Benutzer:Maya/Göttin

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Göttin

Eine Göttin ist eine weibliche Gottheit. In vielen Religionen wurden und in einigen werden gegenwärtig Göttinnen verehrt, deren Vorstellung und Funktion sich oftmals mit Motiven der Fruchtbarkeit, Mutterschaft, dem Werden und Vergehen, teils auch der Erotik verbinden, ebenso gibt es jedoch auch beispielsweise Kriegsgöttinnen oder Göttinnen des Wissens und der Weisheit.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Göttinnen stehen, nicht anders als männliche Götter im Hinblick auf ihre Zeugungskraft, oft in Zusammenhang mit Weltschöpfungssmythen, denn das weibliche Prinzip wird mit der Geburt, also auch der Geburt des Kosmos, assoziiert. Hieraus resultieren die möglicherweise weit in die Vorgeschichte der Menschheit weisenden Vorstellungen einer Muttergöttin, auch Mutter Erde, die sich etwa durch die 100 bis 200 Venustatuetten aus dem Jungpaläolithikum (ab 40.000 Jahre vor heute, wie der jüngste Fund mit der Venus vom Hohlen Fels) historisch zu bestätigen scheinen, alles kleine figürliche Darstellungen nackter Frauenkörper unter besonderer Betonung weiblicher Geschlechtsmerkmale.[1] Diese Interpretation wird jedoch in der Archäologie mehrheitlich zurückgewiesen.[2]

Die Figur der Göttin erscheint in vielen Mythen auch als Gestalt, die dem heute geläufigen Bild des Weiblichen nicht zu entsprechen scheint. So wird sie auch mit scheinbar männlichen Attributen in Zusammenhang gebracht: mit Krieg, Jagd, Herrschaft, Gewalt und Macht, vollkommenem Geist und autonomer Sexualität, wie er dem bis heute historisch immer noch nicht aufgeklärten Mythos von den Amazonen zugrunde liegt. Darüber hinaus stellt sie auch das Prinzip des Todes dar, wobei das Leben gebende das Leben auch nimmt, wenn dies oft auch im Zusammenhang mit dem Glauben an einer hierdurch ermöglichten Wiedergeburt steht.[3] In der Rolle als Lebens- und Todesgöttin wird das Weibliche mit dem menschlichen Schicksal in Verbindung gebracht. Durch die gegensätzlichen Eigenschaften, die Göttinnen zugeschrieben werden, erscheinen viele (wie auch maskuline Götter) als Verkörperung der Vereinigung der komplementären Gegensätze wie Schöpfung/Zerstörung, Leben/Tod, Liebe/Hass, Gut/Böse, Geist/Materie, Licht/Dunkel.

Göttinnen im Paläolithikum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Göttinnen im Neolithikum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Göttinnen in der Entwicklung der Zivilisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Übergang von kleineren sozialen Organisationen zu großen Zivilisationen haben Göttinnen-Kulte weltweit eine zentrale Bedeutung gehabt, so z.B. in Indien, Ägypten, Mesopotamien, China, Japan, Griechenland und Rom. Göttinnen waren in diesen komplexen Agrargesellschaften u.a. zuständig für fruchtbaren Ackerbau, das Königtum, Schutz der religiösen Zentren und siegreiche Kriege. [4]

In den verschiedenen Kulturen hatten Göttinnen eine Vielzahl wichtiger Funktionen inne, einen universalen Kult der 'Großen Mutter' kann man jedoch nicht feststellen. In einigen Kulturen waren die Göttinnen eng verbunden mit dem Aufkommen größerer Städte sowie dem Königtum, und galten als Ursprung komplexer sozialer Organisationen. Oftmals waren sie für wichtige soziale Einrichtungen wie Steuererhebung und Verteilung von Ressourcen zuständig, während in anderen Kulturen Göttinnen lediglich Gefährtinnen von männlichen Göttern darstellten oder aus älteren schamanistischen Kulten in Mysterienkulte übernommen wurden.

Ägypten und der Nahe Osten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im alten Ägypten gab es eine Vielzahl wichtiger Göttinnen. Beispielsweise die Himmelsgöttin Nut, die auch die Ehefrau des Erdgottes Geb war, Neith, die Göttin des Webens und der siegreichen Waffen und Hathor, die als Himmelsgöttin in unterschiedlichen Formen vorkommt. Eine der bedeutendsten ägyptischen Göttinnen ist Isis. Der Pharao wurde als Sohn der Isis angesehen und ihr Name ist linguistisch dem Wort für Thron verwandt, so dass sie auch als der heilige Sitz des Pharao galt. Später war Isis die Gattin des Osiris und Mutter des Horus und wurde schließlich zu einer universalen Göttin, deren Kult sich auch nach Griechenland und Rom ausbreitete. [5]

..........(Mesopotamien).............................

Griechenland und Rom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vorolympischen Göttinnen Griechenlands waren normalerweise in Vegetations-Rituale eingebunden, wie z.B. die Erdmutter und chthonische Mutter der Götter, Gaia. Bevor das Orakel von Delphi dem Apollon gewidmet war, stand es mit Gaia in Verbindung. In Ausübung des Gaia-Kultes wurden Opfer von Tieren, Getreide und Früchten dargebracht und Besessenheitstrance praktiziert. [6]

Im Mysterienkult von Eleusis wurde die Erdgöttin Demeter verehrt. In diesem Kult erscheint das Thema der Wiedergeburt an Demeters Tochter, Persephone, die von Hades in die Unterwelt entführt wurde. [7]

Spätere griechische Göttinnen stammten häufig von prähellenischen Göttinnen der Erde ab. Olympische Göttinnen waren Hera, Athene, Artemis, Demeter, Hestia und Aphrodite. Diese Göttinnen hatten unterschiedliche Rollen und Funktionen, die auch noch die früheren Einflusssphären zeigten. Die griechischen Göttinnen verloren teilweise frühere chthonische Aspekte nach der Einordnung in eine Hierarchie, deren oberster Gott Zeus war. Sie zeigten nun häufig keine Verbindung mehr zu den Kräften des Lebens und des Todes. Anstelle der Erdgöttinnen traten nun im männlich ausgerichteten Pantheon Göttinnen hervor, die Teilaspekte der Göttinnenidee verkörperten. In der Entwicklung der griechischen Kultur stellte diese "Aufspaltung der Götttin in Einzelteile" eine Transformation der Göttinnen-Verehrung dar. [8]

In der römischen Kultur liegt eine starke Identifikation von römischen und griechischen Gottheiten vor, die meisten römischen Götter hatten eine griechische Entsprechung. Göttinnen, die den griechischen entsprechen sind z.B. Juno, Diana, Minerva, Venus, Vesta, Ceres und Proserpina. [9]

Jedoch wurden auch Göttinnen anderer Völker und Kulturen übernommen, so die anatolische Kybele [10] und die ägyptische Isis.

Japan, China und Tibet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tibet und der Mongolei stellt der tantrische Buddhismus eine Religion dar, die stark auf die Verehrung von Göttinnen ausgerichtet ist. Dabei wird die göttliche Macht als gleichzeitig entgegengesetzt und komplementär verstanden, die sich in männlichen und weiblichen Manifestationen ausdrückt (vgl. Yab-Yum). Diese Verbindung von weiblichen und männlichen Prinzipien und dynamischen Spannungen entstammt dem hinduistischen Tantra. Es gibt eine Fülle von Göttinnen, die die Gefährtin und den Gegensatz einer männlichen Gottheit darstellen. Jedoch gibt es auch unabhängige und eher autonome Göttinnen, beispielsweise den weiblichen Bodhisattva Tara. [11]

Im tibetischen Bön haben Göttinnen, gleich dem Vajrayana, auch eine bedeutende Rolle. Eine bekannte Bön-Göttin ist z.B. Palden Lhamo.

Im chinesischen Daoismus und Volksglauben gibt es ebenfalls eine große Anzahl an Göttinnen. Besonders im Volk verehrt wird Guanyin, ursprünglich ein Bodhisattva, im Volksglauben jedoch die Göttin der Gnade. Guanyin wird auch in Japan heute noch verehrt. Im Amitabha-Buddhismus bringt Guanyin Gläubige ins Reine Land des Amitabha-Buddha und verleiht die Gewissheit der Erleuchtung. Auch gilt sie als Lehrerin. [12]

Die höchste daoistische Göttin ist Xiwangmu, andere populäre Göttinnen sind z.B. Mazu und Doumu.

Im japanischen Shintoismus gibt es eine Vielzahl von weiblichen und männlichen Naturgottheiten. Der Gott Izanagi und die Göttin Izanami gelten als Schöpfer der Welt und stellen ein Paar dar. Sie sind die Eltern der Sonnengöttin Amaterasu und des Sturmgottes Susano-o no Mikoto und auch anderer Naturgottheiten. Die japanische Kaiserfamilie bezog sich auf Amaterasu als Kultgottheit, wobei sie nicht nur als shintoistische Sonnengöttin angesehen wurde, sondern auch als Strahlender Buddha des Himmels. Der japanische Kaiser galt als Nachfahre Amaterasus und sollte deshalb den Frieden in der Welt aufrechterhalten und war für Amaterasus Haupt-Schrein verantwortlich.[13]

Aspekte neuzeitlicher Göttinnen-Verehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Ausnahme islamischer und protestantischer Gesellschaften ist die Verehrung von weiblichen heiligen Bildnissen weltweit verbreitet. Ein der Göttinnen-Verehrung verwandtes Phänomen ist z.B. die Marienverehrung. Selbst in der ehemaligen Sowjetunion konnte man noch Überreste von Göttinnen-Verehrung in der Volkskunst, in Filmen und in der Literatur feststellen. Im Hinduismus, tibetischen Buddhismus, Bön, Daoismus und Shintoismus sind heutzutage sehr viele Göttinnen zu finden. Ebenso ist unter den nordamerikanischen Ureinwohnern die Verehrung von Göttinnen sehr ausgeprägt. Hier werden häufig Erdgöttinnnen verehrt, die mit dem Anbau von Korn zu tun haben. In Mittel- und Südamerika hatten schon die Maya, Inka und Azteken wichtige Göttinnen. Bei den heutigen mesoamerikanischen Ureinwohnern, wie z.B. den mexikanischen Nahuatl, die von Azteken und Tolteken abstammen, gibt es immer noch solche Göttinnen. Eine heutige Nahuatl-Göttin ist Tonantsi. Ihr Bildnis wird zusammen mit christlichen Heiligen auf den Altären aufgestellt, die Verehrung von Göttinnen ist häufig synkretistisch. Joseph wird als ihr Sohn betrachtet. Auch in der Karibik und in Lateinamerika herrscht in Bezug auf Göttinnen Synkretismus vor, besonders verbreitet ist die Umdeutung von lokalen Göttinnen zu Marien. Ein bekanntes Beispiel ist die Jungfrau von Guadalupe. Ihr Schrein befindet sich an einem Tempel, in dem früher die Göttin Tonantsi verehrt wurde. In einigen einheimischen afrikanischen Religionen werden ebenfalls wichtige Göttinnen verehrt, z.B.in den Religionen der Yoruba, Akba und Igbo.

Des weiteren werden in afroamerikanischen Religionen wie Candomblé, Santeria und Umbanda sowie in Naturreligionen Göttinnen verehrt.

Mit dem Aufkommen von Wicca und Neopaganismus wurde die Idee einer Göttin auch in Europa und den USA wieder populär. Hier tritt besonders die Dreifaltige Göttin hervor.

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Orientalist Raphael Patai vertritt die These, dass die Göttin auch im späteren Judentum noch in verschiedenen Verhüllungen vorzufinden sei. So werden beispielsweise Cherubim als männlich und weiblich in erotischer Umarmung gedacht, es liegen Bildnisse von Jahwes Frau Astarte vor, Jahwe wird als männlich und weiblich gleichzeitig angesehen, und die Personifikation der irdischen Präsenz Gottes ist die Shekhinah. Die Shekhinah gilt als Manifestation von Weisheit oder Heiligem Geist und verteidigt den Menschen vor Gott. Der Zohar aus dem 13. Jahrhundert sieht die Shekhina als weibliche göttliche Entität oder als "göttliche Matrone" an und sie hatte eine besonders wichtige Rolle im Kabbalismus. Im 15. bis 18. Jahrhundert hatte die Kabbala einen großen Einfluss auf das Judentum, so dass hier die Shekhinah weithin akzeptiert war. Sie wurde als Vermittlerin zwischen Gott und dem zerstreuten Volk der Juden angesehen. Nach Patai wurde sie im Volk auch einfach als Göttin angesehen, da nach kabbalistischer Ansicht die Shekhinah und Gott eins waren. [14]

Französische Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Französischen Revolution wurde auf Betreiben Robespierres in den Jahren 1793 und 1794 versucht, die herkömmliche Religion durch den Kult einer allegorischen Göttin der Vernunft zu ersetzen. Bei den ersten Feierlichkeiten verkörperte eine Schauspielerin diese Göttin in der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Mit dem Ende der Herrschaft der Jakobiner scheiterte dieser Versuch eines atheistischen Staatskultes.

Themen und Muster der heutigen Göttinnen-Verehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theoretische Aspekte der Göttinnen-Verehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Jakob Bachofen.

Auch von einigen Psychologen wurden Theorien über die Verehrung von Göttinnen formuliert. Sigmund Freud interpretierte die Verehrung von Göttinnen als infantilen Wunsch, sich wieder mit der Mutter zu vereinigen. Er nahm an, dass es unbewusste Fantasien gebe, die aus einer Phase der frühen psychischen Entwicklung stammen, in der die Mutter als allmächtig erscheint. Freuds Theorien sind heutzutage stark umstritten.

Carl Gustav Jung befasste sich mehr mit den religiösen Impulsen der Göttinnen-Verehrung. Er nahm an, dass das feminine Prizip ein universaler, innerpsychischer Archetypus sei, der in der Psyche auch agiere.

Der Jungianer Erich Neumann entwickelte eine voll ausgearbeitete jungianische Theorie zur Göttinnen-Verehrung in seinem Werk Die große Mutter (1955). In diesem werden die Göttinnen anhand einer Vielzahl von psychologischen Perspektiven erläutert. Neumann geht nicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge ein, sondern verwendet ausschließlich Begrifflichkeiten des Innerpsychischen. Obwohl Neumann methodologisch zu kritisieren ist, stellt sein Werk eines der umfangreichsten der Göttinnen-Forschung dar. Er beschreibt die große Fülle an Erscheinungen der Göttinnen und legt transformative Aspekte der religiösen Impulse in Bezug auf Verehrung von Göttinnen dar. [15]

Im archetypischen Symbol der Göttin stellt er vier Dimensionen fest, unter die nach Neumann jede Göttin eingeordnet werden kann: Die gute Mutter, die in Verbindung steht zu Themen wie Geburt, Wiedergeburt und Vegetationskulten, die schreckliche Mutter, die in Verbindung steht zu Themen wie Krankheit, Erlöschen und Tod, die positive Göttin der Transformation, die mit Inspiration und Weisheit, Ekstase und Visionen verbunden ist und die negative Göttin der Transformation, die mit Wahnsinn, Zurückweisung, Impotenz und Deprivation in Zusammenhang steht. [16]

Joseph Campbell hat in seinem Werk "Die Masken Gottes" ebenfalls einen jungianisch ausgerichteten Beitrag zur Göttinnen-Verehrung dargelegt, der auch auf phänomenologische Perspektiven eingeht. [17]

Der Anthropologe und Religionswissenschaftler Edwin Oliver James vertrat in Bezug auf Göttinnen (1959) einen historischen und kulturellen Ansatz, jedoch auch eine jungianische Perspektive, gleich Erich Neumann. [18]

Zwischen den 50er und den 80er Jahren gab es keine Hauptwerke über das Phänomen der Göttinnen. Erst in den 80er Jahren begannen Anthropologie, Religionswissenschaft und Feminismusstudien sich diesem Forschungsgebiet wieder zuzuwenden. Gründe für diese neueren Forschungen waren das Wiederaufleben der Matriarchatskontroverse, die Beschäftigung des Feminismus mit der Symbolik der Göttinnen und neue Ansätze in der vergleichenden Religionswissenschaft.[19]

Mircea Eliade beispielsweise beschäftigte sich mit dem Thema in seinem Werk Mother Worship; Theme and Variations (1982). Carl Olson war der Herausgeber des Werkes The Book of the Goddess. Past and Present (1983), das Artikel von Religionshistorikern und feministischen Wissenschaftlern enthält.[20]

Die Annahme über eine Kulturstufe des Matriarchats ist, obwohl die meisten Religionswissenschaftler und Athropologen davon ausgehen, eine solche habe es nie gegeben, nicht aus der Diskussion verschwunden. Einige wenige prominente Wissenschaftler, wie Joseph Campbell, nehmen an, dass es ein "Mutterrecht", wie Bachofen es postulierte, gegeben hat. Diese Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Matriarchat archäologisch nachweisbar sei. Die feministischen Wissenschaften stimmen im allgemeinen inzwischen der anthropologischen Sichtweise zu, obwohl einige feministische Autorinnen weiterhin an der Idee einer Großen Göttin und matrifokaler Kulturen festhalten, ein Beispiel stellt Starhawk dar. [21]





Religionen des Altertums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im mesopotamischen Raum gehören die Göttinnen mit zu den ältesten Gottheiten und einige Forscher vermuten, dass eine Dominanz weiblicher Gottheiten bis in die Vorgeschichte zurückreicht, da ein Großteil der gefundenen Skulpturen weiblich ist und männliche Skulpturen eher die Ausnahme bilden.

Umstritten ist, ob ein Primat von Göttinnen mit einem sozialen Matriarchat zusammenhing. Ein Vergleich mit heutigen Kulturen, die viele Göttinnen kennen oder bei denen die Verehrung von Göttinnen prominent ist, zeigt, dass dies "nicht zwingend Gesellschaften [sind], in denen Frauen geschätzt werden und ihnen Chancen offenstehen." [22]

Mit Ausnahme der hethitischen Sonnengöttin von Arinna stehen in den meisten Religionen des Altertums keine Göttinnen an der Spitze einer Götterhierarchie. Sie fungieren oft als Fruchtbarkeitsgöttinen, Muttergöttinen oder Erdgöttinnen oder auch nur „als spekulative Ergänzungen ihres Gatten ohne eigenen Tempel.“[23]

Die akkadische Ischtar - der sumerischen Inanna und der westsemitischen Astarte entsprechend - war eine Kriegs-, Mutter- und Liebesgöttin. Als dominierende Göttin konnte ihr Name auch gleichbedeutend für Göttinnen überhaupt verwendet werden.[24]

Die Mythologie der Griechen und der Römer kennt auch zahlreiche Göttinnen. In der Antike galten neben den Parzen (Schicksalsgöttinnen) Artemis Eileithyia in Verbindung mit Hera, Juno und Lucina u. a. als Geburtsgöttinen.

Erd- und Fruchtbarkeitsgöttinen wurden auch in anderen Regionen verehrt, in denen Ackerbauern lebten, von Ägypten über den Orient und Kleinasien bis zu den Kelten, Germanen und Slawen. Auch die amerikanischen Hochkulturen der Azteken, Mayas und Inkas verehrten Göttinnen.

Hinduismus, östliche und afrikanische Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Hindus auf der ganzen Welt ist der Glaube an die Gestalt Gottes in weiblicher Form sehr populär. Der Shaktismus, eine der drei Hauptströmungen, sieht die Göttin als über die männlichen Gottheiten dominierend an. Das Bild der schwarzen Göttin Kali, die triumphierend auf dem männlich gedachten, weißen Gott Shiva steht, drückt diese Überlegenheit aus. Dagegen zeigen andere Darstellungen dieselbe Göttin als tugendhafte, liebevolle Gattin Parvati an seiner Seite. Wieder andere weisen deutlich auf die Einheit von männlich/weiblich hin, wenn etwa die Tradition Rama und Sita in einer einzigen Lotusblüte darstellt oder das göttliche Liebespaar zu einer anscheinend untrennbaren Einheit umschlungen ist. In der Gestalt der Mahadevi hingegen erscheint die Göttin als höchste Gottheit und Allwesen, aus der die männlichen Götter hervorgehen.

Obwohl meist als polytheistisch bezeichnet, lehren alle hinduistischen Religionen das formlose göttliche Eine, wenn auch in unterschiedlichen Philosophien. Für Shaktianhänger ist dieses höchste Eine Shakti, die weiblich gedachte Form Gottes. Erscheint sie einmal als junge Frau ohne männliches Gegenstück wie Durga, ist sie dann wieder Ehefrau, Mutter oder sehnsuchtsvolle Geliebte; ist sie als Lakshmi die Göttin der Hausfrauen und der Schönheit, stellt sie als Saraswati die Herrin über Künste und Wissenschaften dar. Nicht nur die hinduistische Philosophie drückt die Einheit des Göttlichen aus, auch die Puranas und Tantras, Bücher, deren Wissen im Volk weit verbreitet ist, machen diese Tatsache in bildhafter Sprache, in Geschichten und in Gebeten deutlich:

Wie die Sonne, die sich in den Teichen spiegelt, als ungezählte Sonnen erscheint, so erscheinst auch du, O Mutter, als viele - Du Eine ohne Zweites, Höchstes Brahman! (aus der tantrischen Schrift Mahakalasamhita)

Auch in anderen östlichen Religionen ist der Glaube an Göttinnen nach wie vor verbreitet. So im Daoismus, im chinesischen Volksglauben, im Shintō, im Bön und im tibetischen Buddhismus. Auch in afroamerikanischen Religionen wie Candomblé, Santeria und Umbanda sowie in Naturreligionen werden Göttinnen verehrt.

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Französischen Revolution wurde auf Betreiben Robespierres in den Jahren 1793 und 1794 versucht, die herkömmliche Religion durch den Kult einer allegorischen Göttin der Vernunft zu ersetzen. Bei den ersten Feierlichkeiten verkörperte eine Schauspielerin diese Göttin in der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Mit dem Ende der Herrschaft der Jakobiner scheiterte dieser Versuch eines atheistischen Staatskultes.

Mit dem Aufkommen von Wicca wurde die Idee einer Göttin auch in Europa und den USA wieder populär.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Franz Sirocko (Hrsg.): Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung, 2009 Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 978-3-534-22237-7, S. 79, Karte Verbreitung der Fundstellen von Venusstatuetten 34.000 -24.000 BP; Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Atlas der Vorgeschichte, 2009 Stuttgart, S. 28-29; vgl. auch Projekt Hypersoil Universität Münster, Mutter Erde in der Altsteinzeit
  2. Russell Dale Guthrie: The nature of Paleolithic art. University of Chicago Press, London 2005, S. 368. Guthrie bezieht sich hier auf Martha Ann, Dorothy Myers Imel: Goddesses in world mythology, ABC-CLIO, Santa Barbara, Calif. 1993 / New York 1995. Vgl. zur Einordnung und Bewertung ferner (von Guthrie rezipiert) Lynn Meskell: Goddesses, Gimbutas and ‚New Age’ archaeology. In: Antiquity. 69/262 (1995), S. 74–86.
  3. Harald Haarmann: Die Madonna und Ihre Töchter, Rekonstruktion einer kulturhistorischen Genealogie, Hildesheim-Zürich-New York 1996, Georg Olms, ISBN 3-487-10163-7, Seite 34 ff.
  4. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion; Bd.6. New York 1987. S. 37.
  5. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 38.
  6. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 39.
  7. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 39.
  8. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 39.
  9. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 39.
  10. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 39.
  11. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 40.
  12. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987. S. 40.
  13. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 40.
  14. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6. S. 39.
  15. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6, S. 54.
  16. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6, S. 55.
  17. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6, S. 55.
  18. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6, S. 38.
  19. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6, S. 55.
  20. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6, S. 55.
  21. Mircea Eliade (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York 1987; Bd. 6, S. 55.
  22. Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat. Chronos Verlag, Zürich 2011, S, 105
  23. K. H. Bernhardt, Art. Göttin, in: Biblisch-Historisches Handwörterbuch (BHH), Bd. 1, 600
  24. R. Border, Art. Ischtar, in: BHH 2, 778