Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
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Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) sind ein Teilgebiet der Makroökonomie innerhalb der Volkswirtschaftslehre und stellen ein statistisches Werk mehrerer Teilrechnungen dar. Den zentralen Schwerpunkt bildet dabei die Entstehung, Verteilung und Verwendung des Bruttoinlandsprodukts. Grundlage der VGR ist die Kreislauftheorie, bei der alle Tauschvorgänge zwischen Unternehmen und Haushalte erfasst werden. Sie liefern somit im Nachhinein (ex post) einen quantitativen Überblick über das wirtschaftliche Geschehen in einer Volkswirtschaft.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Ziele
„Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung verfolgt das Ziel, das Wirtschaftsgeschehen einer Volkswirtschaft für einen zurückliegenden und daher abgeschlossenen Zeitraum quantitativ möglichst umfassend zu beschreiben.“[1] „Einerseits soll eine genaue Beschreibung der Entwicklung der wirtschaftlichen Aktivitäten und Produktivkraft eines Landes erreicht werden und andererseits sollen quantitative Aussagen über die Entwicklung des Wohlstandes der Bürger eines Landes ermöglicht werden.“
[Bearbeiten] Nebenrechungen der VGR
[Bearbeiten] Input- Outputrechung
Steht im engen Zusammenhang mit der Inlandsproduktberechnung. Input- Outputrechnung befasst sich mit der güter- und produktionsmäßigen Verflechtung zwischen en Produktionsbereichen.
[Bearbeiten] Vermögensrechnung
Die Vermögensrechung verfolgt das Ziel sämtliche Bestände an Sachgütern, Forderungen und Verbindlichkeiten zu erfassen. Des Weiteren wird der Einblick in die Zusammensetzung der Vermögensbestände ermöglicht. Als Hilfe dienen die Daten des Statistischen Bundesamtes und der deutschen Bundesbank.
[Bearbeiten] Finanzierungsrechnung
Gibt Aufschluss über die Veränderungen der Forderungen und Verbindlichkeiten der einzelnen Sektoren.
[Bearbeiten] Außenwirtschaftsrechnung
Den wichtigsten Punkt bildet die Zahlungsbilanz. Bei der Güter- und Kapitalströme zwischen Inländern und Ausländern aufgezeigt werden. Ebenso wichtig ist die Entwicklung von Wechselkursen, Export und Importpreise sowie die realen Austauschverhältnisse, auch Terms of Trade genannt.
[Bearbeiten] Arbeitsvolumenrechnung
Die Arbeitsvolumenrechung ermittelt die Anzahl der Beschäftigten und Selbstständigen.
[Bearbeiten] Einkommen für private Haushalte
Zeigt die Einkommensverteilung der privaten Haushalte nach Gruppen von Selbstständigen, Arbeitnehmer und Nichterwerbstätigen Haushalten.
[Bearbeiten] Die Binnenwirtschaftsrechnung in Deutschland
Von 1957 bis 1960 wurde in Deutschland erstmals ein eigenes System der VGR entwickelt. Ab 1970 wurden die nationalen Daten nochmals für die Europäischen Gemeinschaften aufbereitet. Grundlage für die aktuelle Systematik der VGR ist das System of National Accounts aus dem Jahre 1993. Seit 1998 ersetzt das europäische System volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 1995) das deutsche System. Es basiert auf Richtlinien der UN. Das Ziel war die verbindliche Vereinheitlichung der verschiedenen nationalen Methoden, Konzepte, Klassifikationen, Definitionen und Buchungsregeln zur besseren Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU.
[Bearbeiten] Berechnung des BIP
Das Bruttoinlandsprodukt ist über drei verschiedene Wege ermittelbar. Alle Berechungsmethoden führen zum gleichen Ergebnis. Im Jahr 2007 betrug das Bruttoinlandsprodukt 2422,9 Mrd Euro. [2]
[Bearbeiten] Entstehungsseite
Hier wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von der Produktionsseite dargestellt. Zentrale Größe bildet dabei die Bruttowertschöpfung. Diese ermittelt sich aus der Summe sämtliche Produktionen abzüglich Vorleistungen.
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Produktionswert − Vorleistungen = Bruttowertschöpfung − unterstellte Bankgebühr + Gütersteuern − Gütersubventionen = Bruttoinlansprodukt
[Bearbeiten] Verwendungsseite
Bei der Verwendungsseite erfolgt die Berechung anhand der Nachfrageseite. Dabei wird die Verwendung für Waren und Dienstleistungen bestimmt.
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+ Private Konsumausgaben + Konsumausgaben des Staates + Bruttoinvestitionen + Exporte − Importe = Bruttoinlandprodukt
[Bearbeiten] Verteilungsseite
In Deutschland ist eine genaue Berechnung hierzu nicht möglich. Da meist die genauen Höhe des Unternehmensgewinne nicht feststeht. Daher erfolgt die Verteilung meist über das Volkseinkommen. Dieses setzt sich zusammen aus Arbeitnehmerentgelten, den Unternehmens- und Vermögenseinkommen.
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+ Arbeitnehmerentgelt + Unternehmens- und Vermögenseinkommen = Volkseinkommen + Poduktions- und Importabgaben an den Staat − Subventionen + Abschreibungen = Bruttonationaleinkommen − Primäreinkommen aus der übrigen Welt (Saldo) = Bruttoinlandprodukt
[Bearbeiten] Vergleich
Der Vergleich des BIP kann auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden zum einen kann ein zeitlicher Vergleich und zum anderen ein internationaler Vergleich durchgeführt werden. Bei den Zeitlichen vergleich besteht die Schwierigkeit darin, das alle produzierten Güter zu Marktpreisen bewertet werde. Daher ist noch zwingend zu unterscheiden ob sich wirklich die Produktion erhöht hat oder ob nur die Preise gestiegen sind. Denn nur die reale Erhöhung der Produktion führt auch zu einem höheren Wohlstand der Volkswirtschaft. Auch bei dem internationalen Vergleich gibt es einige Schwierigkeiten. Das größte stellt die Umrechung in eine gemeinsame Währung dar. Aber auch die unterschiedliche Erfassung und Bewertung von Gütern erschwert einen internationalen Vergleich.
[Bearbeiten] Kritikpunkte
Die Kritik der VGR betrifft die Ungenauigkeit oder dass manche Vorgänge gar nicht erst erfasst werden. Hierzu zählt die in den letzten Jahren zugenommen Schattenwirtschaft. Da diese Vorgänge ohne Rechung erfolgen, fällt es sehr schwer diese Vorgänge mit einzuberechnen. Weiterhin erfolgen manche Statistiken nur in mehrjährigen Abständen. Die nötigen Daten in den folgenden Jahren, können somit nur geschätzt werden. Hinzu kommt das meist mehrere Quellen mit unterschiedlichen Daten zur Verfügung stehen. Nicht zu vernachlässigen ist auch, dass auf Grund der Komplexität der Rechnung Ungenauigkeiten nicht zu vermeiden sind. „Die Ungenauigkeit der Inlandsproduktzahlen werden oftmals auf eine Größenordnung von etwa drei Prozent geschätzt, letztendlich gibt es keine gesicherten Informationen über die Fehlergröße“
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Frenkel/John, Verlag Vahlen, S. 4
- ↑ statistisches Bundesland Deutschland http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen/Inlandsprodukt/Tabellen/Content75/Gesamtwirtschaft,templateId=renderPrint.psml 25.11.2008
[Bearbeiten] Literatur
- Krugman, Paul R. und Obstfeld,Maurice;Internationale Wirtschaft:Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 6. Aufl.,Pearson Studium, 2003
- Frenkel, John; Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 5. Aufl., Vahlen Verlag
- Haslinger, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 6.Aufl., Oldenbourg
- Ahrns, Grundzüge der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, 2. Aufl., Transfer Verlag Regensburg
- Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Inlandsprodukt nach ESVG 1995 - Methoden und Grundlagen - Neufassung nach Revision 2005. Fachserie 18/Reihe S.22. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007.
[Bearbeiten] Weblinks
- Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (Statistisches Bundesamt)
- Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder
- Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Schweiz
- Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (Statistiken der Wirtschaftskammer Österreich)
- Wichtige Zusammenhänge im Überblick 2007, Statistisches Bundesamt, Pdf-Datei abgerufen 22. Oktober 2008.

