MS Liemba

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
MS Liemba
Allgemeines
Schiffstyp: Motorschiff (früher Dampfschiff)
Einsatzzweck: Fracht- und Passagierverkehr
Werft: Meyer-Werft
Baunummer: 300
Eigner: Marine Services Company Ltd., Mwanza
Schicksal: derzeit in Betrieb
Technische Daten (Überblick)
Länge (über alles): 67,00 Meter
Breite (über alles): 10,00 Meter
Tiefgang (bei 500 Tonnen): 2,25 Meter
Höhe an der Seite: 3,40 Meter
Verdrängung: 800 Tonnen; voll beladen: 1.200 Tonnen
Kosten: 750.000 Reichsmark
Gesamtleistung: 500 PS
Geschwindigkeit: 8 Knoten max. (ca. 14 km/h)
Passagierplätze: 600
Maximale Frachtlast: 200 Tonnen

Das Motorschiff Liemba (Swahili: Tanganjikasee) ist ein kombiniertes Passagier- und Frachtschiff, welches auf dem afrikanischen Tanganjikasee verkehrt. Es wurde 1913 als Dampfschiff in Deutschland gebaut und trug bis zum 16. Mai 1927 den Namen Graf Goetzen, benannt nach Gustav Adolf Graf von Götzen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Kolonialgeschichte

Die Liemba wurde 1913 auf Befehl Kaiser Wilhelms II. auf der Meyer-Werft in Papenburg an der Ems erbaut und auf den Namen „Graf Goetzen“ getauft. Sie sollte dazu dienen, auf dem Tanganjikasee, gelegen in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika, die Präsenz der Kolonialherren zu erhöhen und Belgien von einer möglichen Kolonialexpansion abzuhalten.

Das Schiff, zusammengehalten von 160.000 Nieten, konnte in seine Einzelteile zerlegt werden und wurde auf diese Weise nach zehnmonatiger Bauzeit in 5.000 Holzkisten verpackt. Auf diese Weise gelangte die Graf Goetzen mit dem Zug nach Hamburg und von dort mit einem Dampfer nach Daressalam, der Hauptstadt der Kolonie. Hier wurden die Kisten auf die kurz zuvor eröffnete Mittellandbahn verfrachtet und nach Kigoma am Tanganjikasee transportiert.

Hier begannen anschließend zirka 270 Personen (250 einheimische Arbeiter und 20 Inder) unter der Leitung von drei mitgereisten Schiffbau-Fachkräften der Meyer-Werft das Schiff wieder zusammenzubauen.

Am 5. Februar 1915 erfolgte schließlich der Stapellauf und die Graf Goetzen trat ihren Dienst an. Bis heute transportiert das Schiff Frachten und Passagiere zuverlässig über den See.

[Bearbeiten] Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges wurde das Schiff außer Dienst gestellt und am 9. Juni 1915 mit einem 88 mm- sowie zwei 37 mm-Geschützen von der nicht mehr operationsfähigen und später in der Rufiji-Mündung selbst versenkten SMS Königsberg ausgerüstet.

Die Graf Goetzen wurde mit 1.000 Soldaten in Kasanga, dem damaligen Bismarckburg an der Südspitze des Sees stationiert und versenkte zehn Tage später einen kleineren englischen Dampfer. In der Folgezeit diente sie General Paul von Lettow-Vorbeck zu Truppenverlegungen und als Versorger. Am 10. Juni 1916 wurde das Schiff von vier belgischen Wasserflugzeugen bombardiert und einige Tage später ein weiteres Mal, als es für die anstehenden Reparaturarbeiten im Hafen von Kigoma lag.

Als die deutschen Truppen Kigoma aufgeben mussten, befahl von Lettow-Vorbeck, die Graf Goetzen zu versenken.

[Bearbeiten] Nachkriegszeit

Nach dem Abzug der Deutschen aus der Region wurde das Schiff von den Belgiern verwaltet. Sie hoben das Schiff noch 1916 und machten es am Kai in Kigoma fest. Vier Jahre später, 1920, sank die Liemba während eines Sturmes im Hafen. Anschließend ging das Land an die Engländer als neue Kolonialherren über, die lange brauchten, um das Schiff erneut zu heben. Erst sieben Jahre nach dem Untergang konnte die Liemba wieder fahren. Am 16. Mai 1927 wurde der alte Name Graf Goetzen geändert.

[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg hat das Schiff ein weiteres Mal Tausende Soldaten über den See befördert.

[Bearbeiten] Heutige Situation

Seit der Unabhängigkeit Tanganyikas (Tansania) 1961 fährt das Schiff unter einheimischer Besatzung und Kommandogewalt; zuvor galten die streng überwachten Kolonialregeln der Briten.

Die Liemba ist heute das einzige große Passagierschiff, welches regelmäßig auf dem See verkehrt.

Sie fährt wöchentlich eine rund 700 Kilometer lange Route zwischen Mpulungu in Sambia und Kigoma in Tansania an der Ostseite des Sees entlang. Dazwischen legt sie fünfzehn Mal an, zum Beispiel in Kasanga, Msamba, Kipili, Karema, Kibwesa und Kirando. Zum Teil sind es nur kleine Dörfer, die noch nicht einmal einen Hafen besitzen. Das Be- und Entladen erfolgt über kleine Barkassen.

Bis Anfang der 1990er Jahre steuerte sie auch weitere Ziele am Tanganyikasee an (Bujumbura in Burundi und Uvira, Kalemie und Moba in der Demokratischen Republik Kongo). Doch als 1994 in Burundi und einige Jahre später in der Demokratischen Republik Kongo der Bürgerkrieg ausbrach, wurde es dort zu gefährlich.

In jüngerer Vergangenheit setzte die Liemba allerdings Flüchtlinge des Ruanda-Krieges wieder ans heimische Ufer.

[Bearbeiten] Technik

1993 wurde das Schiff zum letzten Mal durch Mitarbeiter der dänischen Werft DANIDA vor Ort generalüberholt und mit zwei Dieselmotoren bestückt. Das Schiff befindet sich inzwischen wieder in einem schlechten Erhaltungszustand.

[Bearbeiten] Ausstattung

Die Liemba verfügt über 12 Passagierkabinen erster Klasse, wovon zwei mit eigenem Bad ausgestattet sind. Zudem stehen noch 29 Kabinen der zweiten Klasse zur Verfügung. Die meisten Passagiere, jene die dritter Klasse fahren, schlafen auf Deck. Insgesamt finden rund 600 Personen Platz.

MS Liemba an einer Anlegestelle

An Bord gibt es zudem einen kleinen Kiosk in Form einer Verkaufsecke und einen Speisesaal.

Im Bauch des Schiffes befindet sich ein ausgedehnter Laderaum für 200 Tonnen Fracht, welcher jedoch kaum genutzt wird, da die Passagiere ihre Habe meistens bei sich behalten, aus Angst vor Dieben.

Für den Fall eines Unterganges gibt es zwei Rettungsboote.

[Bearbeiten] Sonstiges

  • Ein Modell des Schiffes ist im Restaurant des Hotels „Alte Werft“ in Papenburg zu sehen.

[Bearbeiten] Verweise

[Bearbeiten] Weblink

[Geo-Artikel April 2007] (PDF)

[Bearbeiten] Literatur

  • Michael Stührenberg, Pascal Maitre: Die endlose Fahrt der „Liemba“, in: GEO, Ausgabe 04 April 2007 (online)
Persönliche Werkzeuge