Luxemburg
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| Groussherzogtum Lëtzebuerg (ltz.) Großherzogtum Luxemburg (deu.) |
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| Wahlspruch: Mir wëlle bleiwe wat mir sinn (ltz.) Wir wollen bleiben, was wir sind (deu.) |
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| Amtssprache | Luxemburgisch (Nationalsprache), Deutsch, Französisch | ||||
| Hauptstadt | Luxemburg | ||||
| Staatsform | Konstitutionell-parlamentarische Monarchie | ||||
| Staatsoberhaupt | Großherzog Henri | ||||
| Regierungschef | Premierminister Jean-Claude Juncker | ||||
| Fläche | (166.) 2586 km² | ||||
| Einwohnerzahl | (162.) 483.800 (Januar 2008) | ||||
| Bevölkerungsdichte | (45.) 187 Einwohner pro km² | ||||
| BIP - Total (Nominal) |
2006 (65.) $42,87 Mrd |
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| HDI | 0,944 (18.) | ||||
| Währung | Euro (€) 1 Euro = 100 Cent | ||||
| Unabhängigkeit | 1815 | ||||
| Nationalhymne | Ons Heemecht | ||||
| Nationalfeiertag | 23. Juni | ||||
| Zeitzone | UTC+1 | ||||
| Kfz-Kennzeichen | L | ||||
| Internet-TLD | .lu | ||||
| Telefonvorwahl | +352 | ||||
Das Großherzogtum Luxemburg ist eine Monarchie in Westeuropa. Es grenzt an Frankreich (Grenzlänge 73 km) und an Belgien (Grenzlänge 148 km) sowie an die deutschen Länder Rheinland-Pfalz und Saarland (Grenzlänge 138 km). Luxemburg ist mit einer Fläche von 2586 km² der zweitkleinste Staat der Europäischen Union.
Das Großherzogtum ist Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, dem Vorläufer der heutigen Europäischen Union, und bildet zusammen mit Belgien und den Niederlanden die Beneluxstaaten. Seit März 1970 ist Luxemburg Mitglied der „Organisation internationale de la Francophonie" (Internationale Organisation der Frankophonie).
Der Name leitet sich von Lucilinburhuc ab, später Lützelburg, einer kleinen Burg, um die sich die (Haupt-)Stadt Luxemburg gründete. Luxemburg ist als Grafschaft im damaligen Heiligen Römischen Reich entstanden und heute das letzte Großherzogtum der Welt.
[Bearbeiten] Geografie
Der Norden des Landes ist ein Teil der Ardennen und wird Ösling genannt. Dieser Teil liegt auf durchschnittlich 400 bis 500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Landschaft im Ösling ist geprägt von bewaldeten Bergen, Hügeln und tiefen Flusstälern, wie zum Beispiel das Tal der Sauer. Mit 560 Metern stellt der Hügel „Kneiff“ in Huldange (deutsch: Huldingen) die höchste Erhebung des Landes dar.
Im Süden liegt das fruchtbare Gutland, das zum Lothringer Stufenland gehört. Dieses Gebiet weist eine höhere Bevölkerungs- und Industriedichte als das Ösling auf. Entwässert wird das Land durch die westöstlich verlaufende Sauer, mit Clerve und Our im Norden und Alzette im Süden. Der niedrigste Punkt des Landes, Spatz genannt (129 Meter ü. M.), befindet sich am Zusammenfluss von Sauer und Mosel in Wasserbillig.
Im Norden Luxemburgs werden 358 Quadratkilometer des Landes durch den Deutsch-Luxemburgischen Naturpark geschützt.
Wichtige Flüsse Luxemburgs sind die Mosel, die im Südosten den Grenzfluss zu Deutschland bildet, die Sauer, die Our und die Alzette.
Siehe auch: Liste der Flüsse in Luxemburg
[Bearbeiten] Klima
Luxemburg hat gemäßigtes westeuropäisches Klima, das durch atlantische Meereswinde beeinflusst wird und sich durch milde Winter und gemäßigte und deshalb angenehme Sommer auszeichnet. Die Luft ist meist mild und feucht; die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 782,2 mm; Temperaturen im Jahresmittel 9 °C, im Januar 0,8 °C, im Juli 17,5 °C. So liegen die im Januar, dem kältesten Monat, gemessenen Durchschnittstemperaturen bei etwa -2 °C. Die höchsten Temperaturen werden üblicherweise während der Sommermonate Juli und August gemessen. Zu dieser Zeit beträgt die Durchschnittstemperatur etwa 15-25 °C, wobei das Thermometer nicht selten auf Temperaturen von 30 °C steigt. Im Norden des Landes, dem Ösling, ist es meist etwas kühler und es kommt auch häufiger zu Niederschlägen.
[Bearbeiten] Flora und Fauna
Das Ösling im Norden des Landes, ein Teil der Ardennen, ist durch bewaldete Mittelgebirgszüge und tiefe Flusstäler geprägt. Die am stärksten verbreiteten Baumarten sind Rotbuchen, Eichen, Ahorn und Fichten. Dabei nehmen Eichen-Niederwälder, die so genannten Lohhecken, immer noch einen großen Teil der Waldfläche ein. Für unbewaldete Flächen sind unter anderem die Glockenheide und Stechpalme charakteristisch. Die Lippenblütler Echter- und Trauben-Gamander sind mediterrane Pflanzen, die im Südosten Luxemburgs vorkommen.
Die Vegetation des tiefer gelegenen südlichen Teil des Landes (ca. 300 m), dem so genannten Gutland, ist durch die landwirtschaftliche Nutzung und den Weinanbau an der Mosel geprägt.
Die Tierwelt entspricht der für mitteleuropäische Länder üblichen Fauna. Allerdings beeindruckt das Ösling durch große Bestände an Rot- und Schwarzwild sowie Greifvögeln, aber auch durch seltene Vogelarten wie den Schwarzstorch oder das Haselhuhn. Luxemburg ist bekannt für seinen Fischreichtum, es gibt Forellen, Hechte, Zander, Aale, Karpfen und viele andere Fischarten. Im milden Moseltal hat sich die Mauereidechse angesiedelt, ein sonst eher in mediterranen Ländern vorkommendes Tier.
[Bearbeiten] Verwaltungsgliederung
Das Land wird untergliedert in drei Distrikte (Grevenmacher, Luxemburg, Diekirch) mit zwölf Kantonen und 116 Gemeinden. 12 dieser Gemeinden haben den Status einer Stadt. Die Gemeinden sind Selbstverwaltungskörperschaften, die allerdings der Rechtsaufsicht der vom Großherzog ernannten Distriktskommissare unterliegen.
Die Stadt Luxemburg ist Hauptstadt des Großherzogtums und Sitz der Regierung. Sie hat sich zu einem der führenden Finanzplätze in Europa entwickelt, der vor allem für die 48 deutschen von den 161 hier ansässigen Banken von besonderer Bedeutung ist.
Siehe auch: Liste der Gemeinden im Großherzogtum Luxemburg
[Bearbeiten] Städte
Der Urbanisierungsgrad ist in Luxemburg sehr hoch; etwa 92 Prozent der Einwohner leben in Städten (2003), die jedoch überwiegend Land- und Kleinstädte sind. Größte Stadt ist die Hauptstadt Luxemburg (lux.: Lëtzebuerg) mit etwa 82.200 Einwohnern (Großraum 110.000). Da sich ein Ort nur per Gesetz als „Stadt“ bezeichnen darf, hat Luxemburg lediglich zwölf Städte, denen die Stadtrechte oft bereits im Mittelalter verliehen wurden. Die größeren Städte liegen im Südwesten in der Minette-Region, in der sich die Eisen- und Stahlindustrie des Großherzogtums konzentriert. Dies sind unter anderem Esch-sur-Alzette (28.200), Differdingen (19.000), und Düdelingen (17.800). Im Norden Luxemburgs gibt es hingegen mehrere kleine Städte, die meist Hauptorte eines Kantons sind. Um die beiden Städte Diekirch (6500) und Ettelbrück (7500) bildet sich die Nordstad, der größte Ballungsraum im Norden Luxemburgs, der neben der Hauptstadt und Esch-sur-Alzette als dritter Entwicklungspol des Großherzogtums gilt.
Siehe auch: Liste der Städte im Großherzogtum Luxemburg
[Bearbeiten] Bevölkerung
[Bearbeiten] Bevölkerungsstruktur
Luxemburg hat etwa 484.000 Einwohner. Der Ausländeranteil beträgt 42,6 Prozent (STATEC 2008). 15,5 Prozent der Einwohner sind portugiesische, 5,3 Prozent französische, 4 Prozent italienische, 3,5 Prozent belgische, 2,4 Prozent deutsche und 1 Prozent britische Staatsbürger (STATEC 2007). In der Hauptstadt sind fast zwei Drittel (61,66 Prozent) der Einwohner ausländische Staatsbürger. Die Gemeinde Fels gilt mit über 60 Prozent Ausländern (vorwiegend Portugiesen) als die Gemeinde mit dem höchsten Ausländeranteil in Europa.
| Ausländeranteil in Luxemburg (STATEC 2007) |
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|---|---|---|
| Nationalität | Anzahl | Anteil an der Gesamtbevölkerung |
| 73.700 | 15,5% | |
| 25.200 | 5,3% | |
| 19.100 | 4% | |
| 16.500 | 3,5% | |
| 11.300 | 2,4% | |
| 4.900 | 1% | |
| 3.800 | 0,8% | |
In Luxemburg leben ca. 2.500 Jenische als Minderheitenvolk ohne eigenen Status und mit verschiedenen Staatszugehörigkeiten. Bekanntester „jenischer Ort“ Luxemburgs ist Weimerskirch, wo seit Generationen jenische Familien ihren Hauptwohnsitz haben.
In Luxemburg arbeiten knapp über 138.000 (2008) Grenzgänger aus den umliegenden Nachbarregionen. Sie machen etwa 40 Prozent der in Luxemburg Beschäftigten aus. 52 Prozent der Grenzpendler kommen aus dem benachbarten Lothringen, 27 Prozent aus den benachbarten belgischen Provinzen und 21 Prozent aus den angrenzenden deutschen Bundesländern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (2005). 7.500 Nicht-Luxemburger arbeiten bei den in Luxemburg angesiedelten europäischen Institutionen.
[Bearbeiten] Altersstruktur
18,9 Prozent der Luxemburger sind unter 15 Jahre alt (davon männlich 45.768, weiblich 42.980), 66,5 Prozent der Einwohner sind zwischen 15 und 64 Jahre alt (davon männlich 157.453, weiblich 153.927), 14,6 Prozent sind 65 und älter (davon männlich 27.573, weiblich 40.870). Das Durchschnittsalter beträgt 38,51 Jahre. (Stand 2005)
Die Lebenserwartung in Luxemburg beträgt durchschnittlich 78,7 Jahre; für Männer 75,5 Jahre und für Frauen 82,2 Jahre. (Stand 2005)
[Bearbeiten] Sprachen der Luxemburger
Die Sprachensituation in Luxemburg ist komplex. Die Muttersprache der Luxemburger ist Luxemburgisch („Lëtzebuergesch“), eine mitteldeutsche-moselfränkische Mundart mit etwas mehr französischen Lehnwörtern als im Hochdeutschen. Sie wurde allerdings erst mit dem Sprachengesetz von 1984 zur Nationalsprache und mündlichen Amtssprache des Landes erhoben und wird laut Umfrage der Europäischen Union von nur ca. 70 Prozent der Bevölkerung als Muttersprache angegeben. Die hochdeutsche Standardsprache und Französisch sind gemäß dem Sprachengesetz von 1984 ebenfalls offizielle Amtssprachen; somit hat Luxemburg also drei offizielle Sprachen. Dabei wird insbesondere Deutsch von den Druckmedien genutzt. So erscheinen ca. 85 Prozent aller Zeitungsartikel auf Deutsch, nur etwa 12 Prozent auf Französisch und lediglich 3 Prozent auf Luxemburgisch. Zahlreiche Radiosender, offizielle Internetseiten und Werbungen sind oft aus Luxemburgisch, Deutsch und Französisch gemischt zusammengesetzt. Obwohl Bücher aus Luxemburg am Anfang der ISBN eine 2 für Französisch stehen haben, sind die meisten Bücher auf Luxemburgisch oder Deutsch. Die luxemburgische Mundart als kulturelles Gut dient der Identitätswahrung der Luxemburger.
Auf Grund ihrer Bedeutung lernt man in der Grundschule die Pflichtfächer Deutsch und Französisch und später noch Englisch (je nach Ausbildungsgrad können noch andere Sprachen hinzukommen). Auch wechselt die Unterrichtssprache der naturwissenschaftlichen Fächer im Laufe der Jahre von Deutsch nach Französisch. Französisch wird dennoch von nur ca. 40 Prozent der Bevölkerung ausreichend beherrscht, Deutsch dagegen von klein auf praktisch von allen Luxemburgern nahezu perfekt. Seit 1944 wird allerdings in den Verwaltungen und Ministerien, sowie in höheren Schulen (nicht an den grundsätzlich deutschsprachigen Grund- und Berufsschulen) Französisch schriftlich verwendet, Luxemburgisch aber nach wie vor bevorzugt gesprochen. Wendet sich allerdings ein Bürger auf Luxemburgisch oder in der hochdeutschen Standardsprache an eine amtliche Stelle, muss er seine Antwort gleichwohl vorschriftgemäß in der von ihm benutzten Sprache erhalten. Auch vor Gericht wird – der allgemeinen Verständlichkeit wegen – Luxemburgisch gesprochen, das Sitzungsprotokoll wird auf Hochdeutsch erstellt und die Gesetzestexte auf Französisch zitiert. In Banken, Geschäften oder in der Gastronomie wird oft französisch gesprochen, da viele Angestellte im Dienstleistungsbereich als Pendler aus Frankreich und aus der belgischen Region Wallonien kommen. Die moselfränkische Muttersprache und das Hochdeutsche besitzen demgegenüber als Presse- und Literatursprache sowie im religiösen Bereich nach wie vor einen besonderen Stellenwert.
Erst seit der Besetzung durch die französischen Revolutionstruppen 1794 wurde Französisch neben Deutsch als zweite Amtssprache des Landes eingeführt und alle Gesetzestexte mussten in beiden Sprachen abgefasst werden. Seit der Befreiung von der Nazi-Herrschaft 1944 wurde der internationale Landesname „Luxemburg“ in „Luxembourg“ geändert und alle Gesetze werden seit diesem Zeitpunkt nur noch auf Französisch veröffentlicht, was die paradoxe Folge hat, dass die Mehrheit der Luxemburger die Gesetze ihres eigenen Landes nicht oder nicht ausreichend gut lesen und verstehen kann.
Seit einigen Jahren kann jeder Bürger der Europäischen Union, der der luxemburgischen Sprache mächtig ist, ohne seine Nationalität wechseln zu müssen, in die Luxemburger Armee eintreten, allerdings muss der Antragssteller mindestens 36 Monate ohne Unterbrechung in Luxemburg wohnen.
Weitere Sprachen in Luxemburg sind die jenische Sprache, welche von einigen Sprachgelehrten als eigenständiges Idiom gepflegt und vor allem in Luxemburg-Pfaffenthal und Luxemburg-Weimerskirch gesprochen wird. Des Weiteren sind fast 20 Prozent der Bevölkerung Luxemburgs portugiesische Einwanderer bzw. deren Nachkommen, die oft auch ihre Muttersprache sprechen.[1][2]
[Bearbeiten] Religionen
1988 wurde das Bistum Luxemburg von Papst Johannes Paul II. zum Erzbistum erhoben. Nach älteren Schätzungen sind etwa 98 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch getauft, nach neueren noch gut 90 Prozent. Der Rest verteilt sich überwiegend auf Atheisten, Protestanten, Juden und Muslime.
Da Angaben zur Religion oder Konfession jedoch einem strengen Datenschutz unterliegen, sind genaue neuere Angaben nicht erhältlich. Überdies praktiziert ähnlich wie in den umliegenden Nachbarländern etwa die Hälfte der katholisch Getauften ihren Glauben nicht mehr. Die katholische Kirche Luxemburgs geht auf ihrer Homepage selbst davon aus, dass die Bevölkerung „mehrheitlich“ katholisch ist (vgl. www.cathol.lu zum Stichwort „Ökumene“).
[Bearbeiten] Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Luxemburgs
[Bearbeiten] Kelten, Franken, Römer
Die ersten Siedlungsspuren auf dem Gebiet des heutigen Luxemburgs gehen auf die Kelten zurück und stammen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Ungefähr einhundert Jahre später drangen Römer in das Land ein, als Caesar um 58–51 v. Chr. Gallien und einen Teil von Germanien bis zur Rheingrenze eroberte. Das Gebiet des heutigen „Luxemburg“ wurde Teil des Imperium Romanum.
Im 5. Jahrhundert n. Chr. - zur Zeit der Völkerwanderung - drängten die germanischen Franken die Römer zurück. Wandermönche missionierten die Menschen zum Christentum und bauten Klöster. Das Kloster Echternach wurde vom angelsächsischen Missionar Willibrord im Jahre 698 gegründet.
Im Jahre 963, das Land gehörte zum ostfränkischen Reich, erwarb Graf Siegfried durch einen Tauschhandel mit dem St.-Maximin-Kloster in Trier den kleinen Bockfelsen im Alzettetal mit der Burg Lucilinburhuc. Damit legte er den Grundstein für das deutsche Adelsgeschlecht der Luxemburger und für die Grafschaft Luxemburg.
[Bearbeiten] Vorherrschaft des Hauses Luxemburg im Heiligen Römischen Reich
1308 wurde Graf Heinrich von Luxemburg zum römisch-deutschen König gewählt. Er und sein Sohn Johann, der 1310 König von Böhmen wurde, begründen die Machtstellung der Luxemburger im mittelalterlichen Deutschen Reich (Heiliges Römisches Reich). 1354 wird die Grafschaft Luxemburg von Kaiser Karl IV. zum Herzogtum erhoben. Erster Herzog wird Wenzel I.. Mit dem Tod Kaiser Sigismunds 1437 stirbt die Hauptlinie des Hauses Luxemburg aus, womit die Vorherrschaft im Reich endet. Im Jahr 1441 verkaufte die letzte Herzogin aus dem Haus Luxemburg das Land an das französische Haus Burgund. Es blieb aber staatsrechtlich ein Lehen des Reiches. Nach dem Tod des letzten Burgunderherzogs Karls des Kühnen im Jahr 1477 kam Luxemburg mit dem gesamten burgundischen Erbe an Karls Tochter Maria und ihren Ehemann, den späteren Kaiser Maximilian von Habsburg.
[Bearbeiten] Zwischen habsburgischer und französischer Herrschaft
1482 gelangt Luxemburg unter die Herrschaft der Habsburger; 1555 unter deren spanische Linie.
1659 kommt es als Konsequenz des Pyrenäenfriedens zur 1. Teilung Luxemburgs: Die Abtrennung des Südens des Landes von Diedenhofen bis Montmédy an Frankreich. Von 1684 bis 1697 ist das Land infolge der Reunionen Ludwigs XIV. sogar gänzlich unter der Fremdherrschaft Frankreichs.
Im Spanischen Erbfolgekrieg 1713 fällt Luxemburg an die österreichischen Niederlande und wird somit wiederholt ein Habsburger Land. Von 1795/1801 bis 1814 fällt das Land nach dem Einzug Napoleons bzw. der Französischen Revolutionstruppen abermals unter französische Fremdherrschaft.
[Bearbeiten] Auf dem Weg in die Souveränität
Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806, zu dessen Territorium das Herzogtum gehörte, kommt Luxemburg zu Frankreich bis zum Untergang des ersten napoleonischen Kaiserreichs. Der Wiener Kongress legt 1815 schließlich fest, dass das nun zum Großherzogtum erhobene Land ein Mitgliedstaat des neu gegründeten Deutschen Bundes wird. Gleichzeitig führen die Kongressbeschlüsse zu einer Personalunion mit dem Königreich der Vereinigten Niederlande, die die 2. Teilung des Landes bewirkt, eigentlich jedoch nur eine nicht vollständige Wiederherstellung des status quo ante: einige nördliche Gebiete des alten Luxemburg fallen von Frankreich unmittelbar an die Niederlande, östliche an Rheinpreußen. 1830 schließt sich Luxemburg der belgischen Revolution an. 1839 kommt es zur 3. und letzten Teilung, in der das Französische Quartier, nämlich die französischsprachige Westhälfte, komplett an Belgien fällt, und seither im Großherzogtum Luxemburg nur noch das Deutsche Quartier, die rein deutschsprachige Osthälfte, verbleibt. Nach der Auflösung des Deutschen Bundes 1866 bleibt Luxemburg bis 1919 weiterhin Mitglied im Deutschen Zollverein (1843–1919). König Wilhelm III. der Niederlande, dessen Privateigentum das Großherzogtum Luxemburg ist, versucht vergeblich, sein Großherzogtum als Bundesstaat in den neu gegründeten Norddeutschen Bund aufnehmen zu lassen.
1867 kommt es zur Luxemburgkrise: Napoléon III. versucht Luxemburg von König Wilhelm III. der Niederlande zu kaufen. Die deutsche Öffentlichkeit im Großherzogtum und in den anderen Gebieten des Deutschen Bundes empört sich gegen den beabsichtigten Verkauf des Landes an Frankreich: Luxemburg, das Heimatland der Dynastie der Luxemburger, welche vier römisch-deutsche Kaiser gestellt hatte, soll nicht an Frankreich, den damaligen „Erbfeind”, fallen. Eine starke Protestbewegung plädiert mit ihrer Petition an den König-Großherzog Wilhelm III. für den Status Quo. Der Wahlspruch „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“ wird unter den Luxemburgern populär. Die Krise mündet im zweiten Londoner Vertrag von 1867, in dem das Land gegen den Willen der Luxemburger als Kompromiss für immer neutral erklärt wird. Die deutsche Bundesfestung in Luxemburg wird geschleift.
Wegen des Aussterbens des niederländischen Königshauses (Oranien-Nassau) im Mannesstamme 1890 gelangen aufgrund des privatrechtlichen Erbvertrags zwischen den Prinzen des Hauses Nassau, des Nassauischen Erbvereins, die nächsten männlichen Verwandten, die Herzöge von Nassau-Weilburg, an die Regierung. Damit erhält Luxemburg seine eigene erbliche Dynastie, das Haus Nassau-Weilburg.
[Bearbeiten] 20. Jahrhundert
Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) wird die vertragliche Neutralität Luxemburgs von den reichsdeutschen kaiserlichen Truppen verletzt, da Luxemburg als Durchmarsch im Krieg gegen Frankreich gebraucht und deshalb besetzt wird. Es kommt zur Staatskrise von 1918 bis 1919: Wegen ihrer proreichsdeutschen Haltung während des Ersten Weltkrieges gerät Großherzogin Marie Adelhaïde unter starken innenpolitischen Druck und dankt schließlich zugunsten ihrer Schwester Charlotte ab.
Siehe auch: Referendum vom 20. September 1919
1919 erfolgt die Einführung des Frauenwahlrechts, die Gründung der Union Économique Belgo-Luxembourgeoise erfolgt 1922. In diesem Vertragswerk wird u. a. die Parität zwischen belgischer und luxemburgischer Währung (Franken) beschlossen.
Die deutsche Wehrmacht marschiert im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) durch Luxemburg, um Frankreich anzugreifen. Luxemburg wird im Mai 1940 von deutschen Truppen besetzt. Die Regierung und die Großherzogin fliehen ins Exil nach London. Nach einer Militärverwaltung wird eine Zivilverwaltung unter Gustav Simon, NSDAP-Gauleiter des angrenzenden Gaus Moselland, eingesetzt. Luxemburger wurden zur deutschen Wehrmacht zwangseingezogen und jüdische Bürger in deutsche Konzentrationslager deportiert. Im August 1942 annektiert Deutschland das besetzte Land. Der Zweite Weltkrieg wird zur harten Probe für die junge Nation und führt dazu, dass Nationalsymbole wie die Monarchie und die luxemburgische Sprache noch fester im Nationalbewusstsein verankert werden. Am 10. September 1944 wurde Luxemburg von den Amerikanern erstmals befreit. Es folgte die deutsche Ardennenoffensive.
Siehe auch: Luxemburg im Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Zoll- und Wirtschaftsunion schrittweise auf die Niederlande ausgedehnt (Benelux-Staaten). Luxemburg wird 1945 Mitglied der Vereinten Nationen. 1948 wird die seit 1867 bestehende „immerwährende Neutralität“ formell aufgehoben. Luxemburg wird 1952 Sitz der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), auch Montanunion genannt. 1957 ist Luxemburg Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Luxemburg beschließt 1985 mit vier weiteren EU-Staaten das nach dem luxemburgischen Moselort benannte Schengener Abkommen. 1986 kommt es zur Verleihung des Karlspreis an das gesamte luxemburgische Volk wegen besonderer Verdienste zur Europäischen Einheit. 1995 tritt das Schengener Abkommens in Kraft. 2002 folgt die Einführung des Euro als offizielles Zahlungsmittel im Bargeldverkehr.
[Bearbeiten] Politik
Luxemburg ist eine konstitutionelle Monarchie in Form einer parlamentarischen Demokratie. Laut der Verfassung von 1868 bekleidet der Großherzog das Amt des Staatsoberhaupts. Die Gesetzgebung ist Aufgabe der Abgeordnetenkammer, welche alle fünf Jahre gewählt wird (gleichzeitig mit den Wahlen des Europaparlamentes).
Die luxemburgische Innenpolitik ist auf Bewahrung der politischen Stabilität und des sozialen Friedens sowie der Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit gerichtet. Themen der innenpolitischen Diskussion sind unter anderen die Zukunft Luxemburgs im sich vergrößernden Europa, die Erhaltung der Systeme der sozialen Sicherheit, die Reform des Schulsystems, die Einwanderungspolitik, die innere Sicherheit vor dem Hintergrund einer wachsenden Jugend- und Eigentumskriminalität sowie in zunehmendem Maße Umweltfragen.
[Bearbeiten] Wahlspruch
Mir wëlle bleiwe wat mir sinn („Wir wollen bleiben, was wir sind“), d. h. keine Deutschen oder Franzosen werden. (Anlass war der von Bismarck eingefädelte, geplante, aber nicht realisierte Verkauf des Großherzogtums Luxemburg, dessen Staatsoberhaupt Wilhelm III. der Niederlande war, an Frankreich unter Napoleon III.)
[Bearbeiten] Nationalflagge
→ Hauptartikel: Flagge Luxemburgs
Eine Besonderheit Luxemburgs ist, dass neben der eigentlichen Staatsflagge, der rot-weiß-blauen Trikolore, auch die Wappenflagge, der „Roude Léiw“ (auf deutsch: „Roter Löwe“) als nationales Symbol verwendet wird. Vor allem bei Sportveranstaltungen wie bei der Tour de France oder dem Fußball wurde die eigentliche Staatsflagge fast vollständig verdrängt. Als Grund hierfür wird oft die starke Ähnlichkeit zur niederländischen Flagge angegeben. Ein weiterer Grund ist die Verwendung des Roten Löwen als kämpferisches, tapferes und patriotisches Symbol, das zudem über einen hohen Wiedererkennungswert verfügt.
Nachdem der Abgeordnete der CSV, Michel Wolter, 2006 einen Gesetzesvorschlag einbrachte, der vorsieht die Trikolore durch den Roten Löwen als Staatsflagge zu ersetzen, brach in der Politik, der Presse und der Bevölkerung eine Diskussion über die Flaggenfrage aus. Obwohl Umfragen zufolge der Großteil der Bevölkerung für einen Flaggenwechsel eintritt, gab Premierminister Jean-Claude Juncker im Juni 2007 bekannt, dass es unter ihm und seiner Regierung keine Änderung der Flagge geben werde. Im Gegenzug kündigte er an, dass man dem Roten Löwen eine legale Basis geben werde und ihn im Inland der Trikolore gleichstelle, da er die Bedeutung des Roten Löwen in der Bevölkerung anerkenne.
[Bearbeiten] Staatsoberhaupt
Staatsoberhaupt ist seit Oktober 2000 Großherzog Henri. Er ist verheiratet mit Großherzogin Maria Teresa. Die Luxemburger sehen in der großherzoglichen Familie ein Symbol ihrer Unabhängigkeit. Der Großherzog verfügt formal über weit reichende exekutive und legislative Befugnisse; er ernennt und entlässt die Regierung, vollzieht alle Gesetze, nimmt aber faktisch nahezu ausschließlich repräsentative Aufgaben wahr. Der Großherzog ist überparteilich. Von seinem Recht, die Abgeordnetenkammer (das Parlament) aufzulösen, hat er noch keinen Gebrauch gemacht.
Siehe auch: Liste der Großherzöge Luxemburgs
[Bearbeiten] Regierung und Staatsrat
Die exekutive Gewalt wird vom Großherzog und der Regierung ausgeübt. Die Regierung setzt sich zusammen aus dem Premierminister, der auch den traditionellen Titel Staatsminister führt, zwölf Ministern, einem delegierten Minister und einer Staatssekretärin. Ein beratendes Organ ist der Staatsrat, der aus 21 Mitgliedern besteht und zu je einem Drittel vom Parlament, vom Großherzog und vom Staatsrat selbst ernannt wird. Er wirkt mit bei der Gesetzgebung. Sein Veto bei Gesetzentwürfen hat eine auf drei Monate begrenzte aufschiebende Wirkung.
Die Regierung von Premierminister Jean-Claude Juncker wurde in der Wahl am 13. Juni 2004 bestätigt und stützt sich seit dem 31. Juli 2004 auf eine große Koalition aus Christlich-Sozialer Volkspartei (CSV) und der Luxemburgischen Sozialistischen Arbeiterpartei (LSAP). Jean Asselborn (LSAP) ist Außen- und Luc Frieden (CSV) ist Budget (Haushalt)-minister.
Siehe auch: Liste der Premierminister von Luxemburg
[Bearbeiten] Parlament
Die Abgeordnetenkammer, auch Chambre des Députés genannt, ist das luxemburgische Parlament und hat 60 Sitze. Ihr Präsident ist seit dem 3. August 2004 Lucien Weiler (CSV). Die Mitglieder (Deputierten) werden in den Nationalwahlen für fünf Jahre gewählt.
Seit 2004 ist die Aufteilung der Sitze folgende: CSV 23, LSAP 14, DP 10, Die Gréng 7, ADR 4, unabhängig 1.
[Bearbeiten] Wahlen
Die Wahlen zum Abgeordnetenhaus finden alle 5 Jahre nach dem Verhältniswahlrecht statt. Das Land ist in vier Wahlbezirke mit unterschiedlicher Abgeordnetenzahl eingeteilt, um so der Bevölkerungsverteilung im Land gerecht zu werden (Süden (23), Zentrum (21), Norden (9), Osten (7)). Die Wähler haben entsprechende Stimmenzahlen und können ihre Stimmen entweder kumulieren (alle Stimmen an 1 Partei) oder panaschieren (Personenwahl, maximal 2 Stimmen pro Kandidat). Seit 1919 besteht Wahlpflicht für alle Bürger über 18 Jahre. Dies gilt auch für jeden, der in das luxemburgische Wählerverzeichnis eingetragen ist und in Luxemburg wohnt.
[Bearbeiten] Parteienlandschaft
Das Parteienspektrum entspricht weitgehend dem deutschen. Die Christlich Soziale Volkspartei (CSV) (Déi Schwaarz) und die Luxemburger Sozialistische Arbeiterpartei (LSAP) (Déi Roud) bilden die aktuelle Koalition. In der parlamentarischen Opposition befinden sich die liberale Demokratische Partei (DP) (Déi Blo), die Grüne Partei (Déi Gréng) sowie die rechtskonservative Alternative Demokratische Reformpartei (ADR). Weitere Parteien in Luxemburg sind Déi Lénk (Die Linke) und die Kommunistische Partei Luxemburgs (KPL) (Déi Bordeau Roud)
Siehe auch: Liste der Parteien in Luxemburg
[Bearbeiten] Gewerkschaften
Die Gewerkschaften sind mitgliedsstark und haben großen Einfluss. In der so genannten Tripartite wirken sie mit Regierung und Arbeitgebern an der Gestaltung der Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik mit.
Verschiedene Gewerkschaften:
- Onofhängege Gewerkschaftsbond Lëtzebuerg (OGBL)
- Lëtzebuerger Chrëschtleche Gewerkschaftsbond (LCGB)
- Fédération des Employés Privés (FEP)
- Neutralen Handwierker Verband (NHV)
- Association Luxembourgeoise des Employés de Banque et d’Assurance (ALEBA)
- Fédération Nationale des Cheminots, Travailleurs du Transport, Fonctionnaires et Employés Luxembourgeois (FNCTTFEL)
- Fédération Chrétienne du Personnel des Transports (FCPT)
- Confédération Générale de la Fonction Publique (CGFP)
- Neutralen Zuchpersonal Verband (NZV)
- NGL-SNEP
[Bearbeiten] Finanzplatz Luxemburg
Herzstück des luxemburgischen Wirtschaftsgefüges ist der Finanzsektor. Die Entstehung des Finanzplatzes Luxemburg wurde in erster Linie durch vorteilhafte gesetzliche Rahmenbedingungen und attraktive Steuersätze begünstigt. Bereits 1970 war das Gewicht des Finanzsektors in der luxemburgischen Wirtschaft leicht höher als anderswo, doch nahm die Entwicklung in Luxemburg unerreichte Ausmaße an: der Finanzsektor wurde zum wichtigsten Motor der luxemburgischen Wirtschaft. Die Wirtschaftssektoren Finanzdienstleistungen und unternehmensbezogene Dienstleistungen generieren heute 45,1 Prozent der Bruttowertschöpfung. Der Finanzsektor allein, verbucht an der gesamten Beschäftigung einen Anteil von nahezu 12 Prozent und beschert dem Staat mehr als 40 Prozent der Steuereinnahmen.
[Bearbeiten] Staatshaushalt
Luxemburg ist mit seiner offenen Wirtschaft verstärkt von der globalen Konjunkturentwicklung abhängig.
Das Budget 2007 trägt der schwieriger gewordenen wirtschaftlichen Gesamtlage Rechnung, verzichtet aber auf Einschnitte in das soziale Netz.
Der Tanktourismus, der aufgrund niedrigerer Steuerbelastung des Treibstoffs im Großherzogtum entstanden ist, bringt Luxemburg jährlich rund 600 Mio. EUR ein. Aus dem Tabakverkauf, der ebenfalls von niedrigen Steuersätzen profitiert, erhält der luxemburgische Staat Steuereinnahmen in Höhe von 400 Mio. EUR im Jahr. Zusätzliche Einnahmen durch die mit 15 Prozent niedrigste Mehrwertsteuer der EU erhält der luxemburgische Staat auch dank der Präsenz internationaler Internetfirmen im Großherzogtum (z. B. eBay, Microsoft, Amazon, Apple, Paypal).
Auf der Ausgabenseite machen die Gehälter und Pensionen des Staats 20 Prozent der Gesamtaufwendungen aus, womit Luxemburg, das nur über eine kleine Armee verfügt, besser dasteht als seine Nachbarn. Sozialer Sprengstoff entwickelt sich aber aus der Tatsache, dass die durchschnittlichen Gehälter und Ruhestandsbezüge im öffentlichen Dienst bei weitem (Faktor 1,5 bis 2) die in Handel und Industrie übersteigen (Ausnahme: Banken und Versicherungen) (Quelle: Statec, 2005).
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für
- das Gesundheitswesen bei 2 Prozent
- das Bildungswesen bei 11 Prozent
- das Militär bei 2 Prozent
[Bearbeiten] Rechtsordnung und Justiz
Das luxemburgische Privatrechtssystem wurzelt in dem unter Napoléon Bonaparte entstandenen französischen Code Civil und gehört zusammen mit dem französischen und belgischen Recht zu den am engsten an das napoleonische Zivilrecht angelehnten heutigen Rechten des romanischen Rechtskreises. Auch das Strafrecht ist stark vom französischen Vorbild beeinflusst, während das Verwaltungsrecht eher dem deutschen Vorbild entspricht. Die Rechtssprache ist Französisch, Gerichtssprache hingegen luxemburgisch, deutsch und/oder französisch, je nach Fall.
Im Großherzogtum gibt es drei Friedensgerichte (in Esch-sur-Alzette, Luxemburg und Diekirch), zwei Bezirksgerichte (in Luxemburg und Diekirch) und einen Obersten Gerichtshof (Luxemburg), der den Berufungsgerichtshof und den Kassationshof umfasst. In Straf- und Zivilsachen ist der Kassationshof die höchste Rechtsprechungsinstanz im Land. Des Weiteren gibt es ein Verwaltungsgericht (in Luxemburg) und einen Verwaltungsgerichtshof (ebenfalls Luxemburg) sowie einen Verfassungsgerichtshof (Luxemburg).
[Bearbeiten] Sicherheitspolitik
Nach dem Londoner Vertrag von 1867 sollte Luxemburg nicht nur neutral, sondern auch unbewaffnet sein. Aufgrund der negativen Erfahrungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg – Luxemburg wurde trotz seines Status der immerwährenden Neutralität beide Male von deutschen Truppen besetzt – gab es 1948 diese Neutralität auf. Eine großherzogliche Verordnung hatte bereits am 30. November 1944 die Neutralität als beendet erklärt und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt; dies wurde 1948 durch das Parlament bestätigt. Die Wehrpflicht wurde erst 1967 wieder abgeschafft.
Die luxemburgischen Streitkräfte sind in die NATO integriert und im Rahmen ihres verfassungsmäßigen Auftrages gut organisiert und ausgebildet. Personalbestand: ca. 1.000 Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. Der Wehrdienst ist freiwillig; seine Ableistung erleichtert allerdings den Zugang zu einer Laufbahn im Staatsdienst (z.B. Polizei, Post, Zoll, Strafvollzug). Luxemburg beteiligt sich an internationalen Friedensmissionen (bspw. NATO-Einsatz KFOR im Kosovo, EU-Einsatz in Mazedonien und Beteiligung an der UNIFIL-Mission im Libanon).
[Bearbeiten] Militär
→ Hauptartikel: Streitkräfte Luxemburgs
Luxemburg besitzt eine bis zu 1000 Mann starke Freiwilligenarmee. Der Wehrdienst ist freiwillig; seine Ableistung erleichtert allerdings den Zugang zu einer Laufbahn im unteren Staatsdienst. Jeder EU-Bürger, welcher seit mindestens 3 Jahren in Luxemburg lebt und Luxemburgisch versteht, kann in Luxemburg zur Armee gehen, ohne seine Nationalität wechseln zu müssen.
Die Armee ist in ein Infanteriebataillon und zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Eigene Marine und Luftwaffe besitzt Luxemburg nicht, die AWACS-Aufklärungsflotte der NATO ist jedoch in Luxemburg registriert.
Trotz geringer Kapazitäten beteiligt sich Luxemburg an internationalen Friedensmissionen, etwa auf dem Balkan (NATO-Einsatz KFOR im Kosovo, EUFOR in Bosnien-Herzegowina oder an der ISAF-Mission in Afghanistan (weitere Friedensmissionen sind im Libanon, Kongo und auch im Tschad).
[Bearbeiten] Nachrichtendienst
Der Service de Renseignement de l’Etat (SRE) ist der Nachrichtendienst Luxemburgs. Er soll Informationen sammeln und auswerten, um einer Bedrohung des luxemburgischen Territoriums, seiner Verbündeten oder internationaler Einrichtungen, die ihren Sitz in Luxemburg haben, vorzubeugen. Dazu gehört auch die Gefährdung kritischer Infrastruktur, insbesondere der Energie- und Wasserversorgung, des Straßenverkehrs und der Informationstechnik.
[Bearbeiten] Beziehungen zwischen Deutschland und Luxemburg
Die deutsch-luxemburgischen Beziehungen entsprechen der engen Partnerschaft in der Europäischen Union und im westlichen Verteidigungsbündnis. Die Pflege guter Nachbarschaft mit Deutschland, Frankreich und Belgien hat für Luxemburg Priorität und kommt auch in der regionalen Zusammenarbeit Saar-Lor-Lux-Trier/Westpfalz und Saarland zum Ausdruck, die inzwischen um die belgische Wallonie erweitert worden ist. Luxemburg versteht sich dabei als Gravitationszentrum. Die wichtigsten Bereiche der grenzüberschreitenden Kooperation sind: Raumordnung, Arbeitnehmermigration, Zivilschutz, Kultur, Tourismus und Verkehr.
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Luxemburg und Deutschland sind besonders eng. Deutschland ist für Luxemburg der größte Abnehmer luxemburgischer Exportwaren und zugleich der zweitwichtigste Lieferant des Großherzogtums für Importgüter: ca. 27 Prozent der luxemburgischen Einfuhren kommen aus Deutschland (Belgien: 35 Prozent, Frankreich: 12 Prozent). Deutschland ist mit 26 Prozent größter Abnehmer luxemburgischer Ausfuhrgüter vor Frankreich (17,4 Prozent) und Belgien (11,4 Prozent). Von den 156 Luxemburger Banken sind 43 Töchter oder Niederlassungen deutscher Kreditinstitute.
Die kulturellen Beziehungen zu Luxemburg sind eng und vielfältig. Auf den Gebieten Kunst, Theater, Literatur, Musik, Hochschulen usw. gibt es regen Austausch – wenn auch vorwiegend in Richtung von Deutschland nach Luxemburg, was in Anbetracht der Größenverhältnisse verständlich ist. Die luxemburgischen Medien berichten regelmäßig über kulturelle Veranstaltungen in Deutschland. Dank des problemlosen sprachlichen Zugangs finden das deutsche Fernsehen und die deutschen Printmedien in Luxemburg eine große Verbreitung.
Ein Kulturabkommen zwischen Luxemburg und Deutschland wurde am 28. Oktober 1980 unterzeichnet und ist am 1. März 1982 in Kraft getreten. Es sichert unter anderem luxemburgischen Studenten den Zugang zu deutschen Universitäten. Etwa 1.450 Luxemburger studieren an deutschen Hochschulen, zumeist Germanistik, Ingenieur- und Naturwissenschaften. In Luxemburg gibt es seit Oktober 2003 das gemeinsame deutsch-französisch-luxemburgische Kulturinstitut „Pierre Werner“, das sich um eine Kulturarbeit in europäischem Geist bemüht.
Im Jahr 2007 war Luxemburg in Zusammenarbeit mit der Großregion Saar-Lor-Lux-Wallonien Kulturhauptstadt Europas. Auf dieses Ereignis hatte sich das Großherzogtum in den vergangenen Jahren mit bedeutenden Investitionen in die kulturelle Infrastruktur vorbereitet.
[Bearbeiten] Luxemburg in der EU
Luxemburg ist Sitz wichtiger europäischer Institutionen wie des Europäischen Gerichtshofs, des Europäischen Rechnungshofs, der Europäischen Investitionsbank und des Sekretariat des Europäischen Parlaments und gehört ebenfalls zu den Gründerländern der EU.
Luxemburg ist aktiver Mitgestalter der Politik der Europäischen Union. Es legt auch EU-intern großen Wert auf eine angemessene Beteiligung der kleineren EU-Mitgliedstaaten, sowie an Reformen als auch an der Weiterentwicklung der EU-Institutionen. Das Land ist leidenschaftlicher Befürworter der europäischen Zusammenarbeit und ratifizierte als erster Staat den Vertrag von Maastricht.
Im Jahr 1986 wurde das „Volk Luxemburgs” mit dem Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Damit wurde anerkannt, dass Luxemburger zu überzeugten Europäern der ersten Stunde zählen und luxemburgische Politiker wichtige Beiträge zur europäischen Einigung geleistet haben. Der Text auf der Medaille, die Großherzog Jean stellvertretend für seine Staatsbürger überreicht wurde, lautet: Karlspreis der Stadt Aachen 1986. Das Volk Luxemburgs, Vorbild der Beharrlichkeit auf dem Weg zur Einheit Europas.
[Bearbeiten] Mitgliedschaft in internationalen Organisationen
CCD, EU, Europarat, FAO, IAEA, ICAO, IAO, ITU, IWF, OSZE, NATO, OECD, UNESCO, UNO, UPU, Weltbank, BENELUX, WHO, WMO, WTO, IMO.
[Bearbeiten] Bildung
[Bearbeiten] Schulsystem
In Luxemburg besteht eine Schulpflicht von 11 Jahren: zwei Jahre Kindergarten, sechs Jahre Primärstufe und drei Jahre im Sekundärbereich. Luxemburg hat damit ein dreistufiges Schulsystem (Kindergarten, Grundschule, Oberschule). Der Alphabetisierungsgrad beträgt 100 Prozent. Das luxemburgische Schulwesen kennt mehrere Probleme, wie beispielsweise der große Aufwand für den Sprachunterricht in Deutsch, Französisch und Englisch, sowie einen hohen Anteil ausländischer Schülerinnen und Schülern, besonders aus romanischen Ländern, die am Deutschunterricht scheitern.
Seit 1999 gibt es die einjährige Früherziehung (éducation précoce) vor dem zweijährigen Kindergarten (préscolaire); sie soll eine bessere Sozialisation sowie eine sprachliche, soziale und schulische Integration ermöglichen. Nach der sechsjährigen Grundschule entscheiden Schulministerin, Grundschullehrerin, Psychologin, ein Gymnasiallehrer und ein Realschullehrer zwischen zwei mittleren Bildungswegen:
- dem technischen Lyzeum (Enseignement secondaire technique) (67 Prozent der Schüler/-innen), das aufgeteilt ist in
1. die Vorbereitungsklasse für das Technische Lyzeum (classe modulaire du régime préparatoire de l’enseignement secondaire technique), gleichzusetzen mit der Hauptschule, welches mindestens fünf weitere Jahre dauert, und in insgesamt fünf bis sechs Jahren zu einem Berufsabschluss (CITP, CCM, oder CATP) führt,
2. Lycée Technique General welches mindestens sechs weitere Jahre dauert, und in insgesamt sechs bis acht Jahren zu einem Berufsabschluss (CATP), beziehungsweise zur (Fach-) Hochschulreife (diplôme de technicien, bac technique) führen kann, außerdem erhält man hierdurch Zugang zu einem Fachhochschulstudium oder Universitätsstudium, oder
- dem (allgemeinbildenden oder klassischen) Lyzeum (Enseignement secondaire) (33 Prozent der Schüler/-innen). Der Abschluss nach sieben Jahren besteht aus dem diplôme de fin d’études secondaires, welches den Zugang zum Universitätsstudium ermöglicht.
Es ist relativ schwer von einer Schulform in die nächst höhere zu wechseln, sei es von Modulaire auf General im Lycee Technique, oder von Technique auf Classique.
Das Bildungswesen erhält nach dem so genannten Sozialbudget mit 11,5 Prozent den zweitgrößten Anteil des Staatshaushaltes. Dennoch hat Luxemburg in der PISA-Untersuchung schlechter abgeschnitten als z.B. Deutschland. Im Jahre 2004/2005 waren ungefähr 33,3 Prozent aller Schüler in der sechsten Klasse der Grundschule Ausländer.
Die Verteilung der sechsten Klasse der Grundschule im Jahre [2] 2004/2005 beim Wechsel ins Enseignement Secondaire war wie folgt:
Überweisung ins Lycee Classique (Gymnasium) - Ausländer 19,7 Prozent, Luxemburger 80,3 Prozent von 1945 Schülern. Überweisung ins Lycee Technique (Realschule/Hauptschule) - Ausländer 41,5 Prozent , Luxemburger 58,5 Prozent von 2349 Schülern. Überweisung ins Modulaire (Hauptschule/Sonderschule) - Ausländer 56,3 Prozent, Luxemburger 43,7 Prozent von 295 Schülern. Wiederholen - Ausländer 44,1 Prozent, Luxemburger 55,9 Prozent von 34 Schülern. Die Tatsache dass nur wenige Ausländer es in die höheren Schullaufbahnen schaffen, und dass es offensichtliche Integrationsprobleme in der Schule hat, wurde ab den 70er Jahren erkannt, aber erfolgreiche Gegenmaßnahmen gab es bis jetzt nicht. In den meisten Schulen besteht eine große Kluft zwischen den luxemburgischen Schülern (und Deutschen, Niederländern, Engländern) mit Hauptsprache: Deutsch und den ausländischen Schülern (Portugiesen, Franzosen, Italienern, Cap-Verdianern) mit Hauptsprache: Französisch.
[Bearbeiten] Hochschulwesen
Seit 2003 gibt es in Luxemburg eine eigenständige Universität, welche sich seit 2001 im Aufbau befindet. In den Bereichen Medizin, Naturwissenschaften, Technik, Recht, Wirtschaft sowie Sozial- und Erziehungswissenschaften werden inzwischen in insgesamt 5 Fakultäten Studenten ausgebildet. Allerdings sind die Studiengänge nicht vollständig in Luxemburg zu belegen, so dass weiterhin mehrsemestrige Studienaufenthalte im Ausland notwendig sind. Dabei spielen besonders belgische, französische und deutsche Universitäten eine wichtige Gastgeberrolle. An den benachbarten rheinland-pfälzischen Universitäten in Trier und Kaiserslautern ist dementsprechend ein relativ hoher Anteil luxemburgischer Studenten vertreten. Die Universität Innsbruck und die Universität Wien tragen bereits seit der Zeit Maria Theresias, welche damals auch Luxemburgische Großherzogin war, den Titel einer „Landesuniversität für Luxemburg“. Luxemburger Studenten erwerben ihre akademischen Abschlüsse zur Zeit noch größtenteils im Ausland, wo über 6.000 Luxemburger studieren. Etwa 19,6 Prozent der Studenten sind an deutschen Hochschulen (insbesondere technische Fachrichtungen und Naturwissenschaften) eingeschrieben, jeweils 22,6 Prozent sind in Belgien und Frankreich immatrikuliert.
Durch den Aufbau der Universität Luxemburg soll der Forschungsstandort Luxemburg gestärkt und der Wirtschaftsstandort Luxemburg gefestigt werden. Außerdem sollen vermehrt ausländische Studenten nach Luxemburg gelockt werden. Gleichwohl tut sich Luxemburg mit der Anerkennung einiger ausländischer Abschlüsse schwer und hat insbesondere mit Absolventen deutscher Fachhochschulen und Berufsakademien Probleme, die zum Beispiel die in der EG-Architekturrichtlinie geforderte vierjährige Berufspraxis in Deutschland nicht nachweisen können. Luxemburg hat mit dem Institut Supérieur de Technologie eine eigene Fachhochschule, die seit 2003 der neu gegründeten Universität angegliedert ist.
[Bearbeiten] Berufsausbildung
Der Enseignement secondaire technique régime de la formation technicien (Bildungsweg der technischen Sekundarstufe für Techniker) besteht aus drei zunehmend spezialisierten Orientierungsjahren, gefolgt von drei Ausbildungsgängen:
- Die dreijährige handwerkliche und gewerbliche Berufsausbildung erfolgt sowohl nach dem dualen System im Betrieb und im Lycée Technique wie auch auf rein schulischer Basis. Als Abschluss gibt es das Technische und Berufliche Befähigungszertifikat CATP. Diese Art der Berufsausbildung ist durch einen Mangel an Lehrlingen in vielen Berufszweigen gekennzeichnet.
- Eine vierjährige Technikerausbildung mit Technikerdiplom.
Der Enseignement secondaire technique division des professions de santé et des professions sociale (Bildungsweg der technischen Sekundarstufe für Berufe des Gesundheits- und Erziehungswesens) bietet unter anderem die Möglichkeit:
- den Beruf des Erziehers sowie den BAC zu erwerben.
- den Beruf des Krankenpflegers zu erwerben.
Für diese muss neben der 13ième noch eine 14ième absolviert werden.
[Bearbeiten] Wirtschaft
Luxemburg ist ein bedeutendes Finanzzentrum und hat das zweithöchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Als Sitz mehrerer Behörden der Europäischen Union ist das Land auch ein bedeutendes internationales Verwaltungszentrum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 30,9 Milliarden US-Dollar [3] (2005); daraus errechnet sich ein BIP pro Einwohner von 65.900 US-Dollar. Im Vergleich mit dem BIP pro Kopf der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Luxemburg einen Index von 251 (EU25=100).[4] So liegt zum Beispiel der Durchschnittsverdienst eines Angestellten in der Industrie bei 4.334 € im Monat (Okt. 2005, Quelle: Statec)
Die Wirtschaftsstruktur Luxemburgs ist somit vor allem durch den Tertiären Sektor geprägt. Dies geht insbesondere auf die Bedeutung Luxemburgs als internationalem Finanzplatz und als Sitz verschiedener EU-Institutionen zurück. Der Bankensektor trug 2001 über 40 Prozent zur nationalen Wertschöpfung bei. Lediglich ein Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft und 13 Prozent in der Industrie beschäftigt wohingegen 86 Prozent im Dienstleistungssektor arbeiten (2005).
Die Inflationsrate lag in den letzten Jahren konstant bei 2 bis 3 Prozent und erreichte im Schnitt der Jahre 1990–2003 einen Wert von 2,82 Prozent.
Die Arbeitslosenquote betrug im Juni 2007 4,9 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt jedoch bei 15,5 Prozent. Fast die Hälfte der über 50-jährigen Arbeitslosen ist länger als 12 Monate arbeitslos. Die Arbeitslosenquote schwankt zwischen 3,5 und 5 Prozent. Trotz dieser, im europäischen Vergleich, noch immer sehr geringen Arbeitslosigkeit beunruhigt die Entwicklung die Luxemburger zunehmend.
2006 wies Luxemburg erstmals ein Haushaltsdefizit auf. Die Staatsverschuldung beträgt allerdings lediglich 6,2 Prozent des BIP (2005, Quelle: Statec).
[Bearbeiten] Dienstleistungen
In wohl keinem anderen Land der Europäischen Union hat die Krise der Industrie den Marsch in die Dienstleistungsgesellschaft derart beschleunigt wie in Luxemburg. Marktbestimmte und nicht marktbestimmte Dienstleistungen tragen 83,3 Prozent zur Bruttowertschöpfung im Großherzogtum bei: Die größte Gruppe in diesem Bereich ist das Finanzwesen, das mit 23,4 Prozent noch vor dem Sektor Handel, Gastgewerbe und Transport liegt, der auf 20,8 Prozent kommt.
Dienstleistungen dominieren in der luxemburgischen Wirtschaft: die größte Gruppe in diesem Bereich sind das Kreditwesen und das Versicherungsgewerbe (30,8 Prozent) vor dem Handel, dem Gastgewerbe und dem Transportgewerbe (20,4 Prozent).
Der Finanzsektor steuert 28,5 Prozent zum luxemburgischen Bruttoinlandsprodukt bei. Er beschäftigt etwa 33.100 Mitarbeiter, was 11,6 Prozent der aktiven Bevölkerung entspricht. 2002 waren in der Hauptstadt 177 Banken registriert, überwiegend Tochtergesellschaften oder Niederlassungen großer ausländischer Banken. Weitere Charakteristika des Finanzplatzes sind zahlreiche Anlagefonds, Holding-, Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften.
[Bearbeiten] Bergbau und verarbeitende Industrie
Die noch bis in die 1970er Jahre dominierende Schwerindustrie, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem auch mit deutschem Kapital gegründet worden war, war der Grundstein zu Luxemburgs Wohlstand und stützte sich auf die reichen Erzvorkommen im Südwesten des Landes. Seit der großen Strukturkrise in den 1970er Jahren macht sie nur noch etwa 30 Prozent der Industrieproduktion aus und hat kontinuierlich an Bedeutung verloren. Eisen- und Stahlindustrie erarbeiten nur mehr 2,7 Prozent der Bruttowertschöpfung. Hauptarbeitgeber war der Stahlkonzern Arbed, der die Stahlkrise um den Preis der Verkleinerung der Belegschaft (von 27.000 in den frühen 1970er Jahren auf ca. 6.700) und rigoroser Modernisierung überstehen konnte. Arbed hatte im Januar 2002 mit Usinor (frz.) und Aceralia (span.) eine Fusion zum seinerzeit zweitgrößten Stahlkonzern der Welt Arcelor vollzogen, welcher 2006 mit Mittal Steel zu dem weltweit größten Stahlhersteller ArcelorMittal fusionierte. Hinzugekommen sind dank der Bemühungen verschiedener luxemburgischer Regierungen seit Mitte der 70er Jahre weitere Industrien wie Chemie, insbesondere Autoreifen (Goodyear) und andere Kautschukerzeugnisse sowie Kunststoffe und Kunstfasern, Maschinen- und Fahrzeugbau, keramische Industrie, Glas, Textilerzeugung und Lebensmittelproduktion. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung beläuft sich auf 6,6 Prozent. Im Rahmen einer noch stärkeren Diversifizierung der wirtschaftlichen Grundlagen richten sich die aktuellen Bemühungen der Regierung vor allem auf den High-Tech-Bereich. Hauptstandort der verarbeitenden Industrie ist immer noch das frühere Schwerindustrierevier im Südwesten des Landes mit dem Zentrum bei Esch/Alzette („Minette“).
[Bearbeiten] Baugewerbe
Mit 5,9 Prozent Anteil an der Bruttowertschöpfung ist das Baugewerbe nur viertwichtigster Wirtschaftszweig. Es profitiert von der Ansiedlung neuer Industrien, Banken und Versicherungen und der damit einhergehenden Nachfrage nach Büro- und Wohnraum. Ein weiterer Faktor sind die Ausbaupläne für das Straßen- und Autobahnnetz sowie andere staatliche Bauvorhaben zur Verbesserung der Infrastruktur.
[Bearbeiten] Landwirtschaft
Die Bedeutung der Landwirtschaft (Anteil an der Bruttowertschöpfung: 0,5 Prozent) ist rückläufig, die Zahl der auf dem Lande lebenden Bevölkerung nimmt wie die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe kontinuierlich ab (1980: 5.173; 1990: 3.803; 2003 2.450). Dafür steigt die durchschnittliche Betriebsgröße (1980: 29,63; 1990: 38,37; 2002: 57,18 ha). Von der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von 128.157 ha (2003) werden 43,8 Prozent für Acker- und Gartenbau, 50,7 Prozent als Weideland benutzt. Das landwirtschaftliche Einkommen wird überwiegend aus Milcherzeugung und Rinderzucht erzielt. Für den Weinbau werden gerade 1,0 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche genutzt.
[Bearbeiten] Technologie und Umwelt
Im Rahmen der seit Mitte der 70er Jahre betriebenen Diversifizierungspolitik hat sich Luxemburg auch erfolgreich um die Ansiedlung von High-Tech-Unternehmen bemüht, wie die SES Global (ASTRA-Satelliten) in Betzdorf. Forschungsintensive Unternehmen werden staatlich gefördert.
Die Umweltpolitik der luxemburgischen Regierung genießt einen hohen politischen Stellenwert und ist auf eine nachhaltige Entwicklung ausgelegt. Der nationale Plan zum Schutz der Umwelt stützt sich auf drei Pfeiler:
- Biodiversität, Wald, Boden, Wasser, Atmosphäre, Abfall
- Wirtschaftliche Effizienz (Industrie, Landwirtschaft, Energie, Transport)
- Gesellschaftliche Solidarität (Erhaltung des sozialen Friedens, internationale Solidarität)
Im Süden des Großherzogtums insbesondere in Esch-sur-Alzette gibt es jedoch weiterhin erhebliche Probleme mit der Schadstoffbelastung des Bodens und der Luft, insbesondere mit Blei und mit Dioxinen. Der Verzehr von Gemüse aus den betroffenen Gebieten wurde wiederholt behördlich untersagt.
