Miesmuscheln

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(Weitergeleitet von Miesmuschel)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Miesmuscheln
Miesmuschel von der Seite, von unten und aufgeklappt mit durchtrenntem Schließmuskel

Miesmuschel von der Seite, von unten und aufgeklappt mit durchtrenntem Schließmuskel

Systematik
Unterklasse: Autolamellibranchiata
Teilklasse: Pteriomorphia
Ordnung: Mytiloida
Familie: Mytilidae
Unterfamilie: Mytilinae
Gattung: Miesmuscheln
Wissenschaftlicher Name
Mytilus
Linnaeus, 1758
Arten
  • Miesmuschel (M. edulis)
  • M. galloprovincialis
  • M. trossulus

Miesmuscheln (Mytilus), von mittelhochdeutsch mies für 'Moos', auch Pfahlmuscheln genannt, sind eine weltweit verbreitete Gattung der Muscheln (Bivalvia). Nachdem die Larven sich etwa vier Wochen freischwebend als Plankton entwickelt haben, befestigen sie sich mit Byssusfäden in Küstenregionen, bevorzugt im Brackwasser von Flussmündungen und Wattgebieten an Steinen, Pfählen, Schill und Festsand. Miesmuscheln haben eine graue bis blau-violette, etwa 5 bis 10 Zentimeter lange Schale von länglich ovaler Form.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Körperbau

Miesmuscheln werden 5 bis 10 cm lang. Sie bestehen aus einer rechten und linken Schalenhälfte die mit einem elastischem Schlossband zusammen gehalten werden.Die Schale setzt sich aus 3 Schichten zusammen: der obersten Hüllschicht, der mittleren dicken Kalkschicht und der innersten wertvollen silberweiß glänzenden Perlmutschicht. In der Mantelhöhle der Miesmuschel sind zwei stark durchblutete Kiemen mit Kiemenblättern. Zwischen den Kiemen befindet sich ein muskulöser Fuß mit der Byssusdrüse. Diese Drüse stellt mit Hilfe von dem in der Miesmuschel enthaltenen Eiweiß und aus dem Meer gefiltertes Eisen die Byssusfäden her, mit denen sie sich überall festhalten kann. Miesmuscheln haben außerdem einen Schließmuskel der sich im Weichteil der Muschel befindet, sowie die anderen Organe (Herz, Magen, Darm, Niere). Mit Hilfe des Schließmuskel kann sich die Miesmuschel bei Gefahr oder Trockenheit schließen.

[Bearbeiten] Ernährung

Die Miesmuschel ist ein Filtrierer. Sie besitzt zwei Öffnungen. Das Wasser gelangt durch eine Öffnung in die Mantelhöhle, in der durch die Wimperhärchen, das Wasser aufgewirbelt wird. So bleiben die winzigen Nahrungspartikel an der Schleimschicht der Kiemen hängen und die Kiemen filtern gleichzeitig den im Wasser enthaltenen Sauerstoff. Das Kohlenstoffdioxid wird einfach wieder in das Wasser abgegeben.Danach fördern die Wimperhärchen den Schleim der Kiemen mit den Nahrungspartikeln zum Mund der Miesmuschel, weiter in den Magen und Darm wo es letztendlich verdaut wird. Die unverdaulichen Reste werden einfach aus der zweiten Öffnung mit dem Atemwasser wieder ausgestoßen.

[Bearbeiten] Fortpflanzung

Jedes Frühjahr und Sommer legen die Weibchen 5 - 10 Millionen Eier ab, die dann von den Männchen befruchtet werden. Aus den befruchteten Eizellen werden dann Trochophoralarven, die aber im Laufe ihrer vier wöchigen Entwicklung zur Jungmuschel zu 99,9% aufgefressen werden.Dennoch bleiben nach dieser "Auslese" noch immer ca. 10.000 Jungmuscheln übrig.Diese sind ca. 3mm groß und treiben oft noch mehrere 100 km im Meer umher, bevor sie sich mit einer Größe von ungefähr 5cm in Küstenregion mit ihren Byssusfäden festsetzen. Der Grund warum Miesmuscheln in so großen Kolonien (auch Bänke genannt) leben, ist der, dass die Chance viel größer ist für die Männchen die Eier zu befruchten.

[Bearbeiten] Feinde

Zu den natürlichen Feinden gehören Seesterne, Walrosse, Fische, wie Flunder und Scholle, Heringsmöwen, Austernfischer und Enten. Von Menschen dürfen sie nur nach strengen Vorgaben und aus eigens dafür vorgesehen Aquakulturen gefischt werden. Miesmuscheln werden nicht nur zum Verzehr gefischt, sie dienen auch als Dünger, Köder zum Angeln und hin und wieder auch zur Befestigung von kiesigen Küsten, wie in der englischen Grafschaft Lancashire. Die größte Bedrohung für die Miesmuschel ist aber die Wellhornschnecke. Diese wartet darauf bis sich die Miesmuschel öffnet.Wenn die Muschel dann offen ist, spreizt sich die Schnecke zwischen die beiden Schalen und frisst die Miesmuschel dann nach und nach auf.

[Bearbeiten] Eigenschutz

Die Schale der Miesmuschel dient zum Schutz, sie kann bei Gefahr ruckartig mit dem Schließmuskel geschlossen werden. So kann die Miesmuschel über Wochen verharren. Die adriatische Miesmuschel Mytilus galloprovincialis produziert als Abwehrstoff toxische Oxazinine.[1]

[Bearbeiten] Miesmuscheln als Speise

Einige Miesmuschelarten sind vor den Austern die wichtigsten essbaren Muscheln. Dazu gehören vor allem die in Atlantik, Nord- und Ostsee vorkommende Mytilus edulis und die Mytilus galloprovincialis des Atlantiks und Mittelmeers (siehe Miesmuscheln aus Galicien). Seit dem 13. Jahrhundert werden sie in Frankreich in Kulturen an Holzpflöcken gezüchtet, in Galicien sind Miesmuscheln seit der Besiedelung durch die Kelten bekannt. Heute werden sie auch an der holländischen, deutschen und italienischen Küste kultiviert. Jährlich kommen etwa 550.000 Tonnen Miesmuscheln in Europa in den Handel, rund 250.000 Tonnen gehören zur Gattung Mytilus galloprovincialis und stammen aus den Aquakulturen Galiciens.

Miesmuscheln können bei mangelnden Sanitätskontrollen in seltenen Fällen zu einer Muschelvergiftung führen, wenn sie für Menschen giftiges Plankton verzehrt haben; einige wenige Menschen sind auch allergisch gegen ihr Eiweiß und reagieren daher ebenfalls mit Vergiftungserscheinungen. Vor der Zubereitung müssen die Muscheln noch leben, also ihr Gehäuse geschlossen halten oder es schließen, wenn darauf geklopft wird. Bleiben sie offen, sollten sie weggeworfen werden. Bis vor kurzem war man der Meinung, dass Miesmuscheln, die nach dem Kochen geschlossen bleiben, ebenfalls ungenießbar sind. Das ist allerdings inzwischen widerlegt (siehe: Weblinks).

[Bearbeiten] Bilder

[Bearbeiten] Belege und Weblinks

[Bearbeiten] Literatur

  • Elizabeth Gosling: The Mussel Mytilus: Ecology, Physiology, Genetics, and Culture, Elsevier, 1992, ISBN 0444887520

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. P. Ciminiello, C. Dell’Aversano, E. Fattorusso, M. Forino and S. Magno: Toxins from Adriatic blue mussels. A decade of studies. In: Pure Appl. Chem., Vol. 75, Nos. 2–3, pp. 325–336, 2003.

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen