Giulia Farnese

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Giulia Farnese (* 1474 in Canino oder Capodimonte; † 23. März 1524 in Rom), genannt la Bella, war die Tochter Pier Luigi Farnese des Älteren. Bekannt wurde sie als eine der Mätressen des Borgia-Papstes Alexander VI.

[Bearbeiten] Leben

Giulia Farnese, Raffaello 1505

Giulia Farnese erblickte im Jahre 1474 als Tochter von Pier Luigi Farnese und Giovanna Caetani in Canino, einem Ort in der Nähe des Bolsenasees im Norden von Rom, das Licht der Welt. Sie hatte drei Brüder und eine Schwester. Schon bei ihrer Geburt war vereinbart worden, dass sie ein Mitglied der Familie Orsini ehelichen sollte. Sie heiratete 1489 Orso Orsini, genannt „der Einäugige“. Die von den Familien arrangierte Hochzeit fand im Palast des Vormunds des Orsini, des spanischen Kardinals Rodrigo Borgia statt. Bei dieser Gelegenheit erkor der zu diesem Zeitpunkt 57-jährige Kardinal die 14-jährige Giulia zu seiner Geliebten. Seine unehelichen Kinder aus der Verbindung mit der Römerin Vanozza de’ Cattanei wurden in die Obhut von Adriana de Mila, der Schwiegermutter von Giulia gegeben. Rodrigo Borgias Tochter Lucrezia Borgia und Giulia wurden enge Freundinnen, und im Jahre 1492 schenkte Giulia einer Tochter des Kardinals mit dem Namen Laura das Leben. Die Römer verspotteten die junge Geliebte des mächtigen Kardinals und Vizekanzlers des Papstes als „Braut Christi“, ein Ausdruck, der eigentlich Nonnen vorbehalten war.

Nachdem Rodrigo Borgia am 11. August 1492 zum Papst Alexander VI. gewählt worden war, nutzte die Familie Farnese den Einfluss Giulias auf den Papst, um insbesondere deren Bruder Alessandro Farnese in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen zu lassen. Im Alter von 25 Jahren wurde Alessandro tatsächlich zum Kardinal ernannt. Dieser beim römischen Volk mit dem Ausdruck „Cardinal Gonella“ („Röckchen“) und „Cardinal Fregnese“ ("Möse") verhöhnte junge Mann sollte mehr als 30 Jahre später als Paul III. der mächtige Papst der Gegenreformation werden. Seinen Aufstieg verdankte er nicht zuletzt den Liebeskünsten seiner Schwester Giulia.

Nach dem Tod Alexander VI. im Jahre 1503 verliert sich Giulias Spur in der Geschichte. In ihrem im Staatsarchiv Neapel aufbewahrten Testament vermachte sie all ihren Besitz der gemeinsamen Tochter mit dem Papst – Laura Farnese. Ihrem Bruder hinterließ sie einzig ihr Bett – ein zynischer Hinweis auf eine bedeutende Ursache seines Aufstieges. Laura Orsini heiratete später Niccolò della Rovere.

Giulia Farneses Grab ist unbekannt, dennoch soll sich bis heute ein Abbild von ihr erhalten haben – und zwar ausgerechnet im Petersdom in Rom. Als Teil des links vom Hochaltar befindlichen Grabmal des Papstes Paul III., geschaffen vom Bildhauermeister Guglielmo Della Porta glaubten schon Zeitgenossen eine Statue seiner Schwester, der „Bella Giulia“ zu erkennen. Der Stein sei so lebendig und voll erotischer Ausstrahlung gewesen, dass immer wieder junge Männer vor ihm zu „unsittlichen Handlungen“ hingerissen wurden. Um 1600 ließ daher der Vatikan diese liegende, ursprünglich nackte Figur mit einem Metallhemd aus Blei bekleiden, das sich noch im 18. Jahrhundert gegen ein Trinkgeld entfernen ließ.

[Bearbeiten] Literatur

  • Körner, Hans: Statuenliebe in St. Peter. Rompilger und Romtouristen vor Guglielmo della Portas Grabmal für Papst Paul III., Düsseldorf, Seminar für Kunstgeschichte, 1999. ISBN 3-00-004067-6
  • Zapperi, Roberto: Die vier Frauen des Papstes. Das Leben Pauls III. zwischen Legende und Zensur, München, Beck, 1997. ISBN 3-4064-2825-8

[Bearbeiten] Weblinks

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