Flachkarre

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Flachkarren-Pflasterung im Burren, Irland. Die Karrentische werden von senkrecht stehenden Kluftkarren begrenzt und an ihrer Oberfläche von sekundären Rundkarren überprägt

Flachkarren sind Karrenstrukturen erster Ordnung. Sie entstehen in Karstgebieten durch Lösungsverwitterung an der Schichtoberfläche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sedimentstruktur Flachkarre (meistens verwendet in der Pluralform), gelegentlich auch als Schichtfugenkarre oder Karrentisch bezeichnet, englisch clint, ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Ihre ausführliche wissenschaftliche Bearbeitung geht auf Smith & Albritton (1941) zurück.[1] Bedeutende Arbeiten über Flachkarren mit guten Illustrationen stammen von Sweeting (1966 und 1972),[2] Williams (1966) und Purdy (1974).[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charakteristisch für Flachkarren ist ihre flache, zur Schichtung parallele Oberfläche. Sie finden sich auf individuellen Felsblöcken, die allseitig in ihrer vertikalen Dimension von Kluft- oder Bruchflächen begrenzt werden. Die ursprünglich nur sehr engen Begrenzungsflächen (bis hinunter zu Haarrissdicke) sind durch Lösungsverwitterung im Laufe der Zeit verbreitert worden und können ihrerseits als Kluftkarren ausgebildet sein. Je nach Anlage des Kluft- oder Bruchflächensystems zeigen die einzelnen Blöcke eine viereckige, rechteckige oder rautenförmige Gestalt. Die Größenordnung der einzelnen Blöcke kann in Abhängigkeit von der vorherrschenden Lithologie zwischen Dezimetern und mehreren Metern schwanken, bleibt aber an einem jeweiligen Fundort relativ konstant.[4] Pflastersteinen ähnlich fügen sich diese Einzelblöcke in Kalken oder Dolomiten zu einer regelmäßigen Pflasterung (engl. pavement) zusammen.

Die Oberfläche der einzelnen Blöcke muss nicht immer vollkommen flach, sie kann auch leicht nach oben konkav gewölbt sein, wie dies 1941 schon Smith & Albritton aufgefallen war. Der Rand ist hierbei leicht erhöht, wird aber meist an mehreren Stellen sekundär durchbrochen.

Die Oberfläche von Flachkarren wird gewöhnlich von Karrenstrukturen zweiter Ordnung überlagert, in der Regel von Rundkarren. Dies muss aber nicht der Fall sein, gelegentlich werden die Oberflächen auch nur von Napfkarren (engl. pitting) übersät.[5] Bei Flachkarren in den Alpen und in den Helleniden werden meist recht grobe Näpfe angetroffen,[6] die in Dolomitgesteinen als so genannte Pockenmarken (engl. pock marks) ausgebildet sind.[7]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Karstsäulen gestapelte Karrentische in El Torcal de Antequera

Es gilt heute als gesichert, dass Flachkarren durch chemische Auslaugung in Kombination mit rein mechanischen, hydrodynamischen Fliessprozessen entstehen. Dass die Flächen aber nur an Schichtungsunstetigkeiten gebunden sind, wird angezweifelt, sie können nämlich auch von Erosionsflächen ausgehen (beispielsweise von Gletschern geschaffene Abrasionsebenen – eng. glaciated pavements), die nicht unbedingt parallel zur Schichtung verlaufen müssen. Es ist ferner nicht immer zu entscheiden, ob Flachkarren offen zutage lagen und der atmosphärischen Verwitterung ausgesetzt waren, oder ob sie sich unter Boden- oder Moränenbedeckung heranbildeten. Beides ist möglich. Mit Näpfen übersäte Flachkarren entstanden eindeutig durch die Einwirkung von Regen, Hagel und Schnee, oft aber erst nachdem eine schützende Gletscherschuttlage entfernt worden war. Mit Rundkarren überzogene Flachkarren sind zweideutig, eine Mehrheit der Forscher bevorzugt heute jedoch ihre Entstehung unter einer schützenden Boden- oder Torfschicht.[8]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vorkommen von Flachkarren ist weltweit.

Gute Beispiele für Flachkarren finden sich in Kalken aus dem Karbon bei Arainn und im Burren in Irland sowie bei Gaitbarrows in Lancashire und bei Malham Tarn in den Yorkshire Dales; in jüngeren Gesteinen am Triglav in Slowenien und in El Torcal de Antequera in Spanien.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John R. L. Allen: Sedimentary structures. Their character and physical basis (= Developments in Sedimentology. Bd. 30). Unabridged one-volume edition. Elsevier, Amsterdam u. a. 1984, ISBN 0-444-42232-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joe Fred Smith, Claude Carroll Albritton: Solution Effects on Limestone as a Function of Slope. In: Geological Society of America Bulletin. Bd. 52, Nr. 1, Januar 1941, ISSN 0016-7606, S. 61–78.
  2. Marjorie M. Sweeting: Karst Landforms. Macmillan, London 1972, ISBN 0-333-01165-1.
  3. E. G. Purdy: Reef Configurations: Cause and Effect. In: Leo F. Laporte: Reefs in Time and Space. Selected Examples from the Recent and Ancient (= Society of Economic Paleontologists and Mineralogists. Special Publication 18, ZDB-ID 980588-6). Society of Economic Paleontologists and Mineralogists, Tulsa 1974, S. 9–76.
  4. Helen S. Goldie: Limestone Pavements of Craven (Yorkshire). In: Transactions of the Cave Research Group of Great Britain. Bd. 15, Nr. 3, 1973, ISSN 0069-1305, S. 175–189.
  5. Paul W. Williams: Limestone Pavements with Special Reference to Western Ireland. In: Transactions of the Institute of British Geographers. Nr. 40, 1966, ISSN 0020-2754, S. 155–172.
  6. E. Schunke: Zum Problem des Schichtflächenkarstes im Nord-Pindos, Griechenland. In: Marjorie Sweeting, Karl-Heinz Pfeffer (Hrsg.): Karst processes (= Zeitschrift für Geomorphologie. Supplementbd. 26). Borntraeger, Berlin 1976, ISBN 3-443-21026-0, S. 65–78.
  7. R. W. Packer: Lag mound features on a dolostone pavement. In: The Canadian Geographer. Bd. 9, Nr. 3, 1965, ISSN 0008-3658, S. 138–143, doi:10.1111/j.1541-0064.1965.tb00821.x.
  8. Antony Clive Waltham (Hrsg.): The Limestones and Caves of North-West England. David & Charles for The British Cave Research Association, Newton Abbot 1974, ISBN 0-7153-6181-3, S. 46–78.