Pleistozän
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| System | Serie | Stufe | ≈ Alter (mya) |
|---|---|---|---|
| Quartär | Holozän | Holozän | 0,0117–0 |
| Pleistozän | Oberes Pleistozän |
0,126–0,0117 | |
| Mittleres Pleistozän |
0,781–0,126 | ||
| Unteres Pleistozän |
1,806–0,781 | ||
| tiefer | tiefer | tiefer | älter |
Das Pleistozän (früher auch Diluvium, manchmal auch Eiszeitalter genannt) bezeichnet in der Geologie die erdgeschichtliche Serie von vor etwa 1,806 Millionen Jahren bis ca. 9.660 ± 40 J. v. Chr. Betrachtet man jedoch nach modernem Kenntnisstand das dort beginnende Holozän als Zwischeneiszeit, dauert das Pleistozän weiter an [1]. Es ist die vorletzte Serie des Känozoikums (Erdneuzeit), dem jüngsten Erdzeitalter. Geprägt ist es vor allem durch den Wechsel von Kalt- und Warmzeiten. Nach Elbe- (Günz), Elster- (Mindel) und Saaleeiszeit (Riss) wird es am Ende der letzten Kaltzeit, der Weichsel-Kaltzeit (Norddeutschland), bzw. Würm-Kaltzeit (Alpenraum) vom Holozän abgelöst, der Serie, in der wir heute leben. Das Pleistozän ist die untere Serie des Quartärs.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Definition
Gemäß International Commission on Stratigraphy beginnt das Pleistozän mit der Magnetischen Polaritäts-Chronozone C2n (Olduvai) und dem Aussterbehorizont der kalkigen Nannoplankton-Art Discoaster brouweri (Basis der Zone CN13). Etwas über der Grenze liegt das Erstvorkommen des kalkigen Nannofossil-Taxon Gephyrocapsa sp. und der Aussterbehorizont der planktonischen Foraminiferen-Art Globigerinoides extremus.[2]
[Bearbeiten] Unterteilung
Das Pleistozän wird auf der Geologischen Zeitskala derzeit noch in drei Abschnitte oder chronostratigraphische Stufen eingeteilt. Sehr wahrscheinlich wird aber schon im Jahre 2008 das Gelasium, die derzeit noch oberste Stufe des Pliozäns (Neogen) als unterste Stufe zum Pleistozän und damit zum Quartär gestellt werden. Für die formale Benennung der beiden unteren Stufen in Ionium und Calabrium liegt bereits ein Vorschlag vor.[3]:
- Oberes Pleistozän (noch unbenannte Stufe: "4. Stufe" sensu Ogg) (126.000–11.784 Jahre vor heute)
- Mittleres Pleistozän ("Ionium") (781.000–126.000 Jahre vor heute)
- Unteres Pleistozän ("Calabrium") (1.806.000–781.000 Jahre vor heute)
Die geologischen Vorgänge während der Kalt- und Warmzeiten des Pleistozäns haben das Landschaftsbild weiter Teile Europas und Nordamerikas geprägt.
[Bearbeiten] Oberes Pleistozän
Hauptartikel: siehe Jungpleistozän
Das Obere Pleistozän umfasst eine Warmzeit (in Europa Eem-Warmzeit genannt) und eine darauf folgende Vereisungsphase, die letzte „Eiszeit“. Die Eem-Warmzeit dauerte nur rund 10.000 Jahre, die Vereisung weiter Teile der Kontinente auf der Nordhalbkugel der Erde mehr als 100.000 Jahre.
Geographisch wird unterschieden in:
- Würm-Eiszeit (Alpen und des Alpenvorland)
- Weichsel-Kaltzeit (Norddeutschland und Skandinavien)
- Devensische Vereisung (im Bereich der britischen Inseln)
- Wisconsin-Eiszeit (Nordamerika)
In das Jungpleistozän fällt auch die Kulturentwicklung und Verbreitung des heutigen Menschen. Erste Kunstwerke sind aus dem Mittelpaläolithikum (vor rund 80.000 Jahren) bekannt.[4]
[Bearbeiten] Begriffsgeschichte
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte man zwar die chaotischen Ablagerungen in Nordeuropa, Nordwesteuropa und im Alpenraum klar von den darunter liegenden Schichten zu unterscheiden gelernt, die Interpretationen dieser eiszeitlichen Sedimente war jedoch von biblischen Anschauungen geprägt.
Erst nach Durchsetzung der Eiszeittheorie ordnete man die jüngsten Ablagerungen dem Quartär zu und untergliederte es in das Diluvium und das Alluvium. Später ersetzte man diese Begriffe durch Pleistozän und Holozän, mit der Folge, dass noch großenteils bis heute das Pleistozän mit dem Holozän endet, obwohl es als Zwischeneiszeit dazu gehört.
Der Begriff Quartär wurde schon 1829 von Jules Desnoyers vorgeschlagen, um Sedimente im Pariser Becken anzusprechen, die deutlich jünger als die tertiären Ablagerungen waren. Die quartären Schichten waren zwar in bestimmten Beckenlagen sehr mächtig, aber geologisch nur von geringem Alter. Dadurch kam es zu einer sehr ungleichgewichtigen Unterteilung der Erdneuzeit (Känozoikum) in das 63,7 Millionen Jahre dauernde Tertiär und das nur 1,6–1,8 Millionen Jahre dauernde Quartär mit den Epochen Pleistozän (Beginn vor ca. 1,8 Millionen Jahren) und Holozän (geologische Gegenwart – die zuletzt vergangenen 11.500 Jahre). Dieses Ungleichgewicht führte bei der Neufestlegung der Geologischen Zeitskala (GTS 2004) zu einer Ersetzung der Begriffe Tertiär und Quartär durch die Begriffe Paläogen und Neogen mit neuen stratigraphischen Grenzen und Bedeutungen. Die Periode des Neogen umfasst jetzt die Epochen Miozän (Beginn vor 23,03 Millionen Jahren), Pliozän (Beginn vor 5,33 Millionen Jahren), Pleistozän (Beginn vor 1,8 Millionen Jahren) und Holozän.
Das Quartär wurde als zwischengeordneter Begriff 2005 wieder eingeführt und umfasst jetzt das gesamte Holozän, das Pleistozän und die jüngeren Abschnitte des Pliozäns.
[Bearbeiten] Referenzen
- ↑ Felix M. Gradstein, James G. Ogg, and Martin van Kranendonk (2008). On the Geologic Time Scale 2008. In: Newsletters on Stratigraphy 43-1: 5-13.
- ↑ Pleistocene Epoch. GeoWhen Database, International Commission on Stratigraphy
- ↑ Maria Bianca Cita, Luca Capraro, Neri Ciaranfi, Enrico Di Stefano, Maria Marino, Domenico Rio, Rodolfo Sprovieri und Gian Battista Vai: Calabrian and Ionian: A proposal for the definition of Mediterranean stages for the Lower and Middle Pleistocene. Episodes, 29(2): 107-114, Beijing 2006
- ↑ Ancient stone marks may roll back date of 'modern behavior'. The Japan Times, 13. Januar 2002
[Bearbeiten] Literatur
- Edmund Blair Bolles: Eiszeit. Wie ein Professor, ein Politiker und ein Dichter das ewige Eis entdeckten, Berlin 2000. ISBN 3-87024-522-0
»Zur Forschungsgeschichte, insb. Louis Agassiz, Charles Lyell und Elisha Kent Kane.« - Hansjürgen Müller-Beck: Die Eiszeiten. Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte, München 2005. ISBN 3-406-50863-4
»Knappe Einführung aus der Beck'schen Reihe.« - Josef Klostermann: Das Klima im Eiszeitalter, Stuttgart 1999. ISBN 3-510-65189-8
- R. Chris L. Wilson, Stephen A. Drury und Jenny L. Chapman: The Great Ice Age. Climate change and life, London 2000. ISBN 0-415-19841-0
- Felix M. Gradstein, James G. Ogg, & Martin van Kranendonk (2008): On the Geologic Time Scale 2008. In: Newsletters on Stratigraphy 43/1:5-13. Berlin, Stuttgart: Bornträger. DOI: 10.1127/0078-0421/2008/0043-0005.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- Von der Mammutsteppe zum Wald - Die Veränderungen der Säugetierfauna Mitteleuropas am Ende des letzten Glazials. Von Julia M. Fahlke. Kurzfassung eines für den Tilly-Edinger-Preis 2007 der Paläontologischen Gesellschaft eingereichten Beitrags

