Antiochos IV.

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem König des Seleukidenreiches; für den König von Kommagene siehe Antiochos IV. (Kommagene).
Büste des Antiochos IV., Altes Museum, Berlin.

Antiochos IV. Epiphanes (griech. der Erschienene (Gott); * um 215 v. Chr.; † 164 v. Chr.) war ein König aus der Dynastie der Seleukiden. Er war der jüngste Sohn des Antiochos III. und der Laodike von Pontos. Laut Diodor galt Antiochos als mächtigster König seiner Zeit.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eine der Bedingungen des Friedens von Apameia 188 v. Chr. musste Antiochos von seinem Vater als Geisel nach Rom entsandt werden. Dort lebte er zehn Jahre lang, bis er 178 v. Chr. gegen seinen Neffen Demetrios ausgetauscht wurde.

Antiochos lebte danach mehrere Jahre in Athen, bis er mit der Hilfe der Attaliden als Gegenprätendent zu seinem Bruder Seleukos IV. aufgebaut wurde. Noch bevor er die Grenze zum Seleukidenreich erreicht hatte, wurde Seleukos IV. ermordet. Antiochos konnte dadurch 175 v. Chr. kampflos die Macht übernehmen, indem er sich zum Vormund seines gleichnamigen Neffen erklärte, dessen Mutter heiratete und den Mörder seines Bruders, Heliodoros, hinrichten ließ. Laut Appian[1] erhielt er dafür von der Bevölkerung Syriens den Beinamen epiphanes („der Erscheinende“) verliehen, da er sich durch die Beseitigung des Usurpators als rechtmäßiger König erwiesen habe. Antiochos ließ sich daraufhin als theos epiphanes („erscheinender Gott“) propagieren und verdrängte seinen Neffen, für den er eigentlich nur stellvertretend regieren sollte, aus der Herrschaft. Der gewaltsame Tod des Neffen im Jahr 170 v. Chr. ging vermutlich auf seine Veranlassung zurück.

Antiochos IV. sicherte seine Herrschaft nach außen durch aufwändige Geschenke und Stiftungen an hellenische Mächte wie Pergamon und Rhodos sowie mehrere Griechenstädte ab. Unter anderem veranlasste er in Athen den Bau des monumentalen Olympieiontempels. Auch von Rom wurde seine Herrschaft anerkannt, was 173 v. Chr. in einen Freundschaftsvertrag mündete, in dem Antiochos die noch ausstehenden Zahlungen aus dem Frieden von Apameia beglich und die gegen Makedonien gerichtete Politik Roms unterstützte.

169/168 v. Chr. kämpfte Antiochos im sechsten syrischen Krieg erfolgreich gegen Ägypten. Nach einem Sieg bei Pelusium konnte er das ganze Nildelta besetzen und Alexandria belagern. Der Sturz der beiden Könige Ptolemaios VI. und Ptolemaios VIII. und die Vereinigung Ägyptens mit Syrien schienen greifbar nahe. Dies führte allerdings zu einer Intervention Roms, das die Bildung eines derart mächtigen hellenischen Großreiches nicht akzeptieren wollte. Auf eine demütigende und ultimative Art und Weise wurde Antiochos am so genannten „Tag von Eleusis“ von einem römischen Gesandten zum Rückzug aus Ägypten aufgefordert. Dieser Gesandte forderte Antiochos IV. auf, sich mit all seinen Truppen aus Ägypten zurück zu ziehen; andernfalls würde Rom dem Seleukidenreich den Krieg erklären. Als Antiochos den Wunsch äußerte, sich zuerst mit seinem Rat zu besprechen, zeichnete der römische Gesandte einen Kreis um Antiochos IV., den nicht verlassen durfte, ohne eine Entscheidung getroffen zu haben. Um ein militärisches Eingreifen Roms, welches kurz zuvor bereits Makedonien unterworfen hatte, abzuwenden, musste Antiochos daher auf die Forderung eingehen und sich nach Syrien zurückziehen. Einmal mehr zeigte sich, wie stark Roms Einfluss im östlichen Mittelmeerraum geworden war.

167 v. Chr. brachte er Jerusalem wieder unter seine Kontrolle, nachdem es dort zu Unruhen gekommen war. Um seine Herrschaft in Jerusalem zu stabilisieren, gründete Antiochos inmitten der Stadtmauern eine griechische Polis, verbot den JHWH-Kult und ließ den Tempel zu einer Kultstätte des Zeus umweihen. Damit aber provozierte er 166 v. Chr. den Aufstand der Hebräer unter dem Hasmonäer Mattatias, der langfristig zur Unabhängigkeit der Provinz Koilesyrien (Judäa, Galiläa, Samarien; heute Palästina und Israel) und zur Bildung eines unabhängigen jüdischen Staates unter den Nachkommen des Mattatias führte.

Antiochos IV. unternahm einen Feldzug in die östlichen Provinzen („obere Satrapien“) Asiens (Anabasis), um diese wieder seiner Herrschaft zu unterwerfen, nachdem sie sich zuvor unter den Parthern und Gräkobaktriern von den Seleukiden losgesagt hatten. Um seine Kriegskasse zu füllen, beabsichtigte er in der Landschaft Elymais einen der Artemis geweihten Tempel zu plündern. Damit scheiterte er jedoch an dem Widerstand der Einheimischen und starb auf dem Rückzug. Seine Abwesenheit von Syrien konnte Judas Makkabäus nutzen, um im Jahr 164 v. Chr. Jerusalem zu erobern und den Tempel von neuem dem hebräischen Gott zu weihen.

In der Forschung wird oft davon ausgegangen, dass Antiochos IV. in dem apokalyptischen Bild von den vier Tieren aus Dan 7,8 EU allegorisch als das „kleine Horn“ bezeichnet wird.[2]

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münze mit dem Abbild Antiochos IV. Auf der Rückseite Apollon auf einem Omphalos. Die griechische Aufschrift lautet ΑΝΤΙΟΧΟΥ ΘΕΟΥ ΕΠΙΦΑΝΟΥ ΝΙΚΗΦΟΡΟΥ (Antiochos, der erschienene Gott, der Siegreiche).

Antiochos IV. war mit Laodike verheiratet, die zuvor schon mit seinem Bruder Seleukos IV. verheiratet gewesen war. Sie war vermutlich identisch mit der Schwestergemahlin des ältesten Bruders, der ebenfalls Antiochos hieß, und wäre somit auch die Schwester von Seleukos IV. und Antiochos IV. gewesen. Mit ihr hatte er mindestens drei Kinder:

Der Seleukidenkönig Alexander I. Balas gab sich als ein unehelicher Sohn von ihm aus.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John D. Grainger: A Seleukid Prosopography and Gazetteer. Brill, Leiden u. a. 1997, ISBN 90-04-10799-1.
  • John D. Grainger: The Fall of the Seleukid Empire 187–75 BC. Barnsley 2015, ISBN 978-1-78303-030-9
  • Jochen Lippstreu: Antiochos IV. als Architekturstifter. In: Wolfram Hoepfner, Gerhard Zimmer (Hrsg.): Die griechische Polis. Architektur und Politik. Wasmuth, Tübingen 1993, ISBN 3-8030-1041-1, S. 131–141.
  • Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie (= Klio. Beihefte NF Bd. 11). Akademie-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-05-004205-2 (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Universität, Habilitations-Schrift, 2004).
  • Otto Mørkholm: Antiochus IV of Syria (= Classica et Mediaevalia. Dissertationes 8). Gyldendalske, Kopenhagen 1966 (Zugleich: Aarhus, Universität, Dissertation, 1966).
  • Josef Wiesehöfer: Συνοίκησις und ἀπωρία χρημάτων. Antiochos IV. und die Heiligtümer der Elymais. In: Norbert Ehrhardt, Linda-Marie Günther (Hrsg.): Widerstand – Anpassung – Integration. Die griechische Staatenwelt und Rom. Festschrift für Jürgen Deininger zum 65. Geburtstag. Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-07911-4, S. 109–120.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Appian, Syriake 45.
  2. Othmar Keel, Urs Staub: Hellenismus und Judentum. Vier Studien zu Daniel 7 und zur Religionsnot unter Antiochus IV. (= Orbis biblicus et orientalis. Bd. 178). Universitäts-Verlag u. a., Freiburg (Schweiz) u. a. 2000, ISBN 3-7278-1321-0, S. 49 ff.
  3. Siehe Grainger: A Seleukid Prosopography and Gazetteer. 1997, S. 52.
Vorgänger Amt Nachfolger
Seleukos IV. König des Seleukidenreiches
175–164 v. Chr.
Antiochos V.