Look AHEAD

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Look AHEAD (Action for Health in Diabetes) war eine 2001 begonnene, multizentrische, randomisierte kontrollierte Studie, die konzipiert wurde um herauszufinden, ob gewollte Gewichtsreduktion kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität bei übergewichtigen Individuen mit Diabetes Typ 2 senkt. Die Studie umfasste 5145 Probanden und fand an 16 US-amerikanischen klinischen Zentren statt. Sie wurde nach einer Nützlichkeitsanalyse (futility analysis) im Jahr 2012 vorzeitig beendet.[1][2]

Look AHED ist wahrscheinlich die größte randomisierte kontrollierte Studie, die entworfen wurde, um die Auswirkungen von Gewichtsreduktion auf kardiovaskuläre Erkrankungen bei Typ-2-Diabetikern zu untersuchen. Sie erreichte den bisher vielleicht größten kumulativen Langzeitgewichtsverlust in einer großen Studie.[3]

Zielgruppe der Studie waren Patienten mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Adipositas. Eingeschlossen wurden 5145 Personen, 60 % Frauen, mittleres Alter 59 Jahre. Alle Probanden waren zu Studienbeginn weitgehend optimal medikamentös behandelt, erhielten also bereits Blutdrucksenker, Cholesterinsenker, Antidiabetika etc.[4][5]

Als primäre Zielvariable wurde die Gesamtsterblichkeit gewählt, sekundäre Zielwerte waren typische Begleiterkrankungen des Typ-2-Diabetes, aber auch klassische Surrogatparameter (Körpergewicht, Blutdruck etc.)[6]

Look AHEAD wurde 2001 begonnen und 2012 vorzeitig abgebrochen. Die Studie wurde an 16 Zentren in den USA durchgeführt.[7]

Die Probanden der Interventionsgruppe erhielten ein engmaschiges Beratungsprogram über ein Jahr, gefolgt von jährlichen Folgeberatungen. Schwerpunkt der Beratung war Gewichtsreduktion, aber auch Steigerung der Bewegung und Verbesserung der Ernährungsqualität im Sinne einer low-fat-Diät durch klassische Lebensmittel oder bedarfsweise Formulaprodukte. Die Kontrollgruppe erhielt Beratungstreffen in größeren zeitlichen Abständen mit allgemeiner inhaltlicher Ausrichtung.[5]

Trotz deutlich stärkerer Gewichtsreduktion sowie signifikant besseren Werten für Blutzucker, Blutdruck und Blutfette in der Interventionsgruppe in den ersten Jahren kehrten die Probanden binnen 10 Jahren wieder zum Ausgangsgewicht zurück. Die Studie wurde nach 10 Jahren vorzeitig abgebrochen, weil sich zwischen den Gruppen kein signifikanter Unterschied der Mortalität zeigte. Die Interventionsgruppe erreichte die gleiche Mortalität jedoch mit deutlich weniger Medikation, deutlich weniger sekundären Erkrankungen und deutlich besserer Lebensqualität.[8][9] Als ein Nachteil der Lebensstilintervention wurde eine Steigerung der Häufigkeit von Knochenbrüchen beobachtet.[10]

Als eine Ursache des fehlenden Nutzenbelegs wird angesehen, dass beide Gruppen bereits zu Studienbeginn eine optimale Medikation erhielten. Diese überdeckte den Nutzen der Lebensstiländerung, so dass in der Interventionsgruppe nur ein Rückgang der Medikation sichtbar wurde.[5][11]

Der Erstpublikation im Jahr 2013 folgten hunderte weitere Arbeiten. Diese konnten zum Beispiel zeigen, dass Patienten mit stärkerem Ansprechen der Lebensstilmaßnahmen auf Körpergewicht und andere Parameter tatsächlich auch in der Mortalität profitierten, andere Patienten aber nicht.[12][13]

Einzelnachweise

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  1. The Look AHEAD Research Group: Cardiovascular Effects of Intensive Lifestyle Intervention in Type 2 Diabetes. In: The New England Journal of Medicine. Band 369, Nr. 2, 11. Juli 2013, S. 145–154, doi:10.1056/NEJMoa1212914 (englisch).
  2. The Look AHEAD Research Group: The Look AHEAD Study: A Description of the Lifestyle Intervention and the Evidence Supporting It. In: Obesity. Band 14, Nr. 5, 6. September 2012, doi:10.1038/oby.2006.84 (englisch).
  3. Edward W. Gregg, Rena Wing: Looking again at the Look AHEAD study. In: The Lancet Diabetes & Endocrinology. Band 5, Nr. 10, 12. Juli 2017, S. 757–838, doi:10.1016/S2213-8587(17)30238-3 (englisch).
  4. B. Willms: LookAHEAD-Studie - Ergebnisse nach vier Jahren • diabetologie-online. Abgerufen am 25. April 2020.
  5. a b c Cardiovascular Effects of Intensive Lifestyle Intervention in Type 2 Diabetes. In: New England Journal of Medicine. Band 369, Nr. 2, 11. Juli 2013, ISSN 0028-4793, S. 145–154, doi:10.1056/NEJMoa1212914, PMID 23796131, PMC 3791615 (freier Volltext).
  6. LOOKAHEADE. Abgerufen am 25. April 2020.
  7. Cardiovascular Effects of Intensive Lifestyle Intervention in Type 2 Diabetes. In: New England Journal of Medicine. Band 369, Nr. 2, 11. Juli 2013, ISSN 0028-4793, S. 145–154, doi:10.1056/NEJMoa1212914, PMID 23796131, PMC 3791615 (freier Volltext).
  8. Gewichtsabnahme in der "Look AHEAD"-Studie bei Diabetespatienten. Abgerufen am 25. April 2020.
  9. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Warum ein gesunder Lebensstil Diabetiker nicht vor Herzinfarkten... 25. Juni 2013, abgerufen am 25. April 2020.
  10. Cardiovascular Effects of Intensive Lifestyle Intervention in Type 2 Diabetes. In: New England Journal of Medicine. Band 369, Nr. 2, 11. Juli 2013, ISSN 0028-4793, S. 145–154, doi:10.1056/NEJMoa1212914, PMID 23796131, PMC 3791615 (freier Volltext).
  11. Look AHEAD Trial Halted After Finding No CV Benefits of Intensive Lifestyle Intervention in Diabetes. Abgerufen am 25. April 2020.
  12. Tamar I. de Vries, Jannick A. N. Dorresteijn, Yolanda van der Graaf, Frank L. J. Visseren, Jan Westerink: Heterogeneity of Treatment Effects From an Intensive Lifestyle Weight Loss Intervention on Cardiovascular Events in Patients With Type 2 Diabetes: Data From the Look AHEAD Trial. In: Diabetes Care. 4. September 2019, ISSN 0149-5992, doi:10.2337/dc19-0776, PMID 31416897 (diabetesjournals.org [abgerufen am 25. April 2020]).
  13. Lebensstiländerung zahlt sich doch aus. Abgerufen am 25. April 2020.