Transgener Reis

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Als Transgener Reis (umgangssprachlich Genreis) wird mit den Methoden der grünen Gentechnik veränderter Reis bezeichnet. Ziel der Hersteller solcher Reissorten ist es, eine höhere Resistenz gegenüber Krankheiten, Unkräutern (LL-Sorten) oder Schädlingen zu erreichen (Bt-Sorten), indem entsprechende Gene in das Erbgut eingebracht werden. Ferneres Ziel ist ein höherer Ertrag, schnellere Reife sowie ein verbesserter Nährstoffgehalt (Goldener Reis). Die Volksrepublik China hatte im September 2011 angekündigt, auf die Kommerzialisierung von Genreis zu verzichten.[1]

Goldener Reis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Goldene Reis enthält drei Enzyme die zur Biosynthese von Beta-Carotin (Provitamin A) führen. Mit dieser Reissorte wird versucht, Vitamin-A-Mangelerscheinungen in entsprechend unterversorgten Regionen entgegenzutreten (Näheres siehe Hauptartikel). Die Markteinführung soll 2011 auf den Philippinen, in Indien und Vietnam erfolgen.[2]

HARDY-Gen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reis zählt zu den wichtigsten Nahrungspflanzen der Welt. Sein Anbau verbraucht jedoch große Wassermengen (pro Ertragseinheit bis zu dreimal mehr als beispielsweise Mais). Bei der Suche nach einer Reissorte mit geringerem Wasserbedarf entdeckten Pflanzenphysiologen die Arabidopsis-Variante, die sich durch eine verbesserte Wassernutzung infolge eines mutierten Gens auszeichnete. Dieses Gen (HARDY-Gen) isolierten Forscher und übertrugen es in andere Reisvarianten. Tatsächlich kamen die transgenen Pflanzen mit trockenen Böden besser zurecht.

Bt-Reis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2009 wurde in China erstmals eine gentechnisch veränderte Reissorte zum kommerziellen Anbau zugelassen, nach über 20 Jahren Forschung und Freilandversuchen seit 1997. Durch Insektenresistenz konnte in Feldversuchen ein um 8 % höherer Ertrag bei einer Reduktion des Pestizidverbrauches um 80 % erreicht werden.[3] Zwei weitere Zertifikate müssen in China erteilt werden, bevor Bt-Reis laut Expertenschätzungen voraussichtlich 2012–2013 angebaut wird.[4] Auch in Indien wird Bt-Reis seit 2003 in Freilandversuchen getestet.[5]

Herbizidtoleranter Reis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liberty Link 601[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die Schlagzeilen geriet 2006 der Reis Liberty Link 601 (LL601) von Bayer CropScience, der in den USA auf Testfeldern angebaut wurde. Im August 2006 wurde er bei Reisimporten in der EU nachgewiesen, obwohl dieser in der Europäischen Union für den Verzehr nicht zugelassen ist. Bei Lebensmittelkontrollen in deutschen Reismühlen, im Großhandel sowie im Einzelhandel fand man im September 2006 Spuren des Typs LL601.[6] In Österreich wurden bei Lebensmittelkontrollen bis Jänner 2007 von der AGES 278 Proben genommen, wovon 50 positiv auf die Sorte LL601 getestet wurden.[7]

Im Dezember 2009 verurteilte das Bezirksgericht von St. Louis Bayer CropScience zu einer Entschädigungszahlung von fast zwei Millionen Dollar an zwei Farmer, deren Reis während des Testanbaus verunreinigt worden war.[8] LL601 ist in den USA seit 2006 für den Anbau und in Kolumbien seit 2008 als Nahrungs- und Futtermittel zugelassen.[9]

Liberty Link 62[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liberty Link 62 (LL 62) ist eine gentechnisch veränderte Reissorte der Bayer-Tochter CropScience. Durch das Transgen wird in der Pflanze ein Protein mit der Bezeichnung PAT erzeugt, wodurch LL62 gegen Breitband-Herbizide mit dem Wirkstoff Glufosinat wie Liberty, Basta oder Ignite resistent ist.

Seit März 2009 versucht Bayer eine Zulassung für den Anbau von LL 62 in Brasilien zu erlangen[10]. Für die Europäische Union hat Bayer eine Zulassung von LL 62 für den Import und die Verarbeitung als Lebens- und Futtermittel beantragt.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Zimmermann: China stoppt Gen-Reis. In: greenpeace.de. 1. Februar 2012, abgerufen am 19. September 2019.
  2. Food & Beverage News: Agriculture - Golden Rice to hit market by 2011. In: www.fnbnews.com. 1. September 2009, archiviert vom Original am 12. Februar 2010; abgerufen am 12. Februar 2010 (englisch).
  3. Rheinischer Merkur: Revolution im Reisfeld 7. Januar 2010
  4. eurobiotechnews.eu: China’s green light will impact in EU. European Biotechnology News (Memento des Originals vom 13. Juli 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eurobiotechnews.eu (englisch); 1. Februar 2010
  5. Transgen.de (Memento des Originals vom 6. September 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.transgen.de
  6. Drittes Bundesland meldet Genreis-Fund. Spiegel Online, 22. September 2006.
  7. ages.at: GVO-Reis-Untersuchungen (Memento des Originals vom 5. November 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ages.at
  8. Bayer Must Pay Farmers for Contaminated Rice Crop (Update5) (englisch)
  9. Summary of Regulatory Approvals (englisch)
  10. Empresas piden liberación de arroz transgénico en Brasil
  11. LL RICE 62 (Memento des Originals vom 8. Dezember 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.transgen.de bei transgen.de, (abgerufen am 27. Oktober 2011).