Sammlung Haubrok

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Die Sammlung Haubrok ist eine auf zeitgenössische Konzeptkunst spezialisierte Sammlung der Familie Barbara, Axel und Konstantin Haubrok in Berlin.[1] Sie zählt zu den wichtigsten Sammlungen dieser Art in Deutschland. Zentrale Werke befinden sich als Dauerleihgaben der Haubrok Foundation in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.[2] Die Sammlung wird in unregelmäßigen Abständen an verschiedenen Orten in befristeten Ausstellungen der Öffentlichkeit gezeigt, darunter auch in den eigenen Räumen in der Fahrbereitschaft und am Strausberger Platz in Berlin.[3]

Nach Anfängen in der abstrakten Malerei liegt der Fokus der Sammlung Haubrok heute auf Konzeptkunst der ersten und zweiten Generation.[4] Sie umfasst medienübergreifend über 1000 Werke zeitgenössischer Kunst, darunter wichtige Arbeiten von Carol Bove, Martin Boyce, Stanley Brouwn, Cerith Wyn Evans, Morgan Fisher, Wade Guyton, Jonathan Monk, Joyce Pensato, Stephen Prina, Karin Sander, Barbara Schmidt Heins, Andreas Slominski, Wolfgang Tillmans, Christopher Williams, Ian Wilson, Haegue Yang und Heimo Zobernig.[5]

Ausstellungstätigkeit

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Bisher wurden mehr als 70 Ausstellungen[6] mit Arbeiten aus der Sammlung Haubrok durchgeführt, darunter in der Xantener Straße, am Strausberger Platz und in der Fahrbereitschaft Berlin.[7] Die Sammlung wurde darüber hinaus im Museum Abteiberg in Mönchengladbach[8], in den Phoenix Hallen in Hamburg-Harburg[9], der Galerie Konrad Fischer in Berlin und im Neuen Museum Nürnberg[10] gezeigt. Außerdem wurden Ausstellungen an alternativen Orten wie dem Theater Hebbel am Ufer[11], der Fondation Hippocrène in Paris[12] oder der Paris Bar in Berlin[13] durchgeführt.

Haubrok Foundation

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Die Haubrok Foundation dient der Förderung zeitgenössischer Kunst.[14] Sie unterstützt die Ausstellungstätigkeit der Sammlung Haubrok und ermöglicht Projekte, Kooperationen und Publikationen mit diversen Künstlern und Künstlerinnen.[15] Den Kapitalstock der Stiftung bilden zeitgenössische Kunstwerke, die sich unter anderem als Dauerleihgabe in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz befinden.[16]

Fahrbereitschaft

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Entwicklung eines Geländes

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Nach der Veräußerung von zwei Beratungsunternehmen erwarben Barbara und Axel Haubrok ein Gewerbegelände in Berlin-Lichtenberg, das bis zum Mauerfall als Fuhrpark des ZK der SED diente.[17] Sie entwickelten es zu einem Projektort[18], an dem sie mehrmals im Jahr international beachtete Ausstellungen organisierten.[19] Die historischen Gebäude wurden denkmalgerecht restauriert und einige an Kleingewerbetreibende bzw. Künstler zu günstigen Konditionen vermietet.[20] Seit 2017 sollte ein moderner Neubau, geplant vom Architekten Arno Brandlhuber das Ensemble auf dem Gelände in der Herzbergstraße ergänzen.[21] Der Bau wurde jedoch nicht genehmigt. Während auf über 85 Prozent des Geländes produzierende Unternehmen für den Kfz.- und Kreativbereich tätig sind, wurden in den verbleibenden historischen Räumen Werke aus der Sammlung Haubrok, aber auch mit und von anderen Künstlern ausgestellt.[22]

Differenzen zwischen dem Kunstanliegen und dem Berliner Gewerbebaurecht

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Das Lichtenberger Bezirksamt, zuständig für das Gelände, kritisiert, dass hier Kunst und Gewerbe vermischt werden. Die Gesetze sehen für solche Situation eine Trennung der Interessen vor, vor allem, weil in der Nachbarschaft auch Künstler in kleinen Ateliers tätig sind, die sich von den Ausstellungen und den damit verbundenen Besucherströmen verdrängt fühlen. So kam es dazu, dass anfangs mündlich verabredet wurde, nur eine begrenzte Anzahl Ausstellungen pro Jahr zu akzeptieren. Weil damit die Haubroks ihr Anliegen Kunst für alle (ohne Eintrittsgelder) nicht genügend gewürdigt sehen, kam es bereits mehrfach zu Auseinandersetzungen. Im Ergebnis wurde im Frühjahr/Sommer 2018 wurde die Weiterführung der Ausstellungstätigkeit in den Räumen der Fahrbereitschaft komplett untersagt.[23][24][25] Nach konstruktiven Gesprächen mit dem Bezirksbürgermeister Lichtenbergs Michael Grunst sowie dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister Kevin Hönicke wurde im September 2020 nach zwei Jahren Ausstellungsverbot gemeinsam mit Axel Haubrok ein Letter of Intent unterzeichnet, der kulturelle Aktivitäten auf dem Gelände der Fahrbereitschaft in Zukunft wieder ermöglichen soll.[26]

Einzelnachweise

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  1. Kunstsammler Axel Haubrok bleibt doch in Berlin. Tagesspiegel, abgerufen am 17. November 2020.
  2. Kleider ohne Leute. Abgerufen am 17. November 2020.
  3. Neue Räume, altes Haus. Abgerufen am 17. November 2020.
  4. haubrok foundation | sammlung. In: haubrok foundation. Abgerufen am 17. November 2020 (deutsch).
  5. haubrok foundation | sammlung. In: haubrok foundation. Abgerufen am 17. November 2020 (deutsch).
  6. haubrok foundation | ausstellungen. In: haubrok foundation. Abgerufen am 17. November 2020 (deutsch).
  7. Haubrok Foundation. Abgerufen am 7. August 2018 (englisch, deutsch).
  8. Roland Schappert, Mönchengladbach: Ausstellung: Hausbesetzer auf Zeit: Sammlung Haubrok in Mönchengladbach. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 17. November 2020]).
  9. Katja Engler: Macht das Licht aus! In: DIE WELT. 9. Dezember 2012 (welt.de [abgerufen am 17. November 2020]).
  10. Out Of Order - Neues Museum Nürnberg. Abgerufen am 17. November 2020.
  11. "Tanz im August" in Berlin – Entgrenzung der Künste. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 17. November 2020]).
  12. Abschied im Herbst – Paris Berlin. In: Paris Berlin. 4. Dezember 2015 (parisberlinmag.com [abgerufen am 7. August 2018]).
  13. Ingeborg Wiensowski: Ausstellung in der Paris Bar: Bleiberecht für Spoerri! In: Spiegel Online. 4. September 2012 (spiegel.de [abgerufen am 17. November 2020]).
  14. haubrok foundation | stiftung. In: haubrok foundation. Abgerufen am 17. November 2020 (deutsch).
  15. haubrok foundation | kataloge und publikationen. In: haubrok foundation. Abgerufen am 17. November 2020 (deutsch).
  16. Sammlung Haubrok bei Falckenberg – „No Desaster“ | Kalender | Monopol – Magazin für Kunst und Leben. Abgerufen am 7. August 2018.
  17. Silke Kettelhake: Kunststandort Lichtenberg: Austauschgeschichten. In: Die Tageszeitung: taz. 28. April 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 17. November 2020]).
  18. Kunst – Das Bauernopfer. Abgerufen am 17. November 2020.
  19. Felix Langhammer, Axel Gebauer; WARENFORM: Lichtenberg: Konflikt um Kulturort (neues deutschland). (nd-aktuell.de [abgerufen am 17. November 2020]).
  20. Quynh Tran: Gentrifizierung durch Kunst: Gewerbe ja, aber bitte keine Kultur. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 17. November 2020]).
  21. Rüdiger Schaper: Heiße Luft, frische Luft. In: Der Tagesspiegel Online. 29. April 2016, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 17. November 2020]).
  22. Gabriela Walde: Kunst und die Angst vor Gentrifizierung. (morgenpost.de [abgerufen am 17. November 2020]).
  23. Kunstsammlerpaar Haubrok – Wie geht es weiter mit der Fahrbereitschaft auf www.berliner-zeitung.de, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  24. Haubroks „Fahrbereitschaft“ von Schließung bedroht. Abgerufen am 17. November 2020.
  25. Peter Richter: Berliner Verbote. In: sueddeutsche.de. 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 17. November 2020]).
  26. Berliner Zeitung: "Fahrbereitschaft" Lichtenberg gerette. Abgerufen am 17. November 2020 (deutsch).