Freie Bibelforscher
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Die Gemeinschaft der Freien Bibelforscher, auch Freie Bibelgemeinde genannt, ist eine christliche Glaubensgemeinschaft, die sich nach eigener Lehraussage ausschließlich auf die Bibel als Glaubensgrundlage und auf das Vorbild der Gemeinde des Urchristentums beruft. Die Gemeinschaft entstand aus der sogenannten Bibelforscherbewegung. Gemeinden gibt es heute in mehr als vierzig Ländern.[1]
Die einzelnen Gemeinden bezeichnen sich als Freie Bibelgemeinde, mit dem Zusatz der Ortsbezeichnung und beanspruchen für sich, die jeweilige Gemeinde (oder Versammlung) Gottes vor Ort zu sein.
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[Bearbeiten] Geschichte
Bereits 1909 trennten sich in den USA verschiedene Versammlungen von den Ernsten Bibelforschern, als die Wachtturm-Gesellschaft immer mehr anfing, Pastor Russell als „den treuen und klugen Knecht“ zu bezeichnen. Die Gemeinschaft ist heute im englischen Sprachraum unter dem Namen Free Bible Students bekannt und wird geleitet vom Missionswerk Christian Millennial Fellowship.
In Deutschland entstand die Gemeinschaft in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, ebenfalls durch Abspaltung von den Zeugen Jehovas. Differenzen in der Leitung und vor allem in der Lehre führten zur Trennung, da sie die sich stetig verändernden Lehren der Wachtturm-Gesellschaft nicht übernahmen. Das neue religiöse Leben begann in Deutschland mit Hauskreisen, die sich in und um Kirchlengern bei Herford unter der Leitung von Wilhelm Trippler[2] bildeten.
Die Freie Bibelforscher-Vereinigung wurde im November 1933 unter dem Nazi-Regime verboten. Seit 1948 gilt der Name Freie Bibelgemeinde der Freien Bibelforschergemeinschaft (FBG) in Deutschland.
[Bearbeiten] Lehre
Die Freie Bibelgemeinde versteht sich als „bibeltreue“ christliche Gemeinde, wobei das gemeindliche Leben wie auch das Lehrverständnis mit anderen freikirchlichen Gruppierungen in vielen Teilen ähnlich ist. Der Aspekt des allgemeinen Priestertums 1_Petr 2,5 ELB wird dabei sehr betont. So soll auch jedes Gemeindemitglied persönlich mit der Bibel umgehen können. Im Folgenden sollen die wesentlichen Unterschiede dargestellt werden.
[Bearbeiten] Dreieinigkeit
Es gibt nur einen Gott, den Vater im Himmel (1_Kor 8,6 ELB). Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist der Alleingeborene, das einzige lebendige Wesen, das direkt von Gott hervorging (1_Joh 4,9 ELB) und vor Ewigkeiten geboren (Mi 5,1 ELB; Kol 1,15 ELB) wurde. Der heilige Geist ist der göttliche Wille, der persönliche Ausdruck, seiner unsichtbaren wirkenden Kraft (Lk 24,49 ELB; Apg 1,8 ELB). Der Sohn ist der Natur des Vaters teilhaftig, sodass die göttliche Wesenheit des Vaters dieselbe auch des Sohnes ist. Die Tatsache, dass sie zwei unterschiedliche Personen sind, hebt die Tatsache nicht auf, dass sie in ihrer Natur (ihrem Wesen) identisch sind. Eine „Substanz“ (Natur), zwei Personen. Darum wird der Dreieinigkeitsgedanke abgelehnt.
[Bearbeiten] Tod und Auferstehung
Die Freien Bibelforscher vertreten die Ganztodtheorie: Der Mensch sei eine Einheit nach Leib, Seele und Geist (1_Mos 2,7 ELB). Kein Teil des Menschen sei vom Todesurteil ausgenommen. So falle der Mensch beim Tod in einen Zustand von Bewusstlosigkeit, Stille und Untätigkeit und habe nur die Hoffnung der Auferstehung von den Toten.
[Bearbeiten] Wiederkunft Jesu Christi
Im Mittelpunkt der Lehre steht die Erwartung der baldigen Wiederkunft Christi (Joh 14,2-3 ELB] und der Wiederherstellung der Menschheit zur Vollkommenheit (Apg 3,21 ELB). Somit stellen die Freien Bibelforscher eine eschatologische Glaubensgemeinschaft dar. JHWH Gott hat in seinem tausendjährigen Königreich das Ziel, dass alle Menschen unter paradiesischen Zuständen Gelegenheit erhalten sollen, wiederhergestellt zu werden (Jes 35,8-10 ELB).
[Bearbeiten] Sabbattag
Ein weiterer Glaubenspunkt ist die Heiligung des Sabbats (Jes 56,2 ELB), das heißt des Samstags anstatt des, bei der Mehrzahl der christlichen Kirchen, üblichen Sonntags. Der Sabbat beginnt Freitags mit dem Sonnenuntergang und endet Samstags ebenfalls mit dem Sonnenuntergang.
[Bearbeiten] Zusammenkünfte
Die FBG sind autonom und werden als Abbild der neutestamentlichen Gemeinde verstanden. Sie glauben, dass die wirkliche Leitung Jesus Christus als Haupt der Christenversammlung (Eph 1,19 ELB) innehat und diese Leitung durch den heiligen Geist bis heute ausübt. Die Leitung der örtlichen Versammlung liegt in der Obhut von Ältesten, Diakonen und Predigern. Die Gemeindeleitung erfolgt weitgehend durch ehrenamtliche Laien.
Eine bindende Ordnung der Gottesdienste gibt es nicht, sie können von Gemeinde zu Gemeinde etwas variieren. Kleidervorschriften gibt es keine. In den FBG tragen aber die Frauen wenn sie öffentlich beten (lautes Beten in der Gemeinde), eine Kopfbedeckung in Anordnung an 1_Kor 11,5-13 ELB.
In der Regel dauern die Gottesdienste 1,5 bis 2 Stunden. Im ersten Teil wird der Mannatext für den Tag besprochen. Dabei wird ein Bibeltext herangezogen der in einer 15 Minuten dauernden Ansprache ausgelegt wird. Ein etwa 40minütiger Vortrag bildet daraufhin den Hauptteil des Gottesdienstes. Die Predigten können alle Gemeindemitglieder halten, die sich dazu in der Lage fühlen, ebenso die Gastprediger. Die Predigttexte sind dabei immer frei gewählt. Im zweiten Teil wird in Anlehnung an Apg 20,7 ELB das Brot gebrochen und bildet so das Zentrum des Gemeindelebens. Anschließend wird noch in der Zeugnisstunde die Gelegenheit gegeben über Erfahrungen aus der vergangenen Woche zu berichten, sich auszutauschen oder zu beten.
Einmal in der Woche treffen sich sie sich in Hauskreisen zur Bibelstunde, wo auf bestimmte biblische Themen eingangen wird.
Ein weiterer wichtiger Punkt der FBG ist die wöchentliche Gebetsversammlung, bei dem sich die Mitglieder zum gemeinsamen Gebet zusammen finden.
[Bearbeiten] Gedächtnismahl
Neben dem Brotbrechen im Gottesdienst, dass die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und mit Jesus Christus betont, wird das Abendmahl, das auch Gedächtnismahl genannt wird, einmal im Jahr am 14. Nisan, am Tag des jüdischen Passahs, nach Sonnenuntergang besonders gefeiert.
- siehe auch Quartodezimaner
[Bearbeiten] Taufe
Die Freien Bibelforscher praktizieren die Gläubigentaufe. Die Taufe geschieht durch gänzliches Untertauchen im Wasser und wird unter Berufung auf (Röm 6,3-4 ELB) als ein Begraben des menschlichen Willens in den Tod Christi verstanden. Weil die Taufe ausschließlich als Opferung des eigenen Willens verstanden wird, ist für die Freien Bibelgemeinden die Kindertaufe unbiblisch.
[Bearbeiten] Evangelisation
Die Verkündigung des Lösegeldes Jesu Christi – bewirkt durch seinen Tod und Auferstehung – für alle Menschen und die Aufrichtung des nahe bevorstehenden Königreiches Gottes auf Erden ist für die FBG nicht nur biblischer Auftrag, sondern auch moralische Verpflichtung. So bemühen sie sich in ihrem täglichen Lebensumfeld, das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen.[3]
Sie vertreten den Dispensationalismus und gehören keiner übergemeindlichen Organisation an. Untereinander pflegen sie lose Kontakte.
[Bearbeiten] Bibelstudien-Vereinigung
Den FBG angeschlossen ist das Missionswerk Bibelstudien-Vereinigung. Das Missionswerk versteht sich als eine Plattform von bibeltreuen Christen, mit dem Ziel, Menschen mit dem Evangelium Jesu Christi zu erreichen, gleichzeitig dient sie aber auch unterstützend den Freien Bibelgemeinden mit kostenloser biblischer Literatur.
[Bearbeiten] Arbeitsfelder
Die Ausrichtung auf Gemeindegründung stützt das Missionswerk auf den neutestamentlichen Auftrag in Mt 28,18-20 ELB. Die Bibelstudien-Vereinigung wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Sie verfolgt unter anderem folgenden Ziele:
- Die Verkündigung der guten Botschaft von Jesu Christi und die Unterstützung der Freien Bibelgemeinden bei deren Evangelisation.
- Eine bibeltreue Auslegung, ohne gesetzlichen Dogmatismus.
- Die Förderung zur Selbstständigkeit der örtlichen Bibelgemeinden.
[Bearbeiten] Veröffentlichungen
Die monatlich erscheinende Zeitschrift The New Creation wird seit 1940[4] vom Missionsverlag Christian Millennial Fellowship Inc. veröffentlicht. Sie erscheint in Englisch, Italienisch und Deutsch und ist das Verbindungselement der Freien Bibelforscher. Die Neue Schöpfung in deutsch, wird veröffentlicht durch die Bibelstudien-Vereinigung in Österreich. Die Zeitschrift Christliche Warte ist ein dreimonatlich erscheinendes Magazin der Freien Bibelgemeinde Kirchlengern und erscheint seit 1948.
Die Themen der Zeitschriften umfassen Artikel für das Bibelstudium, christliches Leben und Bibelauslegung. Die Neue Schöpfung und die Christliche Warte vertreten ein relativ geschlossenes Weltbild, das politisch neutral, konservativ, optimistisch und vor allem christlich orientiert ist.
[Bearbeiten] Ökumene
Die Gemeinschaft der Freien Bibelforscher strebt nicht die Mitgliedschaft des ökumenischen Rats der Kirchen an.
[Bearbeiten] Literatur
Die Kirchen, Sondergruppen und religiösen Vereinigungen, Theologischer Verlag, Zürich 1994, ISBN 3-290-11639-5
[Bearbeiten] Weblinks
- Bibelstudien Vereinigung e.V.
- Christian Millennial Fellowship Inc.
- Infoseite der Gemeinschaft der Freien Bibelforscher
- Meyers Lexikon über Freie Bibelgemeinde
- Freie Bibelgemeinde auf relinfo.ch
- Links zum Thema Freie Bibelforscher im Open Directory Project
[Bearbeiten] Quellenangaben
- ↑ The CMF Annual Report for 2006, Nr.2, 2007.
- ↑ Christliche Warte, Jg 7, August 1955, S. 87.
- ↑ Die Kirchen Sondergruppen und religiösen Vereinigungen, Theologischer Verlag, Zürich 1994, S. 142, ISBN 3-290-11639-5
- ↑ Die Neue Schöpfung, Sep/Okt 2007, S. 2.

