Exzenterpresse

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Video einer Exzenterpresse im Leerlauf (Eberhard Karls Universität Tübingen)

Exzenterpressen sind mechanisch angetriebene, weggebundene Pressmaschinen, die für Schneid-Stanzarbeiten und Präge-Biegearbeiten mit kleinen Presswegen eingesetzt werden.

Im Allgemeinen wird zwischen Einständerpressen, Doppelständerpressen und Zweiständerpressen unterschieden. Man unterscheidet außerdem zwischen:

  • Pressen mit festem Hubweg
  • Pressen, bei denen der Hubweg durch die Nutzung zweier zueinander verstellbarer Exzenter einstellbar ist

Des Weiteren kann differenziert werden zwischen steifen Pressen mit großer Federsteife C des Presskörpers und weichen Pressen mit geringer Federsteife.

Pressvorgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Elektromotor versetzt das Schwungrad über einen Riementrieb in Rotation. Das Schwungrad treibt über ein kleines Zahnrad das große Zahnrad der Kupplungsglocke an, die drehbar auf der Exzenterwelle gelagert ist.

Um die Fahrbewegung in Gang zu setzen, drückt die innere Kupplungsglocke gegen die mit Reibklötzen bestückte Kupplungslamelle, die auf der Exzenterwelle verkeilt ist. Gleichzeitig wird die durch Federkraft angezogene Bremse mit Hilfe eines Kolbenrings geöffnet.

Exzenterpresse in Remscheid – Museumsstück

Die auf dem Exzenter gelagerten Pleuel drücken mit Hilfe von Halbschalen auf den Stößel. Die Ausgleichzylinder des Stößelgewichtsausgleichs, die auf der Presse sitzen, helfen dem Stößel beim Auffahren, da die Kupplung bei ca. 270° gelöst wird. Die Bremse wird mit einer zeitlichen Verzögerung von 150 ms wieder geschlossen.

Die elektrische Steuerung der Exzenterpresse bestimmt ihr Einsatzgebiet. Einlegearbeiten dürfen laut Berufsgenossenschaftsvorschriften (UVV, BGV) nur an sogenannten „sicheren“ Pressen durchgeführt werden. Unter Einlegearbeiten versteht man den Eingriff ins Werkzeug, um das Rohteil bzw. Fertigteil zu entnehmen.

Sicherheit beim Pressen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für eine sichere Steuerung sind nötig:

Eine technische Schutzeinrichtung, entweder als

  • Zwei-Hand-Steuerung mit Gleichzeitigkeitsüberwachung und Schützkontrolle

oder als

oder als

  • sicheres Werkzeug: Das Werkzeug ist so ausgeführt, dass keine Gefahrstellen erreicht werden können. Öffnungen oder Spalten, durch die Werkstücke zugeführt werden, sind daher so gestaltet, dass keine Körperteile (Finger) die Gefahrstellen berühren können.
  • Wellenbruchsicherung
  • Stillstandswächter

Alle eingesetzten Geräte müssen die höchste Sicherheitsstufe, nämlich die Sicherheitskategorie 4 erfüllen.

Alle Exzenterpressen sollten jährlich einer UVV-Prüfung unterzogen werden. Hier werden die mechanischen Bestandteile und die elektrische Steuerung auf ihre einwandfreie Funktion überprüft (siehe Betriebssicherheitsverordnung und Berufsgenossenschaftliche Information BGI 724).

Kupplungen und Bremsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Aufteilung findet man bei den Kupplungen und Bremsen.

Kupplungsvarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt kraftschlüssige und formschlüssige Kupplungen. Die kraftschlüssige Kupplung ist meistens mit einem Reibbelag ähnlich einer Autokupplung mit Lamellen versehen. Über diese Lamellen wird dann die Antriebskraft des Schwungrades übertragen. Die Kupplungsscheibe ist meist elektropneumatisch oder elektrohydraulisch betätigt und federbelastet. Bei der formschlüssigen Kupplung wird z. B. eine konische Form in ein Gegenstück gepresst und somit die Kraft übertragen. Heutzutage werden ausschließlich die kraftschlüssigen Kupplungen verwendet, da die formschlüssige Variante hohe Sicherheitsrisiken birgt und daher nach den Unfallverhütungsvorschriften (in Deutschland sind die Berufsgenossenschaften zuständig) nicht zulässig ist. Eine einmal ausgelöste Abwärtsbewegung kann mit einer formschlüssigen Kupplung nicht mehr gestoppt werden. Die noch im Einsatz befindlichen formschlüssigen Kupplungen unterliegen dem Bestandschutz und dürfen weiterhin betrieben werden, allerdings ausschließlich mit „sicheren“ Werkzeugen, bei denen der Gefahrenbereich nicht zugänglich ist.

Bremsvarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bereits oben beschrieben werden Kupplungs- und Bremsbelag als Kombination ausgeführt. So kann entweder gekuppelt oder gebremst werden. Sollte im Fehlerfalle die Druckluft auf dem Kupplungsventil abreißen, drücken die Federn (daher federbelastet) die Kombination sofort in Ruheposition zurück, also den Bremsbelag in die Bremsschale. Die Maschine stoppt ohne nennenswerte Verzögerung. Früher, als steuerungstechnisch keine „sicheren“ Steuerungen möglich waren, wurde eine Zusatzbremse montiert, die elektrisch überwacht wurde. Diese Zusatzbremse erfüllte damit den Zweck einer „sicheren“ Steuerung.

Pressensicherheitsventil (PSV): Um eine Abwärtsbewegung zu ermöglichen, benötigt man ein Druckluftventil. Bei Exzenterpressen mit „sicherer“ Steuerung sind sogenannte PSV-Ventile vorgeschrieben, vielfach auch als Zwillingsventil bezeichnet. Innerhalb dieses Ventils befindet sich eine Druckwaage, die beide Druckluftkanäle des Ventils auf Gleichzeitigkeit überwacht. Sollte eine Zeitdifferenz auftreten, wird das Ventil gesperrt und eine Meldung zur Steuerung gegeben. Ein Defekt im PSV kann nicht zum Auslösen der Abwärtsbewegung führen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Hirsch: Werkzeugmaschinen Grundlagen. Friedrich Vieweg & Sohn, Wiesbaden 2000, ISBN 978-3-528-04950-8.
  • Heinz Tschätsch: Praxis der Umformtechnik. Arbeitsverfahren – Maschinen – Werkzeuge. 8. aktualisierte Auflage. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-322-99433-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]