Medienkonvergenz

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Als Medienkonvergenz bezeichnet man in der Publizistik, im Rundfunkrecht und in der Kommunikationswissenschaft die Annäherung verschiedener Einzelmedien entweder in Bezug auf wirtschaftliche, technische oder inhaltliche Aspekte.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Konvergenz von Telekommunikations- und Unterhaltungsindustrie

Martin Polon prognostizierte bereits Mitte der 1990er Jahre in seinem Essay über Technologie und Spielfilme in der Zukunft eine Konvergenz von Telekommunikations- und Unterhaltungsindustrie; er geht dabei davon aus, dass der Konsument neue Distributionsformen akzeptieren wird:

"Private Haushalte werden über Videokabel und/oder Glasfaserlinie der Telefongesellschaft und/oder direkte Satellitenübertragung mit Unterhaltungs- und Informationsquellen verbunden sein. Die Verbindungen ermöglichen zum Teil gegenseitige Kommunikation wie beim Zweiwegkabel" [in: Jason E. Squire: Movie Business Book. Köln: Könemann, 1995, S. 491].

[Bearbeiten] Konvergenz von Computer- und Unterhaltungsindustrie

Nicholas Negroponte vom Media Lab des MIT prognostizierte ebenfalls Mitte der 90er Jahre eine Annäherung von Fernsehempfänger und Computer; er lässt dabei offen, ob Computer eher zu intelligenten Fernsehern degenerieren oder Fernsehgeräte eher zu Computern mutieren werden. Negroponte meint, beide seien "ein und dasselbe" und rät den Herstellern von Fernsehgeräten, in die Zukunft zu investieren und PCs zu produzieren.

Der fundamentale Unterschied zwischen heutigen Fernsehgeräten und PCs sei nicht der jeweilige Standort im Arbeits- bzw. Wohnzimmer, deren sozialen Eigenheiten oder der Drang nach Unterhaltung, sondern allein die Frage "wie die Bits ankommen". Negroponte spielt dabei auf das Push- bzw. Pull-Prinzip an. Er sieht darin allerdings keine entgegengesetzten Prinzipien, sondern eher einander ergänzende Modi beim "Verteilen von Bits" (Nicholas Negroponte: PCs werden Fernsehgeräte – oder umgekehrt? (Read Me). In: Hyper! 12/1995).

Bereits im April 1995 erschienen erste Artikel von Alexander Gäfe aus Deutschland zu der Verschmelzung und neuen Nutzung unterschiedlicher Medien und daraus entstehenden neuen Distributionswegen. Schwarze Löcher auf Sendung[1]

[Bearbeiten] Entwicklungsmöglichkeiten

Generell sind drei Entwicklungstendenzen vorstellbar, wenn ein neues Medium eingeführt wird:

  1. Extinktion. Bei der Ablösung oder Verdrängung wird ein Medium beispielsweise durch eine technische Innovation weitgehend ersetzt. Ein solcher Prozess ergab sich beispielsweise nach der Einführung der Compact Disc (CD), durch die die Bedeutung der analogen Schallplatte als Wiedergabemedium für Sprach- und Tonaufnahmen massiv reduziert wurde. Solche Entwicklungen bilden im Mediensektor jedoch eher die Ausnahme.
  2. Konvergenz und Koexistenz. Bei Annäherungs- und Ergänzungsprozessen wird ein Medium nicht durch ein anderes verdrängt, sondern nur ergänzt; zwei Technologien existieren dann nebeneinander. Ein Grund für Koexistenz kann beispielsweise das Vorhandensein spezifischer Eignungen der Medien für jeweils unterschiedliche Zwecke sein. Einen solchen Prozess gab es beispielsweise nach der Einführung der Musikkassette (MC), durch die die analoge Schallplatte nicht verdrängt wurde.
  3. Evolution. Etwas spezifisches Neues entsteht, wenn ein neues Medium entwickelt wird, das wirklich neuartige Nutzungsmöglichkeiten bietet; andere Technologien werden nicht verdrängt, aber möglicherweise durchaus beeinflusst. Einen solchen Prozess gab es beispielsweise nach dem Durchbruch des Information Superhighway in seiner real existierenden Ausprägung als Internet, welches vollkommen neuartige Möglichkeiten – von Usenet über Peer-to-Peer, Weblogs und Ebay bis hin zu Wikis – bot.

[Bearbeiten] Forschung

Konvergente Entwicklungen lassen sich in den unterschiedlichsten Kontexten untersuchen.

Im Bereich der Erforschung der Medien gibt es beispielsweise seit der Einführung des dualen Rundfunksystems in Deutschland eine Konvergenzdebatte die untersucht, ob sich der öffentlich-rechtliche dem kommerziellen Rundfunk annähert.

Eine ähnliche Diskussion gibt es in verschiedenen Teilbereichen des IuK-Sektors.

[Bearbeiten] Neologismus

Das Adjektiv "medienkonvergent" ist ein Neologismus und wurde im Jahr 2000 von Alexander Gäfe für ein neues Medienformat und die Beschreibung seiner Verbreitung über verschiedene Plattformen und Distributionsmedien erfunden. Der Begriff fand seinen Einzug in die Öffentlichkeit durch verschiedene Artikel in der Presse.[2][3][4][5][6]

[Bearbeiten] Literatur

  • Ralf Kaumanns: Konvergenz oder Divergenz? Erwartungen und Präferenzen der Konsumenten an die Telekommunikations- und Medienangebote von morgen (2006), IBM Studie [7]

[Bearbeiten] Siehe auch

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