Windengewächse

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Windengewächse
Acker-Winde (Convolvulus arvensis)

Acker-Winde (Convolvulus arvensis)

Systematik
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Windengewächse
Wissenschaftlicher Name
Convolvulaceae
Juss.

Die Windengewächse (Convolvulaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Nachtschattenartigen (Solanales).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beschreibung

[Bearbeiten] Vegetative Merkmale

Windengewächse wachsen als ausdauernde, nur selten als einjährige Pflanzen. Es sind meist krautige Pflanzen, Kletterpflanzen oder verholzende Lianen, selten sind es auch Sträucher oder Bäume. Die Rankbewegung der Pflanzen weist immer entgegen dem Uhrzeigersinn. Die Pflanzen enthalten oftmals Milchsaft. Das Phloem ist meist vom Xylem umgeben. Meist sind Trichome vorhanden, diese sind dann einfach, zweiarmig oder sternförmig.

Die Laubblätter sind nebenblattlos, gestielt, wechselständig und meist einfach, nur selten gelappt oder zusammengesetzt. Meist sind sie ganzrandig, die Nervatur ist fiederig oder handförmig. Gelegentlich sind die Blätter auch stark reduziert. Der Spaltöffnungsapparat hat zwei parallel zu den Schließzellen liegende Nebenzellen (paracytisches Stoma).

Innerhalb der Familie kommen mit der Gattung Seide (Cuscuta) Halb- oder Vollparasiten vor, die nur wenig oder gar kein Chlorophyll besitzen. In einigen Gattungen wurde der C3-Photosynthese-Typ nachgewiesen.[1]

[Bearbeiten] Blütenstände und Blüten

Blütendiagramm der Ackerwinde (Convolvulus arvensis)

Die Blütenstände sind geschlossen, oftmals sind sie auf eine einzige Blüte reduziert. Die Blüten selbst sind radiärsymmetrisch, nur selten gibt es zygomorphe Blüten. Sie haben einen oberständigen Fruchtknoten, bis auf die Blüten der Gattung Hildebrandtia sind sie vollständig.

Der Kelch besteht aus fünf gleichförmigen oder ungleichförmigen Kelchblättern, die sich teilweise zur Fruchtreife vergrößern. Die Krone ist ebenfalls fünfzählig, die Kronblätter sind weit miteinander verwachsen, oftmals groß und auffällig. Trichterförmige Kronen kommen innerhalb der Familie oft vor. Die Kronblätter sind in der Knospe im Uhrzeigersinn zusammengerollt.

Die fünf Staubblätter stehen vor den Kronblättern und ragen meist nicht über die Krone hinaus. Gelegentlich sind die Staubfäden ungleich lang, sie sind gerade oder an der Basis verbreitert, sie können unbehaart oder fein behaart sein. Die Pollenkörner können tricolpate (mit drei Keimfalten versehen) bis multiporat (mit vielen Keimporen versehen) sein, die Oberfläche (Exine) kann stachelig oder glatt sein. Das Gynoeceum besteht meist aus zwei miteinander vereinten Fruchtblättern, nur einige Arten der Prunkwinden (Ipomoea) haben drei vereinte Fruchtblätter. Sie sind nicht gelappt bis tief gelappt, bilden einen zweikammerigen, oberständigen Fruchtknoten und weisen eine zentralwinkelständige Plazentation auf. Je Kammer werden meist ein bis zwei Samenanlagen ausgebildet, nur in der Gattung Humbertia sind es etwa 20. Es wird ein Integument gebildet, die Samenanlage ist tenuinucellat und apotrop (abgewendet). Der Griffel ist ungeteilt oder teilweise bis komplett gespalten, er ist endständig oder auf dem Fruchtknotenwulst stehend. Es existieren ein oder zwei (selten drei) Narben, diese sind köpfchenförmig, abgeflacht und gerade bis gelappt.[1]

[Bearbeiten] Früchte und Samen

Die Früchte sind meist trockene, manchmal aber auch fleischige Kapseln, die aufspringend oder nicht aufspringend sein können. In den Samen befindet sich ein gerader oder gebogener Embryo, dessen Keimblätter gefaltet oder reduziert sind.[1]

[Bearbeiten] Vorkommen und Standorte

Windengewächse kommen weltweit vor allem in den Tropen vor, einige Arten wachsen jedoch auch bis in die gemäßigte Zone. Die größte Vielfalt herrscht auf den amerikanischen Kontinenten sowie in Afrika vor. Einige der Gattungen, beispielsweise Bonamia, Ipomoea, Merremia und Operculina haben weltweite Verbreitungsgebiete, während andere nur auf einem einzigen Kontinent heimisch sind. So gibt es zehn Gattungen, die nur in Amerika vorkommen, 13 afrikanische und zehn asiatische Gattungen.[2]

[Bearbeiten] Systematik

[Bearbeiten] Externe Systematik

Die Windengewächse werden in die Ordnung der Nachtschattenartigen eingeordnet, wo sie eine Schwesterklade zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae) bilden. Beide Familien wiederum bilden ein monophyletisches Taxon, welches eine Schwesterklade zu den Familien Hydroleaceae, Sphenocleaceae und Montiniaceae bildet.

          ┌──── Hydroleaceae
      ┌───┤
  ┌───┤   └──── Sphenocleaceae
  │   │
──┤   └──────── Montiniaceae
  │ 
  │      ┌───── Solanaceae
  └──────┤
         └───── Convolvulaceae

Kladogramm nach [3]

[Bearbeiten] Interne Systematik

In der Familie der Windengewächse werden etwa 60 Gattungen unterschieden. Saša Stefanović, Daniel Austin und Richard Olmstead ordnen diese Gattungen in ihrer phylogenetisch begründeten Systematik der Windengewächse in zwölf Tribus ein, wobei die Merremieae nur vorläufig in der Systematik platziert sind und einige Gattungen innerhalb der Dichondreae auch nur provisorisch aufgenommen wurden.[1]

Die Verhältnisse zwischen den Tribus sind nicht vollständig geklärt, folgendes Kladogramm gibt vermuteten evolutionären Zusammenhänge zwischen den einzelnen Gruppen wieder.

          ┌─ Ipomoeeae
          │
       ┌──┼─ Merremieae
       │  │
     ┌─┤  └─ Convolvuleae
     │ │
     │ └──── Aniseieae
     │
   ┌─┼────── Cuscuteae
   │ │
   │ │   ┌── Jaquemontieae
   │ │   │
   │ │   ├── Maripeae
   │ └───┤
 ┌─┤     ├── Cresseae
 │ │     │
 │ │     └── Dichondreae
 │ │ 
─┤ ├──────── Erycibeae
 │ │
 │ └──────── Cardiochlamyeae
 │
 └────────── Humbertieae

Kladogramm nach [1]

[Bearbeiten] Botanische Geschichte

Ehemalige Familien die heute in die Familie Convolvulaceae eingegliedert sind: Cressaceae, Cuscutaceae, Dichondraceae, Erycibaceae, Poranaceae.

[Bearbeiten] Inhaltsstoffe

Etliche Vertreter der Familie enthalten giftige und/oder psychoaktive Alkaloide, unter anderem Lysergsäureamid und verwandte Substanzen, wie sie auch im Mutterkorn-Pilz zu finden sind.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. a b c d e Saša Stefanović, Daniel Austin und Richard Olmstead: Classification of Convolvulaceae: A Phylogenetic Approach. In: Systematic Botany, Band 28, Nummer 4, 2003. Seiten 791–806. doi:10.1600/02-45
  2. D. F. Austin: Convolvulaceae (Morning Glory Family), 1997. Veröffentlicht im WWW unter [1]. Abgerufen am 18. April 2008.
  3. Mary E. Cosner, Robert K. Jansen und Thomas G. Lammers: Phylogenetic relationships in the Campanulales based on rbcL sequences. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 190, Nummer 1-2, März 1994. Springer Verlag Wien. Seiten 79-94. doi:10.1007/BF00937860

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Windengewächse – Bilder, Videos und Audiodateien
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