Sivas

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt Sivas; für die gleichnamige türkische Provinz siehe Sivas (Provinz).
Sivas
Wappen von Sivas
Sivas (Türkei)
DEC
Basisdaten
Provinz (il): Sivas
Koordinaten: 39° 45′ N, 37° 1′ O39.7537.0166666666671285Koordinaten: 39° 45′ 0″ N, 37° 1′ 0″ O
Höhe: 1285 m
Einwohner: 306 473 (2005)
Telefonvorwahl: (+90) 346
Postleitzahl: 58 000
Kfz-Kennzeichen: 58
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Doğan Ürgüp (BBP)
Webpräsenz (Stadtverwaltung):

Sivas ist die Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz und liegt in Zentralanatolien, etwa 450 km östlich von Ankara. Sivas hat 306.473 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Namensherkunft

Über den Ursprung des Namen gibt es verschiedene Aussagen:

  • Der Name Subasa wird für die Stadt im Osten, wo der Fluss Maraschantia (Halys) seinen Ursprung hat, erstmals in den hethitischen Quellen erwähnt und bedeutet in Nesili (Sprache der Hethiter und Luwier) gesegneter Fluss.
  • Nach der römischen Eroberung Anatoliens wurde die Stadt in Sebasteia umbenannt. Das griechische Sebaste (Σεβαστή) , entspricht dem lateinischen Augustus. So wurde die Verehrung für den Kaiser bekundigt. Byzantinische und fränkische Quellen nennen Sebaste.

Nach Volkssagen könnte der Name so entstanden sein:

  • Bevor die Stadt gegründet wurde, gab es hier drei Quellen, die man Sipas suyu nannte. Nach dem eine kleine Siedlung rund um diese Quellen entstanden ist, wurde ihr der Name Sipas gegeben.
  • Der Name soll von einem alten Volk namens Sibasip abstammen.
  • Der Name soll von dem persischen Ausdruck Se-bast abstammen, was Drei Mühlen bedeutet.

Der Ort war auch unter den Namen Talavra, Megalapolis, Karana und Diyapolis bekannt.

[Bearbeiten] Bevölkerung

Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Türken und zu einem geringen Teil aus Kurden. Früher gab es in Sivas eine große Anzahl von Armeniern und Griechen mit christlichem Glauben.

1914 hatte Sivas rund 45.000 Einwohner, mehr als ein Drittel waren Armenier, der Rest Griechen und Türken. Die Armenier hatten dort sechs Kirchen, ein Waisenhaus, ein Krankenhaus und mehrere Schulen. Die Katholiken hatten eine Kirche, die Protestanten verfügten über zwei Kirchen und acht Schulen.

[Bearbeiten] Religion

In Sivas ist heute der Islam die Hauptreligion. Die Mehrheit bilden sunnitische Muslime. Daneben gibt es noch als nächstgrößte Gruppe die Aleviten. Vereinzelt findet man auch Juden oder Christen, die jedoch nur einen sehr geringen Teil bilden. Etwa 81% der Bevölkerung in Sivas sind sunnitische Moslems, 18% sind Aleviten und der Rest setzt sich aus Juden, Christen etc. zusammen.

[Bearbeiten] Geschichte

Quellenangaben
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Sivas Erstbesiedlung reicht bis 7000 bis 5000 v.Chr. zurück. Die Hethiter, deren Siedlungsreste bei Topraktepe nahe Sivas zu finden sind, herrschten hier von 1600 - 884 v. Chr., danach für etwa 100 Jahre die Phryger (800-695 v. Chr.). Die Phryger wurden durch die Lyder abgelöst. Die Lyder verloren das Gebiet im Jahre 546 an die Perser. Das persische Reich wurde von Alexander dem Großen unterworfen, so dass Sivas bis etwa 17 n. Chr. von den Diadochen beherrscht wurde. Bis 395 war Sivas Teil des römischen Imperiums, danach bis 1075 byzantinisch. Nachdem Basileios II. 1021 das Territorium von Seneqerim Johannes, König von Vaspurakan in Armenien annektiert hatte, entschädigte er den König mit dem Territorium von Sebaste in Kappadokien. Seneqerim Johannes zog mit seinem Hof nach Sivas und verwaltete es als byzantinischer Vasall.

Im 11. Jahrhundert tauchten die ersten türkischen Stämme in Anatolien auf. Von 1142 bis 1171 herrschte die Danischmenden-Dynastie über Sivas. 1174 eroberten die Seldschuken unter Kılıç Arslan II. die Stadt und ließen unter anderem 1197 die Ulu Cami (große Moschee) errichten. Sivas diente neben Konya zeitweise als Hauptstadt der Seldschuken. 1232 wurde Sivas, wie weite Teile Eurasiens, von den Mongolen überfallen. Den Mongolen folgte das Beylik von Eretna, das seinerseits von Kadi Burhan al-Din ein Ende gesetzt wurde. 1398 eroberte Sultan Bayezid I. die Stadt, nur um sie 1400 an Timur Lenk zu verlieren. 1408 können die Osmanen sie aber zurück erobern. Sivas war bis zum späten 19. Jahrhundert Hauptstadt der osmanischen Provinz Rum.

Die Osmanen regierten die Stadt bis zum ersten Weltkrieg. 1915 wird Sivas einer der Schauplätze der Deportation der armenischen Bevölkerung. Nach der Niederlage des osmanischen Reiches im ersten Weltkrieg formiert sich unter Mustafa Kemal eine Widerstandsbewegung. Diese Gruppe hielt vom 4. bis 12. September 1919 in Sivas den Kongress Heyet-i Temiliye ab und besprach wichtige Maßnahmen für den Widerstand gegen die alliierten Besatzer. Seit 1923 ist Sivas Teil der türkischen Republik. 1993 ereignete sich der Anschlag auf das Madimak-Hotel.

[Bearbeiten] Anschlag auf das Madımak-Hotel

siehe Hauptartikel: Brandanschlag von Sivas

Gedenk-Demonstration 2007 in Sivas

Am 2. Juli 1993 versammelten sich islamische Fundamentalisten nach dem Freitagsgebet vor dem Madımak-Hotel, das direkt gegenüber einer Moschee lag, in dem im Rahmen eines alevitischen Kultur-Festivals zum größten Teil alevitische Musiker, Schriftsteller, Dichter und Verleger logierten, darunter Kinder und Jugendliche. Das Hotel wurde schließlich in Brand gesetzt, während auf den Straßen die Massen mit Pflastersteinen bereit standen. Wegen der aufgebrachten, wütenden Menschenmenge vor dem Hotel konnten die Menschen im Gebäude nicht ins Freie. Über 30 Menschen verbrannten im Hotel; wenige überlebten, so auch der Autor Aziz Nesin, dem laut einigen Angaben der Anschlag in erster Linie gegolten hatte. Obwohl Polizei und Feuerwehr frühzeitig alarmiert waren, griffen sie erst nach acht Stunden ein. Das Staatsicherheitsgericht in Ankara kam zu dem Urteil, dass die große Menschenmenge die Einsatzkräfte bei den Rettungsarbeiten behindert hatte.

Die Aleviten nennen diesen Anschlag das „Sivas-Massaker“. Auch wenn bei diesem Vorfall ebenso Sunniten und Angehörige anderer Nationen ums Leben kamen, sehen die Aleviten dieses Ereignis als einen Schlag gegen die alevitische Bevölkerung. Das Ereignis spielte eine wichtige Rolle bei ihrer Bewusstseins- sowie auch Organisationsbildung. Seit 2003 wird dieses Vorfalls im Rahmen von Demonstrationen gedacht - zugleich wird gefordert, im Hotel eine Gedenkstätte errichten zu dürfen. 2003 marschierten ca. 500 Leute mit, im Jahr 2007 waren es schon schätzungsweise 20.000 mit hoher Medien-Präsenz und einem Einsatz von rund 3.000 Polizisten.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

Das Knabengymnasium, in dem 1919 der Kongress abgehalten wurde

Sivas bietet viele Bauwerke der Seldschuken aus dem 13. Jahrhundert. Darunter fallen die Mavi Medrese von 1271, die Sifaiye Medresesi von 1218 und die Çifte Minare Medresesi von 1271. Die älteste Moschee der Stadt ist die Ulu Cami von 1196. In der Nähe von Sivas liegt die Ruine der alten armenischen Kirche des Heiligen Kreuzes. Sie enthielt wichtige Relikte wie einen Thron.

Osmanische Bauwerke sind das Bad Kurşunlu Hamamı von 1576 und die Kervansaray Behrampaşa Hanı von 1573.

Das Kongressgebäude von 1919 ist heute das Sivas-Museum, das über diesen Kongress, Atatürk und die ethno-geographischen Besonderheiten der Region informiert.

Sivas ist auch für seine Thermalbäder berühmt. Bekannte Thermalbäder sind Sıcak Çermik, Soğuk Çermik und Kangal Balıklı Kaplıca.

[Bearbeiten] Veranstaltungen

  • Asik-Veysel-Kultur- und Kunstfestival in Şarkışla am ersten Wochenende im Juli jedes Jahres. Gedenkveranstaltung für die Sivas-Opfer jeden 2. Juli vor dem Madımak Hotel.
  • Cogi Baba Alevi Kultur Festival in Cogi Baba , jedes Jahr im Juli
  • Samut Baba Alevitisches Kultur Festival in Kangal , jedes Jahr im Juli

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Richard G. Hovannisian (Hrsg.): Armenian Sebastia/Sivas and Lesser Armenia. Costa Mesa, CA 2004. ISBN 1-56859-152-7

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

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