Empedokles

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Empedokles

Empedokles (griechisch Ἐμπεδοκλῆς; * um 494 v. Chr. in Akragas [heute Agrigent] auf Sizilien, † um 434 v. Chr. wohl auf dem Peloponnes) war ein antiker griechischer Philosoph (Vorsokratiker), Arzt, Politiker, Priester und Dichter.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Empedokles stammte aus einer vornehmen und wohlhabenden Familie. Nach dem Tode des Tyrannen Theron (473 v. Chr.) begannen in seiner Heimatstadt Akragas unruhige Zeiten; der Sohn und Nachfolger des Tyrannen, Thrasydaios, wurde nach nur einjähriger Herrschaft vertrieben, wobei Empedokles' Vater Meton eine Rolle spielte. Angeblich wurde Empedokles nach Metons Tod die Königswürde angeboten, die er jedoch ablehnte. Jedenfalls setzten sich die Demokraten durch. Empedokles engagierte sich auf der Seite der demokratischen Partei und trat gegen Personen auf, die er verdächtigte, nach der Tyrannis zu streben. So sorgte er für die Auflösung einer Organisation, die als "Die Tausend" bezeichnet wurde und wohl oligarchische Ziele verfolgte. Anscheinend war er ein begabter Redner; Aristoteles bezeichnete ihn sogar als Erfinder der Rhetorik.

Über seine Erfolge auf medizinischem Gebiet wurde unter anderem berichtet, er habe die Einwohner von Selinunt von einer Seuche befreit, indem er auf eigene Kosten durch Anlegung von Kanälen fauliges Wasser eines Flusses durch reines ersetzte. Die Befreiung von der Seuche wird durch Münzprägungen bestätigt, doch ohne Nennung von Empedokles' Namen.

In den vierziger Jahren besuchte er die neu gegründete Stadt Thurioi. Mächtige Gegner verhinderten seine Rückkehr nach Akragas. Nach einer in mehreren Varianten überlieferten Legende setzte er seinem Leben ein Ende, indem er sich in den Ätna stürzte. Diese Überlieferung wird jedoch von der Forschung als unglaubwürdig abgelehnt, ebenso wie andere Behauptungen über die Umstände seines Todes. Der Geschichtsschreiber Timaios von Tauromenion berichtet, Empedokles sei nach Griechenland ausgewandert und habe sich auf der Peloponnes niedergelassen.

[Bearbeiten] Werke

Der Gesamtumfang seiner beiden hexametrischen Gedichte Über die Natur und Entsühnungen betrug nach Diogenes Laertios 5000 Verse. Daraus sind nur Fragmente (zusammen etwa 500 Verse) erhalten geblieben, darunter ca. 60 Verse bzw. Reste von Versen aus dem ersten Buch von Über die Natur, die nur im Straßburger Empedoklespapyrus (P. Strasb. gr. 1665-1666) stehen und erst 1992 identifiziert wurden.

[Bearbeiten] Lehre

Wichtige Quellen für die Lehre des Empedokles sind Angaben von Aristoteles und Plutarch sowie der Aristoteles-Kommentatoren, besonders Simplikios.

[Bearbeiten] Naturphilosophie

Empedokles prägte maßgeblich die Vier-Elemente-Lehre von Feuer, Erde, Luft und Wasser und inspirierte damit spätere Philosophen wie Platon. Dabei sah er Liebe (Philotes) und Hass (Neikos) als Urkräfte, die die vier Elemente zusammenbringen und trennen. Dadurch entstünden Lebewesen und Dinge immer wieder neu in der Welt (Sphairos).

Er verband die gegensätzlichen Theorien des Werdens von Heraklit und des Seins von Parmenides von Elea, indem er das Sein dem Stoff zuschrieb und das Werden der Kraft.

Empedokles schließt sich mit seiner philosophischen Lehre an die milesische Naturphilosophie an, wie sie in den Überlieferungen von Thales und Anaximander erhalten geblieben ist. Er übernimmt jedoch von Parmenides die Auffassung, dass das Seiende als unveränderlich und unvergänglich gedacht werden müsse. Um nicht wie jener deshalb die Realität von Bewegung und Veränderung leugnen zu müssen, unterstellt er - anders als der mit dem gleichen Problem ringende Demokrit -, Bewegung setze nicht leeren Raum voraus, sondern sei als Ortswechsel im Vollen zu denken, ähnlich wie beim Fisch im Wasser. Den Horror vacui (lateinisch für Abscheu vor der Leere) der Natur meinte er mit seinen Experimenten mit einer Klepsydra nachgewiesen zu haben, bei denen er zeigte, dass das Wasser aus dem Behälter erst dann ausfließt, wenn Luft durch eine andere Öffnung nachströmen kann.

Indem er vier qualitativ unterschiedene Bestandteile (Erde, Wasser, Luft und Feuer) voraussetzt, löst er auf seine Weise das Problem des Zugleichs von Sein und Mannigfaltigkeit. Während bei Heraklit die vier Elemente ineinander übergehende Formen des Feuers sind, sieht Empedokles sie als gleich bleibende, in kleinste Teile zerlegbare Grundkörper an. Er hat damit als erster den Gedanken des Aufbaus der physischen Welt aus einer beschränkten Zahl von Elementen in die Vorgeschichte der Wissenschaft eingebracht. Nach seiner kosmologischen Lehre verändert sich das aus vier Elementen bestehende kugelförmige All durch die in ihm wirkenden beiden Kräfte Liebe und Streit auf zyklische Art.

Aristoteles schreibt dem Kosmos des Empedokles zweierlei einander ablösende Zustände zu:

Wie Empedokles sagt, werden die Dinge abwechselnd in Bewegung und wieder in Ruhe versetzt; bewegt werden sie, wenn die Liebe aus der Vielheit die Einheit oder der Streit aus der Einheit die Vielheit herstellt; dagegen ruhen sie in den Zwischenzeiten. (Aristoteles, Physik VIII 1)

Aus diesem Grund sprechen die meisten modernen Versuche der Rekonstruktion der Lehre des Empedokles von vier Zuständen:

  1. In der Zeit der Herrschaft der Liebe, wenn die Elemente völlig miteinander vermischt sind
  2. In der Zeit des Hasses (des Streits), wenn die Elemente völlig voneinander geschieden sind, ist das All in Ruhe
  3. In der Zeit, wenn die Liebe die abgesonderten Elemente zur Vermischung veranlasst bzw.
  4. In der Zeit, wenn der Hass die Vermischung auflöst, kommt der Kosmos in Bewegung

Aufgrund einer anderen Mitteilung des Aristoteles ist hingegen der Kosmos bei Empedokles in ewiger Bewegung (Über den Himmel I 10 279b).

Aus dem homogenen Gemisch der Elemente sonderte sich zunächst die Luft, dann das Feuer, die - indem sie die beiden Halbkugeln des Tages und der Nacht herstellten - die Erde umgeben. Der Himmel besteht aus durch Feuerwirkung eisartig erhärteter Luft. Die am Himmel festgesetzten Fixsterne und Planeten sind gleichfalls feurige Körper. Die Sonne ist in der Tat mit der feurigen Halbkugel identisch. Jene Sonne, die der Mensch am Himmel erblickt, ist das von der Erde zurückgeworfene Licht der wirklichen Sonne. Der Mond erhält sein Licht von der Sonne. Die gegenwärtigen Arten der Lebewesen entstanden in dem vierten Stadium eines phylogenetischen Prozesses.

[Bearbeiten] Phylogenetische Theorie

Die phylogenetische Theorie des Empedokles wurde bereits im Altertum als Vorläufer der später von Hippokrates begründeten Medizin angesehen. Der Körper der Lebewesen ist ein aus den vier Elementen bestehendes Gemisch. Den Unterschied der Arten und der unserer Körper ausmachenden Materien (Fleisch, Knochen, Blut u.a.) erklärt Empedokles durch die verschiedenen Proportionen des Elementargemisches. Wichtigstes Moment der Ernährung ist Verdauung, während der sich die Nahrung in ihre Elemente zerlegt und so in den Körper einbauen lässt.

Die Atmung veranschaulicht das Beispiel der Wasseruhr. In der Weise, wie in ihrem Röhrensystem das abnehmende Wasserniveau der Luft den Platz frei gibt, verursacht in unserem Körper das sich aus den Röhren zurückziehende Blut das Einatmen und der wieder vorwärtsdrängende Blutstrom das Ausatmen. Die unsere Sinnesorgane konstituierenden Elemente nehmen die ihnen verwandten Elemente der Außenwelt wahr.

[Bearbeiten] Entsühnung

In seinen "Entsühnungen" verkündet Empedokles die orphisch-pythagoreische Lehre der Seelenwanderung:

Wenn einer in Schuldverstrickung mit Mordblut seine eigenen Glieder befleckte, wer ferner im Gefolge des Streits einen Meineid schwor aus der Zahl der Dämonen, die ein sehr langes Leben erlost haben, die müssen dreimal zehntausend Horen fernab von den Seligen umherschweifen, wobei sie im Laufe der Zeit als alle möglichen Gestalten sterblicher Geschöpfe entstehen, die des Lebens mühselige Pfade wechseln (1, 31 B 115)

Die Wanderung ist nicht nur die Strafe, sondern gleichzeitig auch der Reinigungsprozess der Seelen. Als immer vollkommener werdende Lebewesen erhalten sie wieder irdische Gestalt, "zuletzt aber werden sie Seher und Sänger und Ärzte und Fürsten den irdischen Menschen, woraus sie emporwachsen als Götter, an Ehren reichste" (1, 31 B 146).

Der Prozess der Entsühnung bedeutet die Einhaltung der Regeln einer gewissen mystisch-asketischen Lebensordnung, deren Grundprinzip darin besteht, keine Tiere zu schlachten und kein Fleisch zu essen. Empedokles weiß sich selber als einen Beteiligten dieses Prozesses:

Zu diesen gehöre jetzt auch ich, ein von Gott Gebannter und Irrender, da ich rasendem Streite vertraute (1, 31 B 115).

Der Philosoph hielt sich schließlich selbst für eine zum Endpunkt dieses Prozesses gelangte, rein gewordene Seele:

Ich aber wandle euch daher als ein unsterblicher Gott, nicht mehr als Sterblicher ... (1, 31 B 112)

[Bearbeiten] Rezeption

Friedrich Hölderlin verfasste ein Dramenfragment Der Tod des Empedokles. Darin verbindet er ausgehend von der historischen Figur Elemente aus dessen Philosophie mit eigenen Überlegungen aus dem Geist des Idealismus.

Bertolt Brecht verwendet die Legende über den Tod im Ätna als Fabel, um in seinem Lehrgedicht "Der Schuh des Empedokles" den Führerkult zu entdramatisieren und mythologisches Denken zu kritisieren.

Die Hafenstadt Porto Empedocle bei Agrigent wurde 1863 nach Empedokles benannt.

Der 2006 entdeckte Unterwasservulkan Empedocles (Vulkan) vor der Küste Siziliens wurde nach Empedokles benannt.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

Textausgabe
  • Empedocles: The Extant Fragments, hg. Maureen Rosemary Wright, New Haven 1981. ISBN 0-300-02475-4 [Ausgabe der Fragmente mit englischer Übersetzung und Kommentar]
Sekundärliteratur
  • Peter Kingsley: Ancient Philosophy, Mystery, and Magic. Empedocles and Pythagorean Tradition, Oxford 1995. ISBN 0-19-814988-3
  • Geoffrey S. Kirk / John E. Raven / Malcolm Schofield: Die vorsokratischen Philosophen, Stuttgart 2001. ISBN 3-476-01834-2
Rezeption
  • Romain Rolland / Hans Leo Götzfried: Empedokles von Agrigent und das Zeitalter des Hasses, Erlangen 1947
  • Theresia Birkenhauer: Legende und Dichtung, Berlin 1996. ISBN 978-3-930916-06-1 [Zur Geschichte des Empedoklesbildes im 17. und 18. Jahrhundert in Deutschland]

[Bearbeiten] Weblinks

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