Erich Fried
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Erich Fried (* 6. Mai 1921 in Wien; † 22. November 1988 in Baden-Baden) war ein österreichischer Lyriker, Übersetzer und Essayist jüdischer Herkunft, dabei Atheist und Antizionist.
Fried war neben Hans Magnus Enzensberger der Hauptvertreter der politischen Lyrik in Deutschland in der Nachkriegszeit. Gleichzeitig gilt er vielen als bedeutender Shakespeare-Übersetzer, dem es als erstem gelungen ist, die Sprachspiele des englischen Dramatikers ins Deutsche zu übertragen. Er übersetzte außerdem u. a. T. S. Eliot, Dylan Thomas, Graham Greene und John Synge. Zudem verfasste er einen Roman (Ein Soldat und ein Mädchen, 1960) und Kurzprosa.
Er mischte sich ein in die Politik seiner Zeit, hielt Vorträge, nahm an Demonstrationen teil und vertrat öffentlich kritische linke Positionen der Außerparlamentarische Opposition, so dass er in konservativen und rechten Kreisen einen Ruf als Störenfried erhielt. Allerdings war er ein unabhängiger Geist, der sich nicht für eine festgelegte Ideologie vereinnahmen lassen wollte. Durch seine 1979 veröffentlichten Liebesgedichte ist er einem breiten Publikum bekannt geworden.
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[Bearbeiten] Leben und Werk
Erich Fried wuchs in Wien als einziges Kind einer jüdischen Familie auf. Sein Vater Hugo war Spediteur und seine Mutter Nellie Grafikerin. Bereits als Fünfjähriger trat er mit einer Kinderschauspielgruppe auf verschiedenen Bühnen Wiens auf. Fried besuchte das Gymnasium Wasagasse am Alsergrund. Bald nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland starb im Mai 1938 Frieds Vater an den Folgen eines Verhörs durch die Gestapo. Daraufhin emigrierte Erich Fried über Belgien nach London, wo er viele Jahre bleiben sollte. Er gründete dort die Selbsthilfegruppe Emigrantenjugend, der es gelang, viele Gefährdete, darunter auch seine Mutter, nach England zu bringen. Während des Kriegs schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten als Bibliothekar, Milchchemiker, Fabrikarbeiter durch, wurde anschließend Mitarbeiter bei zahlreichen neu gegründeten Zeitschriften und arbeitete von 1952 bis 1968 als politischer Kommentator für den German Service der BBC.
In London trat er dem Freien Deutschen Kulturbund und Young Austria bei, später auch dem Kommunistischen Jugendverband. Diesen verließ er bereits 1943 wegen zunehmender stalinistischer Tendenzen.
1944 heiratete er Maria Marburg, kurz vor der Geburt seines Sohnes Hans. Im selben Jahr erschien sein erster Gedichtband, die antifaschistische Lyriksammlung Deutschland, im Exilverlag des österreichischen PEN-Clubs.
1946 trennte er sich von Maria. Die Scheidung erfolgte 1952. Im selben Jahr heiratete er Nan Spence-Eichner, mit der er zwei Kinder, Sohn David (* 1958) und Tochter Katherine (* 1961), hatte. Nan verließ Erich Fried 1962, die Ehe wurde 1965 geschieden. 1962 kam Erich Fried (offiziell) erstmals nach seiner Flucht wieder nach Wien. 1963 wurde er Mitglied der Gruppe 47. Im Sommer 1965 heiratete er Catherine Boswell. Im Herbst kam ihre gemeinsame Tochter Petra zur Welt, 1969 die Zwillinge Klaus und Tom.
Dem Entschluss, seine Arbeit bei der BBC 1968 aufzugeben, folgte eine bis zu seinem Lebensende anhaltende Periode verstärkten schriftstellerischen und politischen Engagements, insbesondere in Deutschland. Er trug in einer Vielzahl öffentlicher Auftritte seine Lyrik bei großen politischen Veranstaltungen, häufig im Rahmen der 68er-Bewegung, vor. Durch die ungewöhnliche Verbindung von Lyrik und Politik stellte er eine schillernde wie auch sehr umstrittene Persönlichkeit dar. So war er auf der einen Seite ein angesehener und geehrter Schriftsteller, erhielt sogar 1977 einen Lehrauftrag an der Universität Gießen, geriet aber auch oft in Konflikt mit der öffentlichen Meinung, wenn er offen und kritisch Stellung zu politischen Themen nahm. Fried musste sich wegen seiner Aussagen sogar vor Gericht verteidigen. So wurde er vom Berliner Polizeipräsidenten Klaus Hübner wegen Beleidigung angezeigt, weil er in einem Leserbrief, der in der Zeitschrift Der Spiegel vom 7. Februar 1972 abgedruckt wurde, die Erschießung Georg von Rauchs durch einen Polizeibeamten als Vorbeugemord bezeichnet hatte. Der Prozess vor dem Amtsgericht Hamburg, bei dem Heinrich Böll als Gutachter zu Frieds Gunsten aussagte, endete am 24. Januar 1974 mit einem Freispruch.
Im Jahre 1979 überraschte Fried durch sein Buch Liebesgedichte, welches einer der erfolgreichsten Lyrikbände der deutschen Nachkriegszeit wurde und Fried einem größeren Leserkreis erschloss. Es folgten weitere Gedichtbände über Liebe, Leben, Hoffnungen und Tod, wie beispielsweise "Was es ist" oder "Als ich mich nach dir verzehrte", die auch heute noch immer neue Liebhaber finden. 1982 erlangte Erich Fried wieder die österreichische Staatsbürgerschaft, behielt zugleich aber die britische, die er seit Oktober 1949 besaß, bei.
Erich Fried starb am 22. November 1988 in Baden-Baden an Darmkrebs und wurde auf dem Londoner Friedhof "Kensal Green" beigesetzt.
[Bearbeiten] Auszeichnungen
- 1973 Überreichung des Würdigungspreises für Literatur 1972 im Palais Palffy in Wien
- 1977 Verleihung des Internationalen Verlegerpreises der Sieben (Prix International des Editeurs)
- 1980 Literaturpreis der Stadt Wien
- 1983 Literaturpreis der Stadt Bremen
- 1985 Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
- 1986 Übergabe des Österreichischen Staatspreises für Verdienste um die österreichische Kultur im Ausland
- 1986 Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille in Berlin
- 1987 Übergabe des Goldenen Schlüssels der Stadt Smederevo (Jugoslawien)
- 1987 Verleihung des Georg-Büchner-Preis in Darmstadt
- 1988 Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Osnabrück (Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft)
[Bearbeiten] Wirkung
1989 wurde in Wien die Internationale Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache gegründet, welche seit 1990 den Erich-Fried-Preis verleiht, der hochdotiert vom österreichischen Bundeskanzleramt gestiftet wird. Anlässlich seines 20.Todestages finden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt, an denen auch Catherine Fried mit einer Lesung aus ihrem 2008 erschienenen Buch über die gemeinsamen Jahre in London beteiligt ist, so in Wien, Berlin, Freiburg, Aachen, Recklinghausen, Bad Boll und London.[1].
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Wien - Literaturhaus Wien, Veranstalter: Erich Fried Gesellschaft, 7. Nov. 2008
Aachen - Buchhandlung Schmetz, 11. Nov. 2008
Freiburg - Buchhandlung Schwanhäuser, 12. Nov. 2008
Berlin - Bibliothek im Wasserturm, Veranstalter: Sebastian Haffner Institut, 14. Nov. 2008
Recklinghausen - Kunsthaus Recklinghausen, Veranstalter: Neue Literarische Gesellschaft Recklinghausen, 23. Nov. 2008
Bad Boll - Evangelische Akademie Bad Boll, 6. Dez. 2008
London - Österreichische Botschaft London, 9. Dez. 2008
[Bearbeiten] Werke
- Blutiger Freitag, 1929 (als Neunjähriger gegen den Polizeieinsatz beim Wiener Justizpalastbrand/Julirevolte)
- Judas Weg, ca. 1943 (Gedicht aus dem Nachlass: Jesus von Nazareth als Antipode zur Moses-Figur)
- Deutschland, 1944
- Österreich, 1945
- Drei Gebete aus London, 1945
- Nacht in London , 1946
- Gedichte, 1958
- Ein Soldat und ein Mädchen, 1960 (sein einziger Roman)
- Izanagi und Izanami, 1960 (Hörspiel)
- Die Expedition, 1962
- Reich der Steine, 1963
- Warngedichte, 1964
- Überlegungen, 1964
- Kinder und Narren, 1965 (Novellen)
- und Vietnam und, 1966
- Indizienbeweise, 1966 (Hörspiel)
- Anfechtungen, 1967
- Zeitfragen, 1968
- Befreiung von der Flucht, 1968
- Die Beine der größeren Lügen, 1969
- Unter Nebenfeinden, 1970
- Die Freiheit den Mund aufzumachen, 1972
- Neue Naturdichtung, 1972
- Höre, Israel, 1974 (scharfe Kritik an Israel und am Zionismus)
- Gegengifte, 1974
- So kam ich unter die Deutschen, 1977
- 100 Gedichte ohne Vaterland, 1978
- Liebesgedichte, 1979
- Lebensschatten, 1981
- Das Nahe suchen, 1982
- Es ist was es ist, 1983 (sein vermutlich bekanntestes Werk)
- Angst und Trost. Erzählungen und Gedichte über Juden und Nazis, 1983
- Beunruhigungen, 1984
- Um Klarheit, 1985
- Von Bis nach Seit, 1985
- Mitunter sogar Lachen, 1986
[Bearbeiten] Ausgaben
- Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte. Wagenbach, Berlin 1991, ISBN 3-8031-0124-7
- Gesammelte Werke in vier Bänden, Berlin 1993
[Bearbeiten] Literatur
- M. Zeller, Gedichte haben Zeit. Aufriss einer zeitgenössischen Poetik, Stuttgart 1982
- Erich Fried, hrsg. von Heinz Ludwig Arnold, München 21997 (EV 1986). ISBN 3-88377-223-2
- Erich Fried, in: Jüdische Portraits, hrsg. von H. Koelbl, Frankfurt am Main 1989
- Gerhard Lampe: Ich will mich erinnern an alles was man vergißt: Erich Fried - Biographie u. Werk Bund-Verlag, Köln 1989. ISBN 3-7663-3092-6
- Joseph A. Kruse (Heinrich-Heine-Institut) (Hrsg.): Einer singt aus der Zeit gegen die Zeit: Erich Fried 1921-1988: Materialien und Texte zu Leben und Werk. Häusser, Darmstadt 1991. ISBN 3-9279-0250-0
- V. Kaukoreit, Frühe Stationen des Lyrikers Erich Fried, Darmstadt 1991
- Catherine Fried-Boswell und Volker Kaukoreit (Hrsg.): Erich Fried. Ein Leben in Bildern und Geschichten. Wagenbach, Berlin 1993. ISBN 3-8031-3585-0
- S. W. Lawrie, Erich Fried. A Writer Without A Country, New York 1996
- Interpretationen. Gedichte von Erich Fried, hrsg. von V. Kaukoreit, Stuttgart 1999
- Jörg Thunecke, Erich Fried, in: Metzler-Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur, Stuttgart/Weimar 2000
- Tilman von Brand: Öffentliche Kontroversen um Erich Fried Wissenschaftlicher Verlag Berlin, Berlin 2003. ISBN 3-936846-20-0
- Catherine Fried: Über kurz oder lang. Erinnerungen an Erich Fried. Übersetzt von Eike Schönfeldt, Fotos von Catherine Fried. Wagenbach, Berlin 2008. ISBN 3-8031-1257-5
[Bearbeiten] Vertonungen
- Reinhard Fehling (1993): "FriedFarben" - ein Liederzyklus für Instrumente, Solostimmen und Vokalensemble (enthält u.a: Was es ist, Die Maßnahmen, Du liebe Zeit), CD erhältlich beim Komponisten.
- Paul Kalkbrenner (2001): Vertonung von "Krank" auf dem Album "Superimpose"
- 2007 vertonte der deutsche Polit-Rapper Chaoze One das Gedicht "Fall ins Wort" auf seinem Album "Fame".
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Erich Fried im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kritische Auseinandersetzung rund um Erich Frieds Gedicht "Status quo"
- www.erichfried.de
- Artikel Erich Fried im Österreich-Lexikon von aeiou
- Erich Fried: Ein gebrauchter Dichter - Textcollage
- Nachlass Erich Frieds im Österreichischen Literaturarchiv
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fried, Erich |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Lyriker, Übersetzer und Essayist |
| GEBURTSDATUM | 6. Mai 1921 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 22. November 1988 |
| STERBEORT | Baden-Baden |

