Bey (Titel)
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Bey (auch Bei oder in der älteren Form Beg; osmanisch und arabisch بك; auch Bai bzw. Bē) ist ein türkischer Titel mit unterschiedlicher Verwendung. Die weibliche Entsprechung ist Begum.
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[Bearbeiten] Wortherkunft
Der Titel wird in der Form „bäg“ bereits in den Orchon-Inschriften erwähnt und ist seinerseits möglicherweise eine Entlehnung vom iranischen bag, ein Titel der sassanidischen Könige.
[Bearbeiten] Verwendung
Bey war im frühen Mittelalter der Herrschertitel der innerhalb des Sultanats der Rum-Seldschuken organisierten anatolischen Kleinfürstentümer. Mit dem Zerfall des Rum-Seldschukenreiches wurden diese Fürsten selbständig, darunter auch die frühen osmanischen Herrscher (die erst 1383 den Sultanstitel annahmen).
Mit der Etablierung des Osmanischen Reiches betitelte Bey die Statthalter einer Unterprovinz (Beylik, Sandschak), die wiederum einem Pascha als Gouverneur einer Großprovinz unterstanden. Insbesondere die Beys (bzw. Deys) in den nordafrikanischen Barbareskenstaaten erlangten jedoch ein beachtliches Maß an politischer Autonomie, etwa die Regenten von Tunis von 1628 bis 1956.
Ebenso als Bey tituliert wurden Militärs (etwa im Rang eines Majors oder Obersten) und zivile Beamte der gehobenen Rangstufe.
Als Rangabzeichen wurden den Beys ein Rossschweif (Tugh) vorangetragen; dieser Brauch wurde von Sultan Mahmud II. (1785/1808–1839) abgeschafft. Der Titel war dem Namen hintangestellt; 1932 wurde er in der Türkei, 1953 in Ägypten abgeschafft. Die nächsthöheren Titel waren Pascha und Wesir, untergebene Titel waren rangniedere Agas (nicht aber die Agas der Janitscharen) und Efendi.
[Bearbeiten] Die Bedeutung Beg in Mittelasien
In Mittelasien gilt für kiptschakische Nomadenstämme die Bezeichnung beg bzw. bij als Stammesführer. Die Stammesführer, die unter sich Konföderationen mehrerer Stammesführer vereinen konnten, nannten sich in Anlehnung an den Titel Dschingis Khans khon.
[Bearbeiten] Die Bedeutung der Beis in Nordafrika
In Nordafrika hielt sich die frühe osmanische Tradition, Statthalter des Sultans als Bei zu titulieren, in den (faktisch weitgehend unabhängigen) osmanischen Provinzen Libyen, Algier und Tunis. Die Beis (bzw. Deis) von Algier wurden 1830 im Zuge der französischen Eroberung Algeriens abgesetzt, der letzte osmanische Bei von Libyen musste 1912 den neuen italienischen Kolonialherren weichen.
Am längsten überlebte das regionale Herrscheramt des Beis von Tunis, das seit 1705 von den Husainiden, den aus Anatolien stammenden Nachkommen des Beis Husain I. (1705–1735) quasi erblich gemacht worden war. Bis 1837 führten die Husainiden-Beis den osmanischen Titel eines Beilerbei („Herr der Herren“), seither den Titel „Bei und Besitzer des Königreiches von Tunis“, den sie mit dem Stil „Hoheit“ verbanden und der 1871 vom osmanischen Sultan bestätigt wurde. 1881 sah sich Muhammad III. as-Sadiq Pascha Bei (1859–1882) gezwungen, die französische „Schutzherrschaft“ (Protektorat) anzuerkennen. Frankreich beließ, anders als in Algerien, die lokale Herrscherdynastie offiziell im Amt, kontrollierte aber die Husainiden-Beis über einen Generalresidenten (Protektoratsverwalter).
1943 setzten – ein einmaliger Fall – die „Freien Franzosen“ de Gaulles den Bei Muhammad VII. al-Munsef alias Moncef Bey (1942–1943; † 1948) unter dem Vorwurf ab, ein Anhänger des Vichy-Regimes zu sein. Sein Cousin und Nachfolger Muhammad VIII. al-Amin (1943–1957) war nicht nur der letzte Bei von Tunis unter französischem Protektorat, sondern – nach Proklamation der Unabhängigkeit Tunesiens – auch der erste und einzige König von Tunesien (März 1956 bis Juli 1957), bevor der eigentliche neue Machthaber Premierminister Habib Bourguiba die Republik proklamierte. Der Ex-Bei und Ex-König verstarb unter Hausarrest 1962.
Wohl der berühmteste, und sicherlich der berüchtigste Bei von Tunis (1551–1565) war der osmanische Freibeuter und Admiral Turgut Reis (auch bekannt als Dragut).

