlung und Entscheidung:

„Auch das hat der gleiche Thukydides von Athen aufgezeichnet, der Reihe nach, wie sich jedes Ereignis begab, nach Sommern und Wintern, bis Sparta mit seinen Verbündeten Athens Herrschaft brach und die Langen Mauern und den Piräus einnahm. Insgesamt dauerte damit der Krieg siebenundzwanzig Jahre. […] Denn die ganze Zeit, erinnere ich mich, schon seit Beginn des Krieges und bis zu seinem Ende, wurde von vielen verlautbart, daß er dreimal neun Jahre dauern müsse. Ich habe ihn ganz miterlebt, alt genug zum Begreifen und mit voller Aufmerksamkeit, um etwas Genaues zu wissen, und mußte als Verbannter zwanzig Jahre nach meinem Feldzug bei Amphipolis mein Land meiden, war also auf beiden Seiten, auf der peloponnesischen nicht minder, wegen der Verbannung, so daß ich bequem Näheres erfahren konnte.[11]

Darüber, wo und wie Thukydides die 20 Jahre in Verbannung verbracht hat, gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Angenommen wird, dass er die meiste Zeit auf seinen thrakischen Besitzungen verbrachte. Den zitierten Hinweis in seinem Geschichtswerk, er habe infolge der Verbannung Näheres zu beiden Kriegsparteien erforschen können, hat man teilweise so verstanden, dass er reisend viele Vor-Ort-Recherchen durchgeführt habe. Dafür sprächen etwa seine eingehenden Kenntnisse der politischen Verhältnisse in Korinth. Wegen seiner detaillierten Schilderung der Umstände des Ausschlusses der Spartaner von den Olympischen Spielen 420 v. Chr. wird teils auch seine persönliche Anwesenheit in Olympia zu dieser Zeit für wahrscheinlich gehalten. Ebenso möglich ist aber, dass ihm jeweils Informanten für die einzelnen Begebenheiten zur Verfügung standen.

Dass die Verbannung des Thukydides mit dem Ausgang des Peloponnesischen Krieges endete, wird nicht nur von ihm selbst bezeugt, sondern auch von Pausanias, der einen die Rückkehrerlaubnis für Thukydides enthaltenden Volksversammlungsbeschluss erwähnt. [12] Wiederum unklar ist, wie viel Zeit dem Historiker danach für die Arbeit an seinem Werk noch blieb, das mitten im Satz unvollendet abbricht. Allerdings kann man darin Hinweise finden, bis wann er noch gelebt hat. Seine Beschreibung des makedonischen Königs Archelaos klingt wie ein Nachruf. Da dieser 399 v. Chr. starb, kann man annehmen, dass Thukydides zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Sollte eine auf das Jahr 397 v. Chr. datierte, in Thasos aufgefundene Inschrift, die einen Lichas als Lebenden benennt, denselben Lichas betreffen, von dessen Tod Thukydides berichtet[13], so schrieb der Historiker zumindest 397 v. Chr. noch an seinem Werk.

Ungeklärt sind bei Thukydides auch die Todesumstände, was zu allerlei Legendenbildung in späterer Zeit geführt hat. Unterschiedliche Versionen einer Ermordung des Thukydides kursierten und wurden möglicherweise von dem abrupten Ende seiner Niederschrift inspiriert. Sein Grabdenkmal befand sich nach übereinstimmender Auskunft von Pausanias und Plutarch beim Familiengrab der Familie Kimons.[14]

[Bearbeiten] Historiker des Peloponnesischen Krieges

„… so beschränkt sich Thukydides auf seine eine Sache, auf seinen einen Krieg, um den nun so plastisch zu modellieren, dass jedes Gelenk und jede Funktion anschaulich und fast durchsichtig wird […], so wird uns der Peloponnesische Krieg zum Krieg aller Kriege, weil Thukydides die inneren Zusammenhänge aufdeckt und die Vorgänge durchdringt, verallgemeinert, vergeistigt, bis das Zufällige zurück- und das Typische vortritt…[15]

Nicht nur als einzigartige Quelle für die Geschehensabläufe des innergriechischen Machtkampfes zwischen 431 und 411 v. Chr.[16] ist Thukydides’ Darstellung bedeutsam. Sie ist, wie Bleckmann hervorhebt, auch der maßgebliche Grund dafür, gerade diesen Zeitraum als eine eigenständige Epoche der griechischen Geschichte anzusehen. Das sei, wie jede geschichtliche Epocheneinteilung überhaupt, das Ergebnis einer von bewusster historischer Analyse ausgehenden gedanklichen Entscheidung: „Daß das Gesamtgeschehen zwischen 431 und 404 als Einheit, als ein einziger Krieg zu betrachten war, war jedenfalls vielen Zeitgenossen gar nicht bewusst und ist eine (durchaus begründete) Sicht der Dinge, die erst dem Thukydides und später der griechischen Geschichtsdeutung des vierten Jahrhunderts zu verdanken ist.“[17]

[Bearbeiten] Schaffensmotive

Die Nüchternheit der Darstellung und die Demonstration überlegener Einsichtsfähigkeit weisen nach Bleckmann auf ein Bemühen um aufklärendes politisches Wirken bei Thukydides hin; denn eine solche Fähigkeit zeichne auch den guten Politiker aus. [18] Auch Landmann betont die politische Dimension des Werkes. Erst vom Geist durchleuchtet könne Geschichte – „der täglich wachsende Haufe stummer dummer Fakten“ – die Gegenwart erhellen. Thukydides gehe es darum, durch fruchtbares Wissen zum richtigen Handeln zu führen, und zwar nicht durch bestimmte situationsbezogene Anweisungen, sondern durch die Schulung des Denkens in der Verknüpfung von Ursachen und Wirkungen, sodass die passende Orientierung für das eigene aktuelle Handeln schließlich selbst gefunden werden kann.[19]

Aus anderer Sicht geht es Thukydides wesentlich darum, Geschichte als einen irreversiblen Prozess auszuweisen, in dem es gilt, die Gunst der historischen Stunde zu nutzen – von Seiten Athens etwa das spartanische Friedensangebot von 425 v. Chr. –, weil ausgeschlagene Chancen unter den im Fortgang des Geschehens veränderten Bedingungen nicht wiederkehren.[20] Nicht zuletzt aber sind es die Motive, die menschlichem Handeln zugrunde liegen, die Thukydides vorrangig beschäftigen. Sie erklären nach Will nicht nur das Verhalten wichtiger Einzelpersönlichkeiten, sondern auch das von Städten und Staaten.[21] Zu den Thukydides besonders wichtigen Darstellungsaspekten zählt Bleckmann die zunehmende Verrohung der Akteure im Kriegsgeschehen:

„Schon sehr bald nach dem Ausbruch des Krieges hatte sich die griechische Öffentlichkeit an Massenhinrichtungen und Mißachtungen von religiösen, völkerrechtsähnlichen Regeln gewöhnt, denen man sich bei der Kriegführung früher verpflichtet gefühlt hatte. […] Der Gipfel der Inhumanität wurde erreicht, als die Athener im Sommer 413 aus Geldmangel eine mordgierige thrakische Söldnertruppe in die Heimat entließen und diese unter der Führung des athenischen Offiziers Dieitrephes unterwegs im kleinen böotischen Städtchen Mykalessos die gesamte Zivilbevölkerung und vor allem alle in der Schule versammelten Kinder niedermetzelte. Thukydides hat diese nicht eigentlich kriegswichtige Episode ausführlich skizziert, um die diversen Aspekte der Kriegsgreuel und Brutalitäten aufzuzeigen, für die die kriegführenden Mächte mittelbar und unmittelbar verantwortlich waren.[22]

[Bearbeiten] Wegweisende methodische Akzente

Ganz deutlich erhebt Thukydides den Anspruch, eine neue, zukunftsdienliche Form der Geschichtsschreibung zu betreiben. Er betont die Mühen, die es ihn gekostet hat, die Vorgeschichte des Peloponnesischen Krieges zu rekonstruieren, weil er, anders als seine Mitmenschen, Berichte und Aussagen über Vergangenes nicht ungeprüft übernehme. Während andere mehr auf eine effektvolle Darbietung zielten, komme für ihn alles auf die Wahrheit an[23]:

„Was aber tatsächlich geschah in dem Krieg, erlaubte ich mir nicht nach Auskünften des ersten besten aufzuschreiben, auch nicht «nach meinem Dafürhalten», sondern bin Selbsterlebtem und Nachrichten von andern mit aller erreichbaren Genauigkeit bis ins einzelne nachgegangen. Mühsam war diese Forschung, weil die Zeugen der einzelnen Ereignisse nicht dasselbe über dasselbe aussagten, sondern je nach Gunst oder Gedächtnis. [24]

Eigene Beobachtungen und die Augenzeugenberichte anderer dienten Thukydides demnach in bewusst kritischer Auseinandersetzung mit möglichen Fehlerquellen dazu, den Tatsachen auf den Grund zu gehen. Nicht nur in Bezug auf Attika, sondern auch bei einer ganzen Reihe anderer Schauplätze des Kriegsgeschehens spricht etwa die genaue Schilderung topographischer Gegebenheiten dafür, dass Thukydides sich selbst vor Ort informiert haben könnte.[25] Mit nachdrücklicher Begründung also fordert er dazu auf, seiner von Ausschmückungen freien, streng der Wahrheit verpflichteten Darstellung zu folgen und nicht einfach an den herkömmlichen Sichtweisen festzuhalten:

„Zum Zuhören wird vielleicht diese undichterische Darstellung minder ergötzlich scheinen; wer aber das Gewesene klar erkennen will und damit auch das Künftige, das wieder einmal, nach der menschlichen Natur, gleich oder ähnlich sein wird, der mag es so für nützlich halten, und das soll mir genug sein: zum dauernden Besitz, nicht als Prunkstück fürs einmalige Hören ist es aufgeschrieben.[26]

Auf reine Tatsachenermittlung und –darstellung ist das Werk demnach nicht angelegt. Thukydides zielte auf eine tiefer gegründete Wahrheit als die aus dem politischen Tagesgeschäft mit seinen Ereignisfolgen sich ergebende. Besonders deutlich wird dies nach inzwischen klassischer Lesart bei der Behandlung von Entstehungsgründen für den Peloponnesischen Krieg, die Thukydides den Hinweisen auf seine methodische Sorgfalt unmittelbar anschließt. Er spricht das Ende des zwischen Athen und Sparta ein Jahrzehnt zuvor vereinbarten Friedens an und weist hin auf die aktuellen Streitfälle und örtlichen Verwicklungen, die von den Beteiligten als Kriegsgründe angeführt und von den Zeitgenossen als solche wahrgenommen wurden, stellt aber ergänzend heraus:

„Den wahrsten Grund freilich, zugleich den meistbeschwiegenen, sehe ich im Wachstum Athens, das die erschreckten Spartaner zum Krieg zwang;[27]

Nicht die in den wechselseitigen Vorhaltungen der beteiligten Mächte thematisierten, propagandistisch griffigen Anlässe und Streitgründe (αἰτίαι καὶ διαφοράι) sind für Thukydides, der hier ausnahmsweise in der Ich-Form urteilt, also hauptsächlich ausschlaggebend für die Entscheidung zum Krieg, sondern als wahrhaftigstes Motiv (ἀληθεστάτη πρόφασις) die kaum eingestandene Furcht der Spartaner vor der wachsenden Macht Athens.[28]

[Bearbeiten] Aufbau des Werkes

Thukydides bezog in seine Darstellung zahlreiche Quellen ein, zu denen er Zugang hatte, wobei freilich die Gefahr besteht, dass die mündlichen Berichte eine teils verzerrte Sichtweise wiedergeben. Das Werk lässt sich in fünf Teile gliedern (insgesamt 8 Bücher/Kapitel; die Einteilung stammt jedoch nicht von Thukydides selbst, sondern wurde nachträglich vorgenommen):[29]

  1. Einleitung (Vorgeschichte, Methodologie, Ursachen des Krieges): Buch I.
  2. Archidamischer Krieg (431–421 v. Chr): Buch II-V.
  3. der faule Frieden (Nikiasfrieden, 421–416 v. Chr.): Buch V, VI.
  4. Sizilische Expedition (415–413 v. Chr.): Buch VI, VII.
  5. Dekeleischer Krieg (414/13–411 v. Chr. Ende des Werkes; der Krieg selbst dauerte noch bis 404 v. Chr. an): Buch VIII.

Das VIII. Buch bricht abrupt im Jahre 411 v. Chr. ab. U. a. der Historiker Xenophon setzte es in seiner Hellenika fort und begründete damit eine antike historiographische Tradition (die historia perpetua). Auch wirken Teile des Werkes unfertig, so dass davon auszugehen ist, dass der Tod Thukydides von einer gründlichen Überarbeitung des letzten Teils abgehalten hat.

Die so genannte Thukydideische Frage, ob das Werk in Etappen oder als Ganzes entstanden sei, ist in der Forschung bis heute umstritten.[30]

[Bearbeiten] Stil und Darstellung

In klarer Abgrenzung zu Herodot, der nicht strikt zwischen Mythen und Realem unterschied, wollte Thukydides nur das berichten, was auch wirklich vorgefallen ist. Sein Ziel ist Klarheit und Gegenwartsbezug. Thukydides schrieb, modern ausgedrückt, Zeitgeschichte, was sehr ungewöhnlich war. Der wissenschaftliche Bezug des Werkes wird vor allem in der Einleitung deutlich, wo er seine wissenschaftliche Methodik erläutert. Großen Einfluss auf die Geschichte der Menschen wies Thukydides der Týche, dem Zufall zu (wobei er jedoch menschliches Versagen nie auf das Wirken der Götter zurückführte); die Pest und das Fiasko der Sizilienexpedition können hierfür als Beispiele dienen.

Bei der Auswahl des Quellenmaterials ging Thukydides nach eigenen Aussagen systematisch und nach dem Grundsatz der Genauigkeit vor (Thuk. I. 22,2 f.). Das Werk selbst ist klar strukturiert, in einem nüchternen, knappen Stil verfasst, wobei sich in den (stilisierten) Reden der Einfluss der sophistischen Rhetorik bemerkbar macht: Die Idee von Rede und Gegenrede (die dissoi logoi) war in dieser Zeit sehr einflussreich. Die Reden stellen ohnehin ein Herzstück des Werkes dar, wobei diese Art der Darstellung sich teilweise an die Tragödiendichtung anlehnt. Letztlich handelt es sich bei den Reden um literarische Schöpfungen des Thukydides, die höchstens im Kern „dem tatsächlich Gesagten“ entsprechen. Dabei gilt Thukydides auch sprachlich als einer der großen Autoren des klassischen Griechisch.

Die geschichtsphilosophischen Erwägungen heben das Geschichtswerk deutlich von Herodots Werk ab: Thukydides analysiert sowohl innenpolitische Konflikte (wie die stasis in Kerkyra), als auch die Verzahnung der Innen- mit der Außenpolitik (exemplarisch kann dafür das Wirken des Alkibiades angeführt werden). Allerdings ist seine Darstellung der griechischen Frühgeschichte (Archaiologia) weitgehend wertlos, und auch die Darstellung der so genannten Pentekontaetie weist schmerzhafte Lücken auf, wohingegen die Schilderung des Krieges mit großer Ausführlichkeit erfolgt – freilich nicht ohne Selektion und immer auch mit der Intention verbunden, uns die Sicht der Dinge so nahezubringen, wie sie Thukydides verstand. Dies ist denn auch das große Problem bei der Beschäftigung mit seinem Werk.

Thukydides wollte nicht nur den gewaltigen Krieg zwischen den Bündnissystemen Athens und Spartas beschreiben, er suchte auch nach den anthropologischen Ursachen und ging der Frage nach, wie eine Hegemonialmacht zu Grunde gehen kann. Sein Hauptaugenmerk galt dabei der Macht, die er als Triebfeder des Politischen erkannte. Nirgends wird dies deutlicher als im berühmten Melierdialog (Thuk V. 85 ff.). Dieser gipfelt in der zynischen Feststellung der Athener, dass Recht und Gerechtigkeit nur zwischen Gleichstarken gelten könnten, und dass moralische Entrüstung über die Unterwerfung der Schwachen (hier also der Insel Melos) durch die Starken (Athen) unangebracht sei. Dabei weist Thukydides vorgeblich ohne Urteil, offenbar jedoch voller Wehmut, auch auf die Verrohung der Sitten hin, zu welcher der Krieg geführt habe, ähnlich wie bei der Beschreibung des Bürgerkriegs in Kerkyra.

Bei der Darstellung der Kriegsereignisse verfährt Thukydides nach dem chronologischen Muster von Jahreszeiten – eine Neuerung für die Griechen, die eine einheitliche Jahreszählung noch nicht kannten. Dabei werden manche Ereignisse recht knapp, andere hingegen sehr ausführlich behandelt, wobei gerade in den Reden teilweise eine beeindruckende Argumentationskette aufgebaut wird.

Die wissenschaftliche Haltung eint Thukydides mit seinem Zeitgenossen Hippokrates, der die empirische und vernunftbasierte Herangehensweise in die Medizin einführte. Dies wird vor allem in seiner Analyse der Pestepidemie deutlich.

Gerade die rationale und kühle Analyse der Politik – sein Werk sollte schließlich, in didaktischer Absicht, ein „Besitz für alle Zeit“ (ktéma eis aeí) sein und den Zynismus der Handelnden aufdecken – macht dieses Werk so bedeutend, trotz vieler Kritikpunkte. Die Unterscheidung zwischen Ursachen und Anlässen und die sich über alle Zeiten gleichbleibende Natur des Menschen sind dabei die großen Themen des Thukydides, die bewirken, dass das Werk in seiner das geschichtliche Wirken tief durchdringenden Weise weit über eine bloß aufzählende Kriegs-Chronik hinausgeht.[31]

[Bearbeiten] Problematik

Thukydides baute zahlreiche Reden in sein Werk ein (ca. ein Viertel des Gesamtwerks), die aber – wie er selbst betont – nicht den genauen Wortlaut wiedergeben, denn:

„Die wörtliche Genauigkeit wiederzugeben war schwierig sowohl für mich, wo ich selber zuhörte, wie auch für meine Gewährsleute von anderwärts. Wie meiner Meinung nach ein jeder in seiner Lage sprechen musste, so stehen die Reden da – in möglichst engem Anschluss an den Gesamtsinn des in Wirklichkeit Gesagten.“

Thukydides: I. 22, übersetzt von G.P. Landmann

Durch solcherlei Abstraktion ist es schwierig, die Intention des Thukydides vom eigentlichen Zeitgeschehen zu trennen, vor allem, wenn manchem Redner die Meinung des Thukydides in den Mund gelegt wird (wie die berühmte Grabrede des Perikles [II. 34 ff.], die wohl so nie gehalten wurde), auch wenn sich die Reden angeblich so nah wie möglich am tatsächlich Gesagten orientieren. Zudem arrangierte Thukydides sein Werk derart, dass vor allem seine Betrachtungsweise der Realpolitik deutlich wurde – was ihn freilich dazu verleiten konnte, manche Ereignisse stilisiert wiederzugeben oder manche überhaupt nicht anzusprechen, wie etwa den so genannten Kalliasfrieden: Thukydides erwähnt den Frieden nicht, obwohl es ihn wahrscheinlich gegeben hat (zu diesem Punkt siehe Forschungsproblematik des Kalliasfriedens).

Thukydides tritt nicht vollständig hinter die Handlung zurück, er orientiert sich jedoch weitgehend am Grundsatz der größtmöglichen Objektivität. Daran besteht auch in der modernen Forschung wenig Zweifel: zwar lassen sich nicht alle Angaben des Thukydides verifizieren, aber doch ein guter Teil (wie Vergleiche mit Inschriften oder die Methodik der Prosopographie belegen). Dass uns allein Thukydides als Hauptquelle für einen wichtigen Zeitabschnitt der antiken Geschichte zur Verfügung steht und wir seine persönlichen Auswahlkriterien nicht immer kennen, muss in diesem Kontext stets mitbedacht werden. Gerade seine methodische Entscheidung, nur das zu berichten, was er selbst für plausibel und korrekt hielt, versperrt uns heute mitunter die Sicht auf andere mögliche Versionen. Die Gegenwart ist vom Urteil des Thukydides abhängig.

[Bearbeiten] Nachwirkung und Bedeutung

Zu schreiben wie Thukydides war das Ziel vieler antiker Autoren – wenn sie sich denn für politische Geschichte interessierten. Xenophon schloss an ihn an und Polybios nahm ihn sich zum Vorbild. Die Nachwirkung des thukydideischen Werks war auch während der römischen Kaiserzeit enorm: Lukian von Samosata machte sich in seinem Werk Wie man Geschichte schreiben soll darüber lustig, dass mehrere Geschichtsschreiber ihre Werke vollständig an dem Werk des Thukydides ausrichteten und ganze Passagen von ihm nur leicht verändert übernahmen.[32] Im 3. Jahrhundert wurde Cassius Dio ebenfalls von Thukydides beeinflusst, ebenso wie Dexippos, von dessen Werk aber nur Fragmente erhalten sind. Auch in der Spätantike blieb Thukydides oft ein zentrales Vorbild, so für Ammianus Marcellinus (bzgl. seiner Vorgehensweise in den zeitgenössischen Büchern), Priskos (der sich bei Beschreibungen teils topisch an Thukydides anlehnte) oder für Prokopios von Caesarea.

Im Westen kannte man Thukydides während des Mittelalters nur in Auszügen und in indirekter Überlieferung aus Byzanz, während er in der Renaissance wieder Verbreitung fand. Eine lateinische Übersetzung wurde von Lorenzo Valla 1452 vollendet und 1513 gedruckt. 1760 erschien die erste deutsche Übersetzung, angefertigt vom Theologieprofessor Johann David Heilmann.[33]

In der Moderne wurde er als 'Vater der politischen Geschichtsschreibung' gefeiert und seine (vermeintliche?) Objektivität gerühmt. Unter anderem Machiavelli, Thomas Hobbes (stark von ihm beeinflusst), David Hume, Immanuel Kant, Hegel und Nietzsche priesen ihn, ebenso wie viele Historiker der Neuzeit.

Die Geschichte des Thukydides ist das Werk eines scharfsinnigen Geistes und entwickelte, trotz seiner Komplexität, die es nicht leicht machte, das Werk zu erfassen, eine ungeheure Breitenwirkung bis in unsere heutige Zeit hinein (siehe den berühmten Melierdialog; Thukydides Worte über die Demokratie standen – vor ihrer Streichung – als Motto des Textentwurfs zur EU-Verfassung;[34] siehe die politische Geschichtsschreibung als solche). Am Naval War College in Newport, USA, – ebenso wie an anderen Militärakademien – ist das Werk beispielsweise Pflichtlektüre.[35]

Trotzdem muss gesagt werden, dass gerade die Wirkungsmächtigkeit seines Werkes die modernen Historiker dazu verleiten kann, seine Darstellung unreflektiert zu übernehmen. Thukydides verfährt in Teilen recht selektiv, von der Problematik der Reden ganz zu schweigen (siehe oben). Seine pessimistische Weltsicht war zwar in der Neuzeit enorm einflussreich, doch greift seine Vorstellung, der Mensch sei letztlich nur von Machtstreben bestimmt, wohl doch zu kurz.

Und dennoch war sein von der Sophistik beeinflusstes Geschichtsverständnis einmalig, denn er unterschied erstmals zwischen Ursache und Anlass, womit er den Schritt zur wissenschaftlichen Beurteilung eines Geschehens machte. So kritisch man im Einzelnen verfahren kann, so bleibt doch der Gesamteindruck eines intelligenten Autors bestehen, der mit seiner Monographie über den Peloponnesischen Krieg ein bedeutendes Werk geschaffen hat.

[Bearbeiten] Zitate zu Thukydides

  • Von der jämmerlichen Schönfärberei der Griechen in's Ideal, die der „klassisch gebildete“ Jüngling als Lohn für seine Gymnasial-Dressur in's Leben davonträgt, kurirt Nichts so gründlich als Thukydides. Man muss ihn Zeile für Zeile umwenden und seine Hintergedanken so deutlich ablesen wie seine Worte: es giebt wenige so hintergedankenreiche Denker. (Friedrich Nietzsche, „Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt“, 1888)
  • ... the first page of Thucydides is, in my opinion, the commencement of real history. All preceding narrations are so intermixed with fable, that philosophers ought to abandon them, to the embellishments of poets and orators. (David Hume, „Of the Populousness of Ancient Nations“)

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Übersetzungen

  • Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Hrsg. von H. Vretska und W. Rinner. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-001808-0. (Dort auch weiterführende Literatur und Angaben zu anderen Ausgaben des Werks. Diese Ausgabe ist näher am Text als Landmanns Übersetzung.)
  • Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Gr.-dt. von Georg Peter Landmann. 2 Bde. Bücherei Tusculum, Darmstadt 1993.
  • Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Übersetzt von G. P. Landmann (=Bibliothek der alten Welt). Düsseldorf 2002, ISBN 3-7608-4103-1.

[Bearbeiten] Sekundärliteratur

  • Hans Herter (Hrsg.): Thukydides (Wege der Forschung Bd. 98). Darmstadt 1968. (Sammlung von teils älteren Spezialaufsätzen zum Thema; dort findet sich auch eine Auflistung eines Großteils der älteren Literatur.)
  • Simon Hornblower: A Commentary on Thucydides. Oxford 1991 ff, ISBN 0-19-815099-7 (Bd. 1). (Der beste Kommentar zum Werk des Thukydides.)
  • Ders.: Thukydides aus Athen. I. Herkunft und Leben. II. Werk. A. Inhalt. B. Methode. C. Probleme der Forschung. III. Würdigung. In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Hrsg. von Hubert Cancik und Helmuth Schneider, Bd. 12 (2002), Sp. 506–511. (Knappe Diskussion des Forschungsstandes und Angaben zur neueren Literatur.)
  • Hartmut Leppin: Thukydides und die Verfassung der Polis. Ein Beitrag zur politischen Ideengeschichte des fünften Jahrhunderts vor Christus. Berlin 1999, ISBN 3-05-003458-0. (Ideengeschichtliche Abhandlung, die Thukydides im Zusammenhang mit seiner Zeit betrachtet.)
  • Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Kohlhammer, Stuttgart 1990, S. 45ff.
  • Antonios Rengakos, Antonis Tsakmakis (Hrsg.): Brill’s Companion to Thucydides. Brill, Leiden u.a. 2006, ISBN 978-90-04-13683-0.
  • Wolfgang Schadewaldt: Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen. Bd. 2, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 1990, ISBN 3-518-27989-0. (Zur Einführung)
  • Holger Sonnabend: Thukydides (Studienbücher Antike 13). Hildesheim 2004, ISBN 3-487-12787-3. (Hervorragende Gesamtdarstellung)
  • Wolfgang Will: Thukydides und Perikles. Der Historiker und sein Held (= Antiquitas. Abhandlungen zur Alten Geschichte, Bd. 51). Bonn 2003, ISBN 3-7749-3149-6. (Intelligente Abhandlung über das Geschichtsbild des Thukydides; das Buch ist dabei fast schon eine Doppelbiographie der beiden berühmten Athener.)
  • Perez Zagorin: Thucydides. An introduction for the Common Reader. Princeton University Press, Princeton 2005

[Bearbeiten] Weblinks

Wikiquote Wikiquote: Thukydides – Zitate
Wikisource Wikisource: Thukydides (auf Griechisch) – Quellen und Volltexte
Commons Commons: Thukydides – Bilder, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Ein Originaltitel ist nicht überliefert.
  2. Thukydides 1. 22: κτῆμά τε ἐς αἰεὶ
  3. Thukydides 1.1; 2. 48; 4. 104-107; 5. 26
  4. Sonnabend, S. 9
  5. Plutarch, Kimon 4
  6. Thukydides 1.1
  7. Thukydides; 2. 48
  8. Manolis J., et al. DNA examination of ancient dental pulp incriminates typhoid fever as a probable cause of the Plague of Athens. In: International Journal of Infectious Diseases 10.3 (2006), 206 - 214
  9. Thukydides 4. 104
  10. Thukydides 4. 105f.
  11. Thukydides 5. 26; zitiert nach der Übersetzung von Landmann (München 1991, S. 387f.)
  12. Pausanias 1. 23
  13. Thukydides 8. 84
  14. Sonnabend, S. 15
  15. Georg Peter Landman in: Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Übersetzt und mit einer Einführung und Erläuterungen versehen von Georg Peter Landmann, dtv-Ausgabe München 1991, S.8
  16. Über 411 v. Chr. gelangte Thukydides in seiner überlieferten Darstellung des Kriegsverlaufs nicht hinaus.
  17. Bruno Bleckmann: Der Peloponnesische Krieg. München 2007, S. 9. Bleckmann weist darauf hin, dass man unter anderer Perspektive den Dekeleischen Krieg (413-404 v. Chr.) auch mit Athens Revanche-Versuch für die 404 erlittene Niederlage im Korinthischen Krieg (395-386 v. Chr.) zu einer Großepoche verbinden könnte, statt mit dem Archidamischen Krieg (431-421 v. Chr.). (ebenda)
  18. Bruno Bleckmann: Der Peloponnesische Krieg. München 2007, S. 13.
  19. Georg Peter Landman in: Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Übersetzt und mit einer Einführung und Erläuterungen versehen von Georg Peter Landmann, dtv-Ausgabe München 1991, S. 8
  20. Ernst Heitsch: Geschichte und Personen bei Thukydides. Berlin – New York 2007, S. 174.
  21. Wolfgang Will: Der Untergang von Melos. Bonn 2006, S. 118.
  22. Bruno Bleckmann: Der Peloponnesische Krieg. München 2007, S. 59.
  23. Thukydides 1. 20-22
  24. Thukydides 1. 22; zitiert nach der Übersetzung von Landmann (München 1991, S. 35f.)
  25. Sonnabend, S. 55-58
  26. Thukydides 1. 22; zitiert nach der Übersetzung von Landmann (München 1991, S. 36)
  27. Thukydides 1. 23: τὴν μὲν γὰρ ἀληθεστάτην πρόφασιν, ἀφανεστάτην δὲ λόγῳ, τοὺς Ἀθηναίους ἡγοῦμαι μεγάλους γιγνομένους καὶ φόβον παρέχοντας τοῖς Λακεδαιμονίοις ἀναγκάσαι ἐς τὸ πολεμεῖν· Deutsche Fassung zitiert nach Georg Peter Landmann in: Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Übersetzt und mit einer Einführung und Erläuterungen versehen von Georg Peter Landmann, dtv-Ausgabe München 1991, S. 37
  28. Carlo Scardino: Gestaltung und Funktion der Reden bei Herodot und Thukydides. Berlin – New York 2008, S. 385; Sonnabend 2004, S. 53f.; Hagmaier gibt dazu folgende zusammenfassende Deutung: „Thukydides sieht in den αἰτίαι καὶ διαφοράι die offen zutage liegenden (ἐς τὸ φανερὸν λεγόμεναι) Anlässe, die in der Kriegsverursachung als sekundär notwendiger Faktor fungieren, indem sie als letztlich auslösendes Moment den tiefer liegenden Konflikt wirksam werden lassen. Demgegenüber diagnostiziert er (ἡγοῦμαι) als im eigentlichen Sinn verantwortlichen Faktor (ἀληθεστάτη πρόφασις) unter der sichtbaren Oberfläche das Zusammenwirken zweier Faktoren, des Wachsens der athenischen Macht und der dadurch bei den Spartanern ausgelösten Furcht. Da hinter diesen beiden Komponenten die in der ἀνθρώπεία φυσις [menschlichen Natur] verankerten Triebkräfte stehen, trägt dieser Prozess eine unausweichliche Notwendigkeit (ἀναγκάσαι) in sich.“ (Martin Hagmaier: Rhetorik und Geschichte. Eine Studie zu den Kriegsreden im ersten Buch des Thukydides. Berlin – New York 2008, S. 6f.)
  29. Sonnabend, Thukydides, S. 26ff.
  30. Sonnabend, Thukydides, S. 36 ff.
  31. Vgl. zu Inhalt und Methodik zusammenfassend Sonnabend, Thukydides, S. 42ff. und S. 83f.
  32. Vgl. dazu Karl Strobel: Zeitgeschichte unter den Antoninen: Die Historiker des Partherkrieges des Lucius Verus. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Bd. II.34.2, 1994, S. 1315–1360, speziell S. 1334ff., wobei die Möglichkeit besteht, dass die von Lukian erwähnten Autoren nur Fiktion sind und ihm zur Illustrierung seiner Argumentation dienten.
  33. Zur Rezeption und Beurteilung siehe die knappe Zusammenfassung bei Sonnabend, Thukydides, S. 105ff.
  34. Die Verfassung, die wir haben (...) heißt Demokratie, weil der Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf die Mehrheit ausgerichtet ist.“ (Thukydides II 37).
  35. Warum eine Lektüre des Werks auch heute noch lohnt, hat erst vor kurzem Morrison dargelegt: James Morrison, Reading Thucydides, Columbus/OH 2006.
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