Orgelbau Schumacher

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Orgelbau Schumacher, seit 1981: Schumacher Orgelbau GmbH ist ein Unternehmen für Orgelbau und Orgelrestaurierungen mit Sitz in Eupen in Ostbelgien. Es wurde 1956 von Stephan Schumacher (1923–2002) gegründet und steht seit 1988 unter der Leitung seines Sohnes Guido Schumacher (* 1957). Orgelbau Schumacher ist Belgiens größte Orgelbauwerkstatt.[1]

Ära Stephan Schumacher

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Der gelernte Möbelschreiner Stephan Schumacher entschied sich 1948 für den Orgelbau und erlernte in den nächsten rund acht Jahren das Handwerk bei den Orgelbauunternehmen Haupt in Lintgen/Luxemburg, Stahlhuth in Aachen und Verschueren Orgelbouw in Tongern. Im Verlauf dieser Jahre forschte er nach Verbesserungen an der Technik und erwarb 1952 in Luxemburg ein Patent auf seine „Ventiltöpfchen für Windladen und Relais’ in Pfeifenorgeln“.[2] Des Weiteren erfand er den Bau einer Labialpfeife aus Holz, deren bauchige Viertelkreis-Form einen besonders fülligen und runden Ton bewirkt und die erstmals für die Orgel von St. Stefan in Bütgenbach verwendet wurde.

Schließlich richtete Schumacher im Jahr 1956 in der vormaligen Schreinerei seines Schwiegervaters am Werthplatz in Eupen seine erste Orgelwerkstatt ein, die zu Beginn den Namen „Schreinerei Leon Müllender“ beibehielt. Nach ersten größeren Aufträgen zum Bau von Orgeln mit elektrischer Traktur stellte Schumacher zu Beginn der 1960er-Jahre auf Orgeln mit mechanischer Schleiflade um und ließ sich dabei maßgeblich von dem Orgelsachverständigen Hubert Schoonbroodt beraten. Es folgten zahlreiche Aufträge zum Bau größerer mechanischer Kirchenorgeln vor allem in Deutschland, Belgien und den Niederlanden, bei denen er unter anderem seine neu entwickelten „Stülpdichtungen“ verwendete. Darüber hinaus produzierte er zahlreiche Kleinorgeln, vor allem Truhenorgeln, Portative, Hausorgeln sowie Studienorgeln für Privatkunden und Musikinstitute.

Ära Guido Schumacher

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Im Jahr 1981 stieg Schumachers Sohn Guido als Co-Geschäftsführer in den väterlichen Betrieb ein, der fortan als „Schumacher Orgelbau GmbH“ firmierte. Guido Schumacher hatte zuvor ein Studium als Organist am Königlichen Konservatorium Lüttich und ein Studium der Musikwissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Lüttich abgeschlossen sowie seine Abschlussarbeit über das Thema Der Lütticher Orgelbau im 18. Jahrhundert – Die Le Picard und Robustelly Dynastie verfasst.

Dank seiner internationalen Kontakte eröffneten sich für das Orgelbauunternehmen nun neue Märkte und Schumacher baute Orgeln für Auftraggeber im Vereinigten Königreich, in Irland und Japan. Da er darüber hinaus auch die Restaurierungen und Rekonstruktionen historischer Orgeln als weiteren Schwerpunkt in sein Angebot aufnahm, wurde die bisherige Orgelwerkstatt mit ihren rund 400 m² zu klein und das Unternehmen zog 1991 in den Nachbarort Baelen um. Dort stand diesem eine 1100 m² große Halle zur Verfügung, die 1995 um eine weitere Montagehalle erweitert wurde, in der nach erfolgter Übernahme der Pfeifenwerkstätten der Firma Stahlhut in Aachen sowie der Firma Busch/Steffani/Gülke in Roermond eine neue moderne Pfeifenwerkstatt eingerichtet wurde. Im Lauf der Jahre stellte sich auch dieser Standort als zu klein heraus, und Schumacher verlegte sein Unternehmen im Jahr 2011 wieder auf Eupener Gebiet in das Tal der Weser, wo es in eine 2100 m² große Halle mit neuster Ausstattung umsiedelte. Mit nunmehr rund 15 Mitarbeitern stieg Orgelbau Schumacher zum größten belgischen Orgelbaubetrieb auf und erhielt im Jahr 2014 mit der Restaurierung der viermanualigen Orgel der Liebfrauenkathedrale von Antwerpen den bisher bedeutungsvollsten Auftrag.[3]

2021 übernahm Orgelbau Schumacher die Firma Luxemburger Orgelbau, auch unter den Namen Manufacture d’orgues luxembourgeoise oder Westenfelder bekannt, die seit 1926 im luxemburgischen Lintgen ihren Firmensitz hatte.[4]

Neuanfertigungen (Auswahl)

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Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen
1967 Schönberg, Belgien Pfarrkirche St. Georg
II/P 18
1968 Kelmis, Belgien Pfarrkirche Maria Himmelfahrt
II/P 23
1970 Sankt Vith, Belgien Pfarrkirche St. Vitus
IUI/P 39
1976 Oostburg, Niederlande Egilius-Kirche II/P 12
1978 Eupen, Belgien St. Josef
IIP 10 (9) Chororgel
1982 Petersfield, Vereinigtes Königreich St. Laurentius II/P 9
1985 Donegal, Irland St. Agatha II/P 11
1987 Middlesbrough, Vereinigtes Königreich Cathedral Church of St Mary the Virgin II/P 15
1988 Aachen-Eilendorf Versöhnungskirche
II/P 16
1989 Bastogne, Belgien St. Pierre III/P 40
1989 Lontzen, Belgien St. Hubertus
II/p 8 Brüstungsorgel von Guido Schumacher (1989) zwischen dem rechten und linken Orgelgehäuse mit Prospektpfeifen der Vorgängerorgel von François Joris (1926)
1990 Beerse, Belgien St. Lambertus II/P 13
1991 Sint Kruis (Sluis), Niederlande Hervormde Kerk I 5
1992 Krefeld Herz-Jesu-Kirche II/P 21
1993 Schaerbeek/Schaarbeek, Belgien St.-Albertus-Kirche II/P 15
1995 Itami, Japan Sun City Concert Hall II/P 29 Konzertsaalorgel
1995 Remscheid Evangelische Christuskirche II/P 16
1997 Merzenich St. Laurentius II/P 25
1998 Aldringen St. Martin
II/P 14
2000 Hochschule für Musik und Theater Rostock Katharinenkloster III/P 16
2010 Genk, Belgien Sankt-Martinuskirche II/P 36
2011 Tallinn, Estland Methodistenkirche II/P 21 „Hugo Lepnurm-Memorial-organ“

Restaurierungen/Rekonstruktionen historischer Orgeln (Auswahl)

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Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen
1984 Homburg bei Plombières, Belgien Pfarrkirche Sankt Brictius II/P 22 Restaurierung der Pereboom & Leijser-Orgel (1879)
1995 Sint-Truiden, Belgien Liebfrauenkirche III/P 42 Restaurierung/Rekonstruktion der mitteldeutsch inspirierten Barockorgel (1821), 6 alte Register erhalten
1998 Lüttich, Belgien Saint-Jacques
III/P 34 Rekonstruktion der Clerinx-Orgel (1854) im Gehäuse von Nicolaas Niehoff (1600)
2004 Hasselt, Belgien St.-Quintinus-Kathedrale
III/P 34 Rekonstruktion der rheinisch-maasländisch geprägten Binvignat-Orgel (1793)
2004 Esneux, Belgien St. Hubertus II/P 27 Restaurierung der Clerinx-Orgel (1856)
2005 Rumst, Belgien Sankt Maria Magdalena II/P 25 Restaurierung der Penceler-Orgel (1713)
2005 Eupen, Belgien Friedenskirche
II/P 25 Restaurierung der Walcker-Orgel (1907)
2005 Maasmechelen, Belgien St. Monolphus und Gondulphus II/P 32 Rekonstruktion der Clerinx-Orgel (1854)
2012 Poperinge, Belgien Sankt-Bertinuskirche
III/P 46 Restaurierung der flämisch-barocken Van Belle/Van Peteghem-Orgel
2012 Sint-Niklaas, Belgien Liebfrauenkirche II/P 31 Restaurierung der Schyven-Orgel (1891)
2013 Antwerpen, Belgien Karl-Borromäus-Kirche
II/P 28 Restaurierung der Carolus-Dillens-Orgel (1808)
2014 Eupen, Belgien Kloster Heidberg II/P 15 Restaurierung der Müller-Orgel (1862)
2014 Lüttich, Belgien, Saint-Barthélemy
III/P 37 Restaurierung der Merklin-Orgel (1851)
2018 Antwerpen, Belgien Liebfrauenkathedrale
IV/P 90 Restaurierung der Schyven-Orgel (1891)
2018 Ophain-Bois-Seigneur-Isaac (Braine-l’Alleud), Belgien Abbaye de Bois-Seigneur-Isaac II/P 30 Restaurierung der van Pethegem-Orgel (1830)
2020 Danzig, Polen Johanneskirche II/P 30 Restaurierung der Rhode-Orgel (1760)
  • Heinz Warny: Stefan Schumacher – gab den Anstoß zum landesweit größten Orgelbauer. In: Lebensbilder aus Ostbelgien, Band 1. Grenz-Echo-Verlag, Eupen 2017, ISBN 978-3-86712-131-6, S. 160–161.
Commons: Orgelbau Schumacher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 60 Jahre Orgelbau Schumacher – Belgiens größte Orgelbauwerkstatt, auf ostbelgiendirekt.be vom 28. September 2016
  2. Ventiltöpfchen für Windladen und Relais’ in Pfeifenorgeln auf den Seiten des Orgelbaumeisters Thomas Erz.
  3. Heinz Gensterblum: Orgelbau Schumacher: 25.000 Arbeitsstunden für Antwerpens Orgel. In: Grenz-Echo vom 15. April 2018
  4. Nathalie Wimmer: Eupener Orgelbauer Guido Schumacher erobert Luxemburg In: Grenz-Echo vom 1. März 2021