Uwe Timm
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Uwe Timm (* 30. März 1940 in Hamburg) ist ein deutscher Schriftsteller.
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[Bearbeiten] Leben
Uwe Timm wurde im März 1940 in Hamburg geboren. 1943 wurde er mit seiner Mutter zu Verwandten nach Coburg evakuiert und kehrte im Spätsommer 1945 nach Hamburg zurück, wo der aus dem Krieg heimgekehrte Vater eine Kürschnerei eröffnete. Nach der Volksschule machte er eine Lehre als Kürschner und übernahm das hoch verschuldete Pelzgeschäft des kurz zuvor verstorbenen Vaters. Nachdem das Geschäft entschuldet war, besuchte er ab 1961 das Braunschweig-Kolleg zusammen mit Benno Ohnesorg, wo er 1963 sein Abitur bestand. Seine ersten Gedichte erscheinen in der zusammen mit Ohnesorg herausgegebenen Zeitschrift teils-teils, von der aber nur eine Nummer erschien. Es folgte ein Studium der Philosophie und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1966 setzte er dieses in Paris fort, wo er den Mathematiker Diederich Hinrichsen kennenlernte. Gemeinsam schreiben sie ein Theaterstück, für das sie aber keinen Verlag finden. 1967-69 war Timm, nach seiner Rückkehr nach München, im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) politisch tätig. Er schrieb Agitprop-Lyrik und Straßentheaterstücke und beteiligte sich an der Besetzung der Münchner Universität. 1969 heiratet er die spätere Übersetzerin Dagmar Ploetz. 1970 begann er ein Zweitstudium der Soziologie und Volkswirtschaft, das er aber 1972 wieder aufgab. 1971 promovierte er über »Das Problem der Absurdität bei Albert Camus«.
Seitdem arbeitet Timm als freier Schriftsteller. 1971/72 gründete er die »Wortgruppe München« und war Mitherausgeber der Zeitschrift Literarische Hefte. Von 1972 bis 1982 gab er die AutorenEdition mit heraus. 1973 trat er in die DKP ein, mit deren Zielen er sich aber nie vollständig identifizieren konnte. 1981 trat er wieder aus, u. a. wegen der unkritischen Haltung der Partei gegenüber der DDR, und siedelte für zwei Jahre nach Rom über. Nach der Auflösung der AutorenEdition wechselte Timm zum Verlag Kiepenheuer & Witsch, wo seitdem alle seine Werke erscheinen.
Im Wintersemester 1991/92 hielt Timm Poetikvorlesungen an der Universität Paderborn, die später in dem Band Erzählen und kein Ende erschienen. Seit Herbst 1994 ist er ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, des PEN-Zentrums Deutschland und der Akademie der Künste (Berlin). Dreimal wurde Timm als writer in residence an verschiedene Universitäten des englischsprachigen Raums berufen, so 1981 an die University of Warwick, 1994 nach Swansea und 1997 an die Washington University in St. Louis. 2005 hatte er die Poetikdozentur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg inne, im Sommer 2009 hielt er die Frankfurter Poetik-Vorlesungen. Außerdem war er 2006 Ehrengast der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom.
Heute lebt Uwe Timm als freier Schriftsteller mit seiner Familie in München und Berlin.
[Bearbeiten] Rezeption
In den 1970er-Jahren erlangte Uwe Timm als Autor erstmals große Aufmerksamkeit durch seinen Roman Heißer Sommer, der bis heute zu den wenigen literarischen Zeugnissen der 68er-Studentenrevolte zählt, sowie mit seinem postkolonial-historischen Roman Morenga.
Große Erfolge feierte Uwe Timm Anfang der 90er-Jahre mit der Novelle Die Entdeckung der Currywurst, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde. Die Novelle wurde 2008 von Ulla Wagner mit Barbara Sukowa und Alexander Khuon in den Hauptrollen verfilmt.
Im neuen Jahrtausend wurde Uwe Timm gefeiert für seinen Roman Rot (2001), der von den Hoffnungen und Wünschen der 68er, von Lebensläufen und ihren Geheimnissen, von den Utopien und Verbrechen unserer Geschichte erzählt. 2003 erschien Timms autobiografische Erzählung Am Beispiel meines Bruders, die eine allgemeine Diskussion über die deutsche Erinnerungskultur und den Nationalsozialismus auslöste. Ein großes Echo rief er zuletzt mit seiner Erzählung Der Freund und der Fremde (2005) hervor, in der er die Geschichte seiner Freundschaft zu Benno Ohnesorg aufarbeitet.
[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)
- 1979 Literaturpreis der Stadt Bremen (Förderpreis) für Morenga, einen Roman über Jakobus Morenga
- 1989 Literaturpreis der Stadt München
- 1990 Deutscher Jugendliteraturpreis für Rennschwein Rudi Rüssel
- 1996 Bayerischer Filmpreis (Kinderfilmpreis) für Rennschwein Rudi Rüssel
- 2001 Tukan-Preis für Rot
- 2001 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
- 2002 Literaturpreis der Stadt München
- 2002/03 Stadtschreiber von Bergen-Enkheim
- 2003 Schubart-Literaturpreis
- 2003 Erik-Reger-Preis
- 2006 Jakob-Wassermann-Literaturpreis
- 2006 Premio Napoli (für Rot)
- 2006 Premio Mondello der Stadt Palermo (für Rot)
- 2009 Heinrich-Böll-Preis
[Bearbeiten] Werke
[Bearbeiten] Bücher
- Widersprüche, Gedichte (1971)
- Heißer Sommer, Roman (1974)
- Wolfenbütteler Straße 53, Gedichte (1977)
- Morenga, Roman (1978)
- Kerbels Flucht, Roman (1980)
- Die deutschen Kolonien, Fotoband, hg. v. Uwe Timm (1981)
- Die Zugmaus, Kinderbuch (1981)
- Die Piratenamsel, Kinderbuch (1983)
- Der Mann auf dem Hochrad, Roman (1984; ursprünglich unter der Gattungsbezeichnung: „Legende“)
- Der Schlangenbaum, Roman (1986)
- Rennschwein Rudi Rüssel, Kinderroman (1989)
- Vogel, friss die Feige nicht (1989), erweiterte Ausgabe 2000 u. d. T. Römische Aufzeichnungen
- Kopfjäger, Roman (1991)
- Erzählen und kein Ende, Vorträge (1993)
- Die Entdeckung der Currywurst, Novelle (1993)
- Der Schatz auf Pagensand (1995)
- Johannisnacht, Roman (1996)
- Nicht morgen, nicht gestern, Erzählungen (1999)
- Rot, Roman (2001)
- Am Beispiel meines Bruders, Erzählung (2003)
- Der Freund und der Fremde. Eine Erzählung. (2005)
- Halbschatten, Roman über Marga von Etzdorf (2008)
[Bearbeiten] Drehbücher
- Viele Wege führen nach Rom, Regie: Uwe Timm, 1984
- Kerbels Flucht, Regie: Erwin Keusch, 1984
- Morenga, Fernsehspiel, Regie: Egon Günther, 1985
- Der Flieger, Fernsehfilm, Regie: Erwin Keusch, 1987
- Rennschwein Rudi Rüssel (zus. m. Ulrich Limmer, Regie: Peter Timm, 1995
- Die Bubi-Scholz-Story, Regie: Roland Suso Richter, 1997
- Eine Hand voll Gras, Regie: Roland Suso Richter, 2000
[Bearbeiten] Hörspiele
- Herbert oder die Vorbereitung auf die Olympiade, 1972
- Die Steppensau, 1972
- Lauschangriff, 1984 (WDR)
- Die Piratenamsel, 1994 (Süddeutscher Rundfunk)
- Am Beispiel meines Bruders, 2003 (Random House Audio)
- Rennschwein Rudi Rüssel Lesung mit Musik. Gelesen von Stefan Wilkening. Der Hörverlag, München 2003. ISBN 3-89940-754-7.
- Die Zugmaus, 2004 (NDR). Erschienen bei Audiolino. ISBN 3-83395-327-6
Uwe Timms Werke wurden u. a. in das Dänische, Englische, Französische, Italienische, Niederländische, Norwegische, Polnische, Russische, Spanische, Tschechische, Ukrainische und Ungarische übersetzt.
[Bearbeiten] Literatur
- Manfred Durzak (Hrsg.): Die Archäologie der Wünsche. Studien zum Werk von Uwe Timm. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02408-6
- Helge Malchow: Der schöne Überfluß. Texte zu Leben und Werk von Uwe Timm. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005, ISBN 3-462-03461-8
- Baboucar Ndiaye: Beschreibung Afrikas in der neueren deutschsprachigen Literatur. Am Beispiel von Hans Grimms afrikanischen Dramen und Novellen und Uwe Timms Roman „Morenga“. Magisterarbeit, Universität Konstanz 2006 (Volltext)
- Martin Hielscher: Uwe Timm (dtv portrait). dtv, München 2007, ISBN 3-423-31081-2
- Fatih Tepebaşılı: 68 Kuşağı Yazarlarından Uwe Timm ve Toplumsal Eleştiri. Çizgi Kitapevi, Konya 2002, ISBN 975-8156-41-1
- Basker, David (Hrsg.): Uwe Timm. University of Wales Press, Cardiff 1999 (= Contemporary German Writers), ISBN 978-0708314470
Neuauflage 2007, ISBN 978-0708321225
[Bearbeiten] Film
- Uwe Timm - Die Freiheit zu schreiben. Dokumentation, Deutschland, 2007, 43 Min., Regie: Arpad Bondy, Margit Knapp, Produktion: SWR, Inhaltsangabe von arte
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Uwe Timm im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Uwe Timm in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Literaturportal.de über Uwe Timm
- Seiten seines Verlags Kiepenheuer & Witsch zu Leben und Werken Uwe Timms
- Seiten des dtv zu Leben und Werken Uwe Timms
- Thomas Meissner: Circe und die Currywurst (pdf), über die Bamberger Poetikvorlesung Uwe Timms, FAZ, 27. Juni 2005 (336 kB)
- Gespräch Uwe Timm und Christof Hamann, Thema Kolonialismus und Literatur, in: Sprache im technischen Zeitalter (2003).
- Auszug aus "Der Freund und der Fremde"
- Uwe Timm in der Kritik seit 1999
- Poetikprofessur Universität Bamberg
- Rezension von Eckart Löhr zu Uwe Timms Roman "Halbschatten"
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Timm, Uwe |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Autor |
| GEBURTSDATUM | 30. März 1940 |
| GEBURTSORT | Hamburg |

