Hanna Jäger

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Hanna Jäger (* 1927 in Crailsheim; † 2014 in Lübeck) war eine deutsche Malerin, Licht- und Installationskünstlerin.

Hanna Jäger war seit 1956[1] mit dem Maler und Kunsterzieher Johannes Jäger (* 1930 in Flensburg)[2] verheiratet und lebte seitdem in Lübeck; gemeinsam hatten sie zwei Kinder.

Hanna Jäger kam durch ihren Vater, einen Zeichenlehrer, bereits früh zur Kunst.

Sie studierte von 1947 bis 1953 bei Manfred Henninger und Hans Meid Malerei und Freie Grafik an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart; hierbei entstanden um 1950 herum bereits als erste Arbeiten Mädchenporträts und Märchenillustrationen. Bei Gerhard Gollwitzer legte sie ihr Staatsexamen für Kunsterziehung ab, und nach ihrer Referendariatszeit unterrichtete sie von 1955 bis 1957 als Kunsterzieherin in Plön sowie am Kieler Käthe-Kollwitz-Gymnasium.

Nach ihrer Hochzeit und während der Erziehung ihrer beiden Kinder konnte sie nur eingeschränkt arbeiten, sodass sie erst 1968 begann, freischaffend in Lübeck einen künstlerischen Neuanfang zu beginnen. Ihre ersten Werke waren schwarz-weiße Mobiles aus Plexiglas, deren zeichnerischer Entwurf den Ton der folgenden Zeichnungen bereits spielerisch anschlug: Licht und Schatten, Nachbildung des dunklen Lichts, die Ausgangsfarben schwarz und weiß.

Kurz darauf begann sie auch mit ihren Wetterkarten-Zeichnungen[3] als Tagebuchnotizen, die das Wetter zwar meinten, aber auch Stimmungen sein konnten; auf schon mit Meteorologensprache bedrucktem Papier, bei denen sie zum Schluss der Reihe zum Buntstift griff. Sie entwickelte hierbei zwangsläufig eine Technik, bei der sie jederzeit unterbrechen konnte, um für die Familie da zu sein. Die spürbare Verfestigung ihrer Zeichenstrukturen erklärte sich aus dem damaligen Lebensinhalt, die immer gleichbleibende Struktur als Lebenshilfe.

1971 entstanden bei einem Kurzaufenthalt in Dänemark Blätter der Liskula-Reihe, indem sie mit einem Faserstift eine Art Totenlandschaft erstellte, das letzte Blatt wurde dann mit dem Messer verletzt, Teil der formalen Struktur ist deren Zerstörung.

1971 und 1972 fertigte sie ihre Rundbilder, deren Montagen mit Silber- und Siebdruckpapier beziehungsweise Collagen waren. Ab 1975 zeichnete sie die Reihe Flugbilder, in denen Blicke aus dem Kabinenfenster eines Flugzeuges zu sehen sind, darauf folgten von 1977 bis 1979 Landschaften und ab 1979 begann die Farbe auf den Blättern aus Lanzarote eine Rolle zu spielen.

Von 1978 bis 1980 erstellte sie ihre Skripturalen Blätter, nach Gedichten unter anderem von Klaus Rainer Goll, Lese- und Denkbilder, bei denen der Text das Denken anstößt und es zum Bild deuten führt.

Seit den 1980er Jahren entstanden Bilder, zumeist auf dem Fußboden, in einem offenen Prozess, mit sich überlagernden Strukturen, so entstand die Serie Berrit aus Federzeichnungen und Kohle.

Ihre Horizontbilder ziehen sich durch ihr ganzes Werk, in allen möglichen Tonabstufungen zwischen Schwarz und Weiß, mit vielen kleinen Federstrichen, schichtweise übereinander, die ihre innere Landschaft, innere Zustandsbilder, darstellten.

1987 arbeitete sie als Landestipendiatin in den USA, unter anderem zwei Monate am Institute of Art in Minneapolis, wo sie sich für die Integrierung von Schwarzlicht, Neonröhren und Leuchtmalerei interessierte, weiter hielt sie sich noch in Chicago und New York auf. Anschließend erfand sie sich als Neonkünstlerin neu, die mithilfe von Kunstlicht Lichtkunst erschuf. 1992 war sie noch einmal in Minneapolis am Institute of Art; 1995 in Seattle am Pilchuk Glass School[4] in der Neon-Klasse bei Cork Marcheschi (* 1945) und 1999 war ihr vierter Aufenthalt erneut in den USA in Chicago.

Eines ihrer letzten Werke endete 2009 mit Wort ENDE aus Neonbuchstaben geformt auf einem Holzobjekt (Werk-Nr., 843 im Werkverzeichnis); ihr Werkverzeichnis unter dem Titel Something is always happening, nach John Cage, das zu einer Retrospektive in der Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel 1947–2009 entstanden war, listete ein Gesamtwerk von 871 einzelnen Werken auf.

Seit 1975 waren ihr verschiedene Einzelausstellungen gewidmet worden; zusätzlich stellte sie ihre Werke auf verschiedenen Gruppenausstellungen im In- und Ausland aus.

Künstlerisches Wirken

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Die künstlerische Position von Hanna Jäger war geprägt durch die Erfahrungen mit Action Painting und Informel, wobei es nicht um abbildhafte Wirklichkeit, sondern um den Arbeitsprozess als solchen ging. Der Betrachter ihrer Arbeit sollte die Aktion, die zeichnerische Geste nachvollziehen können. Sie gliederte ihren Bildraum rhythmisch, ohne sich einem Perspektivsystem zu verpflichten, dadurch blieb er offen und bezog den Betrachter mit ein.

Einzelausstellungen (Auswahl)

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Gruppenausstellungen (Auswahl)

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  • Seit 1970 mit nur wenigen Ausnahmen Teilnahme an allen Landesschauen Schleswig-Holsteinischer Künstler.
  • Seit 1977 Teilnahme an einer Vielzahl von Gruppenausstellungen, unter anderem in:

Mitgliedschaften (Auswahl)

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Ehrungen und Auszeichnungen (Auswahl)

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  • 1985 erhielt Hanna Jäger die Schleswig-Holstein-Medaille.
  • 1991 wurde ihr der Kunstpreis der Schleswig-Holstein-Wirtschaft zuerkannt: Hanna Jäger erhält diesen Preis für die künstlerische Qualität ihres von Innovationskraft und Konsequenz in der Entwicklung geprägten Werkes, das weit über die Grenzen des Landes hinaus Beachtung findet.[10]

Werke (Auswahl)

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  • Ulrika Evers: Deutsche Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Hamburg: Ludwig Schultheis-Verlag, 1983. ISBN 3-920855-01-9. S. 154 f.
  • Jens Christian Jensen (Hrsg.): 3 aus Schleswig-Holstein. Hanna Jäger, Bruno Kirstein, Johannes Michler. (Begleitband zur Ausstellung in der Kunsthalle zu Kiel und dem Schleswig-Holsteinischen Kunstverein) 1990, ISBN 3-923701-46-2.
  • Hanna Jäger: Zeichnung, Malerei, Objekt, Installation; Katalog der Ausstellung zur Verleihung des Kunstpreises der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft, 27. Oktober 1991 bis 5. Januar 1992, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig 1991.
  • Christian Rathke/Dietrich Schulz/Heinz Spielmann: Hanna Jäger. Zeichnung, Malerei, Objekt, Installation. Katalog der Ausstellung zur Verleihung des Kunstpreises der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft; 27. Okt. 1991 bis 5. Jan. 1992. Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig, Schleswig 1992.
  • Ulrike Wolff-Thomsen: Lexikon schleswig-holsteinischer Künstlerinnen. Hrsg.: Städtisches Museum Flensburg. Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co., Heide 1994, ISBN 3-8042-0664-6. S. 155 f.
  • Hanna Jäger: Ausstellung des Burgklosters zu Lübeck und des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck; Burgkloster zu Lübeck, August/September 1997. Kunstverein Schwetzingen, Mai 1998.
  • Silke Eikermann: Hanna Jäger. Farb-Licht. 1987–2001. Brunsbüttel 2002.
  • Hanna Jäger. Hrsg.: Bundesverband Bildender Künstler, Landesverband Schleswig-Holstein, Kiel, 2003.
  • Hanna Jäger 1968–2007. Zeichnungen, Malerei, Lichtobjekte. Ausstellung 24.8. – 28.10.2007. Lübeck 2007.
  • Silke Eikermann: Hanna Jäger. Retrospektive 1947–2009. Werkverzeichnis. Something is always happening/Etwas geschieht immer. Brunsbüttel 2010.
  • Roswitha Siewert: Hanna Jäger − Nichts ist, was es ist. In: Lübeckische Blätter, Heft Nr. 9 v. 3. Mai 2014. S. 138 f.
  • Silke Eikermann: Hanna Jäger – Johannes Jäger. komplementär. Jahrzehnte einer Künstlerehe. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 23. April bis zum 11. Juni 2017 in der Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel. 2017.

Einzelnachweise

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  1. Stadtgalerie Brunsbüttel. Abgerufen am 28. November 2020.
  2. Johannes und Hanna Jäger – Ein Künstlerpaar auf Reisen – Kunsthalle St. Annen – Die Lübecker Museen. Abgerufen am 28. November 2020.
  3. "Hanna Jäger: Wartezeit für Wetterzeichen". Abgerufen am 28. November 2020.
  4. Pilchuck Glass School. Abgerufen am 29. November 2020 (englisch).
  5. Ausstellungen 2003. Stadt Gelsenkirchen, abgerufen am 29. November 2020.
  6. Ausstellungen der letzten Monate und Jahre. Stadt Aschaffenburg, abgerufen am 29. November 2020.
  7. Elbeforum Brunsbüttel. Abgerufen am 29. November 2020.
  8. Hanna Jäger Something is always happening / etwas geschieht immer (John Cage). Stadtgalerie im Elbeforum, Brunsbüttel, abgerufen am 29. November 2020.
  9. Gemeinschaft Lübecker Künstler. Abgerufen am 29. November 2020.
  10. Bisherige Preisträger. Studien- und Fördergesellschaft der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft e.V., 2018, abgerufen am 29. November 2020.
  11. Aus den Kunstsammlungen der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein. (PDF) Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Februar 2017, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. Dezember 2020; abgerufen am 29. November 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sparkassenstiftung-sh.de