Intelligenzquotient

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Die IQ-Werte einer hinreichend großen Bevölkerungsmenge sind normalverteilt.

Der Intelligenzquotient (IQ) ist eine Kenngröße zur Bewertung des allgemeinen intellektuellen Leistungsvermögens (Intelligenz) eines Menschen. Er wird mit einem Intelligenztest ermittelt und vergleicht die Intelligenz eines Menschen mit dem geschätzten Durchschnitt der Gesamtbevölkerung im selben Zeitraum. Die IQ-Skalen beruhen auf der Normalverteilung der Werte einer getesteten Stichprobe. Hierbei erhält der Mittelwert der Verteilung den Zahlenwert 100. Die Standardabweichung beträgt in der Regel 15 IQ-Punkte. Man kann auch andere Skalierungen festlegen. Über den Bezug zur Normalverteilung lassen sich Werte aus anderen Skalierungen in die IQ-Skala mit dem Mittelwert 100 ohne Informationsverlust umrechnen. Die Werte sind keine Prozentangaben, man kann den IQ aber in eine Prozentrangskala zur Verdeutlichung der Position umrechnen (IQ 100 entspricht einem Wert, den genau 50 % der Population erreichen, mit einem IQ von 115 gehört man zu den 16 % Leistungsbesten).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Der Begriff „Intelligenzquotient“ wurde 1912 von William Stern geprägt. Bei dem 1904 von Alfred Binet entwickelten ersten brauchbaren Intelligenztest wurde die Zahl der gelösten Testaufgaben zum Alter des jeweiligen Kindes in Relation gesetzt. Binet erforschte Einstufungstests für Schulkinder und lehnte es ab, die einem Kind zugeschriebene Punktezahl als „Intelligenz“ zu interpretieren, weil sie nicht mit einer einzigen Zahl abbildbar sei. Er sagte zu diesem Thema wörtlich: „Die Skala erlaubt, ehrlich gesagt, keine Messung der Intelligenz, da intellektuelle Qualitäten nicht addiert und somit nicht wie lineare Oberflächen gemessen werden können.“ Die ursprünglich nur für Kinder, speziell für Schulreifetests, entwickelte IQ-Berechnung wurde später von David Wechsler durch Anwendung der populationsbezogenen Skalierung mit dem Mittelwert 100 auf Erwachsene ausgedehnt.

[Bearbeiten] Berechnungen

[Bearbeiten] Historisch

Alfred Binet, der den ersten brauchbaren Intelligenztest entwickelt hatte, gab die mentale Leistungsfähigkeit als Intelligenzalter an. William Stern setzte dieses Intelligenzalter ins Verhältnis zum Lebensalter und erfand so den Intelligenzquotienten. Lewis M. Terman von der Stanford University entwickelte den von Goddard ins Englische übersetzten Simon-und-Binet-Quotienten weiter. Um die lästigen Kommastellen zu entfernen, multiplizierte er den Intelligenzalter-Lebensalterquotienten mit 100.

{IQ} = \frac{Intelligenzalter}{Lebensalter} \times 100

[Bearbeiten] Modern

Da das Intelligenzalter langsamer zunimmt als das Lebensalter, sinkt der IQ nach Sterns Formel beständig. Terman erkannte dieses Problem auch bei seiner Weiterentwicklung. Um diesem Problem zu begegnen, normierte er für verschiedene Altersgruppen den Test. Die Verteilung glich er für jedes Alter einer Normalverteilung an. Dabei variierte die Standardabweichung je nach Alter zwischen 15 und 16 IQ-Punkten für den entwickelten Stanford-Binet-Intelligenztests (1937) (vgl. Valencia und Suzuki, 2000, S.5 ff.. [1])

Für die heutige Abweichungs-IQ-Skala gilt ein Mittel von 100 und eine Standardabweichung (SD) von 15. Sie findet z.B. Anwendung in der Hamburg-Wechsler-Intelligenztestreihe (vgl. Zimbardo, 1995, S. 529 ff. [2]).

Da nicht alle Testverfahren der Intelligenz sich auf die Abweichungs-IQ-Skala beziehen, muss für einen Vergleich von Werten in ein Skalenniveau transformiert werden. Folgende Formel gibt an, wie von einem beliebigen Skalenniveau (z.B. Standardwerte wie im IST-2000, Mittel = 100, SD = 10) aus in die AW-IQ-Skala umgerechnet werden kann.

Transformation in die Abweichungs-IQ-Skala:

{IQ} = 100 + 15\times\frac{(x-\mu)}{\sigma}

dabei steht

  • x ermittelter Skalenwert im vorliegenden Test
  • μ Mittelwert der verwendeten Skala
  • σ Standardabweichung der verwendeten Skala



Beispiel:
IST-2000: Skalenwert (Person) X = 110 (SW)
Es gilt für die Standardwerteskala (SW): μ = 100 und σ=10

Eingesetzt :{IQ} = 100 + 15\times\frac{(110-100)}{10}=115

Da 110 SW genau eine Standardabweichung über dem Mittelwert ist, sollte gleiches auch für den AW-IQ-Wert gelten. Und, wie berechnet, trifft dies mit einem Wert von 115 auch genau zu. Für diesen Wert hätte man keine Berechnung machen müssen, dies hätte man sofort Aufgrund der bekannten SDs sagen können. Also müsste umgekehrt für einen AW-IQ-Wert von 85, der genau eine Standardabweichung unterhalb liegt, ein Standardwert von 90 herauskommen (vgl dazu auch Lineare Transformation).

[Bearbeiten] Testverfahren

Hauptartikel: Intelligenztest

Bei Binet bestand ein Intelligenztest ursprünglich aus einer Reihe von einzelnen, aber verschiedenen Aufgaben (Subtests). Die Zahl der gelösten Aufgaben wurde zu einem Punktwert addiert. Auch heute noch halten zahlreiche und bewährte Intelligenztests an dieser Grundstruktur fest. Die Aufgaben selbst stellen zum Teil einfache Fragen und Probleme des Alltags dar. Teils handelt es sich um logische oder mathematische Aufgaben (zum Beispiel das Ergänzen von Zahlenreihen). Bereits die ersten Tests umfassten auch das Messen der Gedächtnisspanne. Um den Test auszuführen, war es notwendig, die sprachlichen Anweisungen zu verstehen. Daraus ergab sich die berechtigte methodische Kritik, dass Personen, die diese Anweisung nicht oder nur ungenügend verstehen, schon aus diesem Grund bei einem Intelligenztest schlechter abschneiden.

1956 entwickelte deshalb John C. Raven ein kulturunabhängiges, sprachfreies Verfahren, genannt Progressive Matrizen, das Verzerrungen für Testpersonen aus fremden Kulturen ausschließen sollte. Jedoch hat sich diese Hoffnung auf völlig kulturunabhängige Tests nicht erfüllt, da die Kritiker von IQ-Tests gute Gründe dafür anführten, dass sich kulturell unterschiedliche Denkstile und kulturelle Erfahrungen nicht auf nur sprachliche Unterschiede reduzieren lassen.

Ebenfalls in den 1950er-Jahren entwickelte David Wechsler eine Testreihe, die in elf Teiltests Allgemeinwissen, Wortschatz, rechnerisches Denken, audio-visuelle Aufnahmefähigkeit und Abstraktionsvermögen prüft. Der vom Hamburger Psychologen Curt Bondy modifizierte Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE) ist heute ein gebräuchlicher Test für Probanden zwischen 16 und 74 Jahren. Analog dazu gibt es einen Test für Kinder zwischen 6 und 15 Jahren (HAWIK). Eine weitere Revision von 1983 wird durch ein angehängtes „-R“ gekennzeichnet. Der Kindertest liegt inzwischen in einer weiter überarbeiteten Version (HAWIK-IV, erschienen 2007) vor.

Ein weiterer in Deutschland sehr verbreiteter Test ist der Intelligenz-Struktur-Test (z. B. IST 2000) von Rudolf Amthauer.

Für die Beantwortung der Tests ist in der Regel eine Zeitbegrenzung vorgegeben. Aus der Beobachtung, dass bereits das Aneinanderreihen einfacher Aufgaben (elementare kognitive Aufgaben), zum Beispiel die Aufgabe, zufällig auf einem Blatt angeordnete Zahlen mit möglichst großer Geschwindigkeit in aufsteigender Zahlenfolge zu verbinden, ein Maß der Intelligenz ergibt, entwickelten sich seit etwa 1970 neue theoretische und praktische Ansätze und Weiterentwicklungen, so aus der genannten Aufgabenstellung zum Beispiel der Zahlenverbindungstest (ZVT) von Oswald und Roth. Durch dieses Messen der kognitiven Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und der Gedächtnisspanne mit dem KAI-Test konnte nunmehr die Kurzspeicherkapazität beziehungsweise der Arbeitsspeicher berechnet werden, wodurch der IQ-Begriff durch die Informationspsychologie ergänzt und herausgefordert wurde.

Vor allem in klinischen Untersuchungen (bei Alzheimer zum Beispiel) ergibt sich die Notwendigkeit, das Intelligenzniveau des Patienten näherungsweise zu schätzen. Da ein Intelligenztest von ein oder zwei Stunden Dauer in solchen Fällen völlig unpraktikabel ist, strebt man im klinischen Bereich nach IQ-Kurztests. Ein solcher bewährter Kurztest ist der Mehrfachwahl-Wortschatz-Intelligenz-Test MWT von Siegfried Lehrl.

[Bearbeiten] Kritik am IQ-Begriff

Das Abnehmen eines IQ-Tests – wie anderer vergleichbarer Tests – stößt auf kulturelle Grenzen: In Gesellschaften, in denen solche wissenschaftliche Fragenbatterien keinen erkennbaren Realitätsbezug haben, werden sie als „albern“ o. ä. eingestuft, also z. B. unernst, höflich („was will der Frager wohl am liebsten hören?“) oder gar nicht mehr beantwortet. Dadurch verliert der IQ seine interkulturelle Vergleichbarkeit.

Vergleichbares gilt auch innerhalb von Gesellschaften, z. B. wenn man Kinder und Jugendliche, Untersuchungsgefangene oder Obdachlose testet, erzielen sie im Durchschnitt ein niedrigeres Ergebnis, als ihrer tatsächlichen Intelligenz entspricht, weil sie teilweise aus einer ablehnenden Haltung heraus absichtlich falsche Antworten geben.

Natürlich wirkt sich auch die momentane körperliche und psychische Verfassung der Testperson auf das Ergebnis eines IQ-Tests aus. Für das Lösen von Aufgaben spielt die Konzentrationsfähigkeit eine wichtige Rolle. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Schlechter Schlaf etwa oder eine Stress-Situation wie Stellungssuche werden in der Regel das Ergebnis nach unten hin „verfälschen“. Menschen mit schwerer Prüfungsangst haben generell einen Nachteil bei IQ-Tests.

Einige Wissenschaftler, wie zum Beispiel Theodor W. Adorno, Pierre Bourdieu, Stephen Jay Gould und Howard Gardner kritisieren aus verschiedenen Gründen den IQ-Begriff.

Siehe Hauptartikel: Kritik am Intelligenzbegriff

[Bearbeiten] Literatur

  • Stephen Jay Gould: Der falsch vermessene Mensch. 1999, ISBN 3518281836.
  • K. J. Groffmann: Die Entwicklung der Intelligenzmessung. In: R. Heiss (Hrsg.): Psychologische Diagnostik. C. J. Hogrefe, Göttingen 1964, S. 148–199. (= Handbuch der Psychologie; 6)
  • Jürgen Guthke: Ist Intelligenz meßbar? Einführung in Probleme der psychologischen Intelligenzforschung und Intelligenzdiagnostik. 2. Auflage. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1980.
  • Walter Gutjahr: Die Messung psychischer Eigenschaften. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1977, ISBN 3-462-01116-2.
  • Siegfried Lehrl: Arbeitsspeicher statt IQ. Vless, Ebersberg 1997, ISBN 3885620790.
  • Linda S. Gottfredson: The General Intelligence Factor. In: Scientific American. Exploring Intelligence. 9, Nr. 4, Winter 1998 (Online).

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Valencia, R.R., Suzuki, L.A. (2000). Intelligence Testing and Minority Students: Foundations, Performance Factors, and Assessment Issues. New York: Sage
  2. Zimbardo, P.G.(1995). Psychologie. Heidelberg: Springer
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