Bullionismus
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Bullionismus (von englisch "bullion" = Münzbarren, ungemünztes Edelmetall) ist eine von Milles, Malynes, Misselden und Hales geprägte Wirtschaftstheorie, die den wirtschaftlichen Reichtum einer Nation durch die Menge gehorteten Edelmetalls definiert.
[Bearbeiten] Geschichte
Bullionismus war ein Vorläufer des Merkantilismus, der aus dem England des 16. Jahrhundert stammt, als England ohne Gold- und Silberminen seinen Edelmetallschatz einem Handelsbilanzüberschuss verdankte.
Ausgehend von der Überlegung, dass eine permanent aktive Zahlungsbilanz eine Steigerung des Edelmetallschatzes einer Nation bewirken würde, was mit dem Reichtum der Nation gleichgesetzt wurde, kamen Forderungen nach Förderung einer aktiven Handels- und Dienstleistungsbilanz auf. Als wirtschaftspolitisches Instrumentarium bediente man sich in England des Protektionismus: Die Einfuhr von Rohstoffen wurde durch günstige Zölle erleichtert, die Ausfuhr von Fertigwaren und Nahrungsmitteln durch hohe Zölle erschwert. Letzteres sollte das inländische Angebot an Fertigprodukten und Nahrungsmitteln erhöhen und damit die Preise senken in der Erwartung, dass mit sinkenden Nahrungsmittelkosten auch die Löhne fallen und letztlich die Produktionskosten gesenkt werden könnten. Die Einfuhr günstiger Rohstoffe sollte die inländische Produktion zusätzlich anreizen.
Ein Verbot des Exports von Geld und Edelmetall ins Ausland um 1600 sollte zusammen mit rigider Devisenbewirtschaftung den Abfluss von Edelmetall ins Ausland erschweren. Zudem wurde in der Navigationsakte von 1651 festgelegt, dass der Transport aller Export- und Importgüter durch englische Schiffe zu erfolgen habe, was die Kontrolle erleichtern und die Dienstleistungsbilanz aktivieren sollte. Dass diese Wirtschaftspolitik gleichzeitig aber die Konkurrenz der Produkte (Erfindungen) und Produktionsmethoden (Innovationen) mit dem Ausland herabsetzte, wurde zu einer entscheidenden Überlegung der Freihändler.
[Bearbeiten] Bullionisten
Thomas Milles (1550–1627) und andere empfahlen die Exportförderung, um einen Handelsbilanzüberschuss zu erzielen, diesen in Edelmetall umzuwandeln und den Abfluss von Geld und Edelmetall ins Ausland zu verhindern. Milles veröffentlichte 1601 ein Buch „The customer’s apology, that is to say a Generalle Answer to Informers of all Sortes“, in dem er die Rückkehr zu Stapelhäfen empfahl, um die ausländischen Händler zu überwachen und zu zwingen, ihre Einnahmen in den Kauf englischer Güter zu investieren und ihnen keine Gelegenheit zum Transfer von Gold oder Silber von England ins Ausland zu geben. Aber „Milles scherte so weit von der vorherrschenden Meinung seiner Zeit aus, das seine Pamphlete nur geringen Einfluss hatten...“
Gerard de Malynes (1586–1641), ein weiterer Bullionist, veröffentlichte ein Pamphlet mit dem Titel „A Treatise of the Canker of England’s Common Wealth“, in dem er diagnostizierte, dass der freie Austausch von Währungen eher einem Handelsgeschäft, als dem Austausch von Münzen entsprechend ihrem Metallgehalt und –gewicht entspreche und deshalb die englische Handelsbilanz ein Defizit infolge von unlauteren Machenschaften von Bankiers und Geldwechslern aufweise. Um Wechselkursschwankungen auszuschließen forderte er die Festlegung starrer Wechselkurse der Münzen aufgrund des Edelmetallgehalts und –gewichte und die umfassende Kontrolle des Außenhandels. Aber de Malynes überzeugte seine Zeitgenossen so wenig, „dass die Wechselkursmakler für den Goldabfluss verantwortlich seien oder beim Wecken von Enthusiasmus für ein Handelsmonopol im Devisenhandel, par pro pari, des Königlichen Devisenhändlers.“ Aber es gelang ihm, die erste wirtschaftswissenschaftliche Kontroverse Englands zu entfachen, da Edward Misselden ihm in seinem Buch „The Circle of Commerce: Or, the Ballance of Trade“ ihm widersprach und den Abfluss an Geld und Edelmetallen aus England nicht der Übervorteilung der Engländer bei der Bildung der Wechselkurse, sondern der ungünstigen Gestaltung der englischen Handelsbilanz anlastete.
[Bearbeiten] In Entwicklungsländer
Viele Entwicklungsländer haben in den 1970er und 1980er Jahren eine dem Bullionismus sehr ähnliche, protektionistische Politik betrieben, um ihre meist defizitäre Handels- und Dienstleistungsbilanz nicht zu einem immer größeren Zahlungsbilanzproblem werden zu lassen. In Indien sank in dieser Zeit beispielsweise der Außenhandel zu einer für die Volkswirtschaft bedeutungslosen Größe, die Volksrepublik China schrieb den Transport von Ex- und Importgütern auf chinesischen Schiffen vor. Später erhielten viele Entwicklungsländer anfangs günstige Kredite des Privatbankensektors aus den OECD-Staaten zum Ausgleich ihrer Zahlungsbilanzen, die sie jedoch mit antiprotektionistischen Auflagen des IWF später teuer zu bezahlen hatten. Die Argentinienkrise ist hierfür nur ein Beispiel.
Siehe auch: Merkantilismus, Goldstandard

