Römisch-katholische Kirche

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Dieser Artikel behandelt die gesamte, den Jurisdiktions-Primat des Papstes anerkennende katholische Kirche; sie besteht aus 23 Teilkirchen. Die Kirche des lateinischen Ritus, die wichtigste dieser Teilkirchen, die umgangssprachlich ebenfalls als (römisch-)katholische Kirche bezeichnet wird, wird separat unter Lateinische Kirche behandelt. Weitere Kirchen, deren Namen den Bestandteil katholisch aufweisen, werden in eigenen Artikeln beschrieben, siehe Katholische Kirche (Begriffsklärung).
Oberhaupt Kirchenflagge
Papst Benedikt XVI.
Basisdaten
Oberhaupt: Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger)
Mitglieder: 1.131.000.000 (Stand: 2008)
Priester: 407.262 (Stand: 2008)
Ordensleute: 815.237 (Stand: 2008)
Anschrift: Via della Conciliazione 54
SCV-00120 Vatikanstadt
Website: www.vatican.va

Die römisch-katholische Kirche (v. griech. καθολικός, katholikos: allgemein, über alles bzw. alle herabkommend, allgemeingültig) ist die größte religiöse Gruppierung der Welt, sowie die zahlenmäßig größte Kirche innerhalb des Christentums. Sie umfasst 23 Teilkirchen mit eigenem Ritus, darunter die nach Mitgliederzahl größte lateinische Kirche (bestehend aus drei Teilkirchen) und die unierten Ostkirchen. Mit den anglikanischen, den altkatholischen und den orthodoxen Kirchen teilt die katholische Kirche alle sieben Sakramente einschließlich des Weiheamtes, aufgegliedert in Bischof, Priester und Diakon (Klerus). Unterscheidendes Merkmal ist die Anerkennung des Primats des römischen Bischofs über die Gesamtkirche. Der römisch-katholischen Kirche gehören weltweit etwa 1,13 [1] Milliarden Mitglieder an.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Zur Bezeichnung

„Römisch-katholische Kirche“ ist ein Begriff, der im Gefolge der Reformation zur einfacheren Unterscheidung der gespaltenen christlichen Bekenntnisse entstanden ist. Gemeint ist die katholische Kirche, die den Primat des Papstes anerkennt. Da der römisch-katholische Kirchenbegriff eine konfessionelle Verfassung der Kirche wegen ihrer Singularität nicht kennt, lehnt sie diese Bezeichnung ab. Gleichwohl weisen offizielle Dokumente im ökumenischen Dialog wohl aus Vereinfachungsgründen bisweilen die Bezeichnung „römisch-katholisch“ auf. Die Verwendung der Bezeichnung „römisch-katholische Kirche“ widerspricht jedoch nicht dem katholischen Glauben, da „römisch“ durchaus ein Merkmal der Kirche ist, nämlich die Leitung der Kirche durch den ersten Papst, den Nachfolger des in Rom begrabenen Petrus.

Der Petersdom ist eine der wichtigsten Pilgerstätten der römisch-katholischen Kirche.

In der Regel aber bezeichnet sich die römisch-katholische Kirche selbst nur mit „katholische Kirche“ oder theologisch gelegentlich ausführlich als „die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“. Die Bezeichnung „lateinische Kirche“ bezieht sich auf die katholische Kirche des Abendlandes („Westkirche“) im Gegensatz zu den unierten Ostkirchen. Daneben wird die Bezeichnung „römisch-katholische Kirche“ sowohl in der Literatur als auch in Publikationen kirchlicher Stellen häufig als synonymer Ausdruck für „lateinische Kirche“ in der Gegenüberstellung zu den unierten katholischen Ostkirchen – entsprechend „griechisch-katholische Kirchen“, „syrisch-katholische Kirche“ usw. – verwandt; in diesem Sprachgebrauch bezieht sich „römisch“ auf den Ritus und gemeint ist nur die lateinische (westliche) Teilkirche.

Im allgemeinen und amtlichen Sprachgebrauch, vor allem in westlichen Ländern, werden die Bezeichnungen „katholische Kirche“ und „römisch-katholische Kirche“ in der Regel synonym verwendet. In Deutschland ist die Bezeichnung „katholisch“ namensrechtlich geschützt und darf ohne unterscheidenden Zusatz als Bezeichnung nur für Einrichtungen und Veranstaltungen der römisch-katholischen Kirche benutzt werden.

Die katholische Kirche versteht sich auch theologisch als die katholische Kirche: Nach ihrer Auffassung kann es nur eine katholische, d. h. universelle Kirche Jesu Christi geben, und in ihr selbst ist diese eine Kirche auf so einzigartige Weise verwirklicht, dass es keine andere katholische Kirche geben kann.

Dies widerspricht dem Selbstverständnis einer ganzen Reihe von anderen Kirchen, die sich selbst als „katholisch“ verstehen, sei es, dass sie sich mit einem der katholischen Kirche ähnlichen Ausschließlichkeitsanspruch als die eine, wahre katholische Kirche sehen, sei es, dass sie sich als Teil einer weiter verstandenen katholischen Kirche sehen, die auch weitere konfessionell verfasste Kirchen umfasst. Solche Kirchen verwenden in offiziellen Texten für die katholische Kirche in der Regel auch die Bezeichnung „römisch-katholische Kirche“.

Im altkirchlichen Sprachgebrauch war die Selbstbezeichnung katholikos immer exklusiv gemeint und schloss konstitutiv die volle Sakramentsgemeinschaft ein.

Siehe auch: katholisch

[Bearbeiten] Gründung

Die römisch-katholische Kirche beruft sich traditionell auf die Gründung durch Jesus Christus selbst, insbesondere auf das so genannte "Felsenwort" an den Apostel Petrus (Mt 16,18 EU). Ob man historisch tatsächlich von einem eigentlichen Kirchengründungsakt durch Jesus Christus ausgehen kann, ist allerdings auch unter römisch-katholischen Theologen umstritten. Meist wird in heutiger Ekklesiologie ein Zusammenwirken von vorösterlichen Wurzeln (Jesu endzeitliche Sammlung des Gottesvolkes), einem österlichen Impuls (Kirche als Gemeinschaft derer, die dem auferstandenen Jesus Christus nachfolgen) und pfingstlicher Geistgabe (Kirche als Gemeinschaft, in der der Heilige Geist gegenwärtig ist) als Ursprung der Kirche angesehen.

Um die Jahre 30 bis 33 wird daher von der Entstehung der ersten Gemeinden, also der Urkirche, ausgegangen. Die römisch-katholische Kirche betrachtet sich mit dieser Urkirche in ununterbrochener Kontinuität stehend und nimmt auch die direkte Gründung durch Jesus Christus in Anspruch. Sie sieht diesen Zusammenhang auch institutionell, insofern die christliche Gemeinde von Rom traditionell als Gründung des Apostels Petrus angesehen wird, und der Papst als Bischof von Rom direkter Nachfolger Petri ist.

Das Selbstverständnis als mit der Urkirche in ununterbrochener Tradition stehend ist keine römisch-katholische Besonderheit, auch andere christliche Konfessionen berufen sich auf diese Tradition. Inwiefern dieses Selbstverständnis berechtigt ist oder nicht, war lange Zeit Gegenstand polemischer Kontroversen unter den Konfessionen und ist heute ein wesentlicher Punkt des ökumenischen Dialogs.

[Bearbeiten] Geschichtliche Herleitung der Struktur

Ein Bischof (v. griech. ἐπίσκοπος „Hüter, Aufseher“) ist seit circa 100 n. Chr. Vorsteher der katholischen Gemeinde in einer Stadt und den umliegenden Dörfern. Der Bereich eines Bischofs heißt Bistum oder Diözese (v. griech. διοίκησις „Verwaltung“), die Stadt ist der Bischofssitz. Als Deutschland christianisiert wurde, gab es keine Städte, daher wurden die Diözesen große ländliche Bezirke. Noch heute sind die Diözesen hier viel größer als beispielsweise in Italien, wo es schon in der Antike größere Städte gab.

In den ersten 3 Jahrhunderten bildeten sich die Kirchenprovinzen heraus. Eine Kirchenprovinz umfasst mehrere Diözesen, der Vorsteher heißt Metropolit. Im Deutschen nennt man ihn normalerweise Erzbischof und diejenige Diözese, deren Bischof der Erzbischof ist, heißt auch Erzbistum. Der Sitz eines Erzbischofs ist die Metropole (= Mittel-polis, Großstadt, Hauptstadt). In der römisch-katholischen Kirche haben die Metropoliten an Bedeutung verloren. Es ist heute mehr ein formaler Vorrang.

Bis 451 n. Chr. wurden die fünf „wichtigsten“ Metropoliten Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem zu Patriarchen. Der Streit zwischen Rom und Konstantinopel führte dazu, dass sich die westliche Kirche schließlich von der östlichen (orthodoxen) trennte.

Heute gibt es über 10 Patriarchate, wichtig ist vor allem Konstantinopel. Im Westen gab es nur den römischen Patriarchen, der sehr viele Rechte auf Rom konzentrierte, während die Patriarchate im Osten wesentlich selbständiger blieben. Einige östliche Bistümer haben sich im Laufe der Geschichte mit Rom versöhnt (uniert), meist unter dem Einfluss weltlicher Herrscher wie etwa in Siebenbürgen, in der Ukraine u. a. Bis auf die syro-maronitische und die italo-albanische Kirche lassen sich alle unierten Kirchen einer orthodoxen oder orientalischen Herkunftskirche zuordnen, von der sie sich mit der Unterordnung unter den Papst abgespalten haben. Bedingt durch diese historischen Entwicklungen gibt es heute an manchen Orten mehrere Bischöfe, etwa einen orthodoxen Bischof, einen Bischof der mit Rom unierten Kirche und einen lateinischen Bischof. Die unierten Kirchen haben den Ritus ihrer Herkunftskirchen in der Regel behalten und werden entsprechend bezeichnet. So heißen beispielsweise Kirchen, deren byzantinischer Ritus auf die griechische Kultur des antiken oströmischen Reiches zurückgeht, „griechisch-katholisch“.

Siehe auch: Geschichte der römisch-katholischen Kirche

[Bearbeiten] Gliederung in Kirchen

Die katholische Kirche besteht aus 23 Teilkirchen, deren weitaus größte die Lateinische ist. Die übrigen 22 Teilkirchen erstrecken sich auf die anderen Ritenfamilien; es sind andere Kirchen oder deren Teile, die sich im Laufe der letzten 1000 Jahre mit Rom versöhnt haben, ihren historisch gewachsenen Ritus aber beibehalten haben. Die Maroniten besitzen einen eigenständigen Ritus und sind als Ganze mit Rom uniert.

Äußeres Merkmal der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche ist neben der gemeinsamen Glaubenslehre die Anerkennung des päpstlichen Primats, d. h. der spirituellen und juristischen Leitungsfunktion des Papstes. Dieser übt jedoch nur über die Lateinische Kirche patriarchale Gewalt aus; die übrigen Teilkirchen haben meist eigene Patriarchen oder Großerzbischöfe mit abweichender Jurisdiktion.

Nach dem Annuario Pontificio 2008 gibt es in der katholischen Kirche die folgenden Teilkirchen:

[Bearbeiten] Lateinischer Ritus

  1. Lateinische Kirche

[Bearbeiten] Alexandrinischer Ritus

  1. Koptisch-katholische Kirche
  2. Äthiopisch-Katholische Kirche

[Bearbeiten] Antiochenischer oder Westsyrischer Ritus

  1. Maroniten
  2. Syrisch-katholische Kirche
  3. Syro-Malankara Katholische Kirche

[Bearbeiten] Armenischer Ritus

  1. Armenisch-katholische Kirche

[Bearbeiten] Chaldäischer oder Ostsyrischer Ritus

  1. Chaldäisch-katholische Kirche
  2. Syro-Malabarische Kirche

[Bearbeiten] Konstantinopolitanischer oder Byzantinischer Ritus

  1. Albanisch-katholische Kirche
  2. Bulgarisch-katholische Kirche
  3. Griechische griechisch-katholische Kirche
  4. Italo-albanische Kirche
  5. Kirche der Byzantiner der Eparchie Križevci (Kroatien, etc.)
  6. Mazedonisch-katholische Kirche
  7. Melkitische griechisch-katholische Kirche
  8. Rumänische griechisch-katholische Kirche
  9. Russische griechisch-katholische Kirche
  10. Ruthenisch griechisch-katholische Kirche
  11. Slowakische griechisch-katholische Kirche
  12. Ukrainische griechisch-katholische Kirche
  13. Ungarische griechisch-katholische Kirche
  14. Weißrussische griechisch-katholische Kirche

[Bearbeiten] Hierarchie

Peter Paul Rubens: Petrus als Papst mit den „Schlüsseln des Himmelreiches“

Als unverzichtbares Strukturelement wird das Petrusamt mit seinem Primatsanspruch angesehen, das gemäß katholischer Lehre von Petrus (Mt 16,18 EU) auf alle seine Nachfolger im römischen Bischofsamt übergeht. Die katholische Kirche ist hierarchisch strukturiert. Der Katholizismus unterscheidet sich objektiv feststellbar dadurch von allen anderen christlichen Konfessionen, dass gemäß dem „petrinischen Prinzip“ an einer Überordnung der Kirche über Politik, Staats- und Gesellschaftsordnung festgehalten wird. Die Religion ist nicht Privatsache, sondern dem Christentum kommt ein öffentlicher Autoritätsanspruch zu, der sich im Papsttum manifestiert. Unmittelbare Privilegien in Staat und Gesellschaft beansprucht die katholische Kirche jedoch seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 ausdrücklich nicht mehr. Sie hat in ihrer Erklärung zur Religionsfreiheit das Vorrecht jeder einzelnen menschlichen Person vor dem Durchsetzungsanspruch einer institutionell objektivierten Religiosität anerkannt, ohne jedoch ihr Selbstverständnis, dass die wahre Kirche Christi in der sichtbaren Gestalt der katholischen Kirche subsistiert, aufzugeben. Einige Theologen, wie zum Beispiel der suspendierte Priester Gotthold Hasenhüttl, fordern einen Paradigmenwechsel in dieser Strukturfrage.

[Bearbeiten] Papst und Kardinäle

An der Spitze der katholischen Kirche steht der Papst. Er ist die höchste Autorität in Fragen der Glaubens und der Disziplin (Kirchenordnung) in Fragen der Lehre und der Kirchenordnung. Nach kirchlicher Lehre sind lehramtliche Aussagen des Papstes in Fragen des Glaubens und der Moral unter bestimmten, eng gesetzten, Bedingungen als unfehlbar anzusehen (päpstliche Unfehlbarkeit).

Ihm zur Seite stehen als seine engsten und wichtigsten Mitarbeiter die Kardinäle, die sowohl in der als Kurie bezeichneten kirchlichen Zentralverwaltung tätig sind (Kurienkardinäle), als auch an der Spitze wichtiger Bischofssitze stehen (s.u.). Bis auf wenige Ausnahmen ist jeder Kardinal ein geweihter Bischof.

[Bearbeiten] Erzbischöfe, Bischöfe und Metropoliten

Alle Bischöfe, auch der Papst, haben von der Weihe her die gleiche Stufe. Von der Leitungsgewalt steht der Papst an der Spitze, gefolgt von den Metropoliten, den Vorstehern der Kirchenprovinzen, die den Titel Erzbischof führen und denen zum Zeichen der Teilhabe an der Leitungsgewalt vom Papst das Pallium verliehen wird. Ein Metropolit ist zugleich Diözesanbischof, hat aber nur wenige Vorrechte. Ein Diözesanbischof ist der Leiter einer Diözese (Ortskirche, Bistum). Neben den Erzbischöfen, die als Metropoliten einer Kirchenprovinz vorstehen, gibt es auch Titularerzbischöfe.

Regional ist die katholische Kirche in Ortskirchen (Diözesen) gegliedert. Kirchenprovinzen bestehen aus mehreren Diözesen und stellen eine Zwischenebene zum Papst dar. Sie bestehen im lateinischem Ritus aus einem Metropolitanbistum, welches in der Regel Erzbistum genannt wird;[2] und mehreren weiteren Bistümern, die als Suffraganbistümer bezeichnet werden. Die Bischöfe eines oder mehrerer Staaten treffen regelmäßig in Bischofskonferenzen zusammen, an deren Spitze ein Vorsitzender steht, dem eine Sprecherfunktion für die katholische Kirche seines Landes zukommt, so wie einst dem Primas.

[Bearbeiten] Nuntien, Weihbischöfe, Titularbischöfe

Der Heilige Stuhl unterhält als originäres Völkerrechtssubjekt diplomatische Vertretungen bei den Staaten. Diese werden jeweils durch einen Apostolischen Nuntius geleitet, welchem zudem die Aufrechterhaltung der Verbindung zu den Ortskirchen übertragen ist. Ein Nuntius ist stets ein Titularerzbischof, d. h. ein Bischof geweiht auf den Namen eines untergegangenen antiken Erzbistums. Daneben gibt es weitere Ämter innerhalb der Kurie, die mit der Bischofsweihe und mit einem Titel eines Erzbischofs oder Bischofs einer untergegangenen Diözese verbunden sind.

Weihbischöfe – im Ausland Auxiliarbischöfe genannt – können den Diözesanbischof einer Diözese unterstützen. Von der Weihegewalt her besteht kein Unterschied zu Diözesanbischöfen; sie dürfen wie diese alle sakramentalen Handlungen vornehmen, haben aber keine Leitungsgewalt inne und sind daher dem Diözesanbischof unterstellt. Ein Weihbischof ist stets ein Titularbischof, d. h. er ist geweiht auf den Namen eines untergegangenen antiken Bistums. Der Ordinationstitel trägt daher außer dem Namen der antiken Stadt den Zusatz in partibus infidelium, abgekürzt i.p.i.

Viele Bistümer haben mehrere Weihbischöfe, die entweder Teilgebiete des Bistums betreuen (sogenannte Regionalbischöfe) oder mit besonderen Teilaufgaben wie zum Beispiel Jugendarbeit betraut sind.

[Bearbeiten] Dekan (Dechant) und Dekanat – Priester und Pfarreien

Mitarbeiter der Bischöfe sind die Priester die Diakone. Die Kirchenmitglieder sind lokal zu Pfarreien – regional auch Pfarren genannt – zusammengeschlossen, denen ein Priester als Pfarrer vorsteht. Verwaltungsrechtlich werden manchmal mehrere Pfarreien zu einem Dekanat zusammengefasst, und vom zuständigen Bischof wird ein Pfarrer der betroffenen Pfarreien zum Dechant (Dekan) ernannt oder von der Priesterkonferenz des Dekanats gewählt und durch den Ortsbischof bestätigt. Zunehmend werden in einigen Ländern, so auch in Deutschland, vor allem wegen des Priestermangels auch mehrere Pfarreien zu einem Pfarrverband zusammengefasst, wobei die Pfarreien in vielen Bereichen selbstständig bleiben. Das Bistum Essen wich von dieser Regel ab und errichtete 43 Großpfarreien, denen Gemeinden ohne rechtliche Selbstständigkeit untergeordnet sind. Jeder Gemeinde ist ein Priester mit dem Titel Pastor zur selbstständigen Seelsorge zugeteilt.

[Bearbeiten] Katholische Studentengemeinden

Katholische Studentengemeinden sind eine spezielle Seelsorgeeinheit. Sie sind meist nicht selbstständig, sondern einer bestehenden Pfarrei angegliedert, sie unterstehen aber direkt dem Bistum.

[Bearbeiten] Gemeinschaften

Daneben gibt es zahlreiche katholische Laiengemeinschaften. In Deutschland sind viele katholische Jugendverbände im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) organisiert. Die Zahl vom BDKJ unabhängiger Jugendbewegungen, die vor allem in neuen geistlichen Gemeinschaften beheimatet sind, wächst. Zur katholischen Kirche gehören einige teilweise auch überregionale Hilfswerke. Im deutschen Raum bekannt ist zum Beispiel die Caritas. Die katholische Kirche beschäftigt rund 100.000 Menschen.

[Bearbeiten] Orden und andere Formen des geweihten Lebens

Ebenfalls vertreten sind die verschiedenen kirchenrechtlich anerkannten Formen des geweihten Lebens, von Ordensgemeinschaften und Säkularinstituten bis zu den sogenannten anderen Formen des geweihten Lebens, nämlich Eremiten und Anachoreten (CIC, Can. 603) und Jungfrauen (Can. 604). Abgesehen von Priester-Mönchen gehören die Mitglieder der verschiedenen Formen des geweihten Lebens nicht der Hierarchie an und werden trotz häufiger gegensätzlicher Behauptung in keiner Weise von der Kirche finanziell unterhalten.

[Bearbeiten] Volk Gottes

An jedem Platz, gleicher Ritus, weltweit

Alle Stände und Gemeinschaften der Kirche bilden gemeinsam das Gottesvolk. Jeder Katholik hat durch Taufe und Firmung Anteil an der Sendung der Kirche in die Welt (Laienapostolat, vgl. Zweites Vatikanisches Konzil).

Wie die Kirche selbst hat auch die Heilige Messe eine bestimmte Struktur, so dass es dem katholischen Christen möglich ist, an jeder Heiligen Messe des gleichen Ritus' auch im Ausland teilzunehmen. Auch das katholische Kirchenjahr bietet immer wiederkehrende Feste und Gedenktage.

Zahlen zur römisch-katholischen Kirche
Land Jahr der Statistik Mitglieder (in Klammern Anteil an Gesamtbevölkerung) Besucher der Heiligen Messe (in Klammern Anteil an der Gesamtzahl der Mitglieder)
Deutschland 2007 25.461.000 (31,0 %) sonntags: rund 3.492.000 (13,7 %)
Österreich [3] 2006 5.631.587 (68 %) sonntags: 753.701 (13,3 %)
Schweiz [4] 2000 3.047.887 (41,8 %) k.A. (k.A.)
Niederlande 2006 4.350.000 (26,6 %) wöchentlich: rund 350.000 (7,8 %); davon sonntags schätzungsweise: 250.000 (5,6 %)
Liechtenstein k.A. 26.122 (78,4 %) k.A. (k.A.)

[Bearbeiten] Zölibat

Für alle drei Weihestufen des Klerus – Bischof, Priester und Diakon – ist in der lateinischen Kirche der Zölibat regelmäßig vorgeschrieben. Eine Ausnahme bildet der Ständige Diakonat, der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wiedereingeführt wurde. In den unierten Kirchen gelten zum Teil andere Regelungen, d.h. Männer können vor, nicht jedoch nach ihrer Weihe zum Diakon oder Priester heiraten. Eine zweite Heirat, auch nach dem Tod der Ehefrau, ist ausgeschlossen. Für das Bischofsamt wird immer der Zölibat verlangt, so dass diese zumeist dem Mönchsstand entstammen.

Die unterschiedlichen Regelungen sind möglich, da der Zölibat nicht zum depositum fidei, dem Glaubensgut, gehört, sondern in den Bereich der Kirchenordnung, der Disziplin.

[Bearbeiten] Glaubensinhalte

  • Dreifaltigkeit: Gott ist in drei Personen einer: Jesus Christus ist als Sohn Gottes eines Wesens mit Gott, dem Vater und Schöpfer der Welt, und wird mit ihm zusammen und dem Heiligen Geist als ein Gott angebetet und verherrlicht (siehe Menschwerdung Gottes). Durch den Tod am Kreuz und seine Auferstehung hat die zweite göttliche Person, der Sohn Gottes, die Sünden der Welt auf sich genommen und den Weg der Erlösung aus Sünde und Tod für alle Menschen geöffnet.
  • Gottes Wirken in der Welt: Gott ist nicht nur der Schöpfer, sondern greift aus Liebe zu jedem einzelnen Menschen aktiv in die Welt ein (Erlösungshandeln); sein Wirken ist gemäß der Theodizee-Frage jedoch nach menschlichen Maßstäben nicht komplett begreifbar.
  • Die katholische Kirche sieht sich in der Nachfolge der Apostel, deren Glaubensbekenntnis sie in der Kraft des Heiligen Geistes durch die Zeiten bewahrt, vertieft und angesichts neuer Fragestellungen klärt. Diese Tradition der Kirche, deren wichtigster und deshalb eigenständig genannter („die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift“), aber nicht einziger Teil die Bibel ist, bildet ihre Lehrgrundlage. Die apostolische Sukzession ist der Garant für die Apostolizität der Kirche sowie für die Bewahrung der Tradition. Sie besagt, dass die Bischöfe durch eine ununterbrochene Kette von Handauflegungen in der Nachfolge der Apostel stehen.
  • Sakramente:
    Die Jungfrau Maria mit Engeln, Gemälde von William Adolphe Bouguereau
    Gott schenkt nach katholischer Lehre den Menschen das Heil durch die Sakramente. Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Weihesakrament, und Ehe. Mit Ausnahme der Taufe, die in Todesgefahr von jedem Menschen, der beabsichtigt, das zu tun, was die Kirche tut, gespendet werden kann, können die Sakramente nur in der und durch die Kirche vermittelt werden.
  • Endgericht und Leben nach dem Tod (Eschatologie): Die katholische Kirche erwartet das Wiederkommen Christi in Herrlichkeit und das Gericht über alle Menschen. Maßstab des Gerichts wird der Glaube und die nach dem Maß der Gaben verwirklichten guten Werke sein. Die Erlösten empfangen ewiges Leben in Gottesnähe („Schau“ Gottes von Angesicht zu Angesicht, himmlisches Hochzeitsmahl). Jedem Menschen droht bei der Abkehr von Gott die ewige Verdammnis in der Hölle.
  • Marien- und Heiligenverehrung: Menschen, die ihr Leben auf Christus hin geführt haben, können anderen Glaubenden als Vorbilder dienen. Unter den Heiligen dient besonders die Gottesmutter Maria als Vorbild, sie wird u. a. als „Urbild der Kirche“ verehrt. Die Heiligen gelten als Fürsprecher bei Gott, da man davon ausgeht, dass sie sich bereits in der Gemeinschaft mit Gott befinden. Die universale Heilsmittlerschaft Christi, auf den alle Heiligen verweisen, wird dadurch nicht in Frage gestellt, sondern unterstrichen. Die Prozesse der Heilig- und Seligsprechung der katholischen Kirche sind sehr umfangreich und können mehrere Jahrzehnte dauern. Dies gilt auch für die Anerkennung von Jesus-, Marien- und Heiligenerscheinungen, auf die sich die Wallfahrtsorte gründen.
  • In der katholischen Kirche sind Bitten für die Verstorbenen üblich. Verstorbenen, die sich noch im Läuterungszustand des Fegefeuers (Purgatorium) befinden, soll hiermit geholfen werden. Auch Ablassgewinnung, nicht nur für die Verstorbenen, gehört deshalb zur religiösen Praxis.

[Bearbeiten] Morallehre

Die Morallehre der katholischen Kirche ist seit den Anfängen dadurch geprägt, an den Idealen der Bergpredigt festzuhalten und zugleich den Bedingungen der irdischen Realität Rechnung zu tragen. In früheren Jahrhunderten war regelmäßig der Vorwurf zu großer Laxheit Grund für Kritik und manchmal sogar Begründung für Abspaltungen der Montanisten, Novatianisten, Donatisten, Katharer und Waldenser. Heute entzündet sich die Kirchenkritik meist an zu hohen und schwierigen Idealen, gepaart mit dem Vorwurf der Heuchelei und Doppelmoral, so zum Beispiel in Bezug auf Sexualität, aber auch auf eklektische und inkonsistente Auslegung der Bibel in Bezug auf Moral sowie inkohärente Anwendung dessen, was als Morallehre der katholischen Kirche bezeichnet wird.

Der Bergpredigt folgend sind die zentralen katholischen Wertsetzungen Liebe, Wahrheit, Gewaltlosigkeit, Besitzverzicht, Treue, Keuschheit. Die Umsetzung in kirchliches und, wo möglich, staatliches Recht geschieht in immer neuen Anläufen und unter innerkirchlichen und gesellschaftlichen Konflikten.

Lange waren Themen wie Eid, Wehrpflicht oder Kapitalismus umstritten. Hier ist die katholische Morallehre traditionell eher kompromissbereit.

Seit etwa 1968 steht mit der Enzyklika Humanae Vitae zeitgleich mit den soziokulturellen Umwälzungen fast ausschließlich die Ehe- und Sexualmoral im Mittelpunkt der Beachtung und Auseinandersetzung. Das kirchliche Lehramt hat sich immer wieder eindeutig im Sinn der Zusammengehörigkeit von Sexualität, lebenslanger Treue und Fortpflanzung und damit gegen Ehescheidung, künstliche Empfängnisverhütung und die Gleichwertigkeit der Homosexualität ausgesprochen.

Noch größere Bedeutung kommt dem Lebensschutz zu, weshalb Abtreibung, Sterbehilfe, Klonen, Todesstrafe, Eugenik und Angriffskrieg abgelehnt werden.

Einige Dogmen und Doktrinen der Kirche sind aber auch innerkirchlich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil umstritten. Die katholische Moraltheologie vertritt die Ansicht, dass die Werte des Evangeliums dem Naturrecht nicht widersprächen, sondern dessen letzter und höchster Ausdruck seien. Diesen naturrechtlichen Ansatz und die kirchliche Lesart der im Neuen Testament grundgelegten Moral zu vermitteln, gelingt der Kirche jedoch mit steigender Schwierigkeit in einer immer egozentrischer und säkulärisierter werdenden Welt.

[Bearbeiten] Ökumene

Die Verständigung und der Austausch mit anderen christlichen Glaubensgemeinschaften wird gesucht und gepflegt, insbesondere mit den östlich-orthodoxen Kirchen, den anglikanischen und alt-katholischen Kirchen sowie den evangelischen Kirchen und Gemeinschaften. Die römisch-katholische Kirche ist zwar nicht Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), seit 1965 gibt es aber eine gemeinsame Arbeitsgruppe. Außerdem arbeitet sie in der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung als Vollmitglied mit und steht der Kommission für Weltmission und Evangelisation beratend zur Seite. Auf regionaler, nationaler und lokaler Ebene ist die römisch-katholische Kirche Mitglied in zahlreichen ökumenischen Organisationen.

Man setzt auch auf den Dialog mit anderen Religionen, wie weltweite religiöse Treffen zeigen, die auf Initiativen des Vatikan zurückgehen.

Aufgrund ihres Kirchen-, Amts- und insbesondere Eucharistieverständnisses ist die römisch-katholische Kirche gegen Interzelebration und Interkommunion (siehe auch: Lima-Erklärung des ÖRK). Nach dem ökumenischen Kirchentag 2003 gab es Sanktionen gegen Pfarrer Bernhard Kroll, der am 31. Mai 2003 in der Berliner Gethsemanekirche am evangelischen Abendmahl teilgenommen hatte. Gotthold Hasenhüttl wurde vom Dienst suspendiert, nachdem er am 29. Mai 2003 in der gleichen Kirche evangelischen Christen die Kommunion gespendet hatte. Nach katholischer Lehre ist im gewandelten Brot und Wein Jesus Christus mit seinem Leib und Blut wahrhaft gegenwärtig. Diese Auffassung vertreten in unterschiedlicher Ausprägung auch Orthodoxe, Anglikaner, Altkatholiken, Lutheraner und Methodisten. Die Reformierten lehnen die Realpräsenz ab und sehen im Abendmahl ausschließlich einen symbolischen Erinnerungsakt. Während sich einige dieser Kirchen trotz dieser unterschiedlichen Auffassungen gegenseitig zum Abendmahl einladen bzw. die Eucharistie an alle Getauften, die an seine Gegenwart in den konsekrierten Gaben glauben, austeilen, verpflichtet die römisch-katholische Kirche ihre Mitglieder dazu, die Eucharistie nur in der eigenen Kirche zu empfangen und erlaubt den Kommunionsempfang von Angehörigen getrennter Konfessionen nur unter besonderen Umständen. Bei bestehender Lebensgefahr darf ein katholischer Priester die Sterbesakramente auch Mitgliedern anderer Denominationen spenden. 2004 hob Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia noch einmal die Bedeutung der Eucharistie als zentrales Glaubensgeheimnis der römisch-katholischen Kirche und für die mit ihr in Glaubens-, Gebets- und Sakramentengemeinschaft stehenden katholischen Kirchen hervor und rief dazu auf, jedem Missbrauch vorzubeugen.[5]

[Bearbeiten] Verbreitung

Verbreitung der katholischen Kirche

Die Katholische Kirche ist in weiten Teilen verbreitet:

Weltweit gibt es 1,13 Milliarden römisch-katholische Christen, der jährliche Zuwachs 2006 entsprach dem allgemeinen Zuwachs der Weltbevölkerung. Der Anteil der Katholiken an der Weltbevölkerung beträgt 17,2 Prozent.[6] 2006 gab es 4.898 Bischöfe und 407.262 Ordens- und Diözesanpriester.[7] Die Katholische Kirche ist zudem mit etwa 1,2 Millionen Angestellten der weltweit größte Arbeitgeber.

[Bearbeiten] Die katholische Kirche und ihre jeweilige Landesentwicklung

[Bearbeiten] Literatur

  • Joseph Ratzinger: Salz der Erde: Christentum und katholische Kirche im neuen Jahrtausend. Ein Gespräch mit Peter Seewald; München 2004; ISBN 3-453-87942-2
  • Medard Kehl: Die Kirche. Eine katholische Ekklesiologie; Würzburg 2001; ISBN 3-429-01454-9
  • Constitutio Dogmatica de Ecclesia / Dogmatische Konstitution über die Kirche (Lumen Gentium); Text lateinisch-deutsch und Kommentar von Gérard Philips, Aloys Grillmeier, Karl Rahner, Herbert Vorgrimler, Ferdinand Klostermann, Friedrich Wulf und Otto Semmelroth; in: LThK2 12, S. 137–347; Freiburg, Basel, Wien: Herder, 1966 (=1986; ISBN 3-451-20756-7)
  • Constitutio Dogmatica de Ecclesia (Lumen Gentium); in: Acta Apostolicae Sedis 57 (1965), S. 5–75
  • Joachim Drumm, Walter Kasper: Artikel Kirche II. Theologie- und dogmengeschichtlich; in: LThK3 5, Sp. 1458–1466; Freiburg, Basel, Rom, Wien: Herder, 1996; ISBN 3-451-22005-9
  • Walter Kasper: Artikel Kirche III. Systematisch-theologisch; in: LThK3 5, Sp. 1466–1474; Freiburg, Basel, Rom, Wien: Herder, 1996; ISBN 3-451-22005-9
  • Winfried Aymans: Artikel Kirche VI. Kirchenrechtlich; in: LThK3 5, Sp. 1478–1479; Freiburg, Basel, Rom, Wien: Herder, 1996; ISBN 3-451-22005-9

[Bearbeiten] Weblinks

Wikinews Wikinews: Römisch-Katholische Kirche – Nachrichten

[Bearbeiten] Kirche

[Bearbeiten] Online-Literatur

[Bearbeiten] Personen

[Bearbeiten] Referenzen

  1. Zenit: Aktuelle Kirchenstatistik: Der „Annuario Pontificio“ 2008 wurde Papst Benedikt XVI. vorgestellt 29. Februar 2008
  2. Codex des Kanonischen Rechtes, Can 435
  3. katholisch.at: Statistik der kath. Kirche
  4. Bundesamt für Statistik (der Schweiz): Religionszugehörigkeit
  5. vgl.Ecclesia de Eucharistia, auf Deutsch
  6. Radio Vatikan: Die neuesten Zahlen zur Weltkirche 12. Februar 2007
  7. Kath.net: Priesterbestand steigt weltweit seit Jahren konstant 1. März 2008

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