René Schickele

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René Schickele (* 4. August 1883 in Oberehnheim im Elsass; † 31. Januar 1940 in Vence, Alpes-Maritimes) war ein deutsch-französischer Schriftsteller, Essayist und Übersetzer.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Er war Sohn eines deutschen Weingutbesitzers und Polizeibeamten und einer französischen Mutter. Nach dem Studium der Literaturgeschichte, der Naturwissenschaften und der Philosophie (in Straßburg, München, Paris und Berlin) gab er zusammen mit seinen Freunden Otto Flake und Ernst Stadler nacheinander mehrere Zeitschriften heraus und veröffentlichte mehrere Gedichtbände. Sein Werk als Schriftsteller ist durch die Sonderstellung des Elsass im Spannungsfeld der französischen und deutschen Kultur geprägt. Schickele wurde 1914 Herausgeber der Zeitschrift Die weißen Blätter, die durch ihn zu einer der wichtigsten Zeitschriften des Expressionismus wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg zog er nach Badenweiler und engagierte sich leidenschaftlich für die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich u.a. im Rahmen seiner Wirkung in der Preußischen Akademie der Künste / Sektion Dichtkunst. In Badenweiler verbanden ihn Freundschaften mit der Schriftstellerin Annette Kolb und dem Maler Emil Bizer.

Schon im Jahr 1932 ahnte er die drohende Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und emigrierte in das südfranzösische Sanary-sur-Mer, einem kleinen Fischerdorf, in dem Katherine Mansfield lebte sowie auch Heinrich und Thomas Mann, Arnold Zweig, Franz Werfel, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Bert Brecht und andere deutsche Literaten. Dort verfasste er aus seiner Enttäuschung über das Scheitern der Weimarer Republik heraus den Roman Die Witwe Bosca.

Schickele, vor dem 1. Weltkrieg auch als Journalist und Politiker aktiv, war ein hellhöriger Beobachter seiner Zeit, der Politik, Gesellschaft und Kultur scharf charakterisierte und kritisierte. Seine essayistischen Texte publizierte er in seinen Zeitbüchern Schreie auf dem Boulevard (1913), Die Genfer Reise (1919), Wir wollen nicht sterben (1922). In seinen beiden nächsten Zeitbüchern Die Grenze (1932) und Himmlische Landschaft (1933) ging er von der Schönheit der Landschaft aus, die Deutsche und Franzosen verpflichte, einen gemeinsamen europäischen Weg zu gehen. Schickeles letzte essayistische Texte Liebe und Ärgernis des D. H. Lawrence (1935) und das einzige in französischer Sprache verfasste wehmütig pessimistische Buch Le Retour (1938) zeugen von Schickeles Enttäuschung über die misslungene Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich und belegen seine schmerzhafte Entscheidung für das demokratische Frankreich, wo er einige Monate vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht an Herzversagen starb. 1956 wurden seine sterblichen Überreste auf den Friedhof in Badenweiler-Lipburg überführt. Man findet das Grab in der Nähe der Friedhofskapelle unter der Grabnummer 159/160.Der Ort der letzten Ruhestätte spiegelt das, wofür René Schickele gelebt hat: Vom außerhalb des Ortes hoch gelegenen Friedhof hat man einen herrlichen Blick über die deutsche und französische Landschaft am Oberrhein. In Lipburg findet man im Gasthof "Schwanen" eine René-Schickele-Stube, die mit Erinnerungsstücken an den Dichter dekoriert ist, der oft dort, bevorzugt im Garten, zu Gast war.

Als Schickeles bekanntestes Werk gilt die Romantrilogie Das Erbe am Rhein (1925-31): Maria Capponi (1925), Blick auf die Vogesen (1927), Der Wolf in der Hürde (1931).

Im Geiste René Schickeles möchte die im Jahre 1968 gegründete René-Schickele-Gesellschaft (Culture et Bilinguisme d'Alsace et de Moselle) mit ihrem Einsatz für die französisch-deutsche Zweisprachigkeit unter Einbindung des Dialekts eine Brücke sein zwischen der deutschen und französischen Kultur.

Nach ihm benannt wurde der René-Schickele-Preis, der allerdings nur einmal, im Jahr 1952, verliehen wurde.

[Bearbeiten] Werke (in Auswahl)

  • Sommernächte. Straßburg 1902.
  • Pan. Sonnenopfer der Jugend. Straßburg 1902.
  • Mon Repos. Berlin, Leipzig 1905.
  • Voltaire u. seine Zeit. Berlin, Leipzig 1905.
  • Der Ritt ins Leben. Stuttgart, Berlin, Leipzig, 1906.
  • Der Fremde. Berlin 1909.
  • Weiß u. Rot. Berlin, 1910.
  • Meine Freundin Lo. Berlin 1911. (Erweiterte Fassung 1931)
  • Schreie auf dem Boulevard. Berlin 1913.
  • Benkal der Frauentröster. Leipzig 1914.
  • Die Leibwache. Leipzig 1914.
  • Mein Herz mein Land. Leipzig 1915.
  • Das Glück. Rudolstadt 1919.
  • Der neunte November. Berlin 1919.
  • Die Genfer Reise. Berlin 1919
  • Wir wollen nicht sterben! München 1922.
  • Ein Erbe am Rhein. Berlin 1925 (Späterer Titel: Maria Capponi; Band 1 von Das Erbe am Rhein).
  • Symphonie für Jazz. Berlin 1925.
  • Blick auf die Vogesen. Berlin 1927 (Band 2 von Das Erbe am Rhein).
  • Der Wolf in der Hürde. Berlin 1931 (Band 3 von Das Erbe am Rhein)
  • Die Witwe Bosca. Berlin 1933.
  • Liebe und Ärgernis des D. H. Lawrence. 1935
  • Die Flaschenpost. Amsterdam 1936.
  • Le Retour. 1938.
  • Werke in 3 Bänden, herausgegeben von Hermann Kesten. Köln, Berlin 1959.
  • Überwindung der Grenze. Essays zur deutsch-französischen Verständigung. Herausgegeben von Adrien Finck. Kehl, Straßburg, Basel 1987. ISBN 3-88571-166-4
  • Großstadtvolk Jahr: k.A.

[Bearbeiten] Literatur

  • Friedrich Bentmann (Hrsg.): René Schickele. Leben und Werk in Dokumenten. 2. Aufl. Carl-Verlag, Nürnberg 1976, ISBN 3-418-00553-5.
  • Albert M. Debrunner: Freunde es war eine elende Zeit! René Schickele in der Schweiz 1915-1919. Huber, Frauenfeld 2004, ISBN 3-7193-1315-8.
  • Hanns Heinz Ewers, Victor Hadwiger, Erich Mühsam, René Schickele: Führer durch die moderne Literatur. 300 Würdigungen der hervorragendsten Schriftsteller unserer Zeit. Revonnah Verlag, Hannover 2006, ISBN 3-934818-23-4 (korrigierter und kommentierter Neudruck der Erstausgabe [Berlin 1906] von Arne Glusgold Drews und Danielle Winter).
  • Jahre des Unmuts. Thomas Manns Briefwechsel mit René Schickele 1930-1940, hrsg. von Hans Wysling und Cornelia Bernini, Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1992, ISBN 978-3-465-02517-7
  • Annemarie Post-Martens (Hrsg): Rene Schickele. Die blauen Hefte. Edition und Kommentar ("Edition Text"; 5). Stroemfeld Verlag, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-87877-871-6 (2 Bde.).
  • Holger Seubert: Deutsch-französische Verständigung: René Schickele. Verlag Eberhard, München 1993, ISBN 3-926777-32-X.
  • Hans Wagener: Rene Schickele. Europäer in neun Monaten. Bleicher, Gerlingen 2000, ISBN 3-88350-667-2.

[Bearbeiten] Weblinks

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