Neuguinea-Kompagnie

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Flagge der Neuguinea-Kompagnie

Die Neuguinea-Kompagnie (auch Neuguinea-Compagnie) war eine 1882 in Berlin, durch Bankiers und Großfinanziers als Neuguinea-Konsortium, gegründete Gesellschaft. Ihr Ziel war der Erwerb von Kolonialbesitz in der Südsee, insbesondere Neuguinea, dem Bismarck-Archipel und den Salomonen-Inseln. Zu den Gründungsmitgliedern zählen u. a. der Bankier Adolph von Hansemann sowie Gerson von Bleichröder.[1]

Als Großbritannien im August 1884 den Ostteil Neuguineas für die Krone vereinnahmte, beanspruchte der Agent des Konsortiums Otto Finsch im Dezember desselben Jahr die Nordküste Neuguineas und das Bismarck-Archipel.[2] Dadurch verhinderte er die Inbesitznahme durch das Großbritannien, was insbesondere durch die britische Kolonie Queensland in Australien gefordert worden war. Großbritannien regierte ab 1884 den Süd- und Ostteil Neuguineas (-> Britisch-Neuguinea) und ab 1889 wurde der Westteil zur Kolonie der Niederlande. (-> Niederländisch-Neuguinea).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Schutzbriefe

Im Frühling 1885 wurde das Neuguinea-Konsortium durch Hansemann umbenannt in Neuguinea-Kompagnie, die durch weitere Finanziers wie Guido Henckel von Donnersmarck, Christian Kraft zu Hohenlohe-Öhringen und Adolph Woermann unterstützt wurde.[3] Nach einem Anschluss der Hamburger Firma Robertson & Hernsheim an die Kompagnie, bekam diese am 17. Mai 1885 mit dem kaiserlichen „Schutzbrief“ die Hoheitsrechte für Kaiser-Wilhelms-Land (Nordost-Neuguinea) und den Bismarck-Archipel übertragen.[4] Am 13. Dezember 1886 kamen die Nord-Salomonen (Bougainville, Choiseul, Isabella u. a.) dazu. Durch die Überschreibung der landeshoheitlichen Rechte, wurde die Kompagnie zu einer autonomen Selbstverwaltung, das ihr zuerkannte, Land in Besitz zu nehmen und mit den Einheimischen Verträge über Land abzuschließen. Das Recht, Beziehungen mit fremden Mächten zu regeln, blieb allerdings der kaiserlichen Regierung vorbehalten.

Am 7. Oktober 1898 kaufte das Deutsche Reich durch einen Vertrag mit der Neuguinea-Kompagnie die Hoheitsrechte zurück, die es ab 1899 dann auch ausübte. An Stelle des früheren Landeshauptmanns trat der kaiserliche Gouverneur, der dann seinen Sitz in Herbertshöhe (Kokopo) im Bismarck-Archipel hatte, wodurch Friedrich-Wilhelmshafen (Madang) seine Stellung als Verwaltungshauptstadt verlor.

[Bearbeiten] Wirtschaftliche Ziele

Die Ziele der Kompagnie lagen vor allem in der Erforschung des Gebietes zur Vorbereitung von Bodenspekulationen und in der Einrichtung einer Verwaltung. Handel und die Plantagenwirtschaft sollte in der Zukunft durch deutsche Siedler in Gang gebracht werden. Die Verwaltungskosten stiegen rasch an, denn die ideologisch aufgeladenen Vorurteile die eine Zusammenarbeit mit Einheimischen verunmöglichte, zwangen die Gesellschaft zeitweilig dazu, Arbeitskräfte aus Java und China zu „importieren“. Um neue Plantagen anzulegen, hatte Hansemann bereits 1891 eine weitere Gesellschaft gegründet, die Astrolabe-Kompanie. Sie betrieb bis zu ihrer Zusammenführung mit der Neuguinea-Kompagnie 1896[5] die Plantagen in Stephansort und Erima.

Seit 1893 bestand über den Norddeutschen Lloyd eine regelmäßige Dampferverbindung zwischen dem Gebiet der Gesellschaft und Singapur. Die Verkehrsanbindung war einer der wesentlichen Kostenfaktoren der Unternehmung. Des weiteren war die Kompagnie seit 1894 für die Prägung der den Reichsmünzen gleichwertigen Neuguinea-Mark verantwortlich. Sie unterhielt eine kleine „Schutztruppe“ und gab seit 1885 die Nachrichten für und über Kaiser Wilhelms-Land und den Bismarck-Archipel heraus.

Klimatische Bedingungen, eine stark formalisierte Verwaltung, sowie Mißmanagement, Hansemann verwaltete die Tätigkeiten von Berlin aus, ließ die Gesellschaft mit ihren Unternehmungen auf Neuguinea mit hohen Verlusten dastehen, für die das Deutsche Reich, mit der Übernahme der Hoheitsrechte 1899, einstehen musste.[6]

Auch nach 1899, war die Kompagnie weiter geschäftlich in den pazifischen Kolonien tätig. Sie unternahm umfangreiche Versuche mit dem Anbau von Tabak, Baumwolle und anderen tropischen Gewächsen. Später wurde der Schwerpunkt auf die Gewinnung von Kokosnüssen und anderen Stoffen der Kokospalmen (Kopra) gelegt. Besonders in Konstantinhafen und Herbertshöhe wurde zudem Reis, Mais u. a. für den eigenen Bedarf angebaut. Im Hauptort Friedrich-Wilhelmshafen wurden in erster Linie Nutzhölzer gewonnen, eine kleine Rinderzucht gab es dort ebenfalls.

Um 1900 wurden, wegen der starken Vergrößerung der Plantagengebiete, wieder Arbeitskräfte angeworben. Diese kamen wie bereits zuvor aus Java und China und die Kompagnie konnte durch indirekten Zwang, man hatte eine Kopfsteuer für Einheimische erhoben, auch Einheimische als Arbeitskräfte rekrutieren. Die Kompagnie fand jedoch nie einen Weg, ihre Interessen mit denen der Einheimischen zu verbinden, so dass jene letztendlich nur als „Ressourcen“ angesehen wurden, die es mit geringem Kostenaufwand auszubeuten galt.[7]

Um 1899 wurde die Gesamtfläche des Schutzgebietes auf rund 252.000 Quadratkilometer geschätzt, die sich aus ca. 179.000 für das Kaiser-Wilhelms-Land, 52.000 vom Bismark-Archipel und 21.000 von den Salomons-Inseln zusammensetzen.[8] 1904 besaß die Kompagnie Grundbesitz von 138.778 ha, davon 92.046 ha auf Kaiser-Wilhelms-Land und 46.732 ha auf dem Bismarck-Archipel.

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges besaß die Neuguinea-Kompagnie etwa die Hälfte aller, von Europäern, erworbene Gebiete.[9]

[Bearbeiten] Stationen

Am 5. November 1885 wurde die Station Finschhafen gegründet, wo sich bis 1891 der Sitz der Verwaltung befand, der dann aber in das für Europäer klimatisch gesündere Friedrich-Wilhelmshafen (Madang) verlegt wurde. Weitere Stationen wurden Konstantinhafen, Hatzfeldhafen, Stephansort, Erima und Herbertshöhe in Neupommern (heute Kokopo in Neubritannien). Hatzfeldhafen wurde wieder aufgegeben.

[Bearbeiten] Gouverneure und Kommissare

Gouverneure bzw. Deutsche Landeshauptmänner der Neuguinea-Kompagnie waren:

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Horst Gründer: Geschichte der Deutschen Kolonien. 5. Aufl., Paderborn (Schöningh) 2004.
  • Louis Rothschild: L. Rothschilds Taschenbuch für Kaufleute. 42. Aufl., Leipzig (G.A. Gloeckner) 1900

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Gründer: S. 91
  2. Gründer: S. 92
  3. Gründer: S. 93
  4. S.G. Frith: The New Guinea Company, 1885-1899: a case of unprofitable imperialism. in: Historical Studies 15, S. 316
  5. Gründer: S. 178
  6. Gründer: S. 94
  7. Gründer: S. 178ff.
  8. L. Rothschild: Taschenbuch Kaufleute, 1900, S. 631
  9. Gründer: S. 179
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