O-Antiphonen
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O-Antiphonen sind in der katholischen Liturgie seit sehr früher Zeit (mindestens seit dem 7. Jahrhundert) die Antiphonen zum Magnificat in der Vesper der letzten sieben Adventstage vor dem Heiligen Abend, also vom 17. bis 23. Dezember.
Sie beginnen jeweils mit einer dem Alten Testament entnommenen bildhaften Anrede des erwarteten Messias (z. B. „O sapientia“), preisen sein ersehntes Wirken und münden in den Ruf „Veni!“ – „Komm!“. Der Name leitet sich von der Anrufung „O“ her, mit der jede der Antiphonen beginnt.
O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israel,
du öffnest und niemand kann schließen,
du schließest und niemand vermag wieder zu öffnen.
Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker die Gefangenen,
die da sitzen in Finsternis
und im Schatten des Todes.
In den Heilige Messen der betreffenden Tage werden Kurzfassungen der O-Antiphonen seit der letzten Liturgiereform auch als Vers im Ruf vor dem Evangelium gesungen.
Die O-Antiphonen wie auch die Schriftlesungen der letzten Adventswoche bringen in besonderer Weise den freudigen Charakter der Adventszeit zum Ausdruck, die seit ältester Zeit (mit regional unterschiedlichen Akzenten) neben einer Buß- und Fastenzeit auch eine schon weihnachtlich geprägte Zeit der Vorfreude war.
[Bearbeiten] Antiphonen
- 17. Dezember: O sapientia (O Weisheit)
- 18. Dezember: O Adonai (O Herr)
- 19. Dezember: O radix Jesse (O Wurzel Jesse)
- 20. Dezember: O clavis David (O Schlüssel Davids)
- 21. Dezember: O oriens (O Aufgang)
- 22. Dezember: O rex gentium (O König der Völker)
- 23. Dezember: O Emmanuel (O Immanuel, Gott mit uns)
Aus der Paraphrase der O-Antiphonen ist ein bekanntes Adventslied entstanden, das es in verschiedenen Fassungen gibt:
- Veni, veni Emmanuel (Text: Köln 1722, erweitert durch Thesy Schweitzer; Melodie: Gesangbuch Paderborn 1619)
- O komm, o komm, Emmanuel (Text: nach Heinrich Bone in Cantate 1852; Melodie: Kölner Gesangbuch 1852)
- O komm, o komm, du Morgenstern (Text: Otmar Schulz nach dem englischen „O come, o come Emmanuel“, 1975; Melodie: Frankreich 15. Jh.)
Gelegentlich wird darauf hingewiesen, dass sich die Anfangsbuchstaben der sieben Messiasanreden rückwärts als zwei lateinische Wörter lesen lassen: Ero cras, „ich werde (da) sein – morgen“. Dieses sprachlich etwas gewaltsame und sicher nicht von einem „Verfasser“ beabsichtigte Akrostichon ist eine sinnreiche Merkhilfe.


