Wilhelm Dilich

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Porträt von Wilhelm Dilich von S. Fürck aus dem Jahr 1637

Wilhelm Dilich, auch Dilich-Schäffer, eigentlich Wilhelm Scheffer, Schöffer (* 1571 in Wabern oder Bad Wildungen in Hessen; † 4. April 1655 in Dresden) war ein deutscher Baumeister, Ingenieur, Holzschneider, Kupferstecher, Zeichner, Topograph und Militärschriftsteller. Er selbst bezeichnete sich als „Geographus und Historicus“.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Burg Friedewald im Jahr 1605, Kupferstich von Dilich
Burg Rheinfels mit 54 m hohem Butterfass-Bergfried, 1607

Er war der Sohn des Pfarrers Heinrich Scheffer auch Schaeffer) (gen. Dilich bzw. Diichius; † 1615) von Wabern. Von 1589 bis 1590 studierte er an der Universität Wittenberg und bis 1591 an der Philipps-Universität in Marburg an der Lahn. Dort lernte er den späteren Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel kennen, für den er ab 1592 als Abreißer (Grafiker) tätig war. Von 1594 bis 1596 unternahm er im Auftrag des Landgrafen verschiedene Reisen. 1594 hielt er sich in Leipzig auf belegt durch fünf Federzeichnungen. Von 1596 bis 1597 lebte er in Hamburg und anschließend in Bremen. 1596 fertigte er eine Zeichnung vom Bremer Marktplatz. Er plante eine Chronik von Bremen zu fertigen, doch erst 1602 kam ein kleines Buch über Bremen zu stande, das danach bis 1605 verbessert wurde. Von 1597 bis 1622 war Wilhelm Dilich wieder im Dienst des hessischen Landgrafen. Zuletzt wurde er als Leiter der Befestigung in Wanfried bei Eschwege angestellt.

Am Hof von Landgraf Moritz in Kassel wurde 1601 sein Abriß dero Ritterspiel nach einer Federzeichnung von Wilhelm Dilich gedruckt. In Leipzig heirate er im gleichen Jahr. Aus der Ehe stammte der 1600 in Kassel geborene Festungsbaumeister Johann Wilhelm Dilich.
Als sein Hauptwerk gilt die Synopsis totius Hassiae von 1605. Wilhelm Dilich bildete in diesem Buch alle Städte Hessens des 16. Jahrhunderts ab. Oftmals sind die Stadtansichten Wilhelm Dilichs die ältesten nachweisbaren historischen bildlichen Abbildungen.

Von 1622 bis 1625 wurde er wegen Überschreitung seiner Befugnisse inhaftiert. Mit Hilfe des Statthalters Wilhelm von Hessen gelang ihm die Flucht nach Kursachsen. Seit März 1625 war Wilhelm Dilich als Kriegsingenieur, Kartograph, Baumeister und Vedutenzeichner im Dienst des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. in Dresden tätig. Er stieg schließlich zum Leiter des gesamten Festungswesens in Sachsen auf.

1627 reiste er durch Kursachsen, um insgesamt 17 Stadtansichten für die Dekoration des Riesensaals im Dresdner Schloss anzufertigen. Dieser Saal wurde 1627 bis 1630 von Dilich erhöht und eingewölbt. 1633 wurde das Gewölbe von Kilian Fabritius nach Wilhelm Dilichs Vorlagen mit sächsischen Stadtansichten ausgemalt und fertig gestellt. In der Fensterlaibung befindet sich Dilichs Selbstportrait als Germanus. Die zwölf Tierkreiszeichen nach Entwürfen von Wilhelm Dilich an der Decke sind nach einem Feuer 1701 zerstört worden. Später wurde Wilhelm Dilich zum Leiter der Erweiterungsmaßnahmen der Befestigungsanlagen in Dresden ernannt. 1650 trat er hochbetagt vom kursächsischen Dienst zurück und verfasste mehrere theoretische Abhandlungen über den Festungsbau.

Oftmals waren die Federzeichnungen Wilhelm Dilichs Vorlage für Arbeiten von Matthias Merian.

Es erinnern Denkmale in Wittenberg und Weimar an Wilhelm Dilichs Wirken.

[Bearbeiten] Werke

  • De Electoribus Saxonicis. 1590
  • Synopsis descriptionis totius Hassiae tribus libris comprehensae. 1591
  • Brevis Lipsiae descriptio. 1594
  • Beschreibung und Abriss dero Ritterspiel, so der Durchleuchtige Herr Moritz. Landgraf zu Hessen… auff die fürstliche Kindtauffen Frewlein Elisabethen…am fürstlichen Hoff zu Cassel angeordnet, gefeiert im August 1596 zu Cassel. 1601
  • Biblia, 1601
  • Ungarische Chronik. 1601
  • Urbis Bremae et Praefectuaru. 1602
  • Urbis Bremae typus et chronicon. 1605
  • Hessische Chronica. 1605
  • Eigendtliche, kurtze Beschreibung und Abriss dero weitt berühmten Keyserlichen Stadt Constantinobel. 1606
  • Kurtze Beschreibung und eigentliche Abrisse dero Länder und Festungen, so der Türcke biss dahero in Europa, besonders aber in Ungarn, Slavonia, Dacia, Dalmatia und Griechenlandt zum theil mit krieg angefochten, zum theil aber gantz under sein Joch bracht, sanpt der Ungarischen Chronica. 1609
  • Hessische Chronica. 1617
  • Urbs et Academia Marpurgensis. 1627 (unvollendet)
  • Peribologia oder Wilhelm Dilichii Hist. von Vestungsgebewen. Vieler Örter vermehrett … und publicirett durch Wilhelm Dilichium. 1640
  • Kurtzer Underricht Bollwerke anzulegen. 1645
  • Wilhelmi Dilichii… Hochvernünfftig gegründet- und aufgerichtete, in gewisse Classen eingetheilte, bisher verschlossen gelegen, nunmehr aber eröffnete Kriegs-Schule. 1647
  • Kriegsbuch Wilhelmi Dilichii, darin die Alte und Newe Militia aller örter vermehret, eigentlich beschribe
  • Vitae professorum thelogiae qui in… Academia Marburgensi…docuerunt…Accedit Wilhelm Dilichii manuscript

[Bearbeiten] Werke in Kunstsammlungen

  • Landesbibliothek der Stadt Kassel (Zeichnungen, u. a. Schloss Moritzburg, Malsfeld u.ä.)

[Bearbeiten] Literatur

  • Saur: Allgemeines Künstlerlexikon. Band 27, K.G. Saur München Leipzig 2000, S. 390–391
  • [Nach Cäsar]: Dilich, Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 225 f.
  • Franz Lerner: Dilich, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 718.
  • Walther Killy: Literaturlexikon: Autoren und Werke deutscher Sprache. (15 Bände) Gütersloh; München: Bertelsmann-Lexikon-Verl. 1988-1991 (CD-ROM Berlin 1998 ISBN 3-932544-13-7) Bd. 3 S. 53
  • Carl Michaëlis (Hrsg.): Rheinische Burgen nach Handzeichnungen Dilichs (1607). Mit Beiträgen von C. Krollmann und Bodo Ebhardt. Berlin 1900.
  • Dilich, Wilhelm: Ritterspiele anno 1596. Nachdruck der Ausgabe Cassel. Wessel. 1598. Als Nachdruck herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Hartmut Broszinski und Gunter Scheikhart. Kassel 1986.
  • Edmund E. Stengel (Hrsg.): Dilichs Landtafeln hessischer Ämter zwischen Rhein und Weser. Marburg 1927.
  • Horst Nieder: Wilhelm Dilich (um 1571 - 1650). Zeichner, Schriftsteller und Kartograph in höfischem Dienst. Lemgo 2002.
  • Eintrag in Zedlers Universallexikon, Band 07, Blatt 484.
  • Ersch / Gruber: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste Bd. 25 S. 204

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Wilhelm Dilich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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