Trajan

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Dieser Artikel behandelt den römischen Kaiser Trajan. Zur gleichnamigen Schriftart siehe Trajan (Schriftart), zum rumänischen Vornamen und zur slawischen Gottheit siehe Traian.

Marcus Ulpius Traianus (* 18. September 53 vielleicht in Italica[1]; † 8. August 117 in Selinus, Kilikien) war von Januar 98 bis 117 römischer Kaiser.

Verfolgungen und Hinrichtungen römischer Senatoren durch Domitian und die zunehmende Angst in dessen familiären Umfeld führten zur Ermordung des letzten flavischen Herrschers. Nach dem gewaltsamen Ende der flavischen Dynastie begründete der Übergangskandidat Nerva mit der Adoption Trajans das Adoptivkaisertum und verhinderte damit einen erneuten Bürgerkrieg. Trajan war der erste römische Kaiser, der aus einer Provinz stammte. Seine Innenpolitik zielte durch umfangreiche kaiserliche Bau- und Sozialmaßnahmen auf eine Stärkung Italiens. In der Außenpolitik fand unter ihm mit den beiden Dakerkriegen und dem Partherkrieg die letzte große militärische Expansion des Römischen Reiches statt. Durch die Eroberung Armeniens, Mesopotamiens und vor allem des Dakerreiches erlebte das Römische Reich zeitweilig seine größte Ausdehnung. Seine Regierungszeit mündete in eine mehr als siebzigjährige dynastische Kontinuität. Durch das einzigartige Verhältnis Trajans zum römischen Senat wurde er bereits zu Lebzeiten als bester römischer Kaiser (optimus princeps) angesehen. Er gilt bis zur Gegenwart als idealer Herrscher.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben bis zum Herrschaftsantritt

[Bearbeiten] Herkunft und Jugend

Denar Trajans

Trajan gehörte zu den Nachfahren einer Gruppe von Kolonisten, die 205 v. Chr. von Scipio Africanus in Italica in der Provinz Hispania (später Baetica) im Süden der iberischen Halbinsel angesiedelt worden waren. Seine Familie stammte ursprünglich aus Tuder in Umbrien. Trajan selbst dürfte jedoch eher ein Stadtrömer als ein Südspanier gewesen sein, denn sein Vater stand im Geburtsjahr seines Sohnes am Anfang seiner senatorischen Laufbahn, was einen Aufenthalt in Italica fast ausschließt.[2] Sein gleichnamiger Vater hatte wohl unter Claudius als einer der ersten nicht-italischen Senatoren den Aufstieg in den römischen Senat geschafft. Im Jahr 70 wurde der ältere Traianus Konsul und in den Stand der Patrizier erhoben. Von etwa 73 bis 77 vertraute ihm Kaiser Vespasian die Statthalterschaft in Syrien an, der wichtigsten Militärprovinz im Osten. Dort hatte der ältere Traianus erfolgreich Kämpfe, wohl gegen die Parther, zu bestehen. Ihm wurden die ornamenta triumphalia, die Auszeichnung eines Triumphators, verliehen. Durch Konsulat, Zugehörigkeit zum Patriziat und dem Rang eines triumphalis vir hatte er seinem Sohn einen leichten Weg in eine senatorische Laufbahn geebnet. Über die Mutter ist wenig bekannt. Vielleicht war sie eine Marcia und kam dann wohl aus einer senatorischen Familie Italiens, die schon seit tiberischer Zeit konsularen Rang erreicht hatte.

Über Kindheit und Jugend Trajans ist nichts bekannt. Er wird eine standesgemäße Erziehung erhalten haben, was neben Lesen und Schreiben auch Unterricht in Grammatik und Rhetorik eingeschlossen hat. Von Trajans senatorischer Laufbahn ist wenig bekannt. Er diente als Militärtribun unter seinem Vater in Syrien. Wie lange diese Tätigkeit dauerte, ist unbekannt, doch sicher nicht für zehn Jahre, wie Plinius der Jüngere behauptet,[3] denn unter gewöhnlichen Umständen dauerte ein Legionstribunat höchstens zwei bis drei Jahre. Noch unter Vespasian wurde Trajan um 78 oder 79 Quästor. Danach könnte er seinen Vater in die Provinz Asia begleitet haben, die sein Vater im Jahr 79/80 oder 80/81 als Prokonsul leitete.

[Bearbeiten] Gewaltsames Ende der flavischen Dynastie

Unter Kaiser Domitian bekleidete Traian 81 die Prätur. Möglicherweise verhinderten Probleme zwischen Domitian und Trajan, dass er, wie für einen Patrizier gewöhnlich, zwei bis drei Jahre später das Konsulat erhielt. Stattdessen wurde er 88 Legat bei der in Nordspanien stationierten Legio VII Gemina. Als Kommandeur dieser Legion beorderte ihn Domitian im Winter 88/89 nach Obergermanien zur Niederschlagung des Aufstandes des Lucius Antonius Saturninus. Der Saturninusaufstand wurde allerdings schon durch Aulus Bucius Lappius Maximus niedergeschlagen, bevor Trajan dort ankam. Für sein loyales Verhalten bekleidete er im Jahr 91 gemeinsam mit Manius Acilius Glabrio zum ersten Mal das Konsulat – relativ spät für einen Patrizier.

Domitian machte als Princeps seine faktisch autokratische Stellung gegenüber dem Senat in aller Klarheit deutlich. In seiner Regierungszeit wurde eine Vielzahl von Senatoren hingerichtet. Auf die zahlreichen Verschwörungen gegen ihn reagierte er mit Hinrichtungen. Wie unberechenbar Domitian wurde, zeigte sich, als er im Verlauf des Jahres 95 seinen Cousin Titus Flavius Clemens hinrichten ließ. Selbst seine Familienangehören wussten nun, dass sie nicht mehr sicher waren. Die Angst, die bei so vielen bestand, war die Ursache für eine Verschwörung, die zu seinem Tod führte. An ihr waren allerdings keine Senatoren beteiligt, vielmehr handelten Leute aus Domitians engster Umgebung wie seine Gemahlin Domitia Longina, die beiden Prätorianerpräfekten und einige seiner Freigelassenen. Am 18. September 96 wurde mit Domitian der dritte und letzte Herrscher der Flavier ermordet.

[Bearbeiten] Beginn des Adoptivkaisertums

Mit dem 66jährigen Nerva war im September jedoch ein Senator auf den Thron gehoben worden, der trotz seiner politischen Verdienste zahlreiche Schwächen als Herrscher hatte und ein charakteristischer Übergangskandidat war, wodurch die eigentliche Frage der Nachfolge offengehalten und ein erneuter Bürgerkrieg nach dem Abbruch der flavischen Dynastie – anders als beim Ende Neros – verhindert wurde. Nerva war kinderlos und angesichts seines Alters schien es sicher, dass er keine Dynastie mehr gründen werde. Er verdankte seine Herrschaft den Verschwörern gegen Domitian, obgleich er selbst nicht zu ihrem engsten Kreis gehörte.[4] Nerva war im Gegensatz zu Domitian bei den Soldaten nicht beliebt.[5] Er hatte zu keinem Zeitpunkt seiner Laufbahn Legionen kommandiert. Um die Gunst der Truppen bemühte sich der neue Kaiser kaum. Auch im Senat war Nervas Herrschaft nicht unumstritten.

Die Unzufriedenheit im Heer und der Prätorianergarde und die nur schwache Akzeptanz Nervas im Senat waren der Nährboden für die Krisen seiner Regierung. Die Prätorianergarde unter ihrem Präfekten Casperius Aelianus setzten aus ihrer Wut über die Ermordung Domitians den neuen Kaiser Nerva in seinem Palast gefangen und zwangen ihn, Domitians Mörder hinzurichten, jene Männer, die Nerva erst den Weg zur Herrschaft bereitet hatten. Damit verlor Nerva als Kaiser viel von seiner Autorität. Noch im Jahre 96 wurde eine Verschwörung gegen ihn aufgedeckt. Schon zu dieser Zeit bemühten sich zwei Fraktionen innerhalb des Senats darum, dass Nerva ihren Kandidaten zu seinem Nachfolger designieren würde. Einer der Kandidaten war Cornelius Nigrinus, ein hochdekorierter General Domitians und mindestens seit 95 Statthalter in der Provinz Syrien, wo die stärkste Armee des Ostens stand. Die andere Fraktion bildeten Senatoren, die eher Trajan zuneigten. Zu diesen Senatoren zählen wohl Sextus Iulius Frontinus, Lucius Iulius Ursus, Gnaeus Domitius Tullus, Lucius Licinius Sura und Titus Vestricius Spuriana. Was die Senatoren dazu veranlasste, Trajan auszuwählen und sich damit gegen Cornelius Nigrinus auszusprechen, ist unklar.

Unter Nerva erhielt Trajan 97 die Statthalterschaft in Germania Superior. Dies war wohl schon Teil eines Plans, um die drohende Usurpation durch Nigrinus zu verhindern, da in Obergermanien drei Legionen und zahlreiche Auxiliareinheiten stationiert waren, insgesamt im Jahr 96/97 etwa 35.000 Mann.[6] Der dortige Gouverneur kommandierte jedenfalls das Italien zunächst gelegene große Heer. Dieses konnte er gegen den Kaiser oder auch zu dessen Schutz einsetzen. Während der Wirren des Jahres 97, als offenbar zwei Gruppen um die Macht kämpften, war Trajan in seiner Provinz geblieben. Im Oktober 97 erhielt er die Nachricht er sei von Nerva adoptiert worden. Trajan verdankte seiner Herrschaft demnach nicht einer von Plinius im Panegyricus stilisierten plötzlichen göttlichen Eingebung, die ihm zeigt, Trajan sei derjenige, den er adoptieren solle.[7] Durch seine Adaption war Trajan zum Teilhaber der Herrschaft geworden. Sofort brach jeder Widerstand gegen Nerva zusammen. Trajan wurde als Nachfolger herausgestellt, indem er die kaiserlichen Kompetenzen imperium proconsulare und tribunicia potestas, den Namen Caesar und den Siegerbeinamen Germanicus erhielt. Das Jahr 98 begann Trajan gemeinsam mit Nerva als ordentlicher Konsul. Die Nachricht von Nervas Tod am 28. Januar 98 erhielt Trajan in Köln. Angeblich war es der spätere Kaiser Hadrian, der Trajan als Erster die Nachricht überbrachte.[8] Als neuer Princeps ging Trajan gegen alle Konkurrenten und Widersacher aus der Zeit Nervas vor. Den Kommandeur Casperius Aelianus sowie Teile der Prätorianer beorderte er zu sich und ließ sie hinrichten.[9] Anders als der Prätorianerpräfekt behielt Nigrinus zwar sein Leben, doch wurde ihm die syrische Statthalterschaft entzogen, wodurch er sein militärisches Potential verlor. Er zog sich womöglich in seine spanische Heimat zurück.

[Bearbeiten] Der Prinzipat Trajans

Trajan

[Bearbeiten] Regierungsantritt

Trotz Nervas Tod blieb Trajan weiterhin am Rhein und kehrte erst zwei Jahre später nach Rom zurück. Die lange Abwesenheit scheint in der Hauptstadt die Erwartung eines Germanenkrieges geweckt zu haben.[10] Zu seinem Nachfolger für die Statthalterschaft der Germania Superior ernannte Trajan seinen Comes Iulius Ursus Servianus, mit der Verwaltung Niedergermaniens betraute er Lucius Licinius Sura, zwei Kommandeure die auch später mit die wichtigsten Stützen seiner Herrschaft bildeten. In den Jahren 97 und 98 wurde an einer Straße von Mainz und Koblenz gebaut. Das Jahr 98 verbrachte Trajan mit Inspektionstouren an Rhein und Donau. Größere militärische Ereignisse haben während Trajans Aufenthalt am Rhein nicht stattgefunden. Das zweijährige Unternehmen diente vor allem der Sicherung des Friedens an den Nordgrenzen des Reichs. Im Winter 98/99 hatte er die Donau erreicht und betrieb Maßnahmen zum Ausbau und Festigung der Reichsgrenze, dabei setzte er die Grenzpolitik von Domitian fort, der den Schwerpunkt schon vom Rhein zur Donau verlegt hatte. In der Zeit begann er auch mit der Errichtung des Neckar-Odenwald-Limes. Die zweijährige Inspektionsreise sollte auch die Gefolgschaft der Grenztruppen und ihrer Bewohner sichern. Oft wurde angenommen, der eigentliche Zweck der Truppeninspektionen waren Vorbereitungen für einen Krieg gegen die Daker.[11] Doch berichten die Quellen nichts darüber, was die eigentliche Zielsetzung der Rhein- und Donaureise zwingend mit dem ersten Dakerkrieg verbindet. Im Herbst 99 kehrte Trajan nach Rom zurück. Obwohl es nicht zu einem Germanenkrieg kam, wurde das zweijährige Unternehmen Trajans zur Sicherung des Friedens an den Nordgrenzen des Reichs in Rom als Sieg verkündet und gefeiert.[12]

[Bearbeiten] Verhältnis zum Senat

Nach seiner Rückkehr in Rom erhielten die beiden Senatoren Sextus Iulius Frontinus, Lucius Iulius Ursus ihren jeweils dritten Konsulat und dies gemeinsam mit dem Princeps, der zu diesem Zeitpunkt selbst erst seinen dritten Konsulat bekleidete. Als Grund dieser außergewöhnlichen Ehrung wird die Rolle des Iulius Ursus und Iulius Frontinus bei der Regelung der Nachfolge angesehen.[13]

Trajan gab seiner Herrschaft bewusst den Anschein eines Gegenbildes zu Domitian. Gegenüber den Senatoren ist seine Herrschaft von Wohlwollen und Kooperation geprägt. Schon in seinen ersten Briefen vom Rhein aus schwor er, dass er keinen Senator ohne Verfahren vor dem Senat werde hinrichten lassen,[14] woran er sich offensichtlich auch hielt. Dies war zwar bereits seit mehreren Regierungswechseln übliche Praxis, doch hatte Domitian mit dieser Tradition gebrochen und keinen Eid abgelegt. Seine Rückkehr aus den Donauprovinzen nach Rom im Jahr 99 vollzog sich ohne Prunk. Trajan zog zu Fuß ein. Die ihn erwartenden Senatoren wurden mit einem Kuss begrüßt. Bereits in den ersten Wochen seiner Herrschaft ließ Trajan über die Münzen verkünden, dass er seine Herrschaft vom Senat erhalten habe.[15] Anders als bei Domitian und zahlreichen anderen Vorgängern wurde Trajan nicht vorgeworfen sich am Vermögen der Bürger, speziell der Senatoren, zu bereichern. Die Majestätsprozesse wurden zwar auch unter Trajan nicht abgeschafft, doch wurden sie von ihm gegen Senatoren nicht zugelassen. Um Verstimmungen zu vermeiden, wurden hohe Positionen auch mit unter Domitian geförderten Rittern und Senatoren besetzt. Trajan zeigte moderatio (Mäßigung) als er den vom Senat angetragenen Titel Pater patriae ablehnte, ihn dann aber doch im Herbst 98 annahm. Die Praxis der Flavier, ständig einen ordentlichen Konsulat zu bekleiden, führte er nicht fort. Während seiner Herrschaft war Trajan nur vier weitere Male Konsul (100, 101, 103, 112). Dennoch wurde seine Dominanz gegenüber dem Senat und seine faktische Macht nicht gemindert. Als der Senat ohne Wissen Trajans eine Münze in Umlauf brachte, auf der ein Vertreter des Senats und der Princeps gemeinsam die Weltkugel halten und die Beischrift Providentia Senatus den Anteil des Senates besonders betonte, ließ Trajan diesen Münztyp umgehend verbieten. Allein der Kaiser sicherte die Herrschaft über das Reich. Selbst Plinius erkennt: Sunt quidem cuncta sub unius arbitrio („alles hänge vom Willen des Einzelnen ab“)[16] Da Trajan nicht der leibliche Sohn Nervas war, konnte die Idee des Besten (optimus), der aus allen Guten (boni, d.h. den Senatoren) durch Adoption im Konsens mit dem Senat zur Herrschaft gelangt war, propagiert werden[17], obwohl der Senat faktisch daran keinen Anteil hatte. Im Oktober 99 schwor Trajan, bei seiner dritten Designation zum Konsul, auf dem Marsfeld stehend vor den sitzenden Konsuln den Eid auf die Republik, dass die Götter ihn strafen mögen, sollte er wissentlich gegen die Republik handeln. Durch diese Zeichen und Gesten der scheinbaren Gleichrangigkeit betonte er die ideologische Stellung des Senates als Mitte des Staates und seine kaiserliche Position als primus inter pares, sodass Plinius schwärmen konnte, dass der Kaiser „einer von uns“ (unus ille...ex nobis[18]) sei und nicht über den Gesetzen stehe (non est princeps supra leges, sed leges supra principem[19]).

Trajan setzte nicht nur im Umgang mit dem Senat neue Akzente. Auch die Ideologisierung des Prinzipats geschah in bewusster Distanzierung von der als Tyrannei empfundenen Herrschaft Domitians. Gefeierte neue Schlagworte neben den alten Kardinaltugenden wie clementia (Milde), iustitia (Gerechtigkeit), pietas (Frömmigkeit), virtus (militärische Tüchtigkeit) waren Leitbegriffe wie moderatio (Mäßigung), comitas (Freundlichkeit), temperantia (Selbstbeherrschung), mansuetudo (Sanftmut), humanitas (Menschlichkeit), vor allem aber die civilitas als Qualität der Bürgerlichkeit schlechthin. Bereits im Jahr 103 wurde auf Münzen der Name Optimus Princeps propagiert.

[Bearbeiten] Dakerkriege

Hauptartikel: Dakerkriege

[Bearbeiten] Erster Dakerkrieg

Schlachtszene des Ersten Dakischen Krieges

Nach römischen Selbstverständnis durfte ein Kaiser nur „gerechte Kriege“ (bella iusta) führen. Offiziell gab das Verhalten des Dakerkönigs Decebalus den Anlass zum Krieg gegen das Dakerreich. Ihm wurde vorgeworfen, gegen die Bestimmungen des Friedensvertrages von 89 verstoßen zu haben. Die tieferen Gründe sind wohl in der Bedrohung der Stabilität der Donaugrenze und der Sicherheit der römischen Balkanhalbinsel durch das Machtgebilde des Dakerreiches zu sehen.[20] Aber auch kriegerischen Ruhm zu erwerben dürfte für Trajan eine wesentliche Rolle gespielt haben. Im Frühjahr 101 eröffnete er den Krieg gegen die Daker. Am 25. März brach Trajan mit Einheiten der hauptstädtischen Gardetruppen an die dakische Front auf. In der Schlacht von Tapae entbrannte die einzig große Auseinandersetzung dieses 1. Dakerkrieges, die Trajan seinen ersten bedeutenden Sieg einbrachte.[21] Doch hatte der Dakerkönig keine vernichtende Niederlage hinnehmen müssen und befahl einem bedeutenden Teil seiner Reitertruppen in die römische Provinz Moesia Inferior einzufallen. Mit diesem Entlastungangriff hoffte der Dakerkönig wohl die Unterstützung der dortigen, stammesverwandten Bevölkerung für sich zu gewinnen.[22] Dies zwang Trajan und seine Truppen zum Rückzug und sich ins Krisengebiet nach Untermösien zu begeben. Auch die folgende Schlacht konnte Trajan für sich entscheiden. Daraufhin wandte Trajan sich wieder Dakien zu und verstärkte die dortigen Truppen um eine weitere Legion. Es gelang ihm das Feldzeichen zurückzugewinnen, welches die Daker bei ihrem Sieg über Cornelius Fuscus im Jahre 86 erbeutet hatten.[23] Mittlerweile wurde auch die Schwester von Decebalus gefangen genommen. Diese Begebenheiten veranlassten Decebalus Trajan um Frieden zu ersuchen. Auf das dakische Friedensangebot ließ Trajan sich ein. Die Bedingungen des Friedensvertrages[24] beinhalteten die Ablieferung der Waffen und Kriegsmaschinen durch die Daker, sowie die Zurücksendung der römischen Militäringenieure, die ihm Domitian im Rahmen des Friedens von 89 zur Verfügung gestellt hatte. Dacebalus musste seine Festungen schleifen lassen, sich aus allen besetzten Gebieten zurückziehen und sich außenpolitisch Rom vollständig unterordnen. Noch 102 nahm Trajan den Siegerbeinahmen Dacius an, zog nach Rom und feierte einen Triumph. Zwar hatte nun Rom größere Teile der späteren Provinz Dacia bereits unter Kontrolle, doch scheint die offizielle Vorverlegung der Reichsgrenzen und die Errichtung einer Provinz noch nicht verkündet worden sein.[25]

[Bearbeiten] Zweiter Dakerkrieg

Schlachtszene zwischen den Dakern und den Römern auf der Trajanssäule

Nach dem Abschluss des Friedens mit Trajan bemühte sich der Dakerkönig um den Aufbau eines gegen Rom gerichteten Bündnisses mit seinen Nachbarn.[26] Er beschaffte sich ferner Waffen und nahm erneut Überläufer auf, erneuerte seine Verteidigungsanlagen und ging sogar mit Gewalt gegen die mit Rom verbündeten Jazygen vor. Die Erkenntnis in Rom, dass sich Decebalus weder durch harte Friedensverträge noch durch militärische Überwachung sich unterordnete konnte nur die Zerschlagung des Dakerreiches und die Einrichtung einer römischen Provinz zur Folge. Der Beginn des Zweiten Dakerkrieges wurde erneut durch eine Kriegserklärung des Senats eingeleitet.[27] Zu Beginn des 2. Dakerkrieges lagen 14. Legionen bereit, fast die Hälfte der zu dieser Zeit im Römischen Reich aufgestellten Legionen. Decebalus‘ Versuche den Frieden auf diplomatischen Wege zu erneuern, sowie die benachbarten Völker zum Kriegseintritt zu bewegen, scheiterten. Zahlreiche hochrangige dakische Gefolgsleute verließen ihn. Noch bevor der Kaiser auf den Kriegsschauplatz eintraf, musste er einsehen, dass er den Krieg nicht hätte gewinnen können. In seiner verzweifelten Lage schickte er einen Überläufer nach Trajan, der sich noch in Moesien aufhielt, um ihn ermorden zu lassen.[28] Doch auch das scheiterte. Daraufhin traf er sich mit dem General Pompeius Longinus zu Kapitulationsverhandlungen, und nahm diesen mit einigen seiner Begleiter gefangen. Seine Forderungen zur Freilassung des Longinus waren die Räumung aller römisch besetzten Gebiete bis zur Donau und eine Entschädigung sämtlicher Kriegskosten. Die hohen Forderungen schlug Trajan zunächst weder ab noch akzeptierte er sie. Durch Selbstmord beendete Longinus die Verzögerung des römischen Vormarsches. Doch konnte die römische Kampagne erst im Frühjahr 106 fortgeführt werden. Die römische Armee rückte ins dakische Reichszentrum vor und besiegte die gegnerischen Verbände. Decebalus gelang zwar zunächst die Flucht, doch wurde er von einem Verfolgertrupp unter der Führung des Tiberius Claudius Maximus eingeholt und konnte sich nur durch Selbstmord der Gefangennahme entziehen. Das abgeschlagene Haupt wurde Trajan gebracht. Der ließ das Haupt als Zeichen für den totalen Sieg Roms und zur Demütigung des Feindes auf der Gemonischen Treppe zur Schau stellen. Das Land wurde als Provinz Dacia seit 106 einem Statthalter mit zwei Legionen unterstellt. Bereits 106/07 wurde die römische Kolonie Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacia Sarmizegetusa als Ersatz für die alte Königsstadt gegründet. Durch die erhebliche Dezimierung der dakischen Bevölkerung kamen Siedler aus allen Teilen des Reichs, aber auch Veteranen wurden angesiedelt. Da alle Latein sprachen, wurde Dakien sprachlich so schnell romanisiert wie keine andere Provinz. Im Sommer 107 feierte Trajan einen zweiten Triumph über die Daker. Die Kriegsbeute dürfte für die römische Innenpolitik von Bedeutung gewesen sein. Durch das dakische Gold veranstaltete Trajan in verschwendischer Form Spiele im Circus und im Amphitheater. Allein in den Jahren 108 und 109 kämpften während der Veranstaltungen aus Anlass des zweiten Dakerkrieges 4941 Gladidatorenpaare.[29] Lucius Licinius Sura, der eine hervorragende Rolle in beiden Dakerkriegen spielte, wurde die außerordentliche Ehre eines dritten Konsulats zuteil.

[Bearbeiten] Italienpolitik

Trajanssäule

Die sechs Jahre von 107 bis 113 zwischen den Dakerkriegen und den Partherkrieg waren die längste Zeit die Trajan nicht in den Provinzen sondern in Rom verbrachte. Seine Politik ist dabei durch Paternalismus und besondere Förderung Italiens geprägt. Bereits Nerva hatte Italien einen besonderen Rang eingeräumt und dies auch öffentlich durch Münzen kundgetan. Trajan führte diese Politik fort. Durch ein Edikt wurde Kandidaten für senatorische Ämter auferlegt, mindestens ein Drittel ihres Besitzes in Land innerhalb Italiens anzulegen.[30] In Italien entfaltete Trajan eine rege Bautätigkeit. Ähnlich wie seine Vorgänger verbesserte auch Trajan das Straßennetz in Italien. 112 stellte er die Via Traiana von Benevent nach Brundisium fertig. Damit sollte die Via Appia entlastet werden, die mit Brundisium denselben Zielpunkt hatte. Außerdem wurden die Reisemöglichkeiten in weiten Teilen Italiens dadurch verbessert, da der Osten von Apulien und Calabria besser erschlossen werden konnte. Nördlich von Ostia wurde ein neuer Hafen gebaut, um die Lebensmittelversorgung Roms zu sichern und die Anlandung der Massengüter wie Baumaterial und Marmor vom Einfluss des Wetters weniger abgängig zu machen.[31] Neubauten und Erweiterungen von Häfen wurden auch in Ancona, Centumcellae und Terracina vollzogen. Der besondere Stellenwert Italiens im politischen Denken und Handeln Trajans schlug sich auch in den Münzen nieder. Auf Münzen wird eine Wiederherstellung Italiens Italia rest(ituta) (Wiederherstellung Italiens) propagiert. Provinzen werden unter Trajan nur genannt, wenn sie für das Reich neu erworben worden sind. Andere Provinzen, die schon lange zum Imperium gehörten, werden nicht aufgeführt.

Fast zu Beginn seiner Herrschaft begann Trajan eindrucksvolle Bauten zur Verschönerung Roms, zum Nutzen der Bevölkerung und zu seinem eigenen Ruhm zu errichten. Besondere Aufmerksamkeit widmete sich Trajan dabei der Sanierung der Infrastruktur in den italienischen Städten. Das Wasserleitungssystem wurde ausgebaut und renoviert. Die 109 fertiggestellte und fast 60 Kilometer lange Wasserleitung, aqua traiana, führte aus der Gegend des Lago di Bracciano im Norden Roms Wasser in den Stadtteil rechts des Tiber. Mit der Aqua Traiana band Trajan die sozial eher schlecht gestellten Wohnviertel der Regio Transtiberim an die Wasserversorgung an. Bis zum Jahre 109 entstanden Thermen von bisher unbekannten Ausmaß. Die Trajanthermen übertrafen die Bauwerke seiner Vorgänger. Allein gegenüber den Titusthermen waren sie viermal so groß und wurden in der Nähe der Vergnügungsbauten des Kolosseums, des Ludus Magnus und der Titutsthermen, errichtet.[32] Dabei wurde auch der Großteil von Neros Goldenen Haus überbaut. Die Rückführung des Geländes in den öffentlichen Nutzen war beabsichtigt und verstärkte im Gegensatz zum schlechten Kaiser Nero das Bild des optimus princeps. Zur Einweihung der Traiansthermen 112 wurden 117 Tage Spiele veranstaltet, bei der 8000 Gladidatoren und 10 000 Tiere kämpften.[33]

Ähnlich wie Augustus wurde von Trajan auch eine Naumachie für nachgestellte Seeschlachten errichtet. Der monumentalste Baukomplex war allerdings das forum traiani, das Trajan zwischen 107 und 113 durch den Architekten Apollodor von Damaskus errichten ließ. Mit seiner Länge von 300 und einer Breite von 185 Metern übertraf es alle bisherigen Kaiserforen in Rom beträchtlich. Anders als die Kaiserforen seiner Vorgänger konnte keine die familiäre Herkunft erklärende Gottheit und auch kein Rächergott oder eine persönliche kaiserliche Schutzgott auf dem Forum Traiani den zentralen Platz beanspruchen. Vielmehr werden Militär und Senat als Stützen der kaiserlichen Macht bedacht und auch die Sorge für das Volk erhält ihren Ausdruck. Das eigentliche Siegeszeichen war die auf dem Trajansforum errichtete Trajanssäule. Das fast 200 Meter lange Reliefband dokumentierte in zwei großen Abschnitten mit zahllosen Details und Einzelszenen die beiden Dakerkriege.

In Rom gewährte Trajan 5000 Kindern Anteil an kostenloser Getreideverteilung.[34] Das umfassendste Unternehmen zur Stärkung Italiens war jedoch die Alimentarinstitution. Bereits unter Nerva hatte es erste Ansätze einer Alimentarinstitution gegeben. Trajan führte dies in größerem Ausmaß fort. Diese Alimentarstiftung sicherte durch Zinsen und Darlehen, die Trajan Grundbesitzern gewährte, vermutlich hunderttausende Jungen und Mädchen monatliche Unterstützung.[35] Ziel war offensichtlich eine Erhöhung der Geburtenrate in Italien und eine Stärkung der römischen Wehrkraft.[36] Zur Stärkung Italiens wurden mit der legio II. Traiana und die legio XXX Ulpia auch zwei neue Legionen aufgestellt. Auf einer Bronzetafel für die Stadt Veleia, etwa 30m km vom heutigen Piacenza entfernt, sind entsprechende Reglungen der sogenannten alimenta überliefert. Insgesamt erhielten dort aus der traianischen alimenta 300 Kinder eine Zahlung, 264 Jungen je 16 Sesterzen pro Monat und 36 Mädchen je 12. Von der kaiserlichen Sozialmaßnahme, durch die ein großer Teil Italiens erfasst wurde, sind bisher etwa 55 Städte bekannt. Es war die weitreichendste Sozialmaßname im Römischen Reich und hatte bis zum 3. Jahrhundert bestand.

[Bearbeiten] Städtegründungen

Trajan war bemüht den inneren Ausbau des Reichs voranzutreiben. Dabei stützte sich der römische Staat auf Städte als unterste Verwaltungseinheiten, die ihm die Herrschaftsausübung erleichterten. Man überließ ihnen hinsichtlich der lokalen Selbstverwaltung besonders auf den Gebieten der Steuereinziehung, der niederen Gerichtsbarkeit und der Rekrutierung Kompetenzen. Die trajanischen Städtegründungen bzw. die Erhebungen zu höheren Stadtrechtsformen haben ihre geographischen Schwerpunkte in den germanischen Provinzen (Germania Inferior und der Norden der Superior), in den Provinzen der mittleren und unteren Donau von Pannonien bis Untermösien und Thrakien und schließlich die Provinz Africa Proconsularis.[37] In Niedergermanien gründete Trajan in der Nähe des heutigen Xanten die Kolonie Ulpia Traiana. Ebenfalls wurde die Hauptstadt der Bataver Ulpia Noviomagus Batavorum (Nijmegen) neu gegründet und organisiert, damit konnte Trajan sich die Gefolgschaft niedergermanischer Stämme sichern, die fortan wieder ihm als kaiserliche Kavallerieeinheit dienten. In der Germania Superior erfolgte nach der Verlegung von Truppen an den Limes eine zivile Strukturierung der Provinz. Es entstanden im Rhein-Main-Neckar-Gebiet die Civitas Mattiacorum mit dem Hauptort Aquae Mattiacae (Wiesbaden), die Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium (Hauptort Ladenburg) und die Civitas Taunensium mit dem Hauptort Nida (Frankfurt-Heddernheim). In Pannonien wurde nach der Verlegung der Legio XIII Gemina, die an einem der beiden Dakerkriege teilnahm und in der neugeschaffenen Provinz verblieb, die Colonia Ulpia Traiana Poetovio gegründet. In Thrakien beabsichtigte Trajan die Verwaltung des Landes weitgehend den neugeschaffennen Städten zu übertragen. Sechs Städte haben ihren Ursprung bzw. erfuhren eine Veränderung ihrer Rechtsform in trajanischer Zeit. Traianopolis (östlich des heutigen Alexandroupolis), Augusta Traiana (Stara Zagora), Plotinopolis (bei Didymoteichon) und Markianoplois (Devna). Den Städten Pautalia (Kjustnedil), Serdike (Sofia) und Topeiros (bei Xanthi) und evt. Bizye (Viza) wurden durch Trajan das Stadtrecht verliehen.

In Nordafrika wurden Lepcis Magna, Hadrumetum und eventuell Lepti Minus als wirtschaftlich blühende und weitgehend romanisierte Städte zu Titularkolonien erhoben. In Numidien wurde der Statthalter Lucius Munatius Gallus angewiesen die Stadt Thamugadi als Colonia Marciana Traiana durch die Ansiedlung von Veteranen der Legio XXX Ulpia Victrix zu gründen. Die Stadt entwickelte sich zu einer der blühendsten Städte Nordafrikas.

[Bearbeiten] Trajan und Plinius

Am 1. September 100 hielt Plinius der Jüngere bei seinem Antritt als Suffektkonsul den Panegyrikus, eine Lobrede auf die nach der Schreckensherrschaft des Domitian durch Nerva und Trajan eingeleitete Ära. Plinius skizzierte Trajan, indem er ihm zahlreiche Taten und Tugenden zuschrieb und ihn von den schlechten Principes, insbesondere von Domitian, abgrenzte. Zwischen den Jahren 109 und 113 verwaltete Plinius für eineinhalb Jahre die Provinz Pontus et Bithynia in Nordwestkleinasien. Wahrscheinlich aus militärischen Gesichtspunkten wurde Plinius direkt im Auftrag des Kaisers als legatus Augusti pro praetore dort tätig, denn Trajan bereitete den Partherkrieg vor, und Nordwestkleinasien war Durchmarschgebiet von der nördlichen bis zur östlichen Reichsgrenze. Während dieser Zeit entwickelte er eine rege Korrespondenz mit Trajan. Dieser Korpus umfasst 107 Briefe. Die Korrespondenz ist eine einzigartige Quelle über die römische Provinzialverwaltung und das Leben in einer griechischsprachigen Provinz im Römischen Reich.

Der Briefwechsel zwischen Plinius und Trajan über den amtlichen Umgang mit Christen, stellt das wichtigste, weil einzige erhaltene Zeugnis über Christenprozesse dar, das nicht durch christliche Autoren vermittelt ist und dazu amtlichen Charakter besitzt.[38] Plinius beginnt seine Anfrage,[39] indem er seine Unsicherheit und sein Nichtwissen besonders hervorhebt. Er stellt fest, dass er vor seiner Statthalterschaft niemals an Christenprozessen mitgewirkt hatte und begründet damit, dass er nicht wisse, was und wie weit üblicherweise bestraft werde. Trajan solle ihn nun in seiner Unwissenheit lenken. Plinius fasst seine Unsicherheit in drei Fragen zusammen. Was ist eigentlich der Strafgrund (quid puniri soleat)? Das Christsein als solches (nomen Christianum) oder die Verbrechen, die damit verbunden sind (flagitai cohaerentia nomin)? Wie weit müssen verbrechen vor Gericht untersucht und nachgewiesen werden (quatenus queri soleat)? In seiner Antwort[40] billigte Trajan eine differenzierte Vorgehensweise. Trajan bestätigte das bisherige Verfahren, Christen allein aufgrund ihres Bekenntnisses hinzurichten. Wer aber aussagte kein Christ zu sein, und das durch ein Opfer für die Götter unter Beweis stellte, sollte Verzeihung erhalten. Doch sollte nicht nach Christen gefahndet werden (conquirendi non sunt). Ausdrücklich tadelte der Princeps seine Statthalter dafür anonyme Anzeigen entgegengenommen zu haben, denn das sei ein schlechtes Beispiel und sei „unserem Zeitalter nicht angemessen“ (nec nostri saeculi est).

[Bearbeiten] Dynastische Politik

Trajan war bereits vor seiner Adoption seit etlichen Jahren mit Pompeia Plotina verheiratet. Sie erhielt spätestens um das Jahr 105 den Titel Augusta. Die Ehe der beiden war jedoch ohne Nachkommen geblieben, die für eine reibungslose Fortsetzung der Herrschaft hätten sorgen können. Doch dachte Trajan nicht daran sich wegen der Kinderlosigkeit von Plotina scheiden zu lassen, denn Plotina war reich, gebildet und hatte weitverzweigte Familien- und Freundschaftsverbindungen. Die Kinderlosigkeit war jedoch kein entschiedener Nachteil, denn durch die Ideologie vom Besten, der im Idealfall aus allen zum Wohl aller ausgewählt wurde, würde ein leiblicher Sohn der Wahl des Besten im Wege stehen.[41] Trajans Schwester Ulpia Marciana ließ er nach ihrem Tod am 29. August 112 noch vor ihrer Bestattung durch Senatsbeschluss zur Diva erheben. Zur gleichen Zeit wurde Marcianas Tochter Matidia zur Augusta erhoben. Wenige Monate später wurde auch Trajans gleichnamiger Vater zum Gott erklärt. Die traianische Familie hatte sich somit eine breite Legitimierung durch göttliche Abkunft geschaffen.

Marcianas Tochter Matidia und deren Töchter Sabina und Matidia die Jüngere spielten eine bedeutsame Rolle in Trajans dynastischer Politik. Sabina heiratete 100 dessen späteren Nachfolger Hadrian. Hadrian wurde damit der nächste männliche Verwandte und damit Anwärter auf die zukünftige Nachfolge. Bereits seit seinem zehnten Lebensjahr hatte Hadrian seine Landsleute Trajan und Acilius Attianus. Allerdings wurde Hadrian erst kurz vor Trajans Tod adoptiert.

[Bearbeiten] Partherkrieg

Der Streit um die Einsetzung des armenischen Königs führte in den folgenden Jahrzehnten zu schweren Spannungen zwischen Rom und Parthien. Großarmenien galt zwar als Klientelreich Roms doch beanspruchten hierüber auch die Parther die Vorherrschaft. Bereits in die Regierungszeit des Augustus fielen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Römern und den Parthern über die Vorherrschaft in Armenien. Das Ergebnis des letzten Krieges im Jahre 66 war es gewesen, dass der armenische König die Krone weiterhin vom römischen Kaiser zu empfangen habe. Der Partherkönig Chosroes versuchte nun Einfluss über Armenien zu gewinnen. Er vertrieb den bisherigen von Rom eingesetzten armenischen König und ersetzte ihn ohne Trajans Einwilligung durch Parthamsiris. Möglicherweise war jedoch Trajans Ruhmsucht der entscheidende Grund den Krieg gegen die Parther zu eröffnen.[42] 111 kamen Münzen im Umlauf die zeigen, dass die Eroberung Dakiens nicht das Ende der römischen Expansionsbestrebungen war. Trajan brach im Herbst 113 in Richtung Osten auf und erreichte Anfang 114 Antiochia in Syrien. Über den nun einsetzenden Krieg sind die wenigen Fragmenten aus der Parthergeschichte Arrians sowie die Zusammenfassungen und Ausführungen aus dem Geschichtswerk des Cassius Dio die einzigen verfügbaren Quellen. Die einzelnen Ereignisse sind deshalb oft ungewiss oder gar völlig verloren.

In Elegia kam es zum Treffen zwischen Parthamsiris und Trajan. Parthamsiris forderte von Trajan, dass er ihn zum König Armenien krönen werde. Doch Trajan war weiterhin nicht bereit einen ihm nicht genehmen König auf den armenischen Thron zu belassen. Bei dieser Gelegenheit soll Trajan auch verkündet haben, dass er Armenien zur Provinz machen und einen römischen Statthalter einsetzen werde.[43] Kurz nach seiner Abreise wurde der armenische König unter ungeklärten Umständen umgebracht. Die folgenden Monate verbrachte Trajan damit die neue Provinz militärisch zu sichern. Gegen Ende des Jahres 114 scheint ganz Armenien unter römischer Kontrolle zu sein. Für die Eingliederung Armeniens wurden Trajan auf Beschluss des Senats zahlreiche Ehrungen zuteil, vor allem wurde ihm offiziell der Titel Optimus verliehen.[44] Trajan zog indessen weiter nach Süden, hatte Armenien verlassen und die Städte Nisibis und Batnae erobert. Gegen Ende des Jahres wurde nun auch Mesopotamien zur römischen Provinz erklärt. Trajan scheint in dieser Zeit zahlreiche Schlachten geschlagen zu haben, denn er wurde viermal zum Imperator ausgerufen. Den Winter 115/116 verbrachte er in Antiochia, wo ein schweres Erdbeben ihm fast das Leben kostete. Die inneren Wirren in Parthien hinderten Chosroes wohl an jedem konzentrierten Widerstand. Im Januar 116 wurde offenbar ohne Gegenwehr die Hauptstadt der Parther, Ktesiphon, eingenommen. Zwar war Chosroes geflohen, doch konnte Trajan eine seiner Töchter und den parthischen Thron in seine Gewalt bekommen und diesen nach Rom schicken. Am 20. Februar 116 kam der Siegername Parthicus zu Germanicus und Dacius hinzu. Trajan sollte außerdem Triumphe in beliebiger Zahl feiern dürfen. Die Münzprägung begann die Niederwerfung Parthiens (Parthia capta) als auch die Unterwerfung Armeniens und Mesopotamiens unter die römische Herrschaft zu verkünden. Doch Trajan drängte weiter. Er fuhr abwärts bis zum Persischen Golf. Auf seiner Rückreise erreichte er Babylon, wo er Alexanders Sterbehaus besuchte. Nach Cassius Dio war für den langjährigen Krieg ausschlaggebendes Motiv der Wunsch, den Eroberungszug Alexanders des Großen nachzuahmen.[45]

[Bearbeiten] Grenzen der antiken Weltmacht

Römische Provinzen 117 n. Chr.; allerdings fehlt die von Trajan eingerichtete Provinz Assyria.

Im Jahr 116 stand Trajan am Persischen Golf. Kein römischer Kaiser war je so weit in den Osten vorgedrungen und keiner hatte seit Augustus dem Reich so viel neues Gebiet hinzugefügt. So wurden seit 106 dem Reich neben Dakien weitere Länder als neue Provinzen hinzugefügt. Im Jahr 106 annektierte der Statthalter der Provinz von Syria Aulus Cornelius Palma Frontonianus Teile Arabiens, die danach als neue Provinz eingerichtet wurde. In den folgenden Jahren wurden Armenien (114), Assyrien (115/116) und Mespotamien (116) neue Provinzen des römischen Reiches. Mit seiner Expansionspolitik missachtete Trajan aber den Rat des Augustus, das Reich in seinen gegenwärtigen Grenzen zu belassen (consilium coercendi intra terminos imperii).[46] Der Grund für diesen Rat war offenbar die Vorhersage finanzieller Verluste für das Reich im Falle weiterer Eroberungen.[47]

Als sich Trajan noch im Euphratgebiet befand, brach ein ausgedehnter Aufstand der Juden in Mesopotamien, Syrien, Zypern, Iudaea, Ägypten und in der Cyrenaica aus. Die Zusammenhänge und die Ziele der Erhebungen sind weitgehend unklar. Inzwischen wurde auch ein römisches Heer unter Führung des Konsulars Appius Maximus Santra geschlagen, wodurch zahlreiche römische Besatzungen vernichtet worden waren. Südmesopotamien musste daraufhin geräumt werden. Da die Parther in kurzer Zeit weite Gebiete zurückerobern konnten, begab sich Trajan nach Ktesiphon und setzte den parthischen Adligen Parthamaspates zum König ein. Im Jahr 117 kam es zu keiner römischen Gegenoffensive mehr. Alle verfügbaren Truppen mussten zur Bekämpfung der jüdischen Aufstände eingesetzt werden. Es trafen nun auch Nachrichten über Aufstände in allen neu eroberten Gebieten ein. In Armenien musste Trajan Gebiete abtreten, um sich vorübergehend Ruhe zu verschaffen. Aus Dakien wurden nun ebenfalls größere Kämpfe gemeldet und auch hierin musste Trajan Truppen entsenden. In Mesopotamien wurde Lusius Quietus mit der Niederschlagung des Aufstandes betraut. Doch die römischen Truppen schienen auf allen Schauplätzen ihre Aufgaben zu meistern, so dass Trajan sich entschloss weiterhin in den neu eroberten Gebieten zu bleiben. Trajan zog nordwärts zu der Stadt Hatra, die sich ebenfalls von der römischen Herrschaft losgesagt hatte. Doch musste trotz großer Anstrengungen die Belagerung aufgegeben werden. Die Bedingungen in der Wüste machten eine längere Belagerung unmöglich. Hinzu kamen die fast unlösbaren Probleme der Versorgung und des Nachschubs. Trajan musste abziehen. Zwar plante er einen weiteren Feldzug nach Mesopotamien, doch verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, so dass er sich entschloss nach Rom zurückzukehren.

[Bearbeiten] Tod und Nachfolge

Trajans Nachfolger Hadrian

In dieser Situation übergab Trajan die Führung im Osten an Hadrian, indem er ihn zu seinem Statthalter in Syrien machte, in der die Truppen für den Partherkrieg standen. Durch die übertragende Führungsstellung an Hadrian machte er aber auch deutlich wen er als Nachfolger haben wollte. Bereits schwer erkrankt starb Kaiser Trajan am 8. August 117 auf der Rückreise nach Rom in Selinus. Noch auf dem Totenbett soll Trajan seinen Neffen Hadrian adoptiert haben.[48] Die dramtischen Umstände seines Todes führten zu zahlreichen Spekulationen. So soll der Brief des Trajans durch seine Frau Plotina, die Hadrian seit langem förderte, und Attianus gefälscht worden sein.[49] Doch deuten alle sozialen und politischen Faktoren daraufhin, dass Trajan Hadrian als seinen Nachfolger haben wollte.[50] Hadrian erhielt die Todesnachricht in Syrien am 9. August. Zwei Tage später wurde Hadrian als Kaiser von den Truppen in Syrien als Kaiser akklamiert (dies imperii). Trajans Leichnam wurde nach Pierien gebracht, wo Hadrian ihn verbrennen ließ. Seine Asche wurde nach Rom gebracht und im Sockel der Trajanssäule beigesetzt. Die Bestattung des Kaisers innerhalb der geheiligten Stadtgrenze (Pomerium) war ungewöhnlich. Keiner seiner Vorgänger hatte ihm dafür ein Vorbild gegeben. In republikanischer Zeit war diese Ehrung neben den Vestalinnen nur herausragenden Triumphatoren zugestanden worden. Die Quellen trajanischer Zeit überliefern keine Hinweis auf den Plan einer Beisetzung, spätere Quellen heben die Besonderheit dieses Aktes hervor. Trajan war bis in die Spätantike der einzige Kaiser, der innerhalb der Stadtgrenze beigesetzt wurde.[51] Für seinen Vorgänger ließ Hadrian den Triumphzug durchführen. Der Senat beschloss die Konsekration. Er wurde zum Staatsgott erhoben. Sein offizieller Name lautete: divus Traianus Parthicus. Kein anderer Kaiser trug nach seinem Tod noch einen Siegertitel.

Hadrian verzichtete auf die Fortsetzung von Trajans Eroberungspolitik, als auch auf alle Gebiete die Trajan jenseits des Euphrat und Tigris erobert hatte. Hadrian verstärkte die Sicherungsmaßnahmen des Erreichten und propagierte die Pax Romana in einem Gebiet zwischen Britannien und Syrien, dem Balkanraum und Nordafrika. Die endgültige Aufgabe aller neuen Provinzen Trajans jenseits des Euphrats zu Beginn der Regierung Hadrians wurde von den Zeitgenossen kritisiert, und aus dem Kreis der führenden Militärs drohte dem neuen Kaiser sogar die Gefahr eines Umsturzversuchs.[52] Angeblich verschworen sich die vier Consulare Avidius Nigrinus, Cornelius Palma, Publilius Celsus und schließlich Lusius Quietus. Alle vier wurden hingerichtet. Das Verhältnis zum Senat war so zeitlebens belastet.

Anders als bei Trajan rückten unter Hadrian die Provinzen in den Vordergrund. Unter Hadrian setzte eine Abkehr von Trajans Politik der Stärkung Italiens ein. Seine Fürsorge bezog sich auf alle Teile des Reichs. Hadrian stärkte das Selbstbewusstsein der Provinzen. Die Provinzen erscheinen auf den Münzen als selbstständige Einheiten und werden gegenüber Italien aufgewertet.

[Bearbeiten] Wirkung

[Bearbeiten] Der „beste Kaiser“

Stehen für die mehr als 100 Jahre zwischen Augustus und den Flaviern neben den vollständig erhaltenen Werken Strabons und des älteren Plinius noch Suetons Kaiserbiographien und Tacitus Annalen und Historien zur Verfügung, so berichtet für die Regierungszeit Trajans fast ausschließlich das Geschichtswerk des Senators Cassius Dio. Die dürftige literarische Überlieferung wird jedoch durch zahlreiche archäologische, epigrafische und numismatische Zeugnisse ausglichen. Die Tatsache, dass kein römischer Kaiser vor ihm so weit in den Osten vorgedrungen war und keiner seit Augustus dem Reich so viel neues Gebiet hinzu erobert hatte, prägte das Urteil über Trajans Grenz- und Außenpolitik. Wie die großen Feldherren der Römischen Republik setzte er nach althergebrachtem römischen Ideal seine militärische Tüchtigkeit (virtus) bewusst zur militärischen Expansion ein.

Die Herrschaftsideologie Trajans des besten, gerechten und zugleich erfolgreichen und kriegerischen Herrschers war so eindringlich, dass sein Bild auch nicht durch das katastrophale Ende des Partherkrieges verdüstert wurde. Seit 114 gilt er als optimus („der Beste“) schlechthin. Kein Herrscher seit Augustus hat dem Idealbild das nach republikanischen Vorstellungen von römischen Senatoren, aber auch von griechischen Intellektuellen entworfen wurde, so sehr entsprochen wie Trajan. Dieses Idealbild setzte sich wesentlich aus den Tugenden (virtus) Milde (clementia), Gerechtigkeit (iustitia) und pflichtgemäßes Verhalten gegenüber Göttern und Menschen (pietas) zusammen.

Die antiken Historiker übernahmen in den Konflikten zwischen dem Senat und dem Princeps oftmals die Position des Senats, da die meisten, die sich historiographisch äußerten dem Senatorenstand angehörten oder zumindest von Leuten aus dem Senat bei ihrer Schriftstellerei beeinflusst wurden. Das entspannte Verhältnis, das Trajan dabei zum Senat pflegte, prägte daher auch das Urteil der antiken Geschichtsschreibung. Das Bild Trajans als Herrscher und Persönlichkeit wurde bis in die Gegenwart entscheidend durch die gratiarum actio geprägt, die Dankesrede des jüngeren Plinius, die dieser anlässlich des Antrittes zu seinem Suffektkonsulat am 1. September 100 vor den vollständig versammelten Senat und den ebenfalls anwesenden Trajan gehalten hat. Sie stellt Trajan als exemplum des idealen Herrschers dar. Das extrem günstige Urteil erwuchs dabei vor allem aus der scharfen Abgrenzung zu Domitian. Sueton prophezeite nach Domitians Tod ein glücklicheres Zeitalter.[53] Nach Tacitus begann mit dem Herrschaftsantritt Trajans ein beatissimum saeculum.[54] Nur vereinzelt ist Kritik über Trajan überliefert. Fronto, der Lucius Verus in seinem Werk Principia historiae als Eroberer im Osten inszenierte, setzte zugleich Trajan herab. Er warf ihm vor die Soldaten für seine persönlichen Vorhaben zu opfern, mit einem problematischen Klientelkönig zu verhandeln, den er später tötete statt Milde walten zu lassen und die misslungende Rettung zweier Kommandeure im Partherkrieg. Ebenfalls betonte er Trajans Trinksucht.

In der Spätantike galt seine Herrschaftszeit als die beste der römischen Kaiserzeit. Der Zuruf von Senatoren an neue Princeps „Glücklicher als Augustus und besser als Trajan“ („feliciter Augusti, melior Traiani“ [55]) wurde zum geflügelten Wort. Konstantin der Große suchte Trajan vor allem in Äußerlichkeiten nachzuahmen, wie durch die bartlose Darstellung seins Porträts, durch die Münzlegende optimi principi oder durch den an Trajan orientierten Einzug in die Ewige Stadt. Sein Sohn Constantius II. lobte bei seinem Besuch in Rom überschwänglich das Trajansforum als „einzigartiges Bauwerk unter dem Himmel“.[56] Theodosius der Große versuchte sich und sein Haus über seine spanische Herkunft zu Trajan in verwandtschaftliche Verbindung zu setzen. Trajan galt in der Spätantike als ein Herrscher der zu seiner Zeit die Rolle des Kaisers vorbildlich ausgefüllt hatte. Er hatte als propagator finium das Reich gemehrt, als princeps die Freiheit von Senat und römischem Volk gewährleistet und auf diese Weise nach der Schreckensherrschaft Domitians innenpolitische securitas herbeigeführt.[57]

Keiner der römischen Kaiser vor Konstantin dem Großen wird in der christlichen Tradition so geschätzt wie Trajan. Im Frühmittelalter entstand die Trajanlegende vom gerechten Herrscher Trajan. Er habe nämlich einer Witwe, die ihn angesichts der Ermordung seines Sohnes um Hilfe bat, beigestanden, obgleich er auf einem Feldzug war. Auf solche Berichte hin soll Gregor der Große so beeindruckt gewesen sein, dass er für das Seelenheil des Heiden gebetet habe, bis dieser aus der Hölle befreit wurde. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr die Legende einige Variationen. So habe Trajans Sohn selbst den Tod des Sohnes der Witwe verschuldet. Als Sühne für den Verlust sei er hierauf vom Kaiser der Witwe als Entschädigung überliefert worden. Auch schwankt die Überlieferung, wodurch der Papst zur Fürbitte veranlasst worden war. So sei ein Schädel Trajans mit unversehrter Zunge aufgefunden worden, der den Wunsch des Kaisers dem herbeieilenden Papst mitteilte, erlöst zu werden. Andere sprechen davon, dass durch die Gerechtigkeit des Kaisers der Papst zur Fürbitte auf dem Trajansforum veranlasst worden war. Die Trajanlegende erfuhr ihre weiteste Verbreitung im Spätmittelalter. Die Aufnahme eines Heiden in den Himmel, der die Christen verfolgt habe, hatte zahlreiche kritische und skeptische Stimmen hervorgebracht. An Ende aller Disputationen stand die Erkenntnis, dass es sich bei der Aufnahme Trajans nur um eine äußerst seltene Ausnahme von der Regel gehandelt haben konnte. Auf die Trajanlegende wies auch Dante in der Divina Comedia hin. Für ihn zeigte die Trajanlegende, dass die Errettung vor der Verdammnis auch für Menschen möglich war, die nicht explizit mit der Kirche verbunden waren.[58]

Auf die Gerechtigkeit Trajans nahmen auch die Künstler Hans Sebald Beham (1537), Noël-Nicolas Coypel (1699), Noël Hallé (1765) und Eugène Delacroix (1840) Bezug. Noch bei der Ausgestaltung der Eingangshalle des Supreme Courts in Washington in den Dreißiger Jahren soll die Darstellung Trajans als Verkörperung der Gerechtigkeit gewählt worden sein.[59]

[Bearbeiten] Trajan in der Forschung

Die bedeutenden Arbeiten übernahmen die Beurteilung des idealen Herrschers. Bereits Edward Gibbon schrieb 1776: „During a happy period (A.D. 98–180) of more than fourscore years, the public administration was conducted by the virtue and abilities of Nerva, Trajan, Hadrian, and the two Antonines.“[60] Das positive Bild Trajans war bestimmend für die günstige Einschätzung des zweiten Jahrhunderts als einer glücklichen Zeit. In dem umfassenden Werk Roberto Paribenis von 1927 wird Trajan zur einzigartigen Figur unter den römischen Principes, seine Regierung zum Höhepunkt des Reichs auf allen Gebieten, das saeculum Traiani zum glücklichsten Roms. Paribenis Arbeit, die das Bild des Optimus Princeps übernommen und verfestigt hatte, prägte die weitere Forschung für Jahrzehnte. So pries Alfred Heuß in seiner Römischen Geschichte Trajan als „eine der großen Herrschergestalten“ und als „die ideale Verkörperung des humanen Kaiserbegriffs“.[61] Noch in dem rund 50 Jahre später erschienen Werk von Eugen Cizek ist Paribenis Einfluss spürbar. Cizek stellt Trajan unter den römischen Principes als einzigartig dar, die Zeit Trajans sei die glücklichste Roms gewesen.[62]

Bis in die 1950er Jahre ist das Urteil über Trajan durchweg positiv, was der Kaiser insbesondere dem Vergleich mit Domitian verdankt. Danach setzte in den 1960er Jahren, ausgehend durch eine Revision des Domitianbildes, durch Beiträge über die Kaiser Domitian und Trajan von K(enneth) H(ugh) Waters eine Gegenströmung ein. In der modernen Forschung wurden seit Paribenis zweibändiger Monografie vergleichsweise wenige monographische Untersuchungen zu Trajan geschrieben. Doch wurden in diversen Monografien besondere Schwerpunkte oder Thematiken dieses Kaiserlebens untersucht, wie die nicht-literarischen Dokumente von Mary Smallwood (1966), die Frauen an Trajans Hof von Hildegard Temporini-Gräfin Vitzthum (1978) oder die Dakerkriege von Karl Strobel (1984).

In jüngerer Zeit versuchte Martin Fell anhand des panegyrischen Materials und der wenigen Angaben aus historischen Werken nachzuweisen, ob sich für Trajan ein wirkliches Regierungsprogramm herausarbeiten lässt. Die Studie versuchte dabei, das von Plinius propagierte Ideal eines Princeps darzustellen, um danach die Übereinstimmung dieses Anspruchs mit der Wirklichkeit zu prüfen. Fell stellte fest, dass Trajan in der Tat der optimus princeps gewesen sei.[63] Auch Julian Bennett gelangt zu einem insgesamt sehr positiven Urteil über die Herrschaft Trajans sowohl nach innen - Senat, Volk von Rom und Italien - wie auch nach außen - Provinzen und Grenzsicherung. Gunnar Seelentag untersuchte in seiner Studie die Herrschaftsdarstellung Trajans und zwar ausgehend von der herrscherlichen Imago, die sich in der Kommunikation mit Heer, Senat und plebs urbana. konstituiere. In Anlehnung an Egon Flaig (Den Kaiser herausfordern) deutet Seelentag den Prinzipat als „Akzeptanzsystem“, innerhalb dessen der Konsens aller an der Kommunikation beteiligten politisch relevanten Gruppen - den Senat, das Heer und die plebs urbana - sich die Anerkennung und Durchsetzung der Herrschaftsordnung vollzog.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Literatur

  • Julian Bennett: Trajan. Optimus Princeps. A Life And Times. 2. Auflage. Routledge, London 2001, ISBN 0-415-16524-5. (Studie, die anhand von Trajans Leben auch in die politischen Strukturen der Zeit einführt und die zeitgenössischen Quellen behandelt, allerdings wegen ihrer zahlreichen sachlichen Fehler nur bedingt verlässlich ist.[64])
  • Werner Eck: Trajan. 98–117. In: Manfred Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42727-8, S. 111–124.
  • Miriam Griffin: Trajan. In: Alan K. Bowman, Peter Garnsey und Dominic Rathbone (Hrsg.): The Cambridge Ancient History 11. The High Empire, A. D. 70–192. Cambridge University Press, Cambridge 2000, ISBN 0-521-26335-2, S. 96–131. (Rezension)
  • Martin Fell: Optimus princeps? Anspruch und Wirklichkeit der imperialen Programmatik Kaiser Traians. 2. Auflage. Tuduv, München 2001, ISBN 3-88073-586-7.
  • Frank A. Lepper: Trajan’s Parthian war. University Press, Oxford 1948.
  • Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit?. Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2780-3 (Rezension).
  • Christian Ronning: Herrscherpanegyrik unter Trajan und Konstantin. Studien zur symbolischen Kommunikation in der römischen Kaiserzeit. Tübingen 2007, ISBN 3-16-149212-9. (Rezension)
  • Egon Schallmayer (Hrsg.): Traian in Germanien, Traian im Reich. Bericht des Dritten Saalburgkolloquiums. Saalburgmuseum, Bad Homburg v. d. h. 1999, ISBN 3-931267-04-0 (Saalburg-Schriften 5).
  • Gunnar Seelentag: Taten und Tugenden Traians. Herrschaftsdarstellung im Principat. Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-08539-4 (ausgezeichnet mit dem Bruno-Snell-Preis).
  • Karl Strobel: Untersuchungen zu den Dakerkriegen Trajans. Studien zur Geschichte des mittleren und unteren Donauraumes in der Hohen Kaiserzeit. Habelt, Bonn 1984, ISBN 3-7749-2021-4 (Antiquitas, Reihe 1, 33).

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Trajan – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Eutrop 8,2 nennt Italica als Geburtsort. Alle anderen Autoren verweisen nur auf Trajans Herkunft aus Hispania, was eine rechtliche Aussage mit ökonomischen Konsequenzen ist, nicht jedoch eine Aussage zum Geburtsort.
  2. Werner Eck: Der Weg zum Kaisertum. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 7–20, hier: S. 10.
  3. Plinius, Panegyricus 15,3.
  4. Cassius Dio 67,15,5.
  5. Sueton, Domitian 23.
  6. Werner Eck: Der Weg zum Kaisertum. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 7-20, hier: S. 15.
  7. Plinius, Panegyricus 8.
  8. Historia Augusta: Hadrian 2,5f.
  9. Cassius Dio 68,5,4.
  10. Martial 10,7.
  11. Karl Strobel: Untersuchungen zu den Dakerkriegen Trajans. Studien zur Geschichte des mittleren und unteren Donauraums in der Hohen Kaiserzeit, Bonn 1984, S. 158f.
  12. Plinius, Panegyricus 12.
  13. Werner Eck: Der Weg zum Kaisertum. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 7-20, hier: S. 16.
  14. Cassius Dio 68,5,2.
  15. Gunnar Seelentag: Taten und Tugenden Trajans. Herrschaftsdarstellung im Prinzipat, Stuttgart 2004, S. 82.
  16. Plinius, Epistuale 3,20,12.
  17. Plinius, Panegyricus 88,4.
  18. Plinius, Panegyricus 2,4.
  19. Plinius, Panegyricus 65.
  20. Karl Strobel: Untersuchungen zu den Dakerkriegen Trajans. Studien zur Geschichte des mittleren und unteren Donauraums in der Hohen Kaiserzeit, Bonn 1984, S. 156.
  21. Cassius Dio 68,8,1.
  22. Michael Alexander Speidel: Bellicosissimus Princeps. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 23-40, hier: S. 33.
  23. Cassius Dio 68,9,3.
  24. Cassius Dio 68,9,5f.
  25. Michael Alexander Speidel: Bellicosissimus Princeps. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 23-40, hier: S. 33.
  26. Cassius Dio 68,10,3.
  27. Cassius Dio 68,10,3f.
  28. Cassius Dio 68,11,3.
  29. Werner Eck: Traian. In: Manfred Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian. München 1997, S. 110-124, hier: S. 120.
  30. Plinius, Epistulae 6,19,3f.
  31. Werner Eck: Die Stellung Italiens in Traians Reichspolitik. In: Egon Schallmayer (Hrsg.), Traian in Germanien. Traian im Reich, Bad Homburg 1999, S. 11-16, hier: S. 13.
  32. Annette Nünnerich-Asmus, Er baute für das Volk?! Die stadtrömsichen Bauten des Traian. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 97–124, hier: S. 118.
  33. Annette Nünnerich-Asmus: Er baute für das Volk?! Die stadtrömischen Bauten des Traian. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 97–124, hier: S. 124.
  34. Plinius, Panegyricus 26f. und 34f.
  35. Werner Eck: Traianus. In: Der Neue Pauly Bd. 12/1, (2002), Sp. 746-749, hier: Sp. 747.
  36. Werner Eck: Traian. In: Manfred Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian. München 1997, S. 110-124, hier: S. 119.
  37. Michael Zahrnt: urbanitas gleich romanitas. Die Städtepolitik des Kaisers Trajan. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 51-72, hier: S. 55.
  38. Joachim Molthagen: Christen in der nichtchristlichen Welt des Römischen Reiches der Kaiserzeit (1. – 3. Jahrhundert). Ausgewählte Beiträge aus Wissenschaft und kirchlicher Praxis, St. Katharinen 2005, S. 116-145, hier: S.116.
  39. Plinius, Epistulae 10,96f.
  40. Plinius, Epistulae 10,97.
  41. Hildegard Temporini-Gräfin Vitzthum: Die Familie der „Adoptivkaiser“ von Traian bis Commodus. In: Hildegard Temporini-Gräfin Vitzthum (Hrsg.): Die Kaiserinnen Roms. Von Livia bis Theodora. München 2002, S.187–264, hier: S. 190.
  42. Cassius Dio 68,17,1.
  43. Cassius Dio 68,20,3.
  44. Cassius Dio 68,23,1.
  45. Cassius Dio 68,29,1 und 30,1.
  46. Tacitus: Annalen 1,11.
  47. Michael Alexander Speidel: Bellicosissimus Princeps. In: Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit? Mainz 2002, S. 23-40, hier: S. 29.
  48. Historia Augusta, Hadrian 4,6.
  49. Cassius Dio 69,1,1.
  50. Werner Eck: Hadrian. In: Der Neue Pauly Bd. 5, 1998, Sp. 59–64, hier: Sp. 60.
  51. Gunnar Seelentag: Taten und Tugenden Trajans. Herrschaftsdarstellung im Prinzipat, Stuttgart 2004, S. 394.
  52. Historia Augusta, Hadrian 5,8 und 7,1ff.
  53. Sueton, Domitian 23, 2.
  54. Tacitus, Agricola 44,5.
  55. Eutrop 8,5,3.
  56. Ammianus 16.10.15.
  57. Timo Stickler: Trajan in der Spätantike. In: Egon Schallmayer (Hrsg.): Traian in Germanien. Traian im Reich, Bad Homburg 1999, S. 107-113, hier: S. 110.
  58. Divina Comedia, Purgatorio 10,73-93.
  59. Egon Schallmeyer (Hrsg.): Traian in Germanien. Traian im Reich, Bad Homburg 1999, Vorwort, S. 6.
  60. Edward Gibbon: The history of the Decline and Fall of the Roman Empire, herausgegeben von Christopher Dawson, London 1956, I,1.
  61. Alfred Heuß: Römische Geschichte, 4. ergänzte Auflage, Braunschweig 1976, S. 344ff.
  62. Eugen Cizek: L' Époque de Trajan. Circonstances politiques et problèmes ideologiques. Paris 1983, S. 21-25 und S. 512-515.
  63. Martin Fell, Optimus princeps? Anspruch und Wirklichkeit der imperialen Programmatik Traians, München 1992, S. 176.
  64. Rezension der 1. Auflage 1997 von Werner Eck, in: Scripta Classica Israelitica 17, 1998, S. 231–234.

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