Sterntagebücher

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Die Sammlung Sterntagebücher ist eine Zusammenstellung verschiedener Reisen des fiktiven „Weltraummünchhausens“ Ijon Tichy aus der Feder des Autors Stanisław Lem. Die Titel der einzelnen Kurzgeschichten beschränken sich dabei auf eine unvollständige, aber chronologische Nummerierung. Trotz des unbestreitbar humoristischen Hintergrunds kommt Lem an vielen Stellen ins Philosophieren (vor allem über Zeitreisen, Roboter usw.).

Der Titel der 1957 erschienenen polnischen Originalausgabe ist Dzienniki gwiazdowe.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kapitel der Sterntagebücher

  • Vorwort
  • Vorwort zur erweiterten Ausgabe
  • Siebte Reise. Ijon Tichy ist alleine auf dem Weg zur Beteigeuze, als ein kleiner Meteor die Steuerung seiner Rakete zerstört. Alles kein Problem, denn Tichy hat sowohl ein Ersatzteil als auch passendes Werkzeug dabei. Er braucht lediglich eine zweite Person, um das andere Ende der Schraube festzuhalten. Steuerungslos gerät Tichy in den Einflussbereich von Gravitationsstrudeln, die einige Zeitüberschneidungen erzeugen. Tichy taucht hier in größerer Zahl auf und steht sich auf witzige Weise selbst im Weg. Er erlebt manchmal Begegnungen zweifach und die Rakete füllt sich immer mehr mit Inkarnationen seiner selbst aus Vergangenheit und Zukunft. Tichy wird nur gerettet, weil zwei Jünglingsausgaben seiner selbst die Schraube festdrehen, worauf die Steuerung wieder geht.
  • Achte Reise. Die achte Reise findet nur als Traum des Protagonisten statt. Ijon Tichy als Delegierter der Erde als Kandidat beim Rat der Organisation der Vereinigten Planeten. Sprachliche Probleme können mit Hilfe einer informativ-translativen Tablette überwunden werden. Es bleiben körperliche und vordringlich kulturelle Schwierigkeiten für einen Menschen (kategorisiert als Typus Aberrantia > Nekroludentia > Monstroteratus Furiosus, Abseitige > Leichenspieler > Gräßel-Wüteriche). Fazit unseres Werdegangs: Entwicklung durch Wettrüsten, Bombe vor Kraftwerk, Fleischfresserei. Anschuldigung z. B. Ausrottung der besseren Neandertaler und Geschichtsfälschung. Kann eine Zivilisation ihren extraplanetaren Ursprung nicht erforschen, gerät sie auf die Irrwege von Glaubenslehren, geschaffen aus Verwirrung und Verzweiflung. Erstaunliche Erklärung für UFOs vor dem alles verändernden Ende.
  • Elfte Reise. Ijon Tichy wird in geheimer Mission auf einen Planeten entsandt, auf dem vor sechzig Jahren der Milchfrachter "Gottesgabe" abgestürzt ist. Der Bordcomputer des Raumschiffes hat nach diesem Unfall einen Roboterstaat gegründet, der sich propagandistisch gegen die Menschheit richtet. Er nennt sich selbst nach seiner früheren Aufgabe "Der Kalkulator". Sämtliche Agenten die auf diesen Planeten zur Aufklärung geschickt worden sind verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Tichy wird auf dieser Reise als Maschine verkleidet und auf dem Planeten abgesetzt. Er lernt die merkwürdigen Sitten der Roboter kennen und klärt das Mysterium um den Kalkulator letztendlich auf.
  • Zwölfte Reise. Bei dieser Exkursion reist Ijon Tichy auf den Planeten Amauropien im Sternbild des Zyklopen um eine von Professor Tarantonga entwickelte Maschine zu testen. Dabei handelt es sich um einen Zeitstrecker bzw. Zeitbeschleuniger, der je nach Einstellung die Zeit beschleunigen oder eben verlangsamen kann. Auf dem Planeten leben niedrig entwickelte Wesen namens Mikrozephalen. An diesen probiert Tichy die Zeitbeschleunigung aus und gerät dadurch mehr als einmal in Lebensgefahr. Je nach Entwicklungsstufe beten die Wesen ihn an oder verfolgen und verhaften ihn. Letztlich bricht Tichy das Experiment ab und lässt die Zeit rückwärts laufen.
  • Dreizehnte Reise (auch: Die Fahrt zum Meister Oh) Meister Oh gilt als 'Wohltäter des Kosmos', da er verschiedene galaktische Zivilisationen mittels sozial-technologischer Errungenschaften (sog. Prothesen) beglückt und in Harmonie geführt hat, so zum Beispiel in Europien durch 'Ableiter für unfreundliche Gefühle'. Tichy bricht zu einer neunjährigen Reise zum Planeten Hinterschein auf, um Meister Oh kennenzulernen. Aus Unachtsamkeit gerät er aber zwischen die zerstrittenen Zwillingsplaneten Pinta und Panta. Auf Pinta steht alles unter Wasser und das Volk versucht 'fischiger' zu werden. Tichy wird von der Polizei Pintas verhaftet und verurteilt, da er eine Dose Sprotten an Bord hat. Tichy kann entkommen, wird aber diesmal von der Polizei von Panta verhaftet. Alle Einwohner Pantas sehen gleich aus, haben keine Namen und tauschen alle vierundzwanzig Stunden ihren Platz in der Gesellschaft (Herrscher, Gärtner, Lehrer, Väter, Schwestern): Das Individuum wurde abgeschafft. Tichy wird unter anderem 'persönliche Differenziertheit' vorgeworfen. Als schlimmste Strafe droht Tichy Ausschluss aus der Gesellschaft und die Verstossung, worauf sich Tichy bereitwillig schuldig sprechen lässt. Als er erfährt, dass die Pantische Gesellschaftsordnung auf Ideen von Meister Oh beruht, schwindet Tichys Lust den Meister zu treffen.
  • Vierzehnte Reise
  • Achtzehnte Reise Der theoretische Physiker Prof. Rasglas hat herausgefunden, dass das Universum spontan aus einem 'Nichts' entstanden sein muss. Somit existiert das Universum 'auf Kredit' und könnte jeden Moment wieder in Nichts zurückfallen. Um diesen gefährlichen Zustand zu beheben, beschliessen Prof. Tarantoga, Rasglas und Tichy ein einzelnes Elektron durch die Zeit zurück an den Anfang des Universums zu schiessen, damit es einen Grund für dessen Existenz gäbe. Um diese einmalige Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, wollen sie auch gleich gewisse Verbesserungen am Universum im Allgemeinen und an den Menschen im Besonderen im Elektron 'einprogrammieren'. Leider haben der Laborant Hauffen und seine zwei Bekannten Ast. A. Roth und Boels E. Bubb andere Ideen...
  • Zwanzigste Reise Tichy erhält Besuch von sich selbst aus der Zukunft. Sein künftiges Ich zwingt ihn ins Jahr 2661 zu reisen, um Direktor eines Programms zu Verbesserung der Geschichte des Sonnensystems zu werden. Im Vergleich zu den hohen kosmischen Zivilisationen schämen sich die künftigen Menschen ihrer Geschichte voller 'Schlächtereien im Stammbaum' und wollen sie mittels gezielter Interventionen von zeitreisenden Agenten ausbessern. Im Laufe des gigantischen Projekts häufen sich die Havarien, Fehler und Inkompetenzen, welche zu genau demjenigen Geschichtsverlauf führen, den wir kennen. Tichy verbannt zur Strafe nach und nach immer mehr der verantwortlichen Abteilungsleiter an verschiedenste Stellen in der Vergangenheit der Menschheitsgeschichte, wo sie ihrerseits zu herausragenden historischen Figuren werden.
  • Einundzwanzigste Reise Tichy nutzt Hopfstoßers Theorie zur Entdeckung der am höchsten entwickelten Kosmos-Zivilisationen, um den hochentwickelten Planeten Dychtonien als Reiseziel zu wählen. In Dychtonien ist die totale körperliche Autonomie realisiert. Technologie erlaubt hier prinzipiell alle denkbaren Körperformen und -funktionen zu realisieren. Tichy wird von einer Gruppe von barmherzigen Mönchen versteckt, da er einen illegalen Körper besitzt, und erfährt von ihnen die erstaunliche Geschichte des Planeten. Und die ungewöhnliche Natur der Mönche.
  • Zweiundzwanzigste Reise
  • Dreiundzwanzigste Reise
  • Vierundzwanzigste Reise
  • Fünfundzwanzigste Reise
  • Achtundzwanzigste Reise

[Bearbeiten] Weitere, in der dt. Ausgabe enthaltene Texte

Deutsche Ausgaben der Sterntagebücher beinhalten außerdem in unterschiedlicher Zusammenstellung weitere Texte Ijon Tichys:

  • Aus den Erinnerungen Ijon Tichys I. In dieser Episode trifft Tichy den solipsistischen Professor Corcoran, der nur an die Existenz seines eigenen Ichs glaubt. Siehe dazu Descartes. Zur Unterstreichung seiner philosophischen Weltanschauung hat Corcoran einige Elektronengehirne in einem Zustand der virtuellen Realität versetzt. Wie diese elektronische Simulation verläuft seiner Meinung auch das Geschehen in unserer Welt ab, die wir für real halten.
  • Aus den Erinnerungen Ijon Tichys II. Tichy wird eines Tages von dem ihm unbekannten Professor Decantor besucht, der meint eine Möglichkeit zur Konservation einer "Seele" erfunden zu haben. Sie verleiht einem bestimmten Menschen relative Unsterblichkeit. Das Behältnis dieser Seele muss allerdings unter einem großen Kostenaufwand erstellt werden. Doch der Preis der Unsterblichkeit ist hoch: Man verliert die menschliche Hülle und sämtliche Wahrnehmungssinne - und die Seele existiert also in völliger Weltabschottung, existiert also sozusagen im völligen Nichts. Decantor hat zur Demonstration die Seele seiner eigenen Frau "konserviert" und diese Vorstellung ist für Tichy so schrecklich, daß er seinen gesamten Besitz hergibt, um die arme Seele von ihrem - wie er meint - furchtbaren Dasein "im Nichts" zu erlösen. Er überredet Decantor das Behältnis zu zerbrechen, womit die darin enthaltene Seele stirbt. Diese Geschichte regt zum Nachdenken über das Thema Tod und Erlösung an.
  • Aus den Erinnerungen Ijon Tichys III. An einem stürmischen Tag gerät Tichy auf einem Spaziergang zu einem alten Anwesen. Der Hausherr stellt sich als der Misanthrop Professor Sasul heraus. Erst nach einer emotionalen Diskussion gewährt er Tichy Einlass und führt ihn in ein Labor. Dort findet Ijon Tichy einen Menschen in einem Tank vor, der exakt wie Sasul aussieht. Sasul erklärt, dass er diesen Menschen in einem künstlichen Prozess erzeugt hat und dass er eine Kopie von ihm ist. Heute würde man dies wohl als Klonen bezeichnen. Am Ende bekommt Tichy es noch mit der Angst zu tun, als der mutmaßliche Professor Sasul preisgibt, dass er in Wirklichkeit die Kopie des Professors ist.
  • Aus den Erinnerungen Ijon Tichys IV. Dieses Mal wird Tichy von einem Mann namens Molteris besucht, der eine Zeitmaschine erfunden haben will. Anschaulich demonstriert er seine Erfindung und überzeugt Tichy von der Funktion der Maschine. Schließlich will Molteris selbst durch die Zeit reisen, sieht dabei aber nicht voraus, dass der Zeitreisende auch beschleunigt altert. Durch diesen Fehler gehen Molteris' sterbliche Überreste und die Zeitmaschine irgendwo in der Zukunft verloren.
  • Aus den Erinnerungen Ijon Tichys V (Die Waschmaschinen-Tragödie). Tichy schildert wie der Konkurrenzkampf zwischen zwei Waschmaschinenherstellern zu einem neuen Robotergeschlecht und einer Menge juristischer Probleme führt. Diese Geschichte ist auch mit Tichys elfter Sternenreise verknüpft, bei der der Kalkulator vom Raumschiff "Gottesgabe" einen Roboterstaat gründete.
  • Professor A. Donda Der titelgebende Professor Affidavit Donda entdeckt während seiner Arbeit in einem afrikanischen Entwicklungsland, dass auf Computern gespeicherte Informationen ein Gewicht haben. Dies wird jedoch zu spät entdeckt, sodass sich eine kritische Masse an Daten bildet, deren Explosion alle elektronischen Geräte weltweit zerstört und damit die menschliche Zivilisation stark beeinträchtigt.
  • Die Anstalt des Doktor Vliperdius Durch Zufall wird Tichy in dieser Episode auf eine Nervenheilanstalt für Roboter aufmerksam, die er auch umgehend besucht. Er unterhält sich mit einigen Insassen, die Probleme aufweisen, wie sie auch bei Menschen vorkommen. Ein Patient äußert zum Beispiel die Befürchtung, dass sein komplettes Leben ihm vorgegaukelt wird und er lediglich eine Maschine ist, ohne eigene Seele und Bewusstsein.
  • Doktor Diagoras
  • Retten wir den Kosmos (Offener Brief Ijon Tichys)
  • Vom Nutzen des Drachens Auf dem Planeten Abrasien lebt ein riesiger, einer Bergkette ähnelnder Drache, dessen Bewegungen Teile der Anrainerstaaten unbewohnbar machen. Die Bevölkerung des Planeten hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Drachen durch Fütterungen („Export“ von Nahrungsmitteln) milde zu stimmen. Bei Recherchen vor Ort erfährt Tichy, dass die gesamte Wirtschaftsordnung nur auf den Drachen ausgerichtet ist, obwohl von ihm faktisch keine Gefahr ausgeht, da der Drache ohne Fütterung eingehen würde. Am Ende der Geschichte steht die Aussage, der Drache sei für die Abrasier zum Prinzip und zu einer Art Staatsräson geworden.

Außerdem erschien in der deutschen Ausgabe des Playboys im Oktober 1996:

  • Ijon Tichys letzte Reise

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Stanislaw Lem: Sterntagebücher. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-518-36959-8.

[Bearbeiten] Weblinks

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