Beutewaffe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutsche Panzerschwadron mit englischen Beutepanzern, 1918

Beutewaffen sind Waffen oder militärische Ausrüstungsgegenstände die in intaktem Zustand vom Feind erbeutet werden. Meistens während der Kampfhandlungen, aber auch danach während der Besetzung des feindlichen Gebiets.

Die Beutewaffen werden, sofern sie militärischen Nutzen bringen und der Nachschub von Munition und Ersatzteilen sowie die Instandsetzung sichergestellt ist, als reguläre Waffen der Truppen genutzt. In vielen Fällen werden nicht nur Waffen erbeutet, sondern auch die Produktionsstätten. Dies steigert den militärische Nutzen enorm, da die Produktion gegebenenfalls weiter betrieben werden kann.

In vielen Fällen liefern erbeutete Waffen auch wichtige Einblicke in die Waffentechnologie des Feindes, welche für die Entwicklung eigener Waffen von großem Nutzen sind.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorteile von Beutewaffen

Anhand dieser Waffen und Ausrüstungsgegenstände kann der Gegner den Stand der Militärtechnik erkennen und z.B. durch entsprechende Nachbauten daraus Nutzen für die eigene Streitmacht ziehen. Auf diesem Wege kann ihm der Zufall Informationen in die Hand spielen, die sonst nur durch aufwändige Spionageaktionen zu beschaffen gewesen wären. Ein bekanntes Beispiel für die Auswirkungen von Beutewaffen war die Erbeutung der Verschlüsselungsmaschine Enigma.

Ein weiterer Vorteil kann darin bestehen, dass die Erbeutung von funktionstüchtigen Waffen die eigene Kampfstärke erhöht.

[Bearbeiten] Nachteile von Beutewaffen

Beutewaffen in der eigenen Armee einzusetzen war, insbesondere in den kriegerischen Konflikten bis in das 19. Jahrhundert hinein, wegen der technischen Vergleichbarkeit der Bewaffnungen meist einfach möglich. In den späteren Konflikten gab es beim Einsatz solcher Waffen recht häufig logistische Probleme (z.B. in der Ersatzteil- und Munitionsbeschaffung und in der Kennzeichnung), sowie Schwierigkeiten bei der Bedienung fremden Geräts.

Schwerwiegender noch ist die durch den Einsatz von Beutewaffen gesteigerte Gefahr des sogenannten "Friendly Fire", d.h. des irrtümlichen Beschusses durch verbündete Kräfte. Typische Merkmale des erbeuteten Kriegsgerätes (Silhouette, Motorengeräusch) haben in Vergangenheit oft zu folgenschweren Verwechslungen geführt. Markante Beispiele für die missglückte – und eventuell abgebrochene – Verwendung feindlicher Technik sind der Einsatz von sowjetischen T-34 mittleren Kampfpanzern durch die Wehrmacht und der Einsatz von britischen Lancaster Bombern durch die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.

Obwohl die Verwechslungsgefahr bei schwerem Gerät noch am ehesten gegeben ist, besteht sie auch bei der Anwendung von leichten Infanteriewaffen. Das Kalaschnikow-Sturmgewehr etwa unterscheidet sich in seiner akustischen Signatur eindeutig von westlichen Gewehren. Beim Kampf unter Bedingungen eingeschränkter Sicht – etwa bei Nacht oder bei schlechtem Wetter – sowie im unüberschaubaren Häuserkampf kann dies auch unter Infanteristen zu Verwechslungen führen.

[Bearbeiten] Beutewaffen im 2. Weltkrieg

[Bearbeiten] Beispiel aus der Gegenwart

Deutschland und Israel kooperieren seit langem auf dem Gebiet der Waffentechnologie. Aus den Kriegen mit Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Libanon erbeutete Israel große Mengen an Waffen, vor allem sowjetischer Bauart. Diese Beutewaffen wurden teilweise zur genauen Analyse nach Deutschland gebracht. Während des kalten Kriegs waren die daraus gewonnenen Erkenntnisse sehr hilfreich und flossen bei der Konstruktion neuer Waffen ein. Sehr wichtig waren sie außerdem für die taktische Ausrichtung der Streitkräfte.

Öffentlich wurde die Kooperation auch, als der BND versuchte, über den Hamburger Hafen Panzer der ehemaligen NVA nach Israel zu schmuggeln. Israels Interesse bestand darin, die Waffen genauer zu analysieren, da baugleiches Gerät von den Truppen einiger an Israel angrenzender Staaten eingesetzt wird bzw. wurde.

Persönliche Werkzeuge