Tunesien
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| الجمهورية التونسية al-Dschumhūriyya at-Tūnisiyya |
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| Amtssprache | Arabisch, Französisch[1] | ||||
| Hauptstadt | Tunis | ||||
| Staatsform | Präsidialrepublik | ||||
| Staatsoberhaupt | Präsident Zine el-Abidine Ben Ali | ||||
| Regierungschef | Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi | ||||
| Fläche | 163.610 km² | ||||
| Einwohnerzahl | 10.276.158 (2007) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 61 Einwohner pro km² | ||||
| BIP nominal (2007)[2] | 35.010 Mio. US$ (76.) | ||||
| BIP/Einwohner | 3.398 US$ (96.) | ||||
| HDI | 0,766 (91.) | ||||
| Währung | 1 Tunesischer Dinar (tD) = 1.000 Millimes | ||||
| Unabhängigkeit | 20. März 1956 (von Frankreich) | ||||
| Nationalhymne | Humat al-hima | ||||
| Nationalfeiertag | 20. März | ||||
| Zeitzone | MEZ (UTC +1) | ||||
| Kfz-Kennzeichen | TN | ||||
| Internet-TLD | .tn | ||||
| Telefonvorwahl | +216 | ||||
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Tunesien (amtlich die Tunesische Republik) ist ein Staat in Nordafrika, der im Norden und Osten an das Mittelmeer, im Westen an Algerien und im Süd-Osten an Libyen grenzt. Sein Name ist von dem Namen seiner Hauptstadt Tunis abgeleitet. Tunesien ist das östlichste der Maghreb-Länder. Die größte vorgelagerte Insel ist Djerba (514 km²). Die Fläche des Landes ist doppelt so groß wie die Österreichs.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
[Bearbeiten] Allgemeines
Hauptartikel: Geographie Tunesiens
Tunesien ist das nördlichste Land Afrikas und nur 140 Kilometer von Sizilien entfernt. Es erstreckt sich zwischen dem Mittelmeer und der Sahara, zwischen 37° 20’ und 30° 10’ nördlicher Breite sowie zwischen 7° 30’ und 12° östlicher Länge. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung zwischen Cap Blanc und der Grenzstation Bordj el Khadra beträgt rund 780 km, die größte Ost-West-Ausdehnung zwischen der Insel Djerba und Nefta etwa 380 km. Die Mittelmeerküste misst ungefähr 1.300 km Länge.
Der Nordwesten Tunesiens wird vom Tell-Atlas bestimmt. Parallel zur Nordküste verlaufen von der algerischen Grenze bis zur Bucht von Bizerte die Gebirgszüge der Kroumirie (700–800 m Höhe). Daran schließt sich nordöstlich das Mogod-Bergland (300-400 m Höhe) an, welches zum Beispiel im Cap Blanc in einer meist steilen Felsküste ins Mittelmeer abfällt. Auf der dem Wind abgewandten Seite des Gebirges schließt sich das Talbecken des ganzjährig wasserführenden Medjerda an, dessen Unterlauf zur wichtigsten Agrarzone des Landes gehört.
Die Bergrücken der Dorsale verlaufen von Nordost (Cap Bon) nach Südwest mit dem höchsten Berg Tunesiens (Djebel Chambi, 1.544 m) in einer Länge von 220 km. Östlich der Dorsale entlang der Mittelmeerküste zwischen Hammamet und Skhira, Sousse und Sfax umschließend, liegt der Sahel (arabisch für „Küste“) genannte Küstenstreifen, der durch regenbringende Ostwinde sehr fruchtbar ist und unter anderem große Olivenbaumkulturen ermöglicht.
Südlich der Dorsale schließt sich die steppenhafte Schottsenke (Chott el Djerid, Salzsee) an, die noch weiter südlich in die Wüste Sahara mit dem Östlichen Großen Erg übergeht. Entlang des Mittelmeeres, etwa von Gafsa im Westen bis zur libyschen Grenze erstreckt sich die Djeffara-Ebene, welche durch das bis zu 600 m hohe Kalksteinplateau Dahar vom Erg getrennt ist und über sandige Flachküsten, Lagunen und vorgelagerte Inseln verfügt.
[Bearbeiten] Gewässer
Die Gewässer Tunesiens befinden sich fast sämtlich im Norden des Landes. Der wichtigste Fluss ist der Medjerda, er bekommt die meisten Niederschläge (400mm pro Jahr) und führt somit 82% der Wasserresourcen.[3] Außer dem Medjerda existieren in Tunesien noch einige kleinere Wadis, also Flüsse, die nicht ganzjährig Wasser führen. Wichtigste Seen, Lagunen und Sabcha sind der See von Bizerta, der Ichkeul-See, der See von Tunis, die Lagune von Ghar El Melh, die Sabcha Ariana und die Sabcha Sejoumi.
Die Landesmitte und der Süden Tunesiens sind durch Aridität und Abflusslosigkeit gekennzeichnet. Die Gewässer wie die Sabcha Sidi El Héni haben nur 12% bzw 6% der Wasserresourcen. Allerdings existieren hier große Grundwasservorkommen, was die Fläche an Oasen in den letzten dreißig Jahren von 15000 auf 30000 Hektar zu vergrößern erlaubt hat.[3]
Bereits während der Kolonialzeit wurde mit dem Bau von Stauseen begonnen, damals vor allem, um Tunis mit Trinkwasser zu versorgen. Nach der Unabhängigkeit wurden die Projekte weitergeführt, damals mit dem Ziel der Bewässerung. Seit den 1980er Jahren ist die Verstädterung für den starken Anstieg des Wasserbedarfs verantwortlich. Mittlerweile gibt es in Tunesien 21 große Staudämme, zahlreiche kleinere Stauanlagen, sowie 98 Kläranlagen.[3] 80% des Wasserverbrauchs entfiel im Jahr 2000 auf die Landwirtschaft.[3] Ab dem Jahr 2030 wird mit ernsthaftem Ressourcendefizit an Süßwasser gerechnet.
[Bearbeiten] Klima
In Tunesien stoßen mediterranes und arides Klima aufeinander. Die Niederschläge nehmen von Nord nach Süd ab und von Ost nach West leicht zu. Es lassen sich unterscheiden der winterfeucht-sommertrockene Norden, die vom wechselhaften Klima bestimmte zentraltunesische Steppenregion mit heißen Sommern, kalten Wintern und abnehmenden Niederschlägen, die vom Meer beeinflusste Mittelmeerküste mit ausgeglichenerem Klima und das Wüstenklima südlich der Schotts.
Mit zunehmender Entfernung vom Mittelmeer weicht sein ausgleichender Einfluss einem kontinentalen Klima. Die Mitteltemperaturen liegen im Januar bei 10 °C, im August bei 26 °C (Tunis). Südlich des Atlas herrscht ganzjährig trockenheißes Wüstenrandklima mit sehr unregelmäßigen Niederschlägen. Die Temperaturen erreichen hier Maximalwerte bis 45 °C wobei es zu 10 °C Temperaturdifferenz im Schatten kommen kann (normalerweise nur 5 °C. Die extremsten Unterschiede werden in der Sahara mit sommerlichen Temperaturen von 50 °C und Bodenfrösten im Winter erreicht. Unerträgliche Hitze kann der in Tunesien Chehili genannte Saharawind Schirokko bringen.
Niederschläge fallen fast nur in den Wintermonaten und werden meistens von Tiefausläufern des weiter nördlich gelegenen Westwinddrifts herangeführt. Im Sommer liegt das gesamte Land im Bereich der subtropischen Hochdruckzone, welche die Tiefdruckgebiete der Westwinddrift um das Mittelmeer herumleitet. Jedoch kann es in Ausnahmefällen auch im Sommer zu heftigen Regenfällen kommen, die vorher ausgetrocknete Oueds (Wadi) in reißende Ströme verwandeln. Während im Norden die jährliche Niederschlagsmenge bei 500-1.000 mm an der Nordküste und 1.500 mm im Gebirge liegt und damit für einen erfolgreichen Regenfeldbau ausreicht, ist im Süden die Verdunstung stärker als die unregelmäßige Niederschlagsmenge von allenfalls 200 mm pro Jahr.
[Bearbeiten] Flora und Fauna
An der Nordküste und im Atlasgebirge wächst mediterraner Laub- und Buschwald (Macchie) mit Steineichen, Korkeichen und Aleppokiefern, wo neben Kleinwild auch Wildschweine Nahrung finden. Zwischen 1990 und 2000 hat der Waldbestand um 0,2 % zugenommen. In den sich anschließenden südlichen Steppen leben Gazellen. In den Wüstengebieten kommen vor allem Heuschrecken, Skorpione, Schlangen und Bussarde vor.
[Bearbeiten] Bevölkerung
| Daten zur tunesischen Bevölkerung 2004 | |
| Gesamtbevölkerung | 10.276.158 |
| Bevölkerungsdichte | 62,2 EW/km² |
| Bevölkerungswachstum | 0,989% |
| Median-Alter (Gesamtbevölkerung) - Männer - Frauen |
28,3 Jahre 27,7 Jahre 28,8 Jahre |
| Altersstruktur - 0-14 Jahre - 15-64 Jahre - ab 65 Jahre |
24 % 69,2 % 6,9 % |
| Anteil der Männer an der Gesamtbevölkerung - Bei der Geburt - Unter 15 Jahren - 15-64 Jahre - ab 65 Jahre |
1,015 Männer/Frau 1,07 Männer/Frau 1,066 Männer/Frau 1,009 Männer/Frau 0,9 Männer/Frau |
| Anteil der Stadtbevölkerung | 65,3 % |
| Quellen: CIA World Factbook[4] und UNO[5] | |
Tunesien hat im Jahr 2005 die Schwelle von 10 Millionen Einwohnern überschritten. Dies bedeutet eine Verdreifachung der Bevölkerung seit 1956, und eine Verdoppelung seit Beginn der 1970er Jahre. Seit dem Beginn der 1990er Jahre hat sich das Bevölkerungswachstum jedoch verlangsamt. Tunesien hat heute die niedrigste Geburtenrate der ganzen arabischen Welt und ein Bevölkerungswachstum von etwa 1%.[6]
[Bearbeiten] Ethnische Herkunft
Die große Mehrheit der Tunesier (98%) identifiziert sich kulturell mit den Arabern, wenngleich Studien belegen, dass sie sie aus ethnischer Sicht den Berbern als auch den Iberern näher stehen, während der genetische Anteil der Araber, die die Region im 7. und 8. Jahrhundert besiedelten, geringer ausfällt.[7] Unter den Zivilisationen, die das Gebiet des heutigen Tunesiens besiedelt haben und die, zu jeweils unterschiedlichen Graden, assimiliert wurden, sind die Phönizier,[8], die Römer, die aus Germanien kommenden Vandalen, die Ottomanen und zuletzt die Franzosen. Dazu kamen zahlreiche Mauren und Juden aus dem Andalusien des 15. Jahrhunderts.
Die ersten Ostaraber kamen im 7. Jahrhundert, als die moslemische Eroberung des Maghreb stattfand. Sie islamisierten den Grossteil der Ifriqiya. In dieser Epoche entstanden neue Städte wie Kairouan und Mahdia. Ab dem 11. Jahrhundert kamen die aus Ägypten vertriebenen Banu Hilal im heutigen Tunesien an und besiegelten die sprachliche und kulturelle Arabisierung des Landes.[9] Die berberische Sprache und Kultur ist nur in einigen geographisch isolierten Gebieten[10] in den Bergen nahe Matmata, Tataouine, Gafsa oder Sbeïtla erhaltengeblieben. Anders als in Marokko oder Algerien, wo die Berber eine ethnische Minderheit darstellen, ist ihre Zahl in Tunesien verschwindend gering.[4]
[Bearbeiten] Religion
Der Islam ist in Tunesien Staatsreligion[11]; 98% der Bevölkerung bekennen sich zu diesem Glauben. 85% der tunesischen Muslime gehören dem malikitischen Madhhab der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam an. Der Rest sind Hanafiten[12] und Ibaditen. Christentum und Judentum sind in Tunesien kleine Minderheiten, aber das Land ist gegenüber religiösen Minderheiten tolerant.
Die Verfassung Tunesiens sieht die freie Ausübung des Glaubens vor, so lange diese nicht die öffentliche Ordnung stört.[11] Dieses Grundrecht wird von der tunesischen Regierung in der Regel respektiert. Politische religiöse Parteien sind jedoch nicht zugelassen, ebenso sind Proselytismus und Polygamie verboten.[13] Das Tragen des Hidschab ist eingeschränkt und in der Verwaltung und öffentlichen Schulen nicht gestattet.[11] Islamische Feiertage (wie etwa das Islamische Opferfest, das Fest des Fastenbrechens oder Mawlid an-Nabi) sind in Tunesien öffentliche Feiertage.
Im Volksglauben der Tunesier finden sich noch heidnische Überbleibsel wie etwa der Glaube an den Bösen Blick. Das ganze Land ist von kleinen, meist weißen Gebäuden namens Marabout übersäht. Dies sind die Grabstätten von islamischen Heiligen, von denen geglaubt wird, dass sie ein Botschafter zwischen Mensch und Allah sein können. Noch heute gibt es Tunesier, die solche Marabouts um Hilfe bitten, auch wenn dies vom offiziellen Sunnitentum als Abgötterei bezeichnet wird.
Das Judentum war in Tunesien einst sehr bedeutend, heute gibt es noch rund 1.500 Juden.[11] Auf der Insel Djerba steht seit wahrscheinlich über 1.000 Jahren die Al-Ghriba-Synagoge („Die Erstaunliche“), eine der ältesten Synagogen der Welt. Jedes Jahr, am 33. Tag nach dem Pessach-Fest (gleichzeitig mit dem westkirchlichen Ostertermin), findet hier die größte jüdische Wallfahrt Nordafrikas statt. Zu dieser Wallfahrt werden Gläubige aus der ganzen Welt erwartet. Auf Djerba leben ebenfalls noch einige muslimische Kharidjiten.
[Bearbeiten] Sprache
Tunesien ist unter den Maghreb-Staaten das aus linguistischer Sicht homogenste Land,[14] weil fast die gesamte Bevölkerung Tunesisch-Arabisch spricht und auch das Schriftarabisch, die offizielle Amtssprache des Landes, beherrscht. Für das Tunesisch-Arabisch, das eigentlich eine Mischung mehrerer Dialekte ist,[15] gibt es keine offizielle Regulierung.[16] Es wird vor allem als Alltagssprache verwendet. Nur im Süden des Landes und auf der Insel Djerba werden noch vereinzelt berberische Dialekte benutzt.
Während der Zeit des französischen Protektorats in Tunesien wurde die französische Sprache den Institutionen in Tunesien aufgezwungen, speziell den Bildungseinrichtungen. Nach der Unabhängigkeit wurde zwar die arabische Sprache wieder eingeführt, speziell Verwaltung, Justiz und Bildungswesen blieben jedoch lange Zeit zweisprachig.[17] Tunesien ist den europäischen Sprachen auf Grund seiner geographischen Lage und durch die Medien und Tourismus stark ausgesetzt, was Kenntnis dieser Sprachen bei den Tunesiern fördert.[18]
In den 1990er Jahren wurde das französische aus dem öffentlichen Leben zurückgedrängt, um einerseits den Zugang zu höherer Bildung zu vereinfachen und um das arabisch-islamische Flair im öffentlichen Raum zu beleben.[17] Seit Oktober 1999 wird von allen Geschäftstreibenden verlangt, in ihren Werbeaufschriften mindestens doppelt so viel Platz für arabische wie für lateinische Zeichen verwenden.[17] Die Verwaltung wurde dazu angehalten, alle Kommunikation auf arabisch umzustellen, obwohl dies bisher nur im Verteidigungs- und Justizministerium sowie im Parlament gelungen ist.[14] Französisch wird somit zu einem Symbol des höheren Bürgertums.[17]
[Bearbeiten] Tunesier im Ausland
Für das Jahr 2007 wurde die Zahl der im Ausland lebenden Tunesier auf 975.000 Personen geschätzt. Davon sind 84% in Europa, allein 600.000 in Frankreich. In den arabischen Staaten leben weitere 130.000 Tunesier, und in Nordamerika 25.000.[19] Während die Tunesier in den westlichen Ländern in der Regel Beschäftigungen nachgehen, die wenig Qualifikation erfordern, so sind die Tunesier in den arabischen Ländern häufig hochqualifiziert. Diese Auswanderer haben eine große Bedeutung für die tunesische Wirtschaft: Sie überweisen einerseits hohe Summen, um die daheim gebliebenen Angehörigen zu unterstützen, andererseits investieren Heimkehrer aus dem Ausland viel in heimische Wirtschaftsbetriebe.
[Bearbeiten] Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Tunesiens
[Bearbeiten] Vorgeschichte
Erste Spuren von menschlicher Besiedelung des heutigen Tunesien stammen aus der Altsteinzeit: in der 20 Kilometer östlich von Gafsa gelegenen Oase El Guettar wurden Spuren von nomadisch lebenden Jägern und Sammlern gefunden.[20]
Auf das Ibéromaurusien, eine an der nordafrikanischen Küste verbreitete Kultur, folgte das Capsien. Von dieser Kultur wurden 15000 Jahre alte Skelette und Werkzeuge gefunden, die darauf hinweisen, dass die Capsien-Menschen neben Steinwerkzeugen auch Nadeln aus Knochen herstellten, die sie zum Nähen von Kleidung aus Tierhäuten benutzten.
Während der Jungsteinzeit formte sich die Sahara mit ihrem heutigen Klima. Diese Epoche ist gekennzeichnet von der Einwanderung der Berber. Es entstanden erste Kontakte mit den Phöniziern in Tyros, die gegen Ende der Jungsteinzeit begannen, das heutige Tunesien zu besiedeln und später das Karthagische Reich gründeten.
[Bearbeiten] Punisches und Römisches Karthago
Das heutige Tunesien erlebte zum Beginn der geschichtlichen Aufzeichnungen die Gründung von Handelsniederlassungen durch Siedler aus dem Nahen Osten. Gemäß der Legende war die erste dieser Niederlassungen Utica im Jahre 1101 v. Chr. Im Jahr 814 v. Chr. gründeten aus Tyros kommende phönizische Siedler die Stadt Karthago. Nach der Legende war es die Königin Élyssa, die Schwester des Königs von Tyr, Pygmalion, welche die Stadt gründete.
Karthago wurde innerhalb von 150 Jahren zur größten Macht des westlichen Mittelmeer. Die Einflussnahme geschah teils durch Kolonisierung, größtenteils jedoch durch Handelsniederlassungen und Verträge. Diese Macht, und das hohe landwirtschaftliche Potential des karthagischen Mutterlandes führte dazu, dass das Interesse des jungen, erstarkenden römischen Reiches geweckt wurde und zu einer Konfrontation, die in den drei Punischen Kriegen gipfelte. Karthago konnte mit seinen unter anderen von Hannibal geführten Truppen während des Zweiten Punischen Krieges (218−201 v. Chr.) das Römische Reich mehrermals an den Rand einer Niederlage bringen. Am Ende des Dritten Punischen Krieges (149-146 v. Chr.) wurde die Stadt Karthago drei Jahre belagert und letzten Endes zerstört. Das Gebiet des heutigen Tunesien wurde Teil der römischen Provinz Africa mit Hauptstadt Utica. Im Jahre 14 wurde Karthago Hauptstadt von Africa, und im Jahre 44 beschloss Caesar, eine Colonia in Karthago zu gründen, was jedoch von Augustus erst mehrere Jahrzehnte später verwirklicht wurde.
Africa wurde, neben Ägypten, zu einem der bedeutendsten Lieferanten landwirtschaftlicher Produkte Roms, vor allem lieferte Africa Getreide und Olivenöl. Es entstand ein dichtes Netz an römischen Siedlungen, deren Ruinen bis heute noch zu sehen sind, etwa Dougga (römisch Thugga), Sbeïtla (Sufetula), Bulla Regia, El Djem (Thysdrus) oder Thuburbo Majus. Africa war, zusammen mit Numidien, für sechs Jahrhunderte lang eine sehr wohlhabende Provinz, wo etwa die Mosaikkunst blühte. Dank seiner Rolle als Knotenpunkt der Antike siedelten sich in der Folge auch Juden und die ersten Christen im heutigen Tunesien an.
[Bearbeiten] Christianisierung
Das Christentum breitete sich im heutigen Tunesien schnell aus, vor allem durch die Ankuft von Siedlern, Händlern und Soldaten. Die bisher heidnische Bevölkerung widersetzte sich zunächst dem neuen Kult; später wurde die Christianisierung auch mit Gewalt durchgesetzt. Ab dem Jahr 400 durchdrang das Christentum, dank der Aktivitäten von Augustinus von Hippo und seiner Bischöfe, sämtliche Gesellschaftsschichten, indem sie die städtische Aristokratie und die Landbesitzer auf ihre Seite brachte. Krisen wie etwa das donatistische Kirchenschisma, das mit dem Konzil von Karthago abgewendet wurde, überwand das Christentum im heutigen Tunesien dank der guten wirtschaftlichen und sozialen Lage schnell. Bis heute zeugen davon Ruinen von Bauwerken wie die Basilika von Karthago oder die zahlreichen Kirchen, die auf heidnischen Tempeln (wie etwa in Sbeïtla) erbaut wurden.
Am 19. Oktober 439 eroberten die Vandalen und Alanen Karthago und errichteten ein Königreich, das ein Jahrhundert dauern sollte. Die Vandalen, die dem Arianismus angehörten, einer Glaubensrichtung, die auf dem Ersten Konzil von Nicäa zur Häresie erklärt worden war. Die Vandalen forderten von der zumeist katholischen Bevölkerung die Treue zu ihrem Glauben und antworteten auf deren Weigerung mit Gewalt. Besitztümer der katholischen Kirche wurden beschlagnahmt. Die Kultur der ansässigen Bevölkerung blieb aber unangetastet und auch das Christentum florierte bis zu dem Ausmaß, wie es die neuen Herrscher tolerierten. Das Vandalenreich kollabierte nach der verlorenen Schlacht bei Tricamarum, bei welcher die Vandalen unter König Gelimer gegen die oströmischen Truppen von Belisar unterlagen. Kaiser Justinian I. machte aus Karthago eine Diözese und 590 das Exarchat von Karthago, das gegenüber der kaiserlichen Zentralmacht hohe zivile und militärische Autonomie besaß. Heiden, Juden und Herätiker wurden von der byzantinischen Zentralgewalt, die das Christentum zur Staatsreligion erheben wollte, verfolgt.
[Bearbeiten] Arabisierung und Islamisierung
Von 647 an eroberten die Araber von Ägypten aus das Land und machten die 670 gegründete Stadt Kairouan zur Hauptstadt ihrer Provinz Ifriqiya (Afrika). Die einheimischen Berber, die hartnäckigen Widerstand leisteten, wurden unterworfen, der Islam und die arabische Sprache breiteten sich aus. Unter der Dynastie der Aghlabiden (800-909) entwickelte sich Tunesien zu einem Machtfaktor in Nordafrika: Die Herrschaft erstreckte sich auch auf Malta, Sizilien und Teile Unteritaliens.
Den Aghlabiden folgten die Fatimiden und schließlich die Ziriden, unter denen das Land von der Mitte des 11. Jahrhundert an in Kämpfe mit Beduinenstämmen verwickelt war. Vom 12. bis 16. Jahrhundert erlebte Tunesien unter der Herrschaft der Almohaden und Hafsiden eine neue Blütezeit durch Handel.
Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zwischen Spaniern und dem Osmanischen Reich um die Vorherrschaft in diesem Gebiet behielten schließlich 1574 mit Hilfe der verbündeten Korsaren die Osmanen die Oberhand. Das Land wurde als Teil des Osmanischen Reiches von Beys (Provinzstatthaltern) beherrscht. Die von Hussein ibn Ali (1705–1749) gegründete Dynastie der Husseiniden regierte bis 1957.
Im 19. Jahrhundert führten die Öffnung des Landes gegenüber europäischen Einflüssen und der damit verbundene Rückgang der seit Jahrhunderten betriebenen Seeräuberei zur Zerrüttung der Staatsfinanzen und machten Tunesien immer mehr abhängig von den europäischen Mächten. 1881 wurde Tunesien zum französischen Protektorat erklärt und französische Firmen bauten auch das Eisenbahnnetz des Landes. Nachdem das Land während des Zweiten Weltkrieges Schauplatz heftiger Kämpfe geworden war, gewährte Frankreich auf Druck der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert entstandenen „Liberalen Verfassungspartei“ (Destour) am 1. Juni 1954 die innere Autonomie und 1956 die volle staatliche Unabhängigkeit.
siehe Liste der französischen Ministerresidenten, Generalresidenten und Hochkommissare
Der Lamine Bey nahm den Königstitel an, wurde jedoch schon 1957 von Habib Bourguiba, dem aus jahrelanger französischer Haft entlassenen Führer der 1934 gegründeten Neo-Destour-Partei, zum Thronverzicht gezwungen. Tunesien wurde Republik, Bourguiba Staatspräsident. Nach dem Zwischenfall von Bizerte zogen am 15. Oktober 1963 auch die letzten französischen Truppen ab. 1964 wurde der ausländische Grundbesitz im Sinne des „tunesischen Sozialismus“ verstaatlicht. Habib Bourguiba entpuppte sich als westlich geprägter Visionär und führte mit der Staatsgründung sogleich das Frauenwahlrecht ein. Er forderte eine strikte Trennung zwischen Staat und Religion, trennte die Gesetzgebung weitestgehend von der Scharia ab und übernahm bewusst große Teile der französischen Staats- und Verwaltungsstrukturen.
Seine autoritäre Herrschaft, unpopuläre Maßnahmen wie die Erhöhung der Brotpreise 1984, aber auch sein scharfes Vorgehen gegen islamische Fundamentalisten führten im November 1987 allerdings zu seiner Absetzung. Neuer Staatspräsident wurde General Zine el-Abidine Ben Ali, der durch soziale und politische Reformen (Demokratisierung des Wahlrechts 1994) den Zulauf zu den Fundamentalisten besonders aus den unteren und mittleren Schichten bremsen will. Sowohl unter Bourguiba als auch unter Ben Ali wurden mehrere Programme erwirkt, um die Beschäftigungsquote bei Frauen auf europäisches Niveau zu steigern (derzeit: 33 %), um die gesellschaftliche Gleichstellung stärker voranzutreiben. Das Land schloss zudem mit der Europäischen Union ein Assoziationsabkommen ab, das 2008 in Kraft treten wird und eine Sicherung von Grundrechten für die gesamte Bevölkerung voraussetzt.
Aus den Präsidentschaftswahlen am 24. Oktober 2004 ging Ben Ali mit 94,5 % der Stimmen als Sieger hervor. Er wurde damit für eine vierte fünfjährige Amtszeit gewählt. Eine Verfassungsänderung hatte 2002 die bisherige Beschränkung der Wiederwahl eines Präsidenten abgeschafft. Die Präsidentenpartei Rassemblement Constitutionnel Democratique (RCD) gewann bei den gleichzeitig ausgetragenen Parlamentswahlen eine überragende Mehrheit in der Nationalversammlung. Die einzige echte Oppositionspartei Ettajdid beklagte allerdings verschiedene Formen der Benachteiligung und warf der Regierung Wahlfälschung vor. Die führende Oppositionspartei Parti Democratique Progressiste (PDP) hatte die Wahl von vornherein boykottiert und eine „Farce“ genannt. Weitere wichtige Oppositionsparteien durften nicht teilnehmen, weil sie offiziell verboten sind. Unabhängige Wahlbeobachter wurden nicht zugelassen.
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] Politisches System
Gemäß der Verfassung von 1959 ist Tunesien eine Präsidialrepublik. Der direkt vom Volk alle fünf Jahre gewählte Staatspräsident ist zugleich Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt den Ministerpräsidenten. Regionale Gouverneure und lokale Verwalter werden ebenfalls durch die Zentralregierung ernannt; beratende Bürgermeister und städtische Räte werden gewählt. Legislative ist die Nationalversammlung mit für fünf Jahre gewählten 189 Mitgliedern. Bei den Wahlen vom 24. Oktober 2004 entfielen davon 152 Sitze auf den Rassemblement Constitutionnel Democratique (RCD), auf die Mouvement des Democrates Socialistes (MDS) 14, die Parti de l'Unite Populaire (PUP) elf, die Union Democratique Unioniste (UDU) sieben, die Mouvement de la Renovation Ettajdid (MR) drei und die Parti Social-Liberal (PSL) zwei Sitze. Das politische Leben wird fast vollständig vom RCD beherrscht. Er war 25 Jahre lang auch die einzig zugelassene Partei. Wahlberechtigt sind alle Tunesier im Alter ab 18 Jahre.
Die Justiz ist formal unabhängig, reagiert aber auf Empfehlungen der Exekutive, besonders in politischen Fällen. Sie orientiert sich am französischen Vorbild, bezieht aber auch islamisches Recht mit ein. Es gibt verschiedene beratende Körperschaften: Staatsrat, Sozial- und Wirtschaftsrat, Konstitutionsrat und den höheren islamischen Rat.
Siehe auch: Mitgliedschaft Tunesiens in internationalen Organisationen
[Bearbeiten] Militär
Tunesien verfügt nur über ein schwaches Militärwesen, das überwiegend mit der Überwachung der Grenzen des Landes betraut ist. Als Absicherung des Landes gilt ein Abkommen mit Frankreich, Tunesien in einem Angriffsfall zu verteidigen. Diese Verfahrensweise entstand aus der Einschätzung, dass Tunesiens Hauptbedrohung im Inland liege. Tunesien verfügt über ein sehr gut ausgebautes Netz aus regionalen Polizeibehörden und polizeilichen Sondereinheiten, die direkt dem Innenministerium unterstellt sind: ein Kennzeichen dafür, dass Tunesien ein Polizeistaat ist.
2008 sind 464 tunesische Soldaten und 28 Militärbeobachter an der UN-Friedensmission MONUC in der Demokratischen Republik Kongo im Einsatz.
[Bearbeiten] Menschenrechte
Menschenrechtsaktivisten beklagen weiter die politische Repression in Tunesien. Ein Bericht von Human Rights Watch (HRW) warf der Regierung im Juli 2004 unmenschliche Behandlung zahlreicher politischer Gefangener vor: Vierzig unter ihnen, ausnahmslos Islamisten, die keinerlei Gewalttaten begangen hätten, würden zum Teil seit Jahren in Isolationshaft gehalten. Seit 1991 die Tunesische Menschenrechtsliga (LTDH) einen einzigen Gefängnisbesuch machen durfte, wurde keiner unabhängigen Menschenrechtsorganisation der Zugang zu den Haftanstalten mehr gewährt. Die Regierung reagierte auf den Bericht mit einer Einladung an den HRW und dem Versprechen, keinen Häftling länger als zehn Tage in Einzelhaft zu halten.
Im Oktober 2006 lancierte die Regierung eine Kampagne gegen die zunehmende Verbreitung des Kopfschleiers in der Öffentlichkeit. Sie bezeichnete den "Hidschab" als politisches Symbol. Die Sicherheitskräfte gingen daraufhin dazu über, Frauen auf der Straße zum Teil handgreiflich zum Abnehmen des Schleiers aufzufordern. Bereits seit 1981 ist das Tragen einer islamischen Kleidung auch in der Öffentlichkeit untersagt; das Verbot wurde aber bisher nie konsequent umgesetzt. Tunesien hat darüber hinaus ein ausgereiftes System für Internetzensur aufgebaut.
Zum Jahreswechsel 2006/2007 gab es auch in Tunis heftige Gefechte zwischen bewaffneten Islamisten und Sicherheitskräften. Dabei wurden offiziellen Angaben zufolge zwölf Terroristen und zwei Polizisten getötet, 15 Islamisten konnten festgenommen werden. Die Regierung versuchte zunächst, die Vorfälle herunterzuspielen; erst zwei Wochen später räumte man ein, dass es sich bei den Bewaffneten um eine radikal-islamische Gruppierung handelte, die mit Algerien in Verbindung stand. Später meldete die Polizei, bei den Festgenommenen Pläne für Angriffe auf die britische und US-amerikanische Botschaft sowie auf ein Einkaufszentrum in der Nähe des Flughafens gefunden zu haben. Mitte Mai 2007 erging gegen 30 Personen Anklage wegen terroristischer Umtriebe und Gefährdung der inneren Sicherheit. Tunesien gilt als ein Polizeistaat.
[Bearbeiten] Verwaltungsgliederung
Tunesien ist in 24 Gouvernorate gegliedert, deren geographische Größe ihrer Einwohnerzahl angepasst ist:
[Bearbeiten] Wirtschaft
| Entwicklung des BIP (nominal) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| absolut (in Mrd. US$) | |||||||||
| Jahr | 2004 | 2005 | 2006 | 2006 | |||||
| BIP in Mrd. US$ | 28,3 | 29,0 | 31,0 | ~ 35,0 | |||||
| je Einwohner (in US$) | |||||||||
| Jahr | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | |||||
| BIP je Einw. (in US$) |
2846 | 2891 | ~ 3044 | ~ 3398 | |||||
| Entwicklung der Inflationsrate | |||||||||
| in % gegenüber dem Vorjahr | |||||||||
| Jahr | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | |||||
| Inflationsrate | 3,6 | 2,0 | 4,5 | 3,1 | |||||
| Entwicklung des Haushaltssaldos | |||||||||
| in % des BIP („minus“ = Defizit im Staatshaushalt) |
|||||||||
| Jahr | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | |||||
| Haushalts- saldo |
- 2,8 | - 3,2 | 2,9 | 3,0 | |||||
| ~ = geschätzt | |||||||||
| Quelle: bfai[21] | |||||||||
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist seit 20 Jahren stetig gestiegen. Dies war aufgrund der politischen Stabilität und Kontinuität im Land möglich. Tunesien wird deshalb von der OECD als Schwellenland eingestuft. 2007 wuchs das BIP um 6,3 %. Für 2008 soll sich das Wachstum leicht abschwächen, aber noch oberhalb von 5% liegen.[22] Problemfelder sind die steigenden Nahrungsmittelpreise, die zu sozialer Instabilität führen könnten, die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und die hohe Belastung des Staatshaushaltes durch Subventionen. Die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und 2006 einen Bestand von 21.779 Mio US$ erreicht. Die Arbeitslosenquote lag 2006 bei 14,3 %, die Inflationsrate bei 4,5 %.
Charakteristisch für die tunesische Wirtschaft ist die hohe Ausrichtung an Europa, sowohl was den Außenhandel, als auch was die Tourismusbranche betrifft. Das Land kann sich deshalb vom Konjunkturzyklus in der EU nicht abkoppeln. Zwischen 1999 und 2002 lag der Anteil der Staatsausgaben für das Gesundheitssystem bei 6 %, für das Bildungssystem bei 20 % und für das Militär bei 5 %.
[Bearbeiten] Landwirtschaft
Die Landwirtschaft beschäftigt 16% der Arbeitskräfte und erwirtschaftete 2007 einen Anteil von 11,5% am BIP. Im nördlichen Landesteil werden vor allem Getreide (Weizen, Gerste), Zitrusfrüchte, Datteln und Gemüse angebaut sowie Rinder gehalten. Charakteristisch sind die ausgedehnten Olivenkulturen; Tunesien ist einer der bedeutendsten Exporteure von Olivenöl. Bedeutend ist auch der Weinbau. Im Süden gibt es vereinzelt Oasenwirtschaft und extensive Viehzucht (Schafe, Ziegen).
Die Landwirtschaft verbraucht 80% des Süßwassers des Landes, die bewässerte Fläche ist von 65.000 Hektar (1956) auf heute 345.000 Hektar angestiegen. Der Sektor ist jedoch relativ unproduktiv und stagniert praktisch seit 1992; die Weltbank empfiehlt eine weitere Deregulierung, was jedoch mit den Armutsbekämpfungszielen der Regierung nicht vereinbar ist. Des Weiteren ist die Landwirtschaft von Desertifikation und Bodenerosion betroffen, jedes Jahr gehen 20.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Nachdem die Weltmarktpreise für jene landwirtschaftlichen Produkte, auf deren Import Tunesien angewiesen ist, in den letzten Jahren stark gestiegen sind, hat die Regierung das Erreichen der Autarkie zum Ziel erklärt.[22][23][3]
Im Jahr 2006 wurden in Tunesien fast 110.000 Tonnen Fisch produziert, das meiste davon in intensiv bewirtschafteten Küstengewässern. Die Regierung versucht, die Hochseefischerei zu entwickeln; die Kühl- und Hafeninfrastruktur dafür steht mittlerweile zur Verfügung.[23]
[Bearbeiten] Bodenschätze und Energie
Die wichtigsten Bodenschätze sind Phosphate, Erdöl, Gold, Erdgas, Eisenerze, Zink sowie Blei. Für Januar 2006 wurden die Erdölreserven Tunesiens auf 308 Millionen Barrel geschätzt.[24] Im Jahr 2005 wurden täglich 75.000 Barrel Öl gefördert. Tunesien ist somit nur sein sehr kleiner Ölproduzent. In Tunesiens Erdöl- und Erdgasförderung wurde in den letzten Jahren viel investiert und die Förderung wird 2009 bei etwa 8,4 Millionen Tonnen Öläquivalent liegen. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber 2005 von 50%.[22] Dies hatte für das Jahr 2007 erstmals seit langem eine ausgeglichene Energiebilanz zur Folge. Neben eigener Förderung bekommt Tunesien kostenlose Gaslieferungen als Zahlung für die Pipeline von Algerien nach Italien, die über tunesisches Gebiet verläuft. Die eigene Förderung von Energieträgern hilft dabei, die Effekte der steigenden Weltmarktpreise für Energie abzumildern.[22] Tunesien hat nur eine einzige Raffinerie, die in Bizerta liegt und von der Société Tunisienne des Industries de Raffinage (STIR) betrieben wird. Sie hat aber nur eine Kapazität von 34.000 Barrel pro Tag.[24] Eine weitere Raffinerie in Skhira ist in Bau, sie wird eine Kapazität von 6 Millionen Tonnen pro Jahr haben.[22]
Im Jahr 2006 wurden in Tunesien 12,85 Milliarden Kilowattstunden elekrtische Energie erzeugt. Davon kamen 12,66 Milliarden aus konventionellen Wärmekraftwerken.[25] Diese werden größtenteils mit Erdgas betrieben. Erneuerbare Energien spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle, vor allem wird in die Gewinnung von Energie aus Wind investiert. Die staatliche Société Tunisienne de l'Electricité et du Gaz (STEG) hatte bis 1996 ein Monopol auf die Stromerzeugung und -Vermarktung, und sie hat bis heute den größten Marktanteil.[24] Sie gibt an, dass 96% des Landes Zugang zu elektrischer Energie hat.
[Bearbeiten] Industrie
Der Industriesektor machte 2005 29 % am BIP aus und 32 % aller Erwerbstätigen sind hier beschäftigt.
Der wichtigste Industriezweige ist die Textil- und Lederbranche. 40% aller Industrieunternehmen sind dieser Branche zuzurechnen, sie beschäftigen 43% der in der Industrie angestellten Arbeitskräfte und erwirtschaften 35% des Exportwerts. Die Textilindustrie hatte 2007 ein Wachstum von 5,6%, obwohl nach der Aufhebung des Multifaserabkommens eine Krise befürchtet worden war. Es ist zu erwarten, dass ein Teil der Unternehmen die jetzt stärkere Konkurrenz aus der Türkei, Ägypten und Fernost nich überleben wird. Für den Fall einer ernsthaften Krise der Textilindustrie werden Schwierigkeiten für die gesamte tunesische Wirtschaft und ernste soziale Konsequenzen befürchtet.[22]
Die chemische Industrie ist vor allem auf die Verarbeitung der tunesischen Phosphatvorkommen ausgerichtet. Sie erhält momentan vom Weltmarkt, wo Phosphatdünger eine starke Nachfrage erleben, starke Impulse, weshalb mehrere Anlagen zur Herstellung von Phosphorsäure im Bau sind.
Der Maschinenbau- und Elektrotechniksektor hat in den Jahren an Bedeutung stark gewonnen, vor allem durch die Auslagerung der Produktion von Kfz-Teilen. Für die Bauindustrie wird ein Boom vorhergesagt, weil einige Großprojekte der Regierung und von arabischen Entwicklungsgesellschaften anstehen. Weiters ist die Nahrungs- und Genussmittelindustrie bedeutsam, sie konzentriert sich auf die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte des Landes.
[Bearbeiten] Verkehr
Tunesien verfügt über ein Straßennetz von fast 19000 km, davon 257 km Autobahnen, fast 12500 km befestigter Straßen, der Rest unbefestigt.[26] Der Bau der Straßen begann in den 1880er Jahren. Ab den 1920er Jahren begann man, die Küstenstraße (die heutige Route nationale 1) von Tunis über Sfax und Sousse nach Gabès zu bauen. Es folgte eine Vernetzung der Straßen im Norden des Landes, während das Landesinnere bis in die 1950er bis 1970er Jahre auf seine verkehrsmäßige Erschließung warten musste. Die erste Autobahn wurde 1986 eingeweiht.
Der Personenverkehr wird größtenteils per Straße abgewickelt, entweder per Bus, der vor allem von der staatlichen Société nationale de transport inter-urbain angeboten wird. Daneben sind Sammeltaxis beliebt, die in Tunesien louage genannt werden.
Tunesien hat 2145 Kilometer Eisenbahnstrecke, das größtenteils aus der Kolonialzeit stammt, und 200 Bahnhöfe. Der Fernverkehr und die Vorortebahn von Tunis werden von der staatlichen SNCFT betrieben, während die Société des transports de Tunis die TGM und die U-Bahn Tunis verwaltet.
Es gibt 30 Flughäfen in Tunesien, davon sieben internationale Flughäfen. Die wichtigsten sind Flughafen Tunis, Monastir und Djerba. Tunis bekommt einen neuen Flughafen, der 2009 in Betrieb gehen soll und eine Kapazität von 5 Millionen Passagieren haben soll. Tunesien wird im Linien- wie im Charterverkehr von vielen europäischen Flughäfen aus direkt angeflogen. Neben der 1948 gegründeten nationalen Flugline Tunisair gibt es zwei weitere, private Fluggesellschaften, nämlich Nouvelair Tunisie und Karthago Airlines.
Tunesien hat Handelshäfen in Bizerta, Gabès, La Goulette, Radès, Sfax, Sousse, Skhira und Zarzis. Sie unterstehen alle der staatlichen Hafenbehörde Office de la Marine Marchande et des Ports, gelten aber als nicht besonders effizient. Im 100km südlich von Tunis gelegenen Enfidha wird deshalb ein Tiefseehafen gebaut, der 1,4 Milliarden Euro kosten wird und 5 Mio TEUs pro Jahr umschlagen kann.[27]
[Bearbeiten] Telekommunikation
Logistik und Informationstechnologie sind die momentan am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereiche Tunesiens, das Wachstum betrug 2007 14%. Dieser Sektor hat auch in der langfristigen wirtschaftlichen Strategie der Regierung einen hohen Stellenwert. In den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur sollen in den nächsten Jahren fast 4 Milliarden Euro investiert werden und es wird erwartet, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre der Anteil dieses Sektors am BIP auf 27,5% steigt. Bereits jetzt hat Tunesien einen sehr hohen Rang im Network Readiness Index; es liegt vor einigen EU-Staaten und nimmt unter den arabischen Staaten den zweiten Platz ein.[22]
Für März 2008 wurde die Zahl der tunesischen Internetnutzer mit 1,77 Millionen angegeben, es gab 204.000 Internetanschlüsse, davon 106.000 ADSL-Anschlüsse.[22]
[Bearbeiten] Tourismus
Tunesien hat mit 1300 Kilometern Küste, zumeist mit Sandstrand, und einem reichen kulturellen Erbe ein großes touristisches Potential. Der Fremdenverkehr hat sich somit seit Anfang der 1970er Jahre auch zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt und erwirtschaftete 2007 14,7% des BIP[21]. Hatte Tunesien 1971 221 Beherbergungsbetriebe mit 41.000 Betten, so waren es 2005 816 Betriebe mit fast 230.000 Betten.[28] 2007 besuchten 6,7 Millionen Auslandsgäste Tunesien; die Einnahmen beliefen sich auf 3,05 Milliarden Dinar. Ziele sind Küstenorte wie Hammamet, Nabeul, Sousse und Port El-Kantaoui, Monastir sowie die Insel Djerba Erholung; von hier aus werden die Wüste Sahara im Süden erkundet oder archäologische Fundstellen wie Karthago, nahe der im Norden des Landes gelegenen Hauptstadt Tunis, besichtigt.
Etwas mehr als die Hälfte der Touristen stammen aus Europa, danach folgen die Nachbarländer Libyen und Algerien. 2001 besuchten etwa eine Million Touristen aus Deutschland Tunesien, diese Zahl hat sich seitdem um 50% reduziert. Das Tourismusministerium Tunesiens versucht, in Europa gezielt Werbung zu schalten, um das Land vom billigen Image zu befreien. Der Erfolg ist bisher ausgeblieben, direkte Konkurrenten am Tourismusmarkt wie Ägypten, Marokko oder die Türkei haben höhere Zuwächse an Besuchern und Umsätzen zu verzeichnen.[22]
[Bearbeiten] Außenwirtschaft
| Haupthandelspartner (2007) | |||
|---|---|---|---|
| Ausfuhr (in %) nach | Einfuhr (in %) von | ||
| Frankreich | 32,2 | Frankreich | 21,4 |
| Italien | 23,3 | Italien | 19,3 |
| Deutschland | 8,2 | Deutschland | 7,9 |
| Spanien | 5,2 | Spanien | 4,7 |
| Libyen | 4,6 | Libyen | 3,4 |
| Großbritannien | 4,3 | VR China | 3,4 |
| Belgien | 2,4 | USA | 3,0 |
| sonstige Länder | 19,8 | sonstige Länder | 36,9 |
| alle EU-Länder zusammen | 74,1 | alle EU-Länder zusammen | 78,8 |
| Quelle: bfai[21] | |||
Die tunesischen Exporte stiegen im Jahr 2007 um 25% gegenüber dem Vorjahr, während die Importe um 22% zulegten. Diese Zahlen sind vor allem auf die leichte Abwertung des Dinar gegenüber dem Euro sowie auf die gestiegenen Preise für Rohöl, das exportiert, und für Ölprodukte, die reimportiert werden, zurückzuführen.
Europa ist für Tunesien der mit großem Abstand wichtigste Handelspartner: Etwa drei Viertel der Einfuhren stammen aus Europa, und für 80% der Ausfuhren ist Europa der Abnehmer. Frankreich, Italien und Deutschland sind, traditionell in dieser Reihenfolge, die bedeutendsten Handelspartner.
Die wichtigsten Importgüter sind Lebensmittel, Raffinerieprodukte, Maschinen, Fahrzeuge, Telekom- und IT-Ausrüstung sowie Stoffe und Leder. Exportiert werden Textilien und Lederprodukte, Rohöl, Phosphatdünger und Phosphorsäure sowie Einzelteile für Kraftfahrzeuge.
Die Handelsbilanz Tunesiens ist negativ: Das Land importiert mehr, als es exportiert. Das Defizit wird durch den Tourismus und die Zahlungen der Tunesier an die zu Hause gebliebenen Verwandten ausgeglichen, so dass das Leistungsbilanzdefizit 3% des BIP ausmacht, das durch Direktinvestitionen aus dem Ausland gestopft werden muss.
Seit 2008 sind alle Zölle für Industriegüter zwischen Tunesien und der EU abgeschafft. Tunesien bemüht sich auch um ein Freihandelsabkommen mit den USA und um den wirtschaftlichen Zusammenschluß mit Libyen, Algerien, Marokko und Mauretanien zur Arabischen Maghreb-Union. Bei beiden letzteren ist aber noch kein Ergebnis abzusehen.[22]
Die Währungsreserven Tunesiens beliefen sich Ende Mai 2008 auf 8,6 Milliarden US$.
[Bearbeiten] Wirtschaftskennzahlen
Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:
| Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| in % gegenüber dem Vorjahr | ||||||||||
| Jahr | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 |
| Veränderung in % gg. Vj. |
5,4 | 4,8 | 6,1 | 4,7 | 4,9 | 1,7 | 5,6 | 6,0 | 4,2 | ~ 5,8 |
| Quelle: bfai[29] | ~ = geschätzt | |||||||||
| Hauptprodukte des Außenhandels (2005) | |||
|---|---|---|---|
| Ausfuhrgüter (Anteil in %) | Einfuhrgüter (Anteil in %) | ||
| Konsumgüter | 43,9 | Roh- und Halbwaren | 30,3 |
| Roh- und Halbwaren | 25,4 | Konsumgüter | 29,6 |
| Energie | 12,9 | Investitionsgüter | 21,0 |
| Lebensmittel | 9,1 | Energie | 13,1 |
| Quelle: bfai | |||
| Entwicklung des Außenhandels | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| in Mrd. US$ und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in % | ||||||||
| 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | |||||
| Mrd. US$ | % gg. Vj. | Mrd. US$ | % gg. Vj. | Mrd. US$ | % gg. Vj. | Mrd. US$ (1.Hj.) |
% gg.Vj. | |
| Einfuhr | 10,3 | 14,4 | 11,6 | 12,6 | 13,1 | 12,9 | ?? | ?? |
| Ausfuhr | 8,0 | 15,9 | 9,0 | 12,5 | 10,5 | 16,7 | ?? | ?? |
| Saldo | - 2,3 | - 2,6 | - 2,6 | ?? | ||||
| Quelle: bfai | ||||||||
[Bearbeiten] Kultur
[Bearbeiten] Allgemeines
Tunesien ist bekannt für die große Zahl der erhaltenen römischen Mosaiken. Die bedeutendsten archäologischen Fundstücke werden im Museum Le Bardo aufbewahrt. In Tunesien befindet sich El Djem, das besterhaltene römische Amphitheater Nordafrikas. Es hat ein Fassungsvermögen von 45.000 Zuschauern und wird noch heute für Konzerte genutzt.
Da Tunesien über die Jahrhunderte mehrere Einwanderungswellen aus Arabien, Spanien, Frankreich, der Türkei, Westafrika und den Berber-Reichen erlebte, unterscheiden sich die Tunesier in ihrem Aussehen und Kulturleben etwas von anderen arabischen Kulturnationen, wie z. B. Saudi-Arabien, Jemen oder Libyen. Dies äußert sich im Stadtbild (z. B. Place de Barcelone in Tunis oder besonders das maurisch-andalusische Viertel Sidi Bou Saïd, Straßenbeschilderungen und Geschäftsschilder sind meistens auf französisch), in der Töpferei- und Keramikkunst (z. B. in Nabeul), zahlreichen Bauten verschiedenster Epochen (z. B. das Fort im Golf von Hammamet), der tunesischen Küche (z. B. Baguette, Käse, Croissant sowie einigen Berbergerichten wie z. B.: Brik und dem beliebten „Makkarona“ aus Italien).
[Bearbeiten] Literatur
In Tunesien spielt sich das Literaturleben in zwei Sprachen ab: in arabisch und französisch. Die arabische Literatur existiert seit dem 7. Jahrhundert, als die arabische Zivilisation sich auf das Gebiet Tunesiens ausbreitete; französischsprachige Literatur gibt es erst seit 1881.[30] Heute hat die arabischsprachige Literatur ein höheres Gewicht als die französischsprachige: Von den 1249 literarischen Neuerscheinungen des Jahres 2002 waren 885 in arabisch;[31] mehr als ein Drittel der Neuerscheinungen waren Kinderbücher.[31] Alles in allem ist das literarische Schaffen in Tunesien also, trotz seiner langen Geschichte, heute sehr überschaubar. Wichtige tunesische Autoren sind Abu al-Qasim asch-Schabbi, Moncef Ghachem und Mahmoud Messadi, weitere finden sich in der Liste tunesischer Schriftsteller.
[Bearbeiten] Musik
Die Musik Tunesiens ist ist das Resultat der kulturellen Vermischung aus arabisch-andalusischer Musik, die Flüchtlinge nach der spanischen Eroberung Andalusiens im 15. Jahrhundert mitbrachten, arabischer und westlicher Musik. Sie hat viele Facetten; die berühmteste klassische Musikrichtung ist der Malouf. Er wird von kleinen Orchestern gespielt, bestehend aus Violine, Trommel, Sitar und Laute (Oud). Klassische Gesänge haben bis heute Erfolg beim Publikum. Abgesehen von der Instrumentierung unterscheiden sich städtische und ländliche Musik kaum. Im städtischen Umfeld dominieren Saiteninstrumente wie das Rebec, der Oud und das Kanun sowie die Trommel (Darbouka). Im ländlichen Milieu und den Gesängen der Beduinen dominieren neben der Perkussion die Blasinstrumente wie der Mezoued und die Gasba.
Unter den bedeutendsten Sängern des Landes sind Saliha, Khemaïs Tarnane, Ali Riahi, Hédi Jouini, Latifa Arfaoui, Mohamed Jamoussi, Cheikh El Afrit und Dhikra Mohamed zu nennen. Unter den Instrumentalisten sind der Oud-Spieler Anouar Brahem, Lotfi Bouchnak, Salah El Mahdi, Ridha Kalaï, Ali Sriti und Youssef Slama die wichtigsten. El Azifet ist ein reines Frauen-Orchester, eine Seltenheit im arabischen Raum. Baron Erlanger ist eine wichtige Figur der modernen tunesischen Musik. Er sammelte die Regeln und Geschichte des Malouf, welches 6 Bände füllte, und gründete eine Rachidija, ein wichtiges Konservatorium, welches heute noch genutzt wird.
Die Bevölkerung Tunesiens wird heute auch von ausländischer Musik angezogen, wobei hier vor allem die ägyptische, libanesische und syrische Musik einflussreich sind. Westliche Musik kommt in Form von Rockmusik, Hip-Hop, Reggae und Jazz in das Land.
[Bearbeiten] Kunsthandwerk
Teppiche, Webereien, Trachten, Lederverarbeitung, Holzverarbeitung, Metallverarbeitung (Schmieden, Kupfer), Schmuck, Korallen, Silber, Keramik, Töpferei, Glas, Mosaiken, Korbwaren aus Halfagras etc.
[Bearbeiten] Sport
Der wichtigste und meistbetriebene Sport in Tunesien ist der Fußball, sowohl was die Zahl der ihn Ausübenden, als auch was die Berichterstattung betrifft. Danach folgen Taekwondo, Handball, Volleyball, Judo, Karate, Leichtathletik und Tennis.[32] Alle anderen Sportarten, wie etwa der Radsport, sind wenig verbreitet, was an fehlender Infrastruktur, Ausrüstung und geringem Medieninteresse liegt.[33]
Die tunesische Fußballnationalmannschaft kann bisher vier Weltmeisterschaftsteilnahmen (1978, 1998, 2002 und 2006) vorweisen, wobei sie jeweils jedoch in der Vorrunde ausschied. An der Fußball-Afrikameisterschaft nahm Tunesien 13 Mal teil und gewann den Titel 2004.
