Jahresringtabelle

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Jahresringe eines Fichtenstamms

Eine Jahresringtabelle oder auch Jahrringkalender ist eine Zeitreihe von Baumringen eines dendrochronologischen Kunstbaumes. Wegen regionaler und artbedingter Unterschiede des Baumwachstumes muss sich eine derartige Tabelle immer auf eine einzelne Baumart aus derselben Region beziehen. Für jeden derartigen Kunstbaum wird eine solche Zeitreihe erstellt, indem die Breitenwerte der erfassten Ringe aus verschiedenen Zeiten überlappend aneinander gereiht werden.

Soweit dieser dendrochronologische Kunstbaum lückenlos erstellt werden kann, ist es möglich aus der Ringstruktur Mittelkurven zu erstellen, sogenannte Standard- bzw. Mastersequenzen,[1] die es erlauben hölzerne Fundstücke durch Vergleich der charakteristischen Ringabstände einzuordnen und damit zu datieren, da die schwankende Abfolge des Klimas ein eindeutiges Muster der Dicke der Jahresringe in den Holzpflanzen hinterlässt. Voraussetzung ist, dass das Fundstück genügend Jahrringe zur Erzielung einer Eindeutigkeit für den Abgleich enthält und auch aus dem vom Kunstbaum abgebildeten Zeitraum stammt.

Im Folgenden sind einige wichtige Jahresringtabellen aufgeführt:

Siehe auch: Dendrochronologie

Im April 2013 konnte die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Zürich-Wiedikon etwa 14.000 Jahre alte Baumstrünke subfossilen Walds sicherstellen, wobei es sich um die ältesten erhaltenen Überreste eines Waldes weltweit handeln könnte. Drei Holzproben aus der mehrere Meter dicken Lehmschicht datierte die ETH Zürich mithilfe der Radiokarbonmethode auf ein Alter von fast 14.000 Jahren. Für die Dendrochronologie könnten die Funde eine vermutlich um 2000 Jahre weiter zurückreichende Datierung anhand der Jahresringtabellen ermöglichen.[2]

Im September 2006 berichtete die Fachzeitschrift Science, dass anhand von uralten Kauri-Bäumen, die in neuseeländischen Mooren entdeckt wurden, in den kommenden Jahren eine Jahresringtabelle erstellt werden könne, die 50.000 Jahre zurückreiche. Diese Holzfunde könnten zudem genutzt werden, um die Radiokohlenstoffdatierung besser zu kalibrieren.[3]

  1. Jahrringforschung an der Eidgenössische Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf (Memento vom 12. März 2017 im Internet Archive)
  2. Laboratory of Tree-Ring Research
  3. Uni Hohenheim, Institut für Botanik, Hohenheimener Jahrringkalender
  4. The Malcolm and Carolyn Wiener Laboratory for Aegean and Near Eastern Dendrochronology at Cornell University (Memento vom 14. August 2011 im Internet Archive)

Einzelnachweise

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  1. Colin Renfrew, Paul Bahn: Archaeology. Theories, Methods and Practice. 3rd ed., London/New York, S. 133–137
  2. Daniel Nievergelt, Lena Hellmann, Ulf Büntgen: Ein absolut datierbarer Schweizer Jahrringkalender bis ins Spätglazial? Einem Traum einen Schritt näher. In: GeoPanorama 3/2014, S. 15–18
  3. Michael Balter: Radiocarbon Dating’s Final Frontier. In: Science. Band 313, Nr. 5793, 2006, S. 1560–1563, doi:10.1126/science.313.5793.1560.