Victoria (Vereinigtes Königreich)

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Königin Victoria an ihrem goldenen Thronjubiläum 1887
Sir Francis Grant (1803–1878): Porträt von Queen Victoria, 1843

Victoria (deutsch auch: Viktoria, eigtl. Alexandrina Victoria; * 24. Mai 1819 im Kensington Palace, London; † 22. Januar 1901 in Osborne House, Isle of Wight) war von 1837 bis 1901 Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, sowie ab 1876 die erste Kaiserin von Indien. Sie war die Tochter von Eduard August, Herzog von Kent und Strathearn und Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld.

Königin Victoria war eine der mächtigsten Frauen der Geschichte. Mit ihrer Thronbesteigung endete, aufgrund des in Hannover geltenden salischen Gesetzes, das Frauen von der Thronfolge ausschließt, die Personalunion zwischen Hannover und dem Vereinigten Königreich. Sie war die erste britische Monarchin, die den Titel einer Kaiserin von Indien trug. Mit Victoria endete die Herrschaft des Hauses Hannover auf dem britischen Thron, mit ihrem Sohn König Edward VII begann die Herrschaft des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha .
Als konstitutionelle Monarchin war sie pro forma Herrscherin über mehr als ein Fünftel der Erde und ein Drittel der Weltbevölkerung. Victoria regierte 63 Jahre und 7 Monate, länger als jeder andere britische Monarch bisher. Sie wurde aufgrund ihrer langen Regentschaft Namensgeberin für das Viktorianische Zeitalter.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Familienhintergrund

Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Gemälde von unbekanntem Künstler

Nachdem die mit Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld verheiratete präsumtive britische Thronfolgerin Prinzessin Charlotte Augusta im Jahre 1817 nach einer Totgeburt gestorben war, fehlte es dem herrschenden Königshaus an legitimen Nachkommen. Von den sieben überlebenden Söhnen Georg III. waren zu diesem Zeitpunkt nur der Prinzregent Georg sowie zwei seiner Brüder standesgemäß verheiratet. Die Ehen des Herzogs von York und des Herzogs von Cumberland waren bislang kinderlos geblieben und die des Prinzregenten mit Caroline von Braunschweig galt als derart zerrüttet, sodass es wenig wahrscheinlich schien, dass aus dieser Verbindung noch weitere Kinder hervorgehen würden, da Caroline zudem bereits 50 Jahre alt war. Der Tod Charlotte Augustas war daher für die bislang unverheirateten Söhne Georg III. der Anstoß, unter den protestantischen Prinzessinnen Europas nach geeigneten Ehefrauen Ausschau zu halten.

Der verwitwete Prinz Leopold machte 1814 seine Schwester Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld, die verwitwete Fürstin von Leiningen, mit Eduard August, Herzog von Kent und Strathearn, bekannt. Am 13. Juli 1818 verheiratete sich in einer Doppelhochzeit der Herzog von Kent mit der Fürstin von Leiningen und Herzog von Clarence mit Adelheid von Sachsen-Meiningen.[1] Die Sicherung legitimer Nachfolger für das Haus Hannover war für den Herzog von Kent allerdings nicht der einzige Heiratsgrund. Hochverschuldet und wegen seiner pedantischen und häufig auch sadistischen Amtsausübung war er seit 1803 seiner militärischen Ämter enthoben. Mit der Heirat verband er auch die Hoffnung, dass seine Apanage deutlich erhöht werden würde.

[Bearbeiten] Lebensgeschichte

[Bearbeiten] Frühe Kindheit

Louise, Duchess of Argyll: Statue von Queen Victoria am Kensington Palace

Alexandrina Victoria wurde am 24. Mai 1819 im Kensington Palace geboren und stand zu diesem Zeitpunkt an fünfter Stelle in der britischen Thronfolge. Wenig sprach dafür, dass sie auf dem englischen Thron nachfolgen würde. Der vor ihr thronfolgeberechtigte Herzog von Clarence hatte nicht weniger als zehn illegitime Kinder. Es schien daher sehr wahrscheinlich, dass aus den Ehen der älteren Brüder ihres Vaters noch Nachkommen hervorgehen würden. Am 24. Juni 1819 wurde Alexandrina Victoria im Kuppelsaal des Kensington Palace getauft. Für diesen festlichen Anlass hatte man das königliche Taufbecken aus dem Tower gebracht.[2]Zuvor war es zu einem Eklat mit dem Prinzregenten Georg gekommen. Victorias Eltern hatten eine Reihe damals übliche Namen in der königlichen Familie vorgeschlagen (u.a. Charlotte und Georgina). Georg lehnte diese ab und ließ nur zwei, eher ungewöhnliche, Namen zu. Die Taufpaten der Prinzessin wurden der Prinzregent Georg, der russische Zar Alexander I. (ihm zu Ehren erhielt sie ihren ersten Vornamen), Victorias Tante väterlicherseits Königin Charlotte Auguste von Württemberg und die Großmutter mütterlicherseits Auguste von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Die kleine Victoria wurde innerhalb der Familie Drina gerufen, erst später wurde sie Victoria genannt, dem vermeintlich „englischeren“ der beiden Vornamen.[3]

[Bearbeiten] Im Kensington Palace

Prinzessin Victoria im Alter von 4 Jahren, 1823 (Gemälde von Stephen Poyntz Denning)

Acht Monate nach der Geburt verstarb Prinzessin Victorias Vater, der Herzog von Kent. Die Herzogin von Kent musste angesichts des hohen Schuldenbergs das Erbe ihres verstorbenen Mannes ausschlagen. Bei der Familie ihres Mannes fand sie nur wenig Unterstützung. König Georg IV., der wenige Tage nach dem Tod des Bruders den englischen Thron bestiegen hatte, hatte der Ehe zwischen seinem Bruder mit der Fürstin von Leiningen skeptisch gegenüber gestanden. Er ignorierte seine Schwägerin und ihre Tochter und hätte es am liebsten gesehen, wenn die Herzogin mit ihrer Familie nach Deutschland zurückgekehrt wäre. Auf Anraten und mit der finanziellen Unterstützung ihres Bruders Prinz Leopold blieb die Herzogin weiter im Kensington Palace wohnen.

König Ernst August I. von Hannover, Herzog von Cumberland

Die Herzogin von Kent geriet zunehmend unter den Einfluss von John Conroy, den der Herzog von Kent als Nachlassverwalter eingesetzt hatte. John Conroy setzte darauf, dass Prinzessin Victoria noch unmündig den Thron besteigen würde und die Herzogin von Kent als Regentin eingesetzt werden würde. Für John Conroy hätte dies bedeutet, über diese Regentin zu Einfluss und Macht zu gelangen. Um seinen Einfluss zu sichern, sorgte er dafür, dass die Herzogin und ihre Tochter weitgehend isoliert von den englischen Hofkreisen blieben. John Conroy gelang es beispielsweise der Herzogin von Kent einzureden, dass der Herzog von Cumberland - nach Victoria der nächste in der Thronfolge - der Prinzessin nach dem Leben trachte und daher ein abgeschottetes und isoliertes Leben notwendig sei. Victoria wuchs dadurch in einer Umgebung auf, in der sie nur wenige Kontakte zu anderen Personen hatte. Zu ihren wenigen Spielgefährtinnen zählte John Conroys Tochter Victoire und Victorias um zwölf Jahre ältere Halbschwester Feodora. John Conroy streute unter anderem das Gerücht, dass die Prinzessin geistig nicht stabil sei und so nicht in der Lage sei, ihre Regentschaft auszuüben. Diese in den Geschichtsbüchern gelegentlich als Kensington System bezeichnete Machtsicherung setzte sich auch nach dem Thronwechsel zu Wilhelm IV. (1830) fort, der anders als sein älterer Bruder seine Nichte und präsumtive Thronfolgerin gerne häufiger in seinen Hofkreisen gesehen hätte. So wurde es Victoria nicht einmal gestattet an den Krönungsfeierlichkeiten ihres Onkels teilzunehmen.

Als zunehmend absehbar wurde, dass Prinzessin Victoria zum Zeitpunkt des Thronwechsels bereits volljährig sein würde, versuchte Conroy ihr 1835 die Unterschrift abzuringen, dass sie ihn nach dem Thronwechsel zu ihrem Privatsekretär ernennen würde. Prinzessin Victoria konnte trotz des enormen Drucks, den auch ihre Mutter ausübte, und einer soeben überstandenen schweren Erkrankung (vermutlich Typhus) diesem Druck standhalten und unterschrieb nicht.[4]Daraufhin kam es zu einem vollständigen Bruch mit ihrer Mutter. Bis zum Zeitpunkt der Thronbesteigung wechselten die beiden kaum noch ein Wort miteinander. Diese Versuche, die Prinzessin zu manipulieren, führten auch am englischen Königshof zum Eklat. Während des Geburtstagsdinners anlässlich des 18. Geburtstags der Prinzessin - dem Tag, an dem sie volljährig wurde - erklärte König Wilhelm IV., dass er dankbar sei, dass er bis zu diesem Zeitpunkt gelebt habe, da er auf diese Weise eine Regentschaft von dafür vollständig ungeeigneten Personen verhindert habe.

[Bearbeiten] Erziehung

Als Erzieherin der jungen Prinzessin war die Baronin Louise Lehzen bestimmt, zu der Victoria ein sehr enges Verhältnis hatte, die aber nur wenig geeignet war, die Prinzessin auf ihre zukünftige Rolle als Monarchin vorzubereiten. Ab 1829 kam noch ein offizieller Hauslehrer hinzu: Hochwürden George Davys, ein liberaler evangelischer Geistlicher.[5]Victoria erhielt eine oberflächliche Erziehung, die der junger Damen der besseren Gesellschaft ihrer Zeit entsprach. Der Schwerpunkt lag auf biblischer Unterweisung, Studium alter und neuer Sprachen, Tanz-, Gesangs- und Zeichenunterricht und Geschichte (Victorias Lieblingsfach). Die Lernbereitschaft der Schülerin soll sich dabei in Grenzen gehalten haben.[6]Victoria sollte später fließend Deutsch und Französisch sprechen. Im täglichen Umgang sprach Victoria mit ihrer deutschen Mutter Englisch und nicht Deutsch, da die Herzogin dies für politisch klüger hielt.[7]

Franz Xaver Winterhalter: Leopold I., König von Belgien

Vermutlich im März 1829 erfuhr Victoria von ihrem Platz in der Thronfolge. Sie fand in einem Buch über englische Geschichte eine Seite, die vorher entfernt worden war, die Thronfolge dargestellt. Victoria soll daraufhin zu Lehzen gesagt haben: „Ich will mein Bestes geben“. Manche Autoren verweisen derartige Aussagen aber auch in den Bereich der Legenden.[8]

Zu den wenigen Personen, die sie auf ihre Rolle als Monarchin vorbereiteten, zählte ihr Onkel Leopold. Prinz Leopold hatte 1830 die Krone des gerade unabhängig gewordenen Staates Belgien angeboten bekommen und residierte seitdem als Leopold I. in Brüssel, dadurch blieb sein Einfluss begrenzt. Er beratschlagte die Prinzessin schriftlich und empfahl ihr Bücher und Manuskripte, die sie auf ihre Rolle als Königin vorbereiten sollten. In den Wochen, in denen Wilhelm IV. im Sterben lag und der Thronwechsel unmittelbar bevorstand, stellte er ihr als Berater außerdem Christian von Stockmar zur Seite. Mit dessen Hilfe gelang es der Prinzessin, die letzten Versuche John Conroys abzuwehren, sich die Macht zu sichern.

[Bearbeiten] Thronbesteigung und erste Regierungsjahre

Franz Xaver Winterhalter: Königin Victoria im Krönungsornat (1837)

Victoria bestieg am 20. Juni 1837 im Alter von 18 Jahren, nach dem Tod ihres Onkels Wilhelm IV. (1765–1837) den Thron. Am 21. Juni erfolgte die Proklamation im St. James’s Palace. Victoria zeigte sich in der folgenden Zeit bei zahlreichen feierlichen Anlässen, um sich dem Volk als neue Herrscherin zu präsentieren. Die junge Königin wurde, nach drei sehr unpopulären Vorgängern, in ihrem Reich mit Begeisterung aufgenommen.[9]
Einen Monat nach ihrer Thronbesteigung zog die Königin vom Kensington Palace um in den Buckingham Palace. Sie war der erste englische Monarch, der dort offiziell residierte.

Buckingham Palace, 1837, vor der Errichtung des jüngsten Flügels zur Mall und mit Marble Arch als Eingangstor

Ihre neue Unabhängigkeit nutzte sie, um sich von dem dominierenden Einfluss ihrer Mutter und vor allem John Conroys zu befreien. Ihrer Mutter wurde nur die Rolle im englischen Hofleben zugebilligt, die das Protokoll für sie vorsah, ihre Beziehung sollte sich erst nach Victorias Heirat wieder annähern. John Conroy erhielt keine Stelle am englischen Hof. Er blieb aber weiterhin Mitglied des Haushalts der Herzogin von Kent.
Am 28.Juni 1838 fand in einer fünfstündigen Zeremonie die königliche Krönung in der Westminster Abbey statt. Das Parlament bewilligte ihr 200 000 Pfund für dieses Ereignis, das vierfache was man William IV. zugemessen hatte. Im Krönungs-Juni überschwemmten angeblich vierhunderttausend Besucher London. Zum ersten Mal nahmen auch die Mitglieder des Unterhauses an der Zeremonie Teil, was die zunehmende Demokratisierung des Landes unterstrich.[10]

William Lamb, 2. Viscount Melbourne

Das erste Regierungsjahr der jungen Königin, die kaum auf ihre neue Rolle vorbereitet war, verlief dank der Unterstützung von Premierminister Lord Melbourne erfolgreich. Lord Melbourne wurde neben ihrem Onkel Leopold der zweite väterliche Freund und Lehrer in Victorias Leben.[11] Sie schenkte dem 58 Jahre alten Premierminister ihr volles Vertrauen. Melbourne ließ sich nie anmerken, wie sehr ihn ihre Naivität und Unwissenheit überraschten, er bemühte sich die Lücken ihrer Erziehung zu füllen. Er war in den ersten Jahren ihr Mentor, der sie in allen sowohl politischen, als auch privaten Dingen beriet, sogar was ihre äußerliche Erscheinung betraf und gab ihr damit Selbstvertrauen. Diese Intimität wurde oft als Verliebtheit gedeutet. Victoria war sich darüber bewusst, dass sie viel zu lernen hatte, wenn sie als konstitutionelle Monarchin ohne schriftliche Verfassung, die theoretisch keine anderen Willen haben durfte als ihrer Minister, nicht nur die Galionsfigur des Staatsschiffes sein wollte.[12]

J. Linell: Porträt Sir Robert Peel, 1838

Von Melbourne lernte Victoria, die führenden Politiker einzuschätzen, ihre Stärken und Schwächen herauszufinden. Fähigkeiten, die für sie in den kommenden Jahren unschätzbar werden sollten.[13]Diese guten Dienste Melbounes währten allerdings nur so lange, wie seine Regierung stabil blieb.

Nachdem die Whigs die Mehrheit im Unterhaus verloren hatten, stellte Lord Melbourne im Mai 1839 sein Amt als Premierminister zur Verfügung. Da weder die Torys noch die Whigs über eine ausreichende Mehrheit im Parlament verfügten, hoffte Melbourne auf ein Scheitern der neuen Regierung und anschließende Neuwahlen, die die Whigs stärken sollten. Dies blieb der politisch ungeübten Königin verborgen, für sie war der Gedanke unerträglich, dass die Torys und damit Sir Robert Peel die Regierung übernehmen sollten. Sir Robert Peel, der zur Regierungsbildung bereit war, erwartete von der Königin, deren Hofstaat ausschließlich aus Whigs bestand, auch einige Damen aus den Tory-Kreisen als Hofdamen aufzunehmen. Er hielt diese personelle Anpassung an die künftigen Machtverhältnisse für unumgänglich. Victoria lehnte dies kategorisch ab, da sie die Wahl ihrer Hofdamen als ihre Privatsache ansah. Daraufhin gab Peel den Regierungsauftrag zurück und Lord Melbourne blieb weiter Premierminister. Die Königin feierte dies als politischen Sieg und war überzeugt ihre Würde verteidigt zu haben.

In dieser so genannten „Hofdamenaffäre“ bewegte Victoria sich mit ihrer strikten Weigerung in einer verfassungsrechtlichen Grauzone.[14] Die Hofdamenaffäre und ihr unkluges Verhalten in der Flora-Hastings-Affäre, in der eine ihrer an einem Lebertumor erkrankten Ehrendamen zu Unrecht einer unehelichen Schwangerschaft verdächtigt wurde, kostete Victoria in der Öffentlichkeit Ansehen und Sympathien. Lord Melbourne hatte weder in der Hofdamenaffäre (dabei war es seine Nachlässigkeit, dass ein so parteiischer Hofstaat überhaupt entstehen konnte) noch im Flora-Hastings-Affäre so entschieden reagiert, wie man es von ihm als Ratgeber und Vertrauten einer unerfahrenen Monarchin hätte erwarten dürfen.[15] Victoria selbst beurteilte ihr Verhalten in ihrer ersten politischen Aktion 60 Jahre später mit dem Satz: „Es war ein Fehler“.[16]
Die britische Öffentlichkeit forderte nun zunehmend, dass die britische Königin heiraten solle. Man erhoffte sich von einem Ehemann einen mäßigenden Einfluß auf die oft sehr emotional handelnde Königin. Außerdem war sie mit ihren jetzt einundzwanzig Jahren, nach den Maßstäben ihrer Zeit, auf dem Weg eine alte Jungfer zu werden.

[Bearbeiten] Die ersten Ehejahre

Heirat von Albert und Victoria 1840, Gemälde von Sir George Hayter
Franz Xaver Winterhalter: Albert von Sachsen-Coburg und Gotha(1842)
Königin Victoria, 1845 (Gemälde von Alexander Melville)

Victoria heiratete am 10. Februar 1840 ihren Cousin mütterlicherseits Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861), den zweiten Sohn des Herzogs Ernst I. (Sachsen-Coburg und Gotha) (1784–1844) und Louise von Sachsen-Coburg-Altenburg (1800–1831). Albert und Victoria waren, obwohl die Ehe von beider Onkel, König Leopold I. von Belgien, arrangiert war, schon vor der Ehe ineinander verliebt. Kennengelernt hatte das Paar sich bereits 1836 bei einem Besuch Alberts in Großbritannien. Die damals 17-jährige Victoria war, wie ihre Tagebuchaufzeichnungen zeigen, „bezaubert“ und zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie „die Aussicht großen Glücks“.[17] Am 10. Oktober 1839 kam es zu einem erneuten Besuch durch Albert und schon vier Tage später hielt Victoria um Alberts Hand an. Die anschließende Verlobungszeit war durch einige Unstimmigkeiten getrübt. Die Öffentlichkeit war wenig begeistert von der Verbindung der englischen Königin mit einem unbedeutenden deutschen Prinzen, einem weiteren glücklichen Coburger.[18] Durch die fehlende Stimmenmehrheit Lord Melbournes im Parlament konnte Victoria nicht durchsetzen, dass Albert zum Prinzgemahl (engl. Prince Consort) ernannt wurde. So blieb Albert mit der Hochzeit zunächst ein einfacher Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha und wurde erst 1857 zum Prinzgemahl erhoben. Auch wurde Alberts Apanage auf vergleichsweise niedrige 30 000 Pfund im Jahr festgelegt – wenig im Vergleich zu Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der 23 Jahre zuvor, nach seiner Vermählung mit der britischen Thronfolgerin Prinzessin Charlotte, 50 000 Pfund im Jahr erhalten hatte.

Victorias und Alberts beinahe einundzwanzigjährige Verbindung gilt als das berühmteste geschichtliche Beispiel ehrlicher Liebe und aufrichtigen Glücks. Im Privatleben war Albert der starke Führer und vor allem in seinen späteren Lebensjahren wurde ihm (etwas übertrieben) nachgesagt, zugleich König und Premierminister gewesen zu sein.[19] In jedem Fall stand Victoria während ihrer Ehe in allen Entscheidungen, auch politisch, stark unter dem Einfluss ihres Prinzgemahls. Queen Victoria selbst drückte es in einem Brief vom 9. Juni 1858 an ihre älteste Tochter so aus:

Ich kann nie glauben oder zugeben, dass irgendein anderer Mensch vom Schicksal so gesegnet worden ist wie ich, mit einem solchen Mann, einem solch vollkommenen Mann. Papa war für mich alles, ist es auch heute noch. […] Er war für mich alles, mein Vater, mein Beschützer, mein Führer, mein Ratgeber in allen Dingen, ich möchte fast sagen, er war mir Mutter und Mann zugleich. […] Ich bin wie gelähmt wenn er nicht bei mir ist.[20]

Gilbert Munger: Windsor Castle

In den ersten fünf Jahren ihrer Ehe bekam das Paar fünf Kinder. Dies hatte zur Folge, dass Albert zunehmend Victoria bei ihren Aufgaben als Königin unterstützte. Mit der Geburt des ersten Kindes wurde Albert laut Anson, dem Sekretär Alberts, „in der Tat, wenn auch nicht dem Titel nach, der Privatsekretär ihrer Majestät“. Auch der Einfluss Alberts auf den königlichen Haushalt und die Finanzen wurde spürbar. Diese Aufgaben unterlagen bisher der Baronin Lehzen, die in Alberts Augen dafür aber nicht geeignet war und schließlich auf Druck des Prinzen 1842 ihren Abschied nehmen musste. Als das Ende der Ära Melbourne immer mehr absehbar und ein Premierminister Peel unausweichlich wurde, verhinderte Albert durch sein rechtzeitiges und diplomatisches Eingreifen eine erneute Hofdamenaffäre. Peel selbst sollte später von Victoria sehr geschätzt werden. Melbourne riet Victoria bei seinem Abschied 1841, sich von ihrem Mann in politischen Angelegenheiten beraten zu lassen; ein Rat den die Königin befolgen würde. Die Königin wuchs in diesen ersten Ehejahren immer mehr in ihre Rolle hinein und Prinz Albert hatte dazu wesentlich beigetragen.[21]

Osborne House, um 1910

Schon bald nach der Hochzeit verlegten Victoria und Albert ihren Lebensmittelpunkt nach Windsor Castle, da vor allem Albert das Landleben der Hauptstadt vorzog. Um sich mehr Privatsphäre verschaffen zu können erwarb das Paar 1845 Osborne House, einen 400 Hektar großen Landsitz auf der Isle of Wight. Dem Gebäude wurde, nach Alberts Plänen, eine italienische Fassung gegeben, auch der Garten wurde nach seinen Vorgaben gestaltet.[22] Für die Kinder wurde ein Schweizerhaus importiert, in dem die Prinzen Schreinern und Gärtnern und die Prinzessinnen Haushaltsführung und Kochen lernen sollten. Finanziert werden konnte der Kauf, durch die beträchtlichen Einsparungen in der Privatschatulle der Königin, die Albert zu verdanken waren, und durch den Verkauf des Royal Pavilion in Brighton.

[Bearbeiten] Revolutionsjahr 1848

Chartisten-Aufstand. (Kupferstich; aus einer Veröffentlichung von 1886)

Nachdem die ersten Regierungsjahre Victorias ohne größere politische Unruhen verlaufen waren, sollte das europäische Revolutionsjahr 1848 auch an England nicht spurlos vorübergehen. Obwohl Premierminister John Russell ihr davon abriet, gewährte Victoria dem gestürzten König Ludwig Philipp von Frankreich, mit dem sie entfernt verwandt war, Asyl und brachte ihn im Claremont House unter. In Großbritannien selbst war eine Finanzkrise ausgebrochen: Spekulanten hatten riesige Verluste durch inflationäre Eisenbahnaktien verursacht, der Weizen war auf einen Tiefpreis gesunken. Die herrschende Arbeitslosigkeit und Armut gab den Chartisten, eine Reformbewegung die sich Anfang des 19.Jahrhunderts gebildet hatte, neuen Auftrieb. Nachdem eine Massenversammlung für den 10. April in London angekündigt worden war, wurde die königliche Familie vorsorglich nach Osborne House gebracht, Victoria hatte kurz zuvor ihr sechstes Kind geboren. Die Demonstration verlief wider erwarten gewaltfrei und unspektakulär. Nur zwanzigtausend Demonstranten versammelten sich auf dem Kennington Common, und der Anführer Feargus O’Connor überbrachte eine Petition, die ein liberalisiertes Bürgerrecht verlangte und von mehr als einer Million Menschen unterschrieben worden war. Victoria empfand, obwohl die Revolution in Großbritannien vergleichsweise glimpflich abgelaufen war, zum ersten Mal Angst um ihre Existenz und sah die Chartisten im Unrecht:

„Ich bin der Meinung, dass Revolution immer schlecht für ein Land und die Ursache unsäglichen Elends für das Volk sind. Der Gehorsam gegen die Gesetze und gegenüber dem Herrscher ist Gehorsam gegenüber einer höheren Macht“.[23]

Die Königin sollte aber auch weiterhin keinen nennenswerten Einfluss auf die Sozialpolitik des Landes nehmen. Zum einen, weil sie diesen Bereich in guten Händen wußten - Prinz Albert ließen die sozialen Konflikte schon aus christlicher Glaubensüberzeugung nicht gleichgültig - , zum anderen, weil dies eine Welt war in der sie sich nur schwer zurechtfand. Dort wo sie Elend persönlich mitbekam, zeigte sie sich hilfsbereit, vor allem die einfachen Menschen im Hochland machten ihr die Lasten der Armut durchaus begreifbar. Die unterprivilegierten Klassen jenseits des Bürgertums blieben ihr aber fremd. Als Witwe sollte Victoria in den achziger Jahren sozialpolitische Maßnahmen mehrfach anmahnen, doch dürfte dieses Engagment eher als Verpflichtung gegenüber dem Gatten zu verstehen sein, denn als persönliche Notwendigkeit aus innerster Überzeugung.[24]

Das sozialpolitisch raue Klima zwischen 1840 und 1850 war sicherlich auch dafür verantwortlich, dass fünf der sieben Attentate, die Victoria alle ohne nennenswerte Verletzungen überstehen sollte, in dieses Jahrzehnt fielen (die beiden letzten 1872 und 1882). Es war sicher auch kein Zufall, dass die Gerichte allen Angeklagten geistige Zerüttung attestierten und darauf bedacht waren politische Motive auszuschließen. Es lag nicht im Interesse des Staates, die Brisanz der gesellschaftlichen Konflikte durch Verschwörungen gegen die Königin bestätigen zu lassen. Natürlich machte es in der Bevölkerung Eindruck, mit welcher Selbstbeherrschung - für Victoria eher ungewöhnlich - sie diese Anschläge auf ihr Leben ertrug.[25]

[Bearbeiten] Irland

Henry Doyle: Radierung Emigranten verlasssen Irland, 1868

Irland war ein Sonderfall im Vereinigten Königreich: nach dem Gesetz war es Teil des Königreichs mit einer Vertretung im Parlament, wurde aber in vieler Hinsicht behandelt wie eine Kolonie. Die Politik der englischen Großgrundbesitzer in Irland führte zusammen mit der Kartoffelfäule zur Hungersnot von 1845–1849. Bis zu 1,5 Millionen Iren sollten dabei verhungern und viele weitere wanderten nach Amerika aus. Der zu diesem Zeitpunkt (1845) regierende Premierminister Robert Peel konnte sich nicht durchsetzen in seinen Forderungen nach Aufhebung der Kornzölle, um billigeres Getreide nach Irland einführen zu können. Prinz Albert verfasste auch im Namen Victorias ein Memorandum, in dem er zum einen ihr Bestürzen zum Ausdruck brachte und zum anderen geeignete Maßnahmen vorschlug, um die größte Not zu lindern. Diese Maßnahmen, wie sie in anderen von der Kartoffelfäule betroffenen Ländern mit Erfolg getroffen worden waren, beinhalteten beispielsweise die Öffnung der Häfen, fanden jedoch zunächst kein Gehör. Als für das Jahr 1846 eine noch schlechtere Kartoffelernte vorauszusehen war, erreichte Peel die Abschaffung der Kornzölle, verlor dadurch jedoch die Unterstützung seiner Partei. Victoria, die ihr Mitgefühl mit den Iren nur privat äußern durfte, spendete der Britischen Gesellschaft zur Erleichterung der größten Not in den abgelegenen Gemeinden von Irland und Schottland 2000 Pfund (nicht nur 5 Pfund, wie manchmal behauptet wurde).[26]

Um die irische Bevölkerung zu unterstützen, plante Victoria zunächst sich einen irischen Landsitz zu suchen. Sie distanzierte sich aber wieder von diesem Vorhaben, da dies wahrscheinlich als „irisches Landlordgebaren interpretiert worden wäre“.[27]1849 entschloss sie sich zu einer königlichen Rundreise durch Irland. Die Iren brachten ihr während ihres Besuches Begeisterung und Zuneigung entgegen. Die Abreise und Wiedereinschiffung fand unter „allen nur denkbaren Zeichen der Zuneigung und des Respekts“[28]statt, so Victoria selbst. Viele Zeitgenossen sahen in diesem Besuch die Gelegenheit zur Versöhnung, doch sie wurde von Victorias Ministern nicht genutzt. Es gab weitere Besuche 1853, 1861 und 1901, die aber nicht die Chancen boten, die beim ersten Mal möglich gewesen wären. Im Gegenteil sie verstärkten sogar das Gefühl der Iren, im Stich gelassen worden zu sein. Dies sollte zu weiteren Schwierigkeiten führen, letztendlich kam es zur Teilung.[29]

Balmoral Castle, Foto aus dem Jahr 2004

1852 erwarb das Paar, fasziniert von der schottischen Landschaft schließlich das Schlösschen Balmoral in der Grafschaft Aberdeenshire. Genau wie Osborne wurde es nach Alberts Plänen im viktorianischen Baronialstil neu errichtet. Diese Neuerwerbung wurde ermöglicht durch eine unerwartete Erbschaft. James Camden Nield (genannt Geizhals Nield) hatte seinen gesamten Besitz (allein sein Grundbesitz war über 250000 Pfund wert) der Königin vermacht. Wie Osborne House war Schloß Balmoral Privateigentum des Paares.[30]Trotz der anfänglich sehr beengten Verhältnisse hielt sich Victoria lieber weit abseits in Osborne und Balmoral auf als in der finsteren Pracht Windsors oder der städtischen Atmosphäre von Buckingham Palace. In ihren vierzig Witwenjahren waren Osborne und Balmoral, sehr zum Leidwesen ihrer Politiker, die dorthin zitiert wurden, fest in den Jahresablauf integriert. Selbst während Regierungskrisen war sie kaum zu bewegen, nach London zu kommen, um einen effizienten Kontakt mit ihren Ministern zu ermöglichen.[31]

[Bearbeiten] Lord Palmerston

John Henry Palmerston, 3. Viscount Palmerston

Irland sollte auch der Auslöser sein, für eine weitere Verschärfung eines schon länger brodelnden Konfliktes mit Lord Palmerston. Dieser war fast ununterbrochen seit 1830 Außenminister gewesen und sehr beliebt bei der Bevölkerung. Die Königin aber forderte er durch eine Politik der vollendeten Tatsachen heraus: Anweisungen an die Botschafter wurden ohne Victorias Genehmigung herausgegeben, Schreiben an die Monarchin im Außenministerium geöffnet, Ministerentscheidungen über die Zeitung mitgeteilt. Schließlich wurde es zu einer Konfrontation bei der es um den britischen Konstitutionalismus ging. So gab Palmerston zu verstehen, dass sich die Krone sich nicht die Außenpolitik einzumischen habe. Gerade dies betrachteten Victoria und Albert aber als unverzichtbares Recht der Krone. Als Palmerston im Revolutionsjahr 1848 das Vereinigte Königsreich zum Verbündeten jeder Befreiungsbewegung auf dem Kontinent erklärte, brachte er damit auch die Völker als politischen Machtfaktor ins Spiel. Mit dieser liberalen Außenpolitik entsetzte er die Königin, schon allein aus innenpolitischen Gründen. Sie stellte die Frage, welche Auswirkungen dies auf Irland mit seinen Emanzipationbestrebungen haben würde. Alle Versuche des Hofes den ungeliebten Außenminister, Victoria nannte ihn auch ihren Pilgerstein, loszuwerden, scheiterten.
Als am 2. Dezember 1851 in Paris Napoleon III ein Staatsstreich gelang erwartete die Königin strikte Neutralität Englands. Außenminister Palmerston aber beglückwünschte den französischen Botschafter zu dem erfolgreichen Umsturz. Palmerstons Entlassung wurde damit unumgänglich.
Es sollte das einzige Mal sein, dass Victoria die Entlassung eines Ministers erwirkte und es sollte sich auch nur als scheinbarer Sieg erweisen. Ihre anschließenden Forderungen an die Regierung, ein Programm mit definitiven Richtlinien für die Außenpolitik vorgelegt zu bekommen wurden von Premierminister Lord Russell abgelehnt und schon Ende 1852 war Palmerston wieder Mitglied der Regierung, nun als Innenminister.[32] Für Palmerston dürfte dies trotzdem schmerzhaft gewesen sein, da gerade jetzt die britische Außenpolitik ins öffentliche Bewusstsein trat.

[Bearbeiten] Der Krim-Krieg

siehe auch Hauptartikel: Krimkrieg

Als im Oktober 1853 der Krimkrieg ausbrach konnten weder Victoria noch Albert direkt den Einfluss nehmen, der ihrem Souveränitätsverständnis entsprach. Aber die Autorität der Krone war groß genug, dass ihre Ratschläge vom Kabinett beachtet und teilweise auch übernommen wurden. Victoria entdeckte ihre landesmütterliche Fürsorgepflicht für die Armee. Sie verlangte beispielsweise, dass aus den Kriegserfahrungen zu ziehen seien, gab den Anstoß für eine Militärreform und unterstützte die Erneuerung des Lazarettwesens. Zukünftig sollte sie die Meinung vertreten, dass die die Truppen dem Einfluss der Politiker soweit wie möglich entzogen bleiben müssten, durch den Oberbefehlshaber aber mit dem Souverän in direkter Verbindung zu stehen hätten.

Robert Gibb: The Thin Red Line, 1881. Das Gemälde zeigt die 93rd Sutherland Highlanders im Kampf gegen russische Kavallerie bei Balaklawa

Krieg als Mittel der Politik war der Monarchin zuwider, wo sie ihn nicht verhindern konnte, drängte sie auf raschen Frieden und vor allem in einem Punkt unterschied sie sich von anderen damaligen Herrschern: sie zeigte Mitleid und persönliche Anteilnahme für ihre Soldaten. Als äußeres Anzeichen dieser Unterstützung nahm Victoria im März 1856 erstmals an einem Manöver teil.
Nach dem siegreichen Friedensschluss 1856 dankte Lord Palmerston, der seit 1855 Premierminister war, der Königin mit den Worten, dass die Aufgabe, die er und seine Kollegen zu erfüllen hatten, vergleichsweise leicht gemacht worden ist durch die „erleuchteten Ideen, die Eure Majästet in allen großen Angelegenheiten hatte“.[33] Die Beziehung zwischen Hof und Lord Palmerston hatte sich merklich entspannt. Palmerstons energische Tatkraft zum Ende des Krimkriegs und Alberts unermüdlicher Einsatz als Ratgeber und Organisator hatten zu einer gegenseitigen Annäherung und Wertschätzung geführt.[34]

Noch zu Beginn des Krimkrieges hatte der Rücktritt Palmerstons als Innenminister zu einem Pressefeldzug gegen Prinz Albert geführt, der vielleicht sogar von Palmerston selbst initiiert worden war. Unter anderem waren von der radikalen The Daily News Gerüchte in Umlauf gesetzt worden, laut denen, der Prinz (der noch immer als „Deutscher“ beschimpft wurde) und sogar die Königin selbst als Hochverräter im Tower inhaftiert worden waren.[35] Durch diesen Pressefeldzug war aber auch Alberts verfassungsmäßig zwiespältige Stellung deutlich geworden. Seine Verdienste um England waren unbestritten, auch wenn er nur während der von im ins Leben gerufenen ersten Großen Weltausstellung von 1851 wirklich beliebt war. Seine Aufsicht über die Amtsgeschäfte der Krone war von seiner Gemahlin ausdrücklich gewünscht, aber es gab in der Verfassung keinen Präzedenzfall für seine Position. Auch nachdem er schließlich 1857 zum Prinzgemahl (Prince Consort) ernannt worden war, Victoria hatte sich immer den Titel Königsgemahl (King Consort) für ihn gewünscht, fehlte eine Beschreibung der Befugnisse dieser Position. Die Regierung stellte lediglich offiziell fest, der Prinz habe das Recht die Königin beratend zu unterstützen, das Ausmaß dieser Beratertätigkeit war damit aber keineswegs definiert.[36]

[Bearbeiten] Witwenschaft

Als Albert 1861 nur 42-jährig an Typhus oder einem Krebsleiden starb, begann für Victoria eine fast unablässige Trauerzeit, und sie trug bis an ihr Lebensende nur noch Witwentracht, als Ausdruck ihrer tiefen Trauer und Wertschätzung für ihren früh verstorbenen Ehemann. Die Trauer der Königin nahm, auch für die damalige Zeit, sonderbare Formen an: Alberts Schlafzimmer in Windsor blieb unverändert, seine Betttücher und Handtücher wurden regelmäßig gewechselt, jeden Abend wurde warmes Wasser in sein Zimmer gestellt.[37] Für den frühen Tod ihres Mannes machte sie ihren ältesten Sohn Bertie verantwortlich, der in Cambridge in die sogenannte Nellie-Clifden-Affäre verwickelt worden war. Dies hatte Albert dazu veranlasst, in bereits krankem Zustand zu ihm zu reisen, um sich mit ihm auszusprechen.[38]Victoria zog sich zunächst völlig aus der Öffentlichkeit zurück und begab sich in die Einsamkeit von Schloss Balmoral. Sie war für weit über ein Jahr völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden, ihre Rückkehr nach London musste von den Regierungsmitgliedern regelrecht erbettelt werden. Wann immer sie in den folgenden Jahrzehnten ihren Willen politisch gegen den jeweiligen Premierminister durchsetzen wollte, drohte sie unverblümt mit ihrer Abdankung, nicht ohne den Hinweis, dass ihr dies leichtfalle, weil diese Krone eine „Dornenkrone“ für sie sei. So setzte sie sich fast immer durch. Der entscheidende Auslöser für Victorias Rückkehr ins öffentliche Leben war, ihre 1876 von Premierminister Disraelis Kabinett beschlossene Ernennung zur Kaiserin von Indien. Disraeli hatte diesen Titel ersonnen, nicht weil er ein Royalist gewesen wäre, sondern um die Königin zu einem Symbol des Empires zu machen.[39] In den vier Jahrzehnten ihrer Witwenschaft konnte sie politisch damit stets einen emotionalen Vorteil verbuchen und wurde für viele Engländer zu einer etwas wunderlichen Einsiedlerin im Witwenkleid; eine entrückte Gestalt, ehrfurchtgebietend und über ein Imperium von weltumspannenden Dimensionen herrschend.

[Bearbeiten] John Brown

Einen wesentlichen Anteil an der seelischen Entspannung der Witwe Victoria hatte John Brown (1826-1883), der zunächst als schottischer Jagdgehilfe des Prinzgemahls in Balmoral beschäftigt war. Er wurde ab 1865 bekannt als „der Hochlanddiener der Königin“. Er war ein rauer, gewitzter Schotte, der gerne Whisky trank und zu schlichten offenen Bemerkungen ohne Rücksicht auf Rang und Status neigte. Der zuverlässige und diskrete Diener wurde zu einem unentbehrlichen Helfer, zu einer männlichen Stütze.[40] Browns Stellung war zu seinen Lebzeiten Gegenstand lebhafter Diskussionen. Es gab Gerüchte, dass Brown Victorias Geliebter oder sogar heimlich mit ihr verheiratet gewesen sei. Victoria selbst hatte immer wieder ihre Zuneigung zu Brown beteuert, er war ihr ständiger Begleiter auf Reisen, trat ihr gegenüber sehr nonchalant auf und bediente sich dabei eines sehr freimütigen Tones. Nach seinem Tod 1883 erklärt Victoria ihrer ältesten Tochter, Brown habe sie „18 ½ Jahre nicht einen Tag verlassen“. Victoria widmete ihm den zweiten Band ihrer Tagebuchaufzeichnungen. Victorias Familie und der Hof sahen den Einfluss Browns sehr ungern.[41]

[Bearbeiten] Diamantenes Thronjubiläum

Königin Victoria an ihrem 60. Kronjubiläum

Im Jahr 1897 feierte Königin Victoria ihr diamantenes Thronjubiläum. Zu diesem Zeitpunkt gab es im gesamten Empire keinen Menschen, der es mit ihrer Beliebtheit hätte aufnehmen können. Sie befand sich am Höhepunkt ihrer Popularität. Auf der ganzen Welt fanden Feiern zu ihrem sechzigsten Thronjubiläum statt. Wochenlang wurden zahllose Feuerwerke, Festveranstaltungen, Paraden und Gottesdienste abgehalten. Sie galt als Mutter des Königreiches, einer Überfigur, der das gesamte Empire huldigte. Am 22. Juni fuhr sie, bejubelt von ihren Untertanen in der Kutsche durch London. Der Weg führte von Westminster zur Saint Paul's Cathedral und von dort zu den ärmeren Bezirken südlich der Themse.
Zu diesem Zeitpunkt war das britische Empire das größte Reich, das es auf der Welt jemals gegeben hatte, das noch immer expandierte und das als unangreifbar galt. Über was die Feierlichkeiten nicht hinwegtäuschen konnten, waren die sozialen Probleme: allein in London lebten zwei Millionen Menschen in bitterster Armut.[42]

[Bearbeiten] Regierungszeit

Während ihrer Regierungszeit erlebten die Ober- und Mittelschichten Englands eine beispiellose wirtschaftliche Blütezeit und das Britische Weltreich stand auf dem Höhepunkt seiner Macht. Victoria handhabte die konstitutionelle Monarchie sehr eigenwillig und selbstbewusst, obwohl sie bereits bei der Parlamentseröffnung die vorgeschriebene Rede des jeweiligen Premierministers verlesen musste - ein „Staatstheater“, bei dem sie sich zumeist vom Lordkanzler vertreten ließ. Außenminister Palmerston (1784–1865) und Premierminister Gladstone (1809–1898) stand sie - vorsichtig formuliert - reserviert gegenüber, erkannte aber später Palmerstons Leistungen in dessen Zeit als Premierminister an. Umgekehrt wandelte sich ihre anfängliche Skepsis bezüglich Disraeli (1804–1881), der ihre Erhebung zur Kaiserin von Indien veranlasste, zu späterer Freundschaft.

[Bearbeiten] Tod

Victoria starb in den Armen ihres Enkels Wilhelm II., des deutschen Kaisers, am 22. Januar 1901 in Osborne House, auf der Isle of Wight. Alle ihre noch lebenden Kinder, außer Tochter Viktoria, welche selbst im Sterben lag, waren anwesend. Victorias Leibarzt sorgte dafür, dass, wie sie es in einer geheimen Anweisungen befohlen hatte, eine Sammlung von Lieblingsstücken in den Sarg gelegt wurden. Zu diesen Lieblingsstücken gehörten unter anderem ein Albasterabdruck von Alberts Hand, Photos und eine Locke von John Browns Haaren. Auch ihr Wunsch, in ihrem Brautschleier bestattet zu werden, wurde erfüllt.[43]

Die Beerdigung zwei Wochen später wurde, wie Victoria es verfügt hatte, ganz in weiß gehalten. Sie wurde nicht wie andere englische Monarchen in der Sankt-Georgs-Kapelle auf Schloss Windsor, sondern im Mausoleum von Frogmore bei Windsor beigesetzt, das sie für sich und ihren 1861 verstorbenen Gatten im Stil der italienischen Romanik hatte errichten lassen.

[Bearbeiten] Nachkommen

[Bearbeiten] Kinder

Victoria und Albert hatten 9 Kinder:

Gold Sovereign von 1889 mit Victoria

Schwangerschaften waren für Victoria eine unvermeidliche Folge des Beischlafs. Sie äußerte immer wieder, dass es für sie wunderbar gewesen wäre, nur ein oder zwei Kinder zu haben. Sie sah kleine Kinder als etwas Abnormes und Tierisches, mit ihren froschähnlichen Bewegungen seien sie etwas Hässliches. Victoria war so eng mit ihrem Mann verbunden, dass, solange er lebte, ihr die Kinder ziemlich gleichgültig waren. Nach Alberts Tod bedeuteten die Kinder sicherlich mehr für sie, aber von einer Innigkeit im täglichen Umgang mit ihnen war nichts zu spüren.[44]
Ihr Verhältnis zu Thronfolger Prinz Albert Edward war zeitlebens schwierig und eine andauernde Enttäuschung. Sie warf ihm sogar sein Aussehen (ihrem nicht unähnlich) vor. Viele Quellen behaupten, dass die strenge Erziehung des Thronerben dessen Entwicklung stark behindert und viele seine späteren Verhaltensweisen verursacht habe.[45]Das Verhältnis zu den Töchtern war, vor allem in den späteren Jahren, um einiges besser. Victoria sorgte dafür, dass stets eine Tochter als Sekretärin und Gesellschafterin in ihrer Nähe war. Helena, Louise und Beatrice übernahmen diese Aufgabe nacheinander. Der Ehe Beatrice stimmte sie nur unter der Bedingung zu, dass diese auch nach der Hochzeit weiterhin bei ihr lebe.[46]

[Bearbeiten] Großmutter Europas

Victoria hatte 42 Enkel und 88 Urenkel. Durch deren Ehen hat sie Nachkommen in fast allen europäischen Monarchien, wodurch sie auch den Beinamen "Großmutter Europas" erhielt. Victoria war nicht unwesentlich am Zustandekommen dieser Ehen beteiligt. Den europäischen Kontinent mit einem dichten Netz von Verwandten auf den Fürstenthronen zu überziehen war für sie ein Instrument der Friedenssicherung. Wie wirkungslos diese Form der Friedenssicherung war, zeigte sich sowohl im Deutsch-Dänischen Krieg (1848–1851), als auch im Deutschen Krieg (1866), wo die Fronten jeweils quer durch die Verwandtschaft verliefen.[47]

2008 gehören folgende europäische Monarchen und ehemalige Monarchen zu Victorias Nachkommen: Königin Elisabeth II. von Großbritannien, König Harald V.von Norwegen, König Karl XVI. Gustav von Schweden, Königin Sophia von Spanien, Juan Carlos von Spanien, Margarete II. von Dänemark, der ehemalige König von Griechenland Konstantin II und der ehemalige König von Rumänien. Zu ihren Nachfahren gehören auch die Oberhäupter der ehemaligen Herrscherhäuser von Serbien, Russland, Preußen (Deutschland), Sachsen-Coburg-Gotha, Hannover, Hessen, Baden und Frankreich sowie der britische Prinzgemahl Philip Mountbatten, Herzog von Edinburgh.

[Bearbeiten] Sonstiges

George Housman Thomas: Königin Victoria. (Öl auf Leinwand, um 1890)

[Bearbeiten] Hämophilie

Victoria war die erste bekannte Überträgerin (Konduktorin) der Erbkrankheit Hämophilie (Bluterkrankheit) in der englischen Königsfamilie. Durch sie sollte sich die Krankheit an zahlreiche ihrer Nachkommen weitervererben. Unter anderem litt ihr Urenkel Alexei Nikolajewitsch Romanow, der letzte Zarewitsch, Sohn ihrer Enkelin Zarin Alexandra (geb. Prinzessin Alix von Hessen) und deren Gemahls Zar Nikolaus II. von Russland, an dieser Krankheit.[48]

[Bearbeiten] Briefe und Tagebücher

Queen Victoria führte seit ihrer frühesten Jugend Tagebuch, das Briefeschreiben wurde später ihre wichtigste Beschäftigung. Das kam einmal daher, dass sie überall im Ausland Verwandte und Freunde besaß, und zum anderen, dass sie oft über längere Zeiträume außerhalb Londons, meist in Osborne und Balmoral wohnte. Verhältnismäßig wenig Briefe hat Victoria an Prinz Albert geschrieben (da sie immer nur kurze Zeit voneinander getrennt waren). Größeren Umfang hatte die Korrespondenz mit ihrem Onkel Leopold und vor allem die mit ihrer ältesten Tochter Vicky. Der Briefwechsel mit ihr begann mit deren Hochzeit mit Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen im Jahre 1858, die Königin schrieb ihr mindestens zweimal in der Woche. 3.777 Briefe der Queen an ihre Tochter und ungefähr 4.000 Briefe der Tochter an ihre Mutter sind erhalten und katalogisiert.).[49]Zahlreiche Briefe an Verwandte und führende Politiker liegen auch vor und wurden nach ihrem Tod teilweise auch veröffentlicht. Die Königin selbst hat zwei Serien von Tagebuchaufzeichnungen, aus dem schottischen Hochlandaufenthalt stammend, herausgegeben (1865 und 1884 ).[50]
Die Originale der Tagebücher sind nicht mehr vorhanden. Sie wurden nach dem Tod Victorias von ihrer Tochter Beatrice teilweise abgeschrieben und anschließend verbrannt.

[Bearbeiten] Titel und Anrede

  • Ihre königliche Hoheit Prinzessin Victoria von Kent (bis 1837)
  • Ihre Majestät die Königin (1837-1901)
  • Ihre kaiserliche Hoheit die Königin-Kaiserin (1876-1901) (zusätzlich)

Als Enkelin des Königs von Hannover war Victoria eine Prinzessin von Hannover und Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Als Ehefrau von Prinz Albert hatte sie außerdem Anrecht auf den Titel einer Prinzessin von Sachsen-Coburg und war Herzogin von Sachsen. Mit ihrer Eheschließung änderte sich Victorias Familiennamen formal in Wettin. Die geschichtliche Praxis aber berechtigt eine regierende Königin ihren Familiennamen zu behalten, eine Tradition, der auch Victoria folgte.[51]Einen Titel welchen Victoria nie trug, war derjenige einer Prinzessin von Wales.

[Bearbeiten] Vermächtnis

[Bearbeiten] Trivia

  • bei der Geburt ihrer beiden jüngsten Kinder erlaubte Victoria dem Arzt John Snow, sie mit dem damals noch sehr umstrittenen Chloroform zu betäuben, um die Wehen nicht zu spüren. Durch ihr Vorbild verbreitete sich die Anästhesie in der Geburtshilfe.[52]
  • die Tradition, in Weiß zu heiraten, geht auf Victorias und Alberts Hochzeit zurück

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Verfilmungen

[Bearbeiten] Literatur

  • Sidney Lee: Queen Victoria. A biography Smith, Elder & Co., London 1902
  • Ella Mensch: Königin Viktoria von Großbritannien und Irland. Ein Zeit- und Lebensbild. Dargestellt nach schriftlichen und mündlichen Quellen. Hermann Seemann Nachf., Berlin 1908
  • Josephine M. Guy: The Victorian age. An anthology of sources and documents Routledge, London 2002, ISBN 0-415-27114-2
  • Kurt Tetzeli von Rosador: Queen Victoria. Ein biographisches Lesebuch Hg. Kurt Tetzeli v. Rosador & Arndt Mersmann. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2000, ISBN 3-423-12846-1
  • Carolly Erickson: Königin Victoria. Eine Biographie Piper, München 2001, ISBN 3-492-23286-8
  • Karl Heinz Wocker: Königin Victoria. Die Geschichte eines Zeitalters Heyne, München 1989, ISBN 3-453-55072-2
  • Jürgen Lotz: Victoria. Rowohlt Verlag, Reinbek 2000, ISBN 3-499-50627-0
  • Marita A. Panzer: Englands Königinnen. Piper, 2006
  • Victoria Zoubkoff (geb. Prinzessin von Preußen): Was mir das Leben gab und nahm. Bouvier, Bonn 2005, ISBN 978-3-416-03071-7
  • Stanley Weintraub Queen Victoria Benziger Verlag, Solothurn und Düsseldorf 1994, ISBN 3-545-34070-8
  • Herbert Tingsten Königin Viktoria und ihre Zeit" Diederichs, München 1997, ISBN 3-424-01360-9
  • Greg King Alexandra. Die letzte Zarin von Rußland. Ihr Leben und ihre Zeit Marion von Schröder, München 1994, ISBN 3-547-75401-1

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Königin Viktoria – Bilder, Videos und Audiodateien
Wikiquote Wikiquote: Viktoria I. von England – Zitate

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Panzer, S.219
  2. Weintraub
  3. Weintraub, S.41
  4. Weintraub, S.80
  5. Weintraub, S.61
  6. Lotz, S.27
  7. Weintraub, S.61
  8. Weintraub, S.62
  9. Weintraub, S.94-95
  10. Weintraub, S.103-105
  11. Tingsten, S.60
  12. Weintraub, S. 98-99
  13. Erickson, S. 91
  14. Lotz, S.40-42
  15. Weintraub, S.112
  16. Tingsten, S.60-61
  17. Erickson, S. 63–64
  18. Erickson, S.100–102
  19. Tingsten, S.61
  20. Tingsten, S.70
  21. Weintraub, S.135-147
  22. Lotz, S.70
  23. Weintraub, S.177-179
  24. Lotz, S.60-61
  25. Lotz, S.61
  26. Weintraub, S.169-170
  27. Weintraub, S.185
  28. Weintraub, S.186
  29. Weintraub, S.187
  30. Weintraub, S.182-183
  31. Lotz, S.71
  32. Lotz, S.76-80
  33. Lotz, S.82-87
  34. Lotz, S.85
  35. Lotz, S.82
  36. Lotz, S.83
  37. Tingsten, S.67
  38. Weintraub, S.263
  39. Spoto, D. "Die Windsors" Heyne Verlag, 1995, ISBN 3-453-13186-X, S.66
  40. Lotz, S.98
  41. Tingsten, S.86-90
  42. Spoto, S.111-113
  43. Erickson, S.316-319
  44. Tingsten, S.71-73
  45. Tingsten S.74
  46. Weintraub, S.413
  47. Lotz, S.102-103
  48. King
  49. John Van der Kiste: Queen Victorias children. Sutton Publishing, Gloucestershire 2006, ISBN 0-7509-3476-X, S.9
  50. Tingsten, S.62
  51. Weintraub, S.121-127
  52. Gubalke. W. "Die Hebamme im Wandel der Zeit" Elwin Staude Verlag: Hannover, 1985. ISBN 3-87777-030-4


Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm IV. Königin des Vereinigten Königreiches
1837–1901
Eduard VII.
- Kaiserin von Indien
1877–1901

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