Maschinenstürmer

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Die Maschinenstürmer waren eine revolutionäre Bewegung gegen die von kapitalistischen UnternehmernKarl Marx spricht von der neuen Klasse „industrieller Kapitalisten[1], Ernst Nolte von „Industriebürgertum“[2] – vorgenommene Maschinisierung in der Industriellen Revolution.

Mit dem Einsetzen der Industrialisierung im ausgehenden 18. Jahrhundert erfuhren viele Menschen, dass der zunehmende Einsatz von Maschinen Arbeitsplätze vernichtete; in der Folge zerstörten empörte und rebellierende Arbeiter wiederholt Maschinen. Der sogenannte Maschinensturm nahm in Deutschland und England unterschiedliche Ausmaße an.

Gegen den häufig erhobenen Vorwurf der Technikfeindlichkeit der Maschinenstürmer hat der britische Historiker Eric Hobsbawm in seinem Aufsatz "The Machine Breakers" (in: Hobsbawm: "Labouring Men", 1964) argumentiert, dass die Zerstörung der Maschinen den Arbeitern als Druckmittel zur Abwehr von Lohnsenkungen und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen diente, da sie zur damaligen Zeit zur Durchsetzung ihrer kollektiven Interessen keine legalen Mittel, wie Arbeitskampf und Tarifverhandlungen, zur Verfügung hatten. Folgerichtig bezeichnet Hobsbawm den Maschinensturm als eine Form der Kollektivverhandlung durch Aufruhr ("collective bargaining by riot"). Auch der deutsche Sozialhistoriker Rolf Peter Sieferle dokumentiert zahlreiche Fälle des Maschinensturms bereits im 18. Jahrhundert, denen gemeinsam war, "dass sie im Zusammenhang mit Arbeitskämpfen stattfanden" und - bei Abwesenheit von Gewerkschaften - als "wichtiges Druckmittel zur Durchsetzung von (Lohn-)Forderungen"[3] diente.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] England

Siehe Hauptartikel: Luddismus

Die bekanntesten englischen Maschinenstürmer waren die Ludditen. Der Maschinensturm war für sie gut kalkulierte Politik, da sie alle anderen Mittel des Protests gegen die industrielle Revolution als gescheitert ansahen. Gewalt wurde organisiert und diszipliniert eingesetzt. In Mittel- und Unterschicht erfuhren die Ludditen viel Sympathie.

Hauptsächlich Weber und Spinner taten sich zusammen, zerstörten Webstühle und Fabriken. Dies erfolgte oft in Form von Sabotage. Sie ermordeten sogar Erfinder, von denen sie sich um Lohn und Brot gebracht glaubten.

Am bekanntesten wurde der Aufstand der englischen Ludditen, benannt nach ihrem Anführer Ned Ludd (Ludlam), der sich seinem Vater (oder Meister) widersetzte und aus Protest die Nadeln in dessen Strumpffabrik zerbrach. Andere Quellen betiteln "Captain" oder "General Ludd" als Anführer der ersten Proteste.

1811/1812 kam es zu einem regelrechten Aufruhr in Nottingham, den der englische Staat durch 12.000 Soldaten niederschlagen ließ. Erst ein Gesetz ("frame-breaking-bill"), das Maschinensturm unter Todesstrafe stellte und die Forderungen der Ludditen erfüllte, brachte ein Ende in Nottingham.

Später wurden die Erleichterungen allerdings wieder zurückgenommen. "Ludd" und die anderen Anführer wurden zum Tode verurteilt. Die anderen Aufständischen wurden nach Australien deportiert. Solche Strafen, wie auch mehrjährige Gefängnisstrafen, waren in England üblich.

1816 folgten weitere "Ludditen-Unruhen", aufgrund einer erneuten Verschlechterung der Arbeitersituation.

Die letzten englischen Maschinenstürmer gab es in den 1830er Jahren in der Landwirtschaft. Hier stand ein "Captain Swing" im Kampf gegen die Dampfmaschine in der Agrarwirtschaft.

[Bearbeiten] Deutschland

In Deutschland kam es zwischen 1830 und 1847 ebenfalls zu Maschinenstürmen, allerdings in geringerem Umfang, so dass hier besser von "Maschinenprotest" als Maschinensturm zu sprechen ist. Protest, Gewalt und Aufruhr richteten sich dabei selten gegen die Maschinen als solche, sondern eher gegen die ausländische Konkurrenz aus England, Frankreich und Belgien. Diese überschwemmte den deutschen Markt und verdarb die Preise.

Weiterhin richteten sich die Proteste gegen Verlegerkaufleute und Unternehmer vor Ort, die durch die Lohnsenkung den Arbeitern ihre "Nahrung" nahmen und sie außer Arbeit setzten. Erst in diesem Zusammenhang gerieten die Maschinen in den Blickpunkt der Kritik. Militär und Justiz in Deutschland gingen ähnlich hart gegen die Maschinenstürmer vor wie in England.

Man analysierte die Unruhen und stellte Missstände in den Arbeitsbedingungen fest. Teilweise bemühte man sich um die Aufstellung einer Fabrikenordnung, um die Missstände zu beseitigen, doch diese "Aachener Fabrikenordnung" scheiterte am preußischen Staatsministerium.

In Eupen, Aachen und Schlesien (siehe auch Weberaufstand) sahen die Regierungen die Schuld für die Unruhen eindeutig bei den Fabrikanten, die z. B. durch zu niedrige Löhne indirekt zu den Unruhen beigetragen hatten.

[Bearbeiten] Schweiz

Der bekannteste Fall eines Maschinensturms fand 1832 in Oberuster, der sogenannte Usterbrand, statt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Martin Henkel / Rolf Taubert: Maschinenstürmer. Ein Kapitel aus der Sozialgeschichte des technischen Fortschritts. Syndikat, Frankfurt am Main 1979.
  • David F. Noble: Maschinenstürmer oder die komplizierten Beziehungen der Menschen zu ihren Maschinen, Wechselwirkung-Verlag, Berlin 1986.
  • Rolf Peter Sieferle: Fortschrittsfeinde? Opposition gegen Technik und und Industrie von der Romantik bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 1984.
  • Michael Spehr: Maschinensturm. Protest und Widerstand gegen technische Neuerungen am Anfang der Industrialisierung. Westfälisches Dampfboot, Münster 2000.
  • Eric J. Hobsbawm: The Machine Breakers, In: Past and Present, No. 1 (Feb. 1952), pp. 57-70.

[Bearbeiten] Belege

  1. Zur Genesis des "industriellen Kapitalisten" siehe Karl Marx: Das Kapital. Erster Band. Dietz Verlag, Berlin 1962, S. 777ff.
  2. Ernst Nolte: Marxismus und Industrielle Revolution. Klett-Cotta, Suttgart 1983, S. 84.
  3. Rolf Peter Sieferle: Fortschrittsfeinde? Opposition gegen Technik und und Industrie von der Romantik bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 1984, S. 69f.
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