Marienerscheinung
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Bei Marienerscheinungen handelt es sich um Visionen, bei denen Zeugen — sogenannte Seher — berichten, dass ihnen Maria erschienen sei.
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[Bearbeiten] Das Phänomen an sich
Dieses Phänomen tritt meist im katholischen und orthodoxen Milieu auf; in vereinzelten Fällen auch bei Ungläubigen, die sich dann meist aufgrund dieser Erscheinung bekehrten.
Die einzelnen Berichte von Marienerscheinungen sind vielfältig: Dort treten individuelle Erscheinungen auf, die sich häufig auch nicht wiederholen, und / oder nicht weiter bekannt (gemacht) werden. Bekannter sind allerdings sich wiederholende bzw. sich wiederholt habende Marienerscheinungen, die, bei entsprechender Ankündigung, ein großes Publikum anziehen können (Fátima).
Auch die sinnliche Wahrnehmung einzelner Erscheinungen ist unterschiedlich: Zumeist können zumindest die Seher, also die Menschen, welche die erste Marienerscheinung hatten, sie sowohl sehen als auch hören. Auch andere Sinneswahrnehmung, etwa ein ebenfalls häufiger Rosengeruch, sind bekannt.
Ebenfalls können die vermittelten Botschaften unterschiedlichster Art sein und sowohl Prophezeiungen beinhalten als auch Zuspruch in individuellen Lebenskrisen.
Überliefert sind auch Fälle, in denen Erscheinungen der Maria vorausgesagt wurden und, nach dem Zeugnis etlicher Beteiligter, auch tatsächlich eintrafen. Dies ist jedoch nicht immer zwangsläufig der Fall. Insbesondere wenn die Seher zweifeln und sich vermehrt an der Bibel orientieren, teilweise auch nachdem offizielle kirchliche Stellen Zweifel anmeldeten und / oder Verbote aussprachen, blieben die Erscheinungen oft aus[1].
An Orten mit Marienerscheinungen können sich Kirchen, Klöster und Wallfahrtsorte entwickeln.
[Bearbeiten] Wertung und Beurteilung
Sie werden von vielen Gläubigen als Wunder gewertet. Andere wiederum lehnen diese Erscheinungen generell ab, entweder als unwichtig für die persönliche Glaubenserfahrung, als Scharlatanerie oder als Okkultismus. Von Wissenschaftlern werden diese Erscheinungen je nach den Umständen und dem eigenen wissenschaftlichen Hintergrund
- bei historisch nachvollziehbarer Prophetie oder
- wissenschaftlich nicht anders erklärbarer, begleitender Wunder
gewürdigt, oft aber auch als
bewertet.
Wie alle Phänomene potentiell wunderbaren Ursprunges werden auch Marienerscheinungen von der Katholischen Kirche auf ihre Authentizität überprüft. Dazu haben sich drei Beurteilungsformeln etabliert:
- constat de supernaturalite - Es steht fest, dass es sich um Übernatürliches handelt.
- constat de non supernaturalite - Es steht fest, dass es sich um nichts Übernatürliches handelt.
- non constat de supernaturalite - Es steht nicht fest, ob es sich um Übernatürliches handelt.
Diese Beurteilungen werden üblicherweise nach eingehender Prüfung durch den Orts-Bischof erteilt, können aber auch anderen Instanzen übertragen werden. Während die beiden ersten Definitionen endgültiger Natur sind, kann die dritte, aufgrund von neuen Erkenntnissen, aufgehoben werden. Allerdings wäre es irreführend anzunehmen, dass einer Beurteilung non constat de supernaturalite in jedem Fall eine weitere Untersuchung folgt.
Berichte von Marienerscheinungen, auch solche, die von der Kirche als echt anerkannt sind, sind nicht Bestandteil des offiziellen katholischen Glaubens. Jedem Katholiken bleibt deshalb freigestellt, an die Echtheit einer Marienerscheinung zu glauben oder dies zu lassen.
[Bearbeiten] Einordnung
Weitere übernatürliche Phänomene (siehe auch: Religionsphänomenologie) im Leben der Kirche, neben Marienerscheinungen und Prophetie, sind:
- Wunderheilung
- Stigmatisation
- andere Wunder, weil mit den Naturgesetzen nicht erklärbar.
[Bearbeiten] Kritik
Viele Christen (darunter auch Katholiken) und auch Nichtgläubige betrachten Marienerscheinungen als durch Aberglaube hervorgerufene Halluzinationen oder auch als Lügen oder Täuschungen um Aufmerksamkeit zu erregen. In der Tat liegen viele Orte an denen Marienerscheinungen auftreten in ländlichen oder wirtschaftlich benachteiligten Gegenden. Eine Anerkennung der Erscheinung kann zu einem enormen Aufschwung durch den resultierenden Pilgerstrom führen (siehe Lourdes).
Die behaupteten Spontanheilungen werden von Wissenschaftlern im allgemeinen skeptisch betrachtet. Die meisten dieser Heilungen sind nachgewiesenermaßen nicht spontan, sondern geschehen über einen längeren Zeitraum von Wochen oder Monaten und oft lange nach dem Besuch einer Erscheinungsstätte. Das offizielle Büro in Lourdes kennt zum Beispiel sechzig unerklärliche Heilungen. Kritiker weisen darauf hin, dass diese Heilungen bei weitem nicht immer vollständig und dauerhaft sind und viele dieser Heilungen als Spontanheilung erklärt werden, die auch ohne den Besuch einer Wallfahrtsstätte auftreten können. Angesichts der großen Besucherzahlen ist schon rein statistisch mit einem gewissen Anteil unter den Besuchern zu rechnen, die einen derartigen Krankheitsverlauf haben.
Des Weiteren wird hauptsächlich von evangelischer bzw. evangelikaler Seite der Standpunkt vertreten, die Marienerscheinungen würden un- bzw. widerbiblische Lehren geben und es könne sich allein schon deshalb nicht um die Maria der Bibel, die Mutter Jesu, handeln. [2]
Es ist ebenfalls auffällig, dass Marienerscheinungen offenbar bevorzugt Katholiken widerfahren und sehr selten Anders- oder Nichtgläubigen. Eine der Ausnahmen von dieser Regel waren die Marienerscheinungen in Zeitoun in Ägypten.
[Bearbeiten] Orte von Marienerscheinungen
Übernatürlichkeit seitens der Römisch-katholischen Kirche anerkannt „Constat de supernaturalitate“. Es stehe fest, dass die Erscheinungen übernatürlich sind:
- Akita[3]
- Amsterdam
- Banneux
- Fátima
- Guadalupe, heute Stadtteil von Mexiko-Stadt
- Herforder Vision (zwischen 926 und 973), älteste bekannte Marienerscheinung nördlich der Alpen
- Kibeho[4]
- Knock, Irland (1879)[5]
- La Salette
- Lourdes
- Notre-Dame du Laus, Frankreich (1664 - 1718)[6]
- Paris, Rue du Bac
- Šiluva, Litauen (1608)
Übernatürlichkeit seitens der Römisch-katholischen Kirche nicht anerkannt „Constat de non supernaturalitate“. Es stehe fest, dass die Erscheinungen nicht übernatürlich sind. Oder „Non constat de supernaturalitate“, es stehe noch nicht fest, ob die Erscheinungen übernatürlich sind (es wird zur Zeit noch keine Entscheidung getroffen):
- Dechtice[7], Slowakei (angebliche Erscheinungen sollen noch andauern)
- Garabandal, Spanien
- Heede (Emsland) (eine offizielle Untersuchung hat seitens der römisch-katholischen Kirche bis heute nicht stattgefunden und ist laut Diözese Osnabrück auch nicht geplant)
- Heroldsbach - Als Gebetsstätte von Bischof Karl Braun 1998 anerkannt. Zitat Bischof Ludwig Schick: Die Gebetsstätte Heroldsbach soll eines der Zentren der Evangelisierung und Neuevangelisierung in der Erzdiözese Bamberg werden. Dies sagte bei einem Gottesdienst in der Heroldsbacher Marienkirche am Sonntag, 2. März 2003, der Bamberger Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick: „In Heroldsbach soll und möchte die Mutter Gottes uns zu Jesus Christus hinführen“.[8]
- Marpingen
- Međugorje (in der Herzegowina, angebliche Erscheinungen sollen noch andauern und werden gründlich geprüft)
- Niklashausen
- Sievernich
- Wigratzbad (Ortsteil von Opfenbach, Landkreis Lindau)
Sonstiges:
- Palmar de Troya, Spanien (Zentrum der Palmarianisch-Katholischen Kirche)
[Bearbeiten] Marienerscheinungen außerhalb der katholischen Welt
Marienerscheinungen sind kein rein römisch-katholisches Phänomen. Es gibt sie auch im Einflussbereich der Orthodoxie sowie der Koptischen Kirche.
Konstantinopel:
- Nach einer russischen Tradition hatte der slawische Asket Andreij, auch als „Narr in Gott“ bezeichnet, in der berühmten Blachernen-Kirche in Konstantinopel an einem 1. Oktober im 10. Jahrhundert während der Mitternachtsmesse eine Vision der Gottesmutter, die aus den Türen des Altarraumes hervortrat und unter Tränen lange betete. Auch der Diener Epiphanius will gesehen haben, wie sie schließlich ihr Schultertuch über das anwesende Volk ausbreitete. Der russische Fürst Andrej Bogoljubskij (+ 1174) übernahm die Legende, errichtete der „Schutzmantelmadonna“ (Pokrov) eine eigene Kirche und machte den 1. Oktober in ganz Russland zu ihrem Festtag.
Russland:
- Kazan: Am 8. Juli 1579 soll die „Theotokos“ („Gottesgebärerin“, wie Maria in der Orthodoxie genannt wird) dem neunjährigen Mädchen Matrona in Kazan an der Wolga erschienen sein. Dem Bericht zufolgte offenbarte sie ihr das Versteck einer vor den muslimischen Tataren verborgenen wundertätigen Ikone. Das als „Kazanskaya“ bekannte Gnadenbild wurde zum Symbol Russlands, ihr zu Ehren wurden in Moskau und St. Petersburg Kathedralen errichtet.
- Potschajiw: Am 17. April 1198 erschien die „Theotokos“, der Gründungslegende des Basilianerklosters von Potschajiw zufolge, einer Gruppe von Mönchen, die vor der Invasion der Mongolen aus dem berühmten Höhlenkloster von Kiev (Pescherski Lavra) in die Höhlen nahe Ternopyl geflohen waren, „in einer Säule aus Feuer“. Dabei soll sie ihren Fußabdruck im Felsen hinterlassen haben. Wasser aus einer nahegelegenen Quelle werden seitdem Heilwirkungen zugeschrieben, ein Kloster an der Erscheinungsstätte wurde zum beliebten Wallfahrtsort.
- Hruschiw: Am 25. April 1987 soll Maria der 11-jährigen Marina Kisyn über den Glockenturm der seit 40 Jahren geschlossenen Dorfkirche erschienen sein. Diese war vor mehr als 100 Jahren wegen einer wundertätigen Marienikone und einem Brunnen mit angeblich heilendem Wasser schon einmal ein Wallfahrtsort gewesen. Als sich die Erscheinungen an den folgenden Tagen wiederholten, kamen bis zu 40.000 Pilger, trotz aller Sabotagen des damaligen kommunistischen Regimes. Fast alle wollen ebenfalls die Erscheinung in orangerotem und blauem Licht gesehen haben.
[Bearbeiten] Echtheit bestätigt seitens des koptischen und des katholischen Patriarchen
Ägypten:
- Zeitoun/Kairo: Seit dem 2. April 1968 kam es wochenlang allabendlich zu Erscheinungen einer „Frau in weißem Licht“, die von hunderttausenden koptischen Christen und Moslems über der Kuppel der koptischen Marienkirche von Zeitoun beobachtet wurden. Zeitoun ist nach der Legende der Ort, wo die Jungfrau Maria bei ihrer Flucht nach Ägypten unter einem Bergahorn ausruhte. Viele Wunderheilungen und Bekehrungen wurden berichtet. Am 4. Mai 1968 erklärte der koptische Patriarch Kyrillos VI. die Erscheinungen für glaubwürdig, der katholische Patriarch Stephanus I. pflichtete ihm bei. [9], [10].
[Bearbeiten] Echtheit bestätigt seitens des koptischen Patriarchen
- Assiut: Am 17. August 2000 begann eine Reihe von Marienerscheinungen über der Markuskirche. Zahlreiche Zeugen wollen mysteriöse Lichter, Tauben aus Licht oder die leuchtende Gestalt der Gottesmutter gesehen haben, auch Fotos und Videos liegen vor. Der koptische Patriarch Shenouda III. erkannte die Echtheit der Erscheinungen an und bezeichnete sie als „Zeichen des Trostes“ für die christliche Minderheit in Ägypten. Bischof Mina Hanna, Vorsitzender des Rates der Kirchen von Assiut, sagte: „Dies ist ein Segen sowohl für Muslime als auch für Christen. Es ist ein Segen für Ägypten.“ [11]
[Bearbeiten] Literatur
- Paul Badde: Maria von Guadalupe - wie das Erscheinen der Jungfrau Weltgeschichte schrieb, Ullstein 2004
- David Blackbourn: Wenn ihr sie wieder seht, fragt wer sie sei. Marienerscheinungen in Marpingen. Aufstieg und Niedergang des deutschen Lourdes. Rowohlt, Hamburg 1997, ISBN 3498005839
- Ramon DeLuca: Echt oder unecht? Die Unterscheidungskriterien der Kirche bei Privatoffenbarungen, Verax, Müstair 1998, ISBN 3-909065-03-1
- Johannes Fiebag/Peter Fiebag: Zeichen am Himmel. UFOs und Marienerscheinungen, Frankfurt am Main/Berlin 1995, Ullstein, ISBN 3-548-35567-6
- Stefan Teplan, Dr. Valentin Reitmajer: Maria spricht in Medjugorje - Sämtliche Botschaften der Gottesmutter, Reimo Verlag 2002, ISBN 3980581071
- Josef Hanauer: Muttergottes- Erscheinungen, Tatsachen oder Täuschung?, Aachen 1996, Fischer, ISBN 3-89514-056-2
- Bernd Harder: Medjugorje - Wallfahrt für Millionen, Pattloch, München 2005, ISBN 3629021050
- Michael Hesemann: Das Fatima-Geheimnis - Marienerscheinungen, der Papst und die Zukunft der Menschheit, Kopp-Verlag, Rottenburg 2002, ISBN 3-930219-44-1
- Gottfried Hierzenberger, Otto Nedomansky: Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter Maria, Augsburg 1997, Bechtermünz, ISBN 3-860-47452-9
- Kevin O. Johnson: 20 Fragen zu Medjugorje. Was Rom wirklich gesagt hat, Verax, Müstair 2001, ISBN 3-909065-23-6
- Elvira Maria Slade: Maria – Die unbekannten Seiten der „Mutter Gottes“. Verlag für Reformatorische Erneuerung, Wuppertal 2003, ISBN 3-87857-318-9
- Ivan Zeljko: Marienerscheinungen-Schein und Sein aus theologischer und psychologischer Sicht - Dargestellt am Beispiel der Privatoffenbarungen in Medjugorje, Dr. Kovač, Hamburg 2004, ISBN 3-8300-1448-1
[Bearbeiten] Weblinks
Allgemein
- Schein oder Nicht-Schein von Bernd Harder/Stephan Teplan
- Kritische Stellungnahme aus katholischer Sicht von Josef Stocker
- Erscheinungsorte weltweit Karten je Kontinent und Links
- Kongregation für die Glaubenslehre: Die Botschaft von Fatima
Einzelne Erscheinungen bzw. Erscheinungsorte
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Elvira Maria Slade: Maria – Die unbekannten Seiten der „Mutter Gottes“. Verlag für Reformatorische Erneuerung, Wuppertal 2003, ISBN 3-87857-318-9
- ↑ James G. McCarthy: Das Evangelium nach Rom. Eine Gegenüberstellung der katholischen Lehre und der Heiligen Schrift, CLV, Bielefeld 1996, ISBN 3-89397-366-4; Elvira Maria Slade: Maria - Die unbekannten Seiten der „Mutter Gottes“, Verlag für Reformatorische Erneuerung, Wuppertal 2003, ISBN 3-87857-318-9, Vorwort; Rezension
- ↑ http://es.geocities.com/aparicionesymensajes2002/ale-akita.html
- ↑ http://www.heiliggeist-seminar.de/kibeho.htm
- ↑ http://www.knock-shrine.ie/shrine/Commissions_of_enquiry/
- ↑ Anerkennung am 4. 5. 2008, franz. Webseite
- ↑ http://www.avemaria.sk/dechtice/dechtice.php?lang=de&clanok=10
- ↑ http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/medien/pressearchiv.html?f_action=show&f_newsitem_id=3589
- ↑ Erscheinungen in Zeitoun (engl.)
- ↑ umfassende Information (engl.)
- ↑ Erscheinungen in Assiut Share International, November 2000

