Zeitenwende (Verlag)

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Der Zeitenwende-Verlag ist ein Kleinverlag im sächsischen Kleinnaundorf (Freital).[1] Seine Schriften bis 2005 wurden als neuheidnisch und völkisch-mythologisch eingestuft.

Publizistische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlag Zeitenwende zählte zeitweilig zu den bekannteren Verlagen und Buchvertrieben der Neuen Rechten. Im Verlag erschienen vor dem Jahr 2001 die zwei inzwischen vergriffenen Broschüren Adler und Rose sowie Reich Europa des Holocaustleugners Bernhard Schaub, in denen ablehnende Äußerungen zu den Menschenrechten und ein Plädoyer für ein „neues Reich“ enthalten sind.[2] Nach Aussage des alleinigen Verlegers publiziert der Verlag seit 2003 allerdings nur noch esoterische Schriften.[3]

Zeitschrift Hagal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1998 bis 2005 fungierte der Verleger als Mitherausgeber der vierteljährlich erschienenen Zeitschrift Hagal – die Allumfassende. Das Magazin trat an die Stelle der von 1994 bis 1996 in Dresden erschienenen neuheidnischen Zeitschrift Zeitenwende. Inhaltlich orientierte sich Hagal unter anderem an völkisch-religiösen Positionen. Eine zentrale Rolle spielten in dieser Zeitschrift germanische Mythologie, ein europäischer „Ur-Glaube“, regionales Brauchtum sowie die deutsche Schrift und Fabeln. Politisch war die Zeitschrift nach Ansicht des Journalisten und Soziologen Rainer Fromm zwischen dem nationalrevolutionären Flügel der Neuen Rechten und dem Rechtsextremismus angesiedelt.[4]

Der Verleger schrieb bis 2003 auch selbst in der Zeitschrift. So veröffentlichte er beispielsweise im Januar 2003 einen Beitrag mit dem Titel Reichsjuwelen für einen kommenden SS-Staat (Zitat aus Trimondi-Buch), in dem er sich kritisch mit der von Victor und Victoria Trimondi verfassten Buch HitlerBuddhaKrishna mit dem Untertitel Eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute auseinandersetzte.

Der Name Hagal rührt von der Hagalaz-Rune her. Von 1930 bis 1934 gab es eine Zeitschrift der Münchener Edda-Gesellschaft, die von Rudolf John Gorsleben begründet wurde und ebenfalls nach der Hagal-Rune benannt war. Nach Ansicht des Germanisten Georg Schuppener knüpft Henklers Hagal-Zeitschrift an diese Tradition an.[5]

Sonstige Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab April 2000 hatte der Verleger für einige Zeit die Leitung von Synergon Deutschland, einer Sektion des neurechten Netzwerkes Synergies Européennes, übernommen. Die deutsche Sektion veranstaltete regelmäßige Tagungen in der Heimvolkshochschule für Umwelt und Lebensschutz Collegium Humanum e.V. im ostwestfälischen Vlotho,[6] die am 7. Mai 2008 verboten wurde.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlag Zeitenwende war seit 1996 dem sächsischen Verfassungsschutz bekannt.[7] Das Bundesministerium des Innern berichtete unter dem Titel Intellektualisierungsbemühungen im Rechtsextremismus im Verfassungsschutzbericht 2001 in knapper Form.[8] Dabei wurde auf den geringen Erfolg hingewiesen, der insbesondere durch die „unzureichend aktualisierte Internetseite“ sowie durch die „schleppende Herausgabe von Informationsblättern und Zeitschriften“ begründet sei.

Die NPD-Zeitung Deutsche Stimme lobte die Zeitschrift Hagal im August 1999 als „ein gutes Mittel für unseren kulturellen Kampf um die Herzen und Köpfe der Menschen“.[9]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze / Essays

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum – Verlag Zeitenwende. Abgerufen am 15. Februar 2024.
  2. Bundesverfassungsschutzbericht 2000 (PDF; 1,8 MB) erschienen im Mai 2001, S. 100.
  3. Verlag Zeitenwende bei Netz gegen Nazis
  4. Rainer Fromm: Rechtsradikalismus in der Esoterik, in: Ingolf Christiansen, Rainer Fromm und Hartmut Zinser, Brennpunkt Esoterik (Memento vom 2. September 2009 im Internet Archive) (PDF; 716 kB), Herausgegeben von Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Inneres im April 2004, S. 175–177.
  5. Georg Schuppener: Vereinnahmung germanischer Mythologie im rezenten Rechtsextremismus – Sprache und Symbolik, das Kapitel ist Bestandteil der Veröffentlichung Spuren germanischer Mythologie in der deutschen Sprache: Namen, Phraseologismen und aktueller Rechtsextremismus. Edition Hamouda, Leipzig 2007
  6. Ministerium des Innern Brandenburg (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2005 (Memento vom 5. Juni 2020 im Internet Archive) (PDF; 1,8 MB). Ein Handbuch. Potsdam 2006, S. 51.
  7. Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Leske und Budrich, Opladen 2002. (Auszug bei Netz gegen Nazis), S. 458.
  8. Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2001 (Memento vom 29. Februar 2008 im Internet Archive) (PDF; 5,3 MB). Berlin 2002, S. 116.
  9. Zitat nach: VON BRAUNEN SCHREIBTISCHEN IN DIE SCHWARZE SZENE. Der rechte Kulturkampf (Memento vom 7. Januar 2009 im Internet Archive), in Bezug auf Deutsche Stimme 8/1999.