Messias (Klopstock)

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Der Messias (Ausgabe 1749)

Der Messias ist ein Epos in 20 Gesängen von Friedrich Gottlieb Klopstock aus dem Jahr 1773.

Klopstock verwendet als erster in der deutschen Literaturgeschichte durchgehende Hexameter und lehnt sich somit an die Epen Homers (Ilias und Odyssee) an. Inhaltlich eröffnet der Messias in Deutschland die Epoche der Empfindsamkeit.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klopstocks Messias ist ein Heldenepos und beschreibt Leiden und Auferstehung Christi. In zwanzig Gesängen und nahezu 20 000 Versen versuchte Klopstock, begründet in seiner christlichen Erziehung und der Religiosität der Zeit, in der er lebte, die himmlische Liebe Gottes zu den Menschen zu schildern. Dabei wird der Inhalt des Messias weniger von epischen Schilderungen der Begebenheiten geprägt als vielmehr von einem religiös-ekstatischen Gesichtspunkt bestimmt. Geprägt von der Tradition des Pietismus verkündet das Werk unter anderem die christliche Botschaft:

„Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung“ (I, 1).[1]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klopstock fasste bereits in seiner Schulzeit den Plan, ein literarisches Werk über die Erlösung des Menschengeschlechts durch den Tod Jesu Christi darzustellen. Während der Studentenzeit erarbeitete er die ersten Gesänge, doch erst Jahrzehnte später (1772), waren alle zwanzig abgeschlossen. 1773 gab er die weiteren Gesänge zusammen mit revidierten Fassungen der bereits publizierten Teile heraus, eine weitere überarbeitete Fassungen erschienen 1781. Da ihn das Werk auch weiterhin beschäftigte und er es als die „Hauptaufgabe seines Lebens“ ansah, entschloss er sich wenige Jahre vor seinem Tod zu einer neuen Ausgabe. Er nannte sie, nicht ganz ohne Ironie, die „des letzten Fingers“. Sie wurde im Rahmen einer Gesamtausgabe seiner Werke 1799/1800 herausgegeben. Im Vorfeld dazu hatte bereits 1748 mit dem Druck der ersten drei Gesänge begonnen, die zu einem großen Erfolg wurden. Gesang IV und V erschienen 1751, zusammen mit den mittlerweile überarbeiteten Gesängen I–III. 1752/53.[2]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klopstock lehnt sich an das epische Versmaß des Hexameters an, handhabt es jedoch frei. Den hohen Ton des Hexameters kombiniert er mit einer syntaktisch komplexen Rhetorik der Innerlichkeit und des Gefühls, um eine suggestive Wirkung zu erzielen: Das Lesen, vor allem aber das Hören des Messias sollte einem Erweckungserlebnis gleichen.

Durch die erstmalige Verwendung von Hexametern ist Klopstocks Messias Wegbereiter und Impulsgeber für die weitere Literaturgeschichte. Das Werk wurde als religiöses Erbauungsbuch gelesen und übte auf zeitgenössische Dichter wegen seiner formalen und sprachlichen Gestaltung einen großen Einfluss aus. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Hölderlin nutzen die neuen freien Rhythmen, die endlich den strengen Gebrauch von Reimen nach der Opitzschen Schule lockerten und der künstlerischen Entfaltung des Wortes neuen Raum gaben.

Das Werk wurde Vorbild für die Messiaden ab dem 18. Jahrhundert.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgenossen kritisierten das Werk wegen seiner Unanschaulichkeit[3] und es galt als ein Wagnis so ein Epos mit religiösem Inhalt in Hexametern zu verfassen. Die ausgelösten, teilweise heftigen, Diskussionen trugen dazu bei, dass sich in der deutschen Literatur im Rahmen der Poetologie die Ansichten von Bodmer und Breitinger gegen die Tendenzen der Schule Johann Christoph Gottscheds durchsetzen.[2]

Wegbegleiter Gotthold Ephraim Lessing lobte die Schönheit der Poesie, die in Sprache und Wortklang ihren Ausdruck fand. Der edle Ausdruck wurde seiner Meinung nach durch passendes Silbenmaßes und eine reine Wortfügung erreicht.[3]

Johann Heinrich Voß befand: „Nicht nur der Plan des ‚Messias‘ ist ein wahres Scheusal, sondern auch die Ausführung im Einzelnen.“

Ludwig Tieck berichtet:

„Er las uns heute aus dem Messias etwas vor; er liest sehr schlecht, und dann machte mir auch der unaufhörliche Kram von Engeln und bösen Geistern, die unverständlichen Verse, und daß das Gedicht nicht spaßhaft war, so viel Langeweile, daß mir die Kinnbacken vom verbissnen Gähnen wehtaten; meine Augen gingen endlich davon über – er hielt’s für Rührung!“

Friedrich Torberg macht sich Jahre später in Versform über Klopstock Werk lustig und benutzt dazu Zeilen aus dem Epos:

„Schön ist Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht. Aber wenn sich des Sees, streng in horazischem Takt ein Professor ermächtigt, dann vergeht dir die Lust zum Baden.“[3]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Gottlieb Klopstock bei uni-due.de, abgerufen am 27. Februar 2015.
  2. a b Hamburger Klopstock-Ausgabe, Werke Band IV: Der Messias bei sub.uni-hamburg.de, abgerufen am 27. Februar 2015.
  3. a b c Karl Schön: Über Klopstocks Epos Messias Literaturkritik bei bookrix.de, abgerufen am 27. Februar 2015.