Cherusker
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Die Cherusker waren ein Stammesverband im antiken Germanien, der im Gebiet beidseitig der oberen Weser im heutigen Ostwestfalen und in Niedersachsen bis zur Elbe lebte. Über seine Geschichte sind nur wenige Informationen überliefert.
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[Bearbeiten] Das Wort „Cherusker“
Die etymologische Herkunft des Begriffs „Cherusker / Herusker“ ist unbekannt. In der Forschung gab es mehrere Theorien zur Herkunft des Wortes. Der Historiker J. Grimm sah eine Verbindung zum gotischen Wort hairus bzw. dem altenglischen heoru für „Schwert“. Auch das altnordische horskr für „die Klugen“ bildet eine mögliche Verbindung. Andere, wie Rudolf Much, Edward Schröder und Otto Höfler leiteten das Wort eher vom gemeingermanischen herut (Hirsch) ab und begründeten dies unter anderem mit der großen Rolle, die der Hirsch in der germanischen Symbolik spielte. Diese Einschätzung gilt heute als die wahrscheinlichste.[1]
[Bearbeiten] Siedlungsgebiet
Erstmalige Erwähnung fand das Volk der Cherusker in der Schrift De Bello Gallico des römischen Feldherren Gaius Iulius Caesar. Er berichtete, dass die Cherusker und Sueben durch den großen Wald bacenis silva voneinander getrennt wären.[2] Es liegen nur wenige andere Hinweise auf ihr geographisches Siedlungsgebiet vor. Strabon erwähnte sie nur als eines der kleineren germanischen Völker[3], während Plinius der Ältere sie neben den Sueben, Chatten und Hermunduren zu den Herminonen zählte.[4] Tacitus betrachtete sie als Nachbarn der Chatten und Chauken.[5] Die genauesten Angaben hinterließ Claudius Ptolemäus, der schrieb, dass die Cherusker südlich der an der Elbe lebenden Caluconen wohnten und sich ihr Gebiet bis zum Harz erstreckte.[6] Man geht deshalb davon aus, dass sich das Siedlungsgebiet der Cherusker zwischen Weser, Elbe und Harz befand. Allerdings weisen andere Berichte darauf hin, dass sich dieses Gebiet auch westlich der Weser erstreckte.[7] Im Norden trennte der Angrivarierwall die Cherusker von den Angrivariern.[8]
[Bearbeiten] Geschichte
In den Jahren zwischen 12 v. Chr. und 16 n. Chr führten die Römer unter Drusus, Tiberius, Varus und Germanicus Kriege gegen die Cherusker. Den Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen bildete die Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.), in deren Verlauf drei römische Legionen aufgerieben wurden. In diesen Kämpfen standen die Cherusker unter ihrem Anführer Arminius an der Spitze eines Stämmebundes aus Brukterern, Usipetern, Chatten, Chattuariern, Tubanten, Angrivariern, Mattiakern und Landern.[9] Im Jahre 17 n. Chr. schlug dieses Bündnis auch das Heer des markomannischen Königs Marbod zurück.[10] Den inneren Fehden nach dem Tod des Arminius (21 n. Chr.) fiel fast die gesamte Fürstenschicht der Cherusker zum Opfer, sodass sie im Jahre 47 n. Chr. in Rom darum baten, Italicus, den letzten aus dem Geschlecht des Arminius, zum König ernennen zu dürfen. Doch auch dessen Erfolg bei der Befriedung des Stammes war begrenzt.[11] Einer seiner Nachfolger, König Chariomerus, wurde um das Jahr 88 n. Chr. von den Chatten vertrieben und rief Kaiser Domitian vergeblich um Hilfe an.[12]
Die weitere Geschichte der Cherusker ist größtenteils unbekannt. Obwohl Tacitus angab, dass die Chatten die Cherusker unterwarfen, wurden sie von anderen Geschichtsschreibern auch für die spätere Zeit noch erwähnt.[13] Erst im 4. Jahrhundert scheint ihr Stamm im Volk der Sachsen aufgegangen zu sein.[14]
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Neumann, s. v. Cherusker, in: RGA 4, 1981, S. 430. Rudolf Much, Herbert Jankuhn, Wolfgang Lange: Die Germania des Tacitus, Winter, Heidelberg 1967. S. 411f.
- ↑ Caesar, de bello Gallico 6,10.
- ↑ Strabon 7,291.
- ↑ Plinius, naturalis historia 4,100.
- ↑ Tacitus, Germania 36.
- ↑ Ptolemäus 2,11,10.
- ↑ So etwa Velleius Paterculus 2,105 und Cassius Dio 54,33.
- ↑ Tacitus, Annales 2,19.
- ↑ Dazu Ralf Günter Jahn, Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.), Bonn 2001, S. 117f.
- ↑ Tacitus, Annales 2,44–46.
- ↑ Tacitus, Annales 11,16–17.
- ↑ Cassius Dio, epitome 67,5.
- ↑ Zahlreiche Beispiele bei Max Ihm, s. v. Cheruski, in: RE III,2, 1899, Sp. 2272.
- ↑ Oberst Streccius, s. v. Cherusker, in: Bernhard von Poten (Hrsg.), Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Bd. 2, Bielefeld – Leipzig 1877, S. 235.
[Bearbeiten] Quellen
- Gaius Iulius Caesar: De Bello Gallico 6,10.
- Plinius: Naturalis historia 4,100.
- Claudius Ptolemäus: Geographike Hyphegesis 2,10.
- Strabon: Geographie 7,291.
- Tacitus: Annales 2,19,44–46.
- Tacitus: Germania 36.
[Bearbeiten] Literatur
- Max Ihm: Cherusci. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,2, Stuttgart 1899, Sp. 2270–2272.
- Ralf Günther Jahn: Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Diss., Bonn 2001.
- Gerhard Neumann, Reinhard Wenskus, Rafael von Uslar: Cherusker. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 4, Walter de Gruyter, Berlin – New York 1981, S. 430–435.
- Oberst Streccius: Cherusker. In: Bernhard von Poten (Hrsg.): Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften. Bd. 2, Bielefeld – Leipzig 1877, S. 235.

